Bayerische Verwaltungsschule

von Emma Mages

Die 1920 als Ausbildungseinrichtung für Beamte gegründete Schule übernahm nach 1945 auch die Ausbildung für das Sparkassenwesen und den Polizeivollzugsdienst. Von 1975 bis 1983 mussten die Haupttätigkeitsbereiche an die Beamtenfachhochschule und die Sparkassenakademie abgeben werden. Der Wirkungskreis wurde seitdem neu definiert.

Gründung 1920 und Entwicklung bis 1945

Die Bayerische Verwaltungsschule ging aus der 1919 gegründeten Bayerischen Gemeindebeamtenkammer, einer öffentlich-rechtlichen Beamtenvertretung, hervor. Zu deren Aufgaben gehörten die Organisation des Vorbereitungsdienstes der Beamten und die Errichtung entsprechender Fachschulen. Dafür wurde am 1. November 1920 eine "Fachausbildungsabteilung" geschaffen. Da zunehmend staatliche Beamte auszubilden waren, entschied sich die Gemeindebeamtenkammer am 19. Januar 1926 für die Umbenennung der Abteilung in "Bayerische Verwaltungsschule". Die Ausbildung erfolgte weitgehend durch Lehrbriefe in Fernlehrgängen.

Die Nationalsozialisten lösten die Bayerische Gemeindebeamtenkammer 1934 auf. Zuvor schloss die Kammer noch einen Vertrag mit dem Bayerischen Gemeindetag, inzwischen eine Unterabteilung des Deutschen Gemeindetags, über die Übernahme der Schule. 1940 erhielt die Einrichtung den Namen "Bayerische Gemeindeverwaltungs- und Sparkassenschule".

Neuorganisation seit 1946

Nach Kriegsende 1945 verbot die US-Militärregierung den Deutschen Gemeindetag. Die Schule musste einen neuen Rechtsträger finden. Es kam rasch zu Verhandlungen über eine Wiederbegründung. Der Ministerrat verabschiedete am 21. Dezember 1945 das Gesetz über die Bayerische Verwaltungsschule, das nach Genehmigung durch die Militärregierung am 20. Juni 1946 in Kraft trat. Die Bayerische Verwaltungsschule erhielt den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie wurde vom Freistaat Bayern, den kreisfreien Städten, den Landkreisen und dem Sparkassen- und Giroverband betrieben und bildete die Dienstanfänger und Anwärter für den mittleren und gehobenen Verwaltungsdienst aus. Bereits am 9. Mai 1946 wurde der Lehrbetrieb in Utting am Ammersee aufgenommen. Die zentrale Ausbildungsstätte befindet sich seit 1949 in Holzhausen am Ammersee. 1961 eröffneten Lehrabteilungen in München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg für die Nachwuchskräfte des mittleren Polizeivollzugsdienstes. Ein viel genutztes Angebot waren die nach Bedarf durchgeführten Ortslehrgänge.

Neuer Wirkungskreis seit 1975

Nach dem Beamtenfachhochschulgesetz vom 1. Oktober 1974, das den Bau der Beamtenfachhochschule Hof in die Wege leitete, gab die Verwaltungsschule nach einer Übergangsphase von 1975 bis 1983 den wichtigsten Bereich, die Durchführung des Fachstudiums für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungdienst, ganz ab. Nach der Verstaatlichung der kommunalen Polizei wurde 1975 auch die Ausbildung des kommunalen Polizeivollzugsdienstes eingestellt, dann 1982 die Sparkassenausbildung an die neu gegründete Sparkassenakademie Landshut übertragen.

Den neuen Schwerpunkt bildete die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Zu wichtigen Tätigkeitsbereichen entwickelten sich verschiedene Fortbildungen, die Aufbauhilfe für die neuen Länder, der technische Umweltschutz (Ausbildung im neuen Beruf Ver- und Entsorger), die Begleitung des Reformprozesses in der Verwaltung und Kontakte zum Ausland. 1995 gründete die Bayerische Verwaltungsschule mit dem Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft die Bayerische Akademie für Verwaltungsmanagement mit Sitz in München (Ridlerstraße).

Ausbildungsstätten

Neben dem Bildungszentrum Holzhausen wurden bzw. werden Ausbildungsstätten in München (Bayerstraße, 1993 Umzug in das Bildungszentrum Ridlerstraße), Bad Tölz, Odelzhausen und Neustadt a.d.Aisch (Bildungszentrum seit 1984) betrieben. 1998 wurde das Bildungszentrum für den technischen Umweltschutz in Lauingen eingeweiht. Die Geschäftsstelle der Bayerischen Verwaltungsschule befindet sich in München (seit 1996 in der Ridlerstraße).

Entwicklung seit 1998

1998 erhielt die Bayerische Verwaltungsschule eine neue gesetzliche Grundlage. Die Rechtsform ist eine dienstherrnfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltungsrecht. Die Trägerschaft liegt beim Freistaat Bayern, den bayerischen Gemeinden, Landkreisen und Bezirken. Sie nehmen ihre Rechte durch Vertreter im Verwaltungsrat wahr. Kernaufgaben sind die Aus- und Fortbildung für die Träger und andere Organisationen und sich darüber hinaus ergebende Geschäftsfelder. Die Finanzierung erfolgt in erster Linie über Gebühren für Lehrgänge, Prüfungen, Unterkunft und Verpflegung. Soweit die Kosten dadurch nicht abgedeckt werden, kann der Aufwand bis zu einer Höhe von 12,5 % der Ausgaben der Verwaltungsschule durch Umlagen von den Trägern erhoben werden. Seit 2005 firmiert die Bayerische Verwaltungsschule unter der Abkürzung BVS mit dem Zusatz "Kompetenz.Wissen.Erfolg", um das breite Bildungsangebot der Einrichtung nicht durch den alten Namen einzuschränken.

Literatur

  • 50 Jahre Bayerische Verwaltungsschule 1920-1970, München 1970.
  • 75 Jahre Bayerische Verwaltungsschule 1920-1995, Stuttgart/München 1995.
  • Bayerische Verwaltungsschule. Aufgaben und Organisation, München 2. Auflage 1990.
  • Corporate design. Das neue Erscheinungsbild der BVS, in: Wissenswert 01 (2005), 12f.
  • Jürgen Harbich, Wandel und Identität der Bayerischen Verwaltungsschule. Ein Rückblick auf die letzten 30 Jahre (Schriften der Freunde der Bayerischen Verwaltungsschule 2), Lauingen 2005.

Quellen

  • Bayerischer Regierungsanzeiger 1934, 58.
  • Bayerisches Gesetz- und Verordnungsblatt 1998, 290-292.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Emma Mages, Bayerische Verwaltungsschule, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische Verwaltungsschule> (18.12.2017)