Bayerische Landessiedlung GmbH

Oberbayerischer Typ eines landwirtschaftlichen Siedlerhauses (aus: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München 1927, S. 47).
Landwirtschaftliche Siedlung Neubiberg bei München 1924 (aus: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München 1927, S. 48)
Landwirtschaftliche Siedlung Gröbenzell bei München 1924 (aus: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München 1927, S. 48).
Ländliche Kleinsiedlung eines abgebauten Beamten in Gröbenzell bei München 1925 (aus: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München 1927, S. 48).
von Michael Unger

1917 nach norddeutschem Vorbild vom bayerischen Staat gegründetes gemeinnütziges Unternehmen zur Förderung des Siedlungswesens, insbesondere im ländlichen Raum. Gesellschafter waren außer dem Staat überwiegend öffentliche Körperschaften, wie Gemeinden, Handels- und Handwerkskammern oder Landesversicherungsanstalten. Neben agrar- und bevölkerungspolitischen Motiven stand dabei die Bewältigung der sozialen und wirtschaftlichen Kriegsfolgen im Vordergrund. Das Unternehmen besteht nach mehreren organisatorischen Umbrüchen und mit veränderten Schwerpunkten in der Geschäftstätigkeit bis heute.

Gründung 1917

Vorläufer des Unternehmens waren die im Januar 1917 beim bayerischen Innenministerium errichtete Landessiedlungsstelle und der Landessiedlungsausschuss. Im Rahmen der Kriegswohlfahrtspflege sollten vorzugsweise Kriegsinvaliden und -witwen mit Darlehen und Grundstücken versorgt werden, um selbständig kleinbäuerliche oder gärtnerische Existenzen zu gründen.

Am 17. Juli 1917 entstand die Bayerische Landessiedlung, deren Aufgabenkreis zusätzlich zur ländlichen auch die vorstädtische und städtische Siedlung umfasste. Durch den vorübergehenden Erwerb sowie die Vermittlung von Grundstücken und Hypotheken sollte sie kleinbäuerlichen Besitz, Landarbeiterstellen und Wohnstätten für Mittelständler schaffen und erhalten. Eine Umsetzung dieser Maßnahmen gelang während des Kriegs nur ansatzweise.

Weimarer Republik

Unter dem Druck der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg fand das Siedlungswesen parteiübergreifend Zuspruch. Eine umfassende Gesetzgebung auf Reichs- und Landesebene schuf 1919/20 neue rechtliche Grundlagen und verlieh der Landessiedlung mit dem Enteignungs- und Vorkaufsrecht wirksame Instrumentarien für eine erfolgreichere Geschäftstätigkeit. Infolge eines Landtagsbeschlusses erhielt die Gesellschaft am 6. August 1920 die neue Bezeichnung "Bayerische Siedlungs- und Landbank GmbH". Als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen für den Freistaat Bayern im Sinne des Reichssiedlungs- und Reichsheimstättengesetzes galt ihr Auftrag fortan der Herstellung und Unterhaltung klein- und mittelbäuerlichen Besitzes, der Vergrößerung landwirtschaftlicher Zwergbetriebe und der Förderung sonstiger, der Ansiedlung dienender Einrichtungen. Erwerb und Veräußerung land- und forstwirtschaftlicher Liegenschaften standen unter dem Vorzeichen der Verhinderung von Bodenspekulation und unwirtschaftlicher Güterzertrümmerung.

Besonders während der Inflationszeit zu Beginn der 1920er Jahre bewährte sich diese Regelung. Mehrfache Erhöhungen erfuhr ab 1920 das Stammkapital, an dem der Staatsanteil 75 % betrug. Einen deutlichen Aufschwung erlebte die Geschäftstätigkeit während der Zeit wirtschaftlicher Konsolidierung ab 1923/24, um infolge der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre stark einzubrechen. Während 1927 1.791 Ansiedlungen errichtet und 1.797 bestehende Betriebe aufgestockt wurden, sank die Zahl der Ansiedlungen 1932 auf 396, die der Aufstockungen auf 513.

Insgesamt erwarb die Siedlungs- und Landbank bis zu ihrer Umgestaltung 1935 über 41.000 ha Land, errichtete 3.095 bäuerliche Vollerwerbsstellen, 6.290 Landarbeiterstellen sowie 1.342 Kleinsiedlungen und stockte 14.868 bestehende Betriebe auf. Trotz dieser Bilanz blieben die Erfolge deutlich hinter den öffentlichen Erwartungen zurück.

"Drittes Reich"

Personelle und organisatorische Veränderungen brachte die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933. Erneut änderte die Gesellschaft ihren Namen 1935 in "Bayerische Bauernsiedlung GmbH". Ihr Geschäftsgebiet erweiterte sich auf die Saarpfalz. Aufgrund erheblicher Preissteigerungen, die im gesetzlichen Schutz der sog. "Erbhöfe" und dem erhöhten Landbedarf der öffentlichen Hand begründet lagen, wurde zu Siedlungszwecken verstärkt die Kultivierung von Öd- und Moorland vorangetrieben. Kriegsbedingt schränkte sich die Geschäftstätigkeit ab 1942 erheblich ein, neue Projekte wurden nicht mehr durchgeführt. Bis dahin hatte die Bauernsiedlung über 17.000 ha Land erworben, 1.020 bäuerliche Vollerwerbsstellen, 597 Landarbeiterstellen und 629 Kleinsiedlungen geschaffen sowie 4.769 Aufstockungen durchgeführt.

Entwicklung seit 1945

Neuerliche Aktualität gewann das Siedlungswesen nach dem Zweiten Weltkrieg, als zahlreiche heimatvertriebene Landwirte aus den Ostgebieten in Bayern zu integrieren waren. Diese Hauptaufgabe fiel der am 2. Mai 1947 vom Staat unter Beteiligung bayerischer Hypothekenbanken gegründeten "Bayerischen Landessiedlung GmbH" zu. Sie übernahm Einrichtung und Personal der 1949 in Liquidation getretenen Bayerischen Bauernsiedlung, nicht jedoch deren Rechtsnachfolge. Bis zur Mitte der 1970er Jahre gelang es mithilfe teilweise neuer rechtlicher Maßnahmen (u. a. Bodenreform), rund 25.000 vertriebene Landwirte wirtschaftlich einzugliedern.

Seitdem trat die klassische Neusiedlung immer mehr in den Hintergrund. Angesichts des Strukturwandels in der Landwirtschaft erweiterten sich die Aufgaben um raumordnerische und agrarstrukturpolitische Elemente. Dazu zählten Maßnahmen zur Dorferneuerung, Flurbereinigung und Nahbereichsplanung, aber auch die einzelbetriebliche Förderung in der Landwirtschaft und der Wohnungsbau. Im Unterschied zum früheren Kerngeschäft, dem Siedlungswesen, befindet sich die Landessiedlung dabei in einer Konkurrenzsituation mit anderen Mitbewerbern aus dem Gebiet der Landesplanung und dem Wohnungsbau.

Namen der Gesellschaft

Name Jahr
Bayerische Landessiedlung GmbH 1917-1920
Bayerische Siedlungs- und Landesbank GmbH 1920-1935
Bayerische Bauernsiedlung GmbH 1935-1945
Bayerische Landessiedlung GmbH seit 1947

Dokumente

Literatur

  • Wolfram Ruhenstroth-Bauer, Die Bayerische Landessiedlung GmbH als Instrument bayerischen Agrarpolitik unter besonderer Berücksichtigung der Eingliederung heimatvertriebener Landwirte, München 1976.
  • Hans Vohwinkel, Die Tätigkeit der Bayerischen Landessiedlung in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung, Erlangen 1926.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Bayerische Siedlungs- und Landesbank GmbH, Bayerische Bauernsiedlung GmbH

Empfohlene Zitierweise

Michael Unger, Bayerische Landessiedlung GmbH, publiziert am 06.06.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische Landessiedlung GmbH> (17.11.2017)