Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (BHS)

Werke der BHS 1927. (aus: Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Geschäftbericht für das Betriebsjahr 1927, Beilage)
Das Logo der BHS mit der Königskrone fand 1927-1933 und 1945-1970 Verwendung. (aus: Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Geschäftbericht für das Betriebsjahr 1950, Titelblatt)
Die seit 1927 bis 1945 bzw. 1951 amtierenden Vorstände Hörburger und Zieglmeier waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg für die staatliche Berg-, Hütten- und Salzwerke-Verwaltung tätig. (aus: Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg, nach S. 47)
Neubauten des Kohlenbergwerks Peißenberg 1955/56. (aus: Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Geschäftbericht für das Betriebsjahr 1956, S. 3)
Das BHS-Hüttenwerk Bodenwöhr 1964. (aus: Blab, Aus der Geschichte des BHS-Hüttenwerkes Bodenwöhr, S. 4)
Das neue Logo der BHS ohne Königskrone, das ab 1970 in Gebrauch war. (aus: Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Geschäftbericht für das Betriebsjahr 1971, S. 1)
Übersicht der Geschäftsfelder des BHS-Konzerns 1982. (aus: Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Geschäftbericht für das Betriebsjahr 1982, S. 23)
Das Verwaltungsgebäude der BHS in der Ludwigstraße in München, erbaut 1838/43 von Friedrich von Gärtner (1791-1847) für die „General-Bergwerks- und Salinen-Administration". Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs begann die BHS 1958/60 den Wiederaufbau des Gebäudes und trat dabei die Nordhälfte an die Universitätsbibliothek ab. (Privat)

von Florian Sepp

1927 gegründete staatseigene Aktiengesellschaft, welche die bisher als Ämter organisierten staatlichen Hüttenwerke, Salinen und Kohlegruben übernahm. Mit der Salzproduktion und den Torfwerken besaß die BHS zwei sehr stabile Geschäftsfelder. Krisenanfällig waren demgegenüber die Hüttenbetriebe und der Kohlebergbau. 1962 bis 1971 musste die BHS verschiedene Standorte schließen. Größter Einschnitt war der Ausstieg aus dem Kohlebergbau 1971. Aus dem Montanunternehmen war damit ein Mischkonzern mit sehr unterschiedlichen Betriebsfeldern geworden, der sich immer schwerer tat, Gewinne zu erzielen. 1991 verkaufte der Freistaat Bayern die BHS an die SKW Trostberg, die zwischen 1993 und 1998 die Werke der BHS veräußerte. Die BHS AG wurde daher 1997 mit der SKW verschmolzen. Der Name BHS blieb jedoch in verschiedenen Nachfolgeunternehmen erhalten.

Vorgeschichte: Die staatlichen Bergbaubetriebe bis 1927

Beginnend mit dem Erwerb von Salzsiederechten in Bad Reichenhall durch Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut (1455-1503, reg. 1479-1503) 1493 bis 1501 war der bayerische Staat, auch unter dem Einfluss des Merkantilismus, immer stärker als Montanunternehmer tätig geworden.

Der staatliche Montanbesitz unterstand seit 1823 der "General-Bergwerks- und Salinen-Administration", die bis 1869 auch die Aufgaben einer Bergbehörde (Überwachung privater Bergbaugesellschaften) übernahm. 1908 erhielt die Behörde mit Wirkung vom 1. Januar 1909 den Namen "Generaldirektion der Berg-, Hütten- und Salzwerke". Übergeordnete Stelle war das Staatsministerium der Finanzen; die Hütten- und Bergwerke vor Ort waren als Ämter organisierte Regiebetriebe.

Durch den Vertrag von Versailles 1919 verlor die Generaldirektion die ihr seit 1874 unterstehenden Steinkohlengruben St. Ingbert und Mittelbexbach im Saarpfalzgebiet.

Auf dem Weg zur Gründung der Aktiengesellschaft (1919-1927)

Seit 1919/20 wurde in den zuständigen Ministerien und im Landtag intensiv darüber diskutiert, die als Hemmschuh empfundene Behördenstruktur der Staatsbetriebe aus den 1820er Jahren in eine modernere Betriebsform zu überführen. Um den großen Beamtenstamm der Montanverwaltung abzubauen, wurden bereits seit 1921 keine neuen Beamten mehr eingestellt. Gleichzeitig wechselten die Betriebe ab 1924 von der kameralistischen zur kaufmännischen Buchführung.

Am 2. August 1922 beauftragte der bayerische Landtag die Staatsregierung, "eine Vorlage über die Betriebsumstellungen der staatlichen Werke auszuarbeiten und dem Landtage zur endgültigen Beschlußfassung vorzulegen." Die Betriebsform – die Diskussion tendierte in Richtung einer Aktiengesellschaft – ließ der Antrag offen, um auch den Linksparteien die Zustimmung zu ermöglichen.

Eine Verordnung der Regierung Knilling vom 31. März 1924 lautete dahingehend – vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags –, eine Aktiengesellschaft zu gründen, deren Aktien zu 100 % das Finanzministerium halten sollte (GVBl 1924, S. 138-139). Die Zustimmung des Landtags beantragte Finanzminister Wilhelm Krausneck (1875-1927) am 21. Mai 1926. Den nach Beratungen im Haushaltsausschuss im Dezember 1926 überarbeiteten Entwurf debattierte der Landtag vom 1. bis 3. Februar 1927 intensiv.

Statt per Verordnung erfolgte die Gründung der Aktiengesellschaft nun mittels eines Gesetzes. Der Landtag behielt sich außerdem die Zustimmung zum Gesellschaftsvertrag und zur Veräußerung der Aktien vor. Im Gegensatz zu ursprünglichen Planungen erhielt die neue Gesellschaft nicht nur die Ausbeutungsrechte, sondern auch das Eigentum an den Bergwerken. Streit entzündete sich an der Frage der Aufsichtsratsbesetzung und der Veräußerung von Liegenschaften. Da die Regierungsmehrheit hier dem Landtag keine Zustimmungsrechte einräumte, stimmte am 3. Februar 1927 die Opposition aus SPD, KDP und NSDAP gegen Gesetz und Gesellschaftsvertrag - jedoch ohne Erfolg.

Vergleichbare Vorgänge gab es auch in anderen deutschen Ländern: Württemberg überführte 1921 seine Hüttenwerke in die "Schwäbische Hüttenwerke GmbH" und verkaufte dabei die Hälfte der Anteile an den Gutehoffnungshütte-Konzern. Preußen gründete dagegen 1923/26 mit der "Preussag" eine staatseigene Aktiengesellschaft. Der Freistaat Bayern beteiligte sich 1921 an mehreren neu gegründeten Aktiengesellschaften, nämlich der Bayernwerk AG, Mittlere Isar AG, Walchenseekraftwerk AG sowie der Rhein-Main-Donau AG.

Die Gründung der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG 1927

Nachdem das am 3. Februar 1927 beschlossene Gesetz durch seine Verkündung am 1. April rechtswirksam geworden war, wurde die "Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG" am 23. April gegründet und am 21. Juni 1927 ins Handelsregister eingetragen. Alleiniger Aktionär der nicht börsennotierten Gesellschaft war der Freistaat Bayern. Die bisherigen Beamten wurden beurlaubt und als Angestellte übernommen. Sitz der Gesellschaft war weiterhin das Generaldirektionsgebäude in München. Die Betriebe wurden dezentral von kaufmännischen und technischen Direktoren geführt. Das Geschäftsjahr der Gesellschaft dauerte vom 1. Oktober bis 30. September (ab 1949: Kalenderjahr).

Die Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG übernahm folgende Betriebe:

  • Kohlenbergwerk Peißenberg: Abbau von oberbayerischer Pechkohle in Peißenberg und Peiting
  • Luitpoldhütte Amberg: Eisenerzgrube, Eisenverhüttung, Zementwerk, Schlackensteinfabrik
  • Berg- und Hüttenwerk Bodenmais: Erzeugung von Bodenmaiser Potée (Poliermittel für Glas), Maschinenfabrik
  • Hüttenwerk Bodenwöhr: Handelsgießerei, Emaillierwerk, Inoxydationsanstalt, Pumpenfabrik
  • Hüttenwerk Bergen: Maschinenfabrik und Hammerhütte (Sägewerksbedarf, Straßenwalzen, Eisenbahnbedarf)
  • Hüttenwerk Obereichstätt: Maschinenfabrik, Mühlenbauanstalt, Eisengießerei
  • Hüttenwerk Sonthofen: Maschinenfabrik und Eisengießerei
  • Hüttenwerk Weiherhammer: Maschinenfabrik, Röhrengießerei, Handelsgießerei
  • Salzbergwerk Berchtesgaden: Salzbergwerk und Saline
  • Saline Reichenhall
  • Saline Rosenheim
  • Torfwerk Raubling

Die BHS erhielt ferner das Torfwerk Kendlmühlfilz bei Rottau, das 1926 von der Forstverwaltung gepachtet und von dieser den Landestorfwerken GmbH überlassen worden war. 1940 verkaufte die BHS das Torfwerk an die Strafanstalt Bernau.

Die bald nach der Unternehmensgründung einsetzende Weltwirtschaftskrise traf die Betriebe der BHS unterschiedlich hart. Stark betroffen waren der Erzbergbau und die Hüttenwerke, konstant blieben die Marktverhältnisse bei Kohle, Salz und Torf. So reduzierten die Gießereibetriebe von 1930 bis 1932 ihre Produktion um zwei Drittel, der Personalstand der BHS sank von 6.152 Beschäftigten 1928 auf 3.669 im Jahr 1932.

Das Berg- und Hüttenwerk Bodenmais hatte mit dem dort abgebauten Bodenmaiser Potée (Polierrot für Spiegel) bis zum Ersten Weltkrieg eine Monopolstellung besessen. Der Wegfall der Absatzmärkte seit 1914 und die zunehmende Konkurrenz synthetischer Stoffe führten zu einer Absatzkrise. Auch nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Zwiesel-Bodenmais 1928 besserte sich die Situation nicht grundlegend. Wegen hoher Lagerbestände stellte das Werk 1931 Bergbau und Aufbereitung vorübergehend ein. Um die Erzbasis der Luitpoldhütte in Amberg zu verbreitern, erwarb die BHS noch gemeinsam mit der Maxhütte die stillliegende, vormals eisenerzfördernde Gewerkschaft Kleiner Johannes bei Pegnitz. Die Weltwirtschaftskrise verhinderte jedoch zunächst die Betriebsaufnahme in Pegnitz, die Luitpoldhütte unterbrach von 1930 bis 1933 Erzbergbau und Verhüttung.

Die beiden Maschinenfabriken Bergen und Obereichstätt, beide aus ehemaligen Holzkohlenöfenanlagen zur Eisenherstellung hervorgegangen, krankten am fehlenden Bahnanschluss und konnten schon vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr rentabel betrieben werden. 1932 wurden beide Betriebe aufgelöst und ihre Produktion nach Sonthofen bzw. Weiherhammer verlegt.

Die bayerischen Salinen befanden sich seit 1910 wegen der harten Konkurrenz der mitteldeutschen Kalisalzgruben in einem längerfristigen Umstrukturierungsprozess, der darauf zielte, die Produktion in Bad Reichenhall zu konzentrieren. 1912 war daher bereits die Saline Traunstein geschlossen worden. 1925/26 wurde die Saline Bad Reichenhall gründlich modernisiert (Umstellung von Brennholz auf Elektrizität und Pechkohle) und 1927 die Saline Berchtesgaden-Frohnreuth stillgelegt. Da die Nachfrage nach dem in Rosenheim produzierten Grobsalz sank, unterblieben Modernisierungen dieser Saline. Eine Schließung wurde daher immer wahrscheinlicher. Die 1932 mit der Erweiterung des Salzbergwerks Berchtesgaden abgeschlossenen Maßnahmen sicherten der BHS eine dauerhafte und sichere Einnahmequelle.

Die BHS im "Dritten Reich"

Die Entwicklung der BHS ab 1933 wurde sowohl von der seit 1932/33 wieder anziehenden Konjunktur als auch von der Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten beeinflusst. So verbesserte sich mit dem Autobahnbau die Auftragslage des auf Straßenmaschinen spezialisierten Hüttenwerks Sonthofen. Die Autarkiepolitik der Nationalsozialisten bedingte eine Verlagerung auf das Inlandgeschäft. Gleichzeitig mussten die Preise für Salz und Kohle auf dem Niveau von 1925 bzw. 1932 gehalten werden. Große Auswirkungen hatte das im Vierjahresplan von 1936 verkündete Ziel, Deutschland von Rohstoffimporten unabhängiger zu machen.

Ab 1935/36 nahm die BHS zusammen mit der Maxhütte den Doggererzbergbau der Gewerkschaft Kleiner Johannes bei Pegnitz wieder auf und begann mit der Erschließung neuer Gruben im Raum Vorra-Hohenstadt. Die BHS musste diese Abbaugebiete aber zusammen mit der Luitpoldhütte in Amberg zum 1. Oktober 1937 für 5,25 Mio Reichsmark an die - im Zuge des Vierjahresplans gegründeten - Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten "Hermann-Göring" verkaufen.

Ab 1937/38 plante die BHS den Abbau von Bleierzvorkommen bei Freihung in der Oberpfalz, die schon 1879-1890 ausgebeutet worden waren. Im Raum Lam (Oberpfalz) begann die erfolglose Suche nach Schwefelkies. Der 1941 beschlossene Bau eines elektrochemischen Werks in Bad Reichenhall wurde kriegsbedingt nicht verwirklicht.

Die Kohlenförderung in Peißenberg wurde im Zuge des Vierjahresplans ab 1936 durch die Erhöhung der täglichen Arbeitszeit und den Ausbau der Grube gesteigert (Bau des Wetterschachtes Hohenpeißenberg 1937-1945, Ausbau von Peiting).

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs stellten die Hüttenwerke, vor allem Sonthofen, ihre Produktion auf Rüstungsgüter um. Durch Einberufungen sank die Belegschaft der BHS von ca. 4.200 Mitarbeitern (1939) auf 3.500 (1944). Die Lücken schlossen bis zu 1.800 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene. Noch vor der Kapitulation mussten die Werke 1945 ihren Betrieb wegen Rohstoffmangel und Transportschwierigkeiten teilweise einstellen.

Kriegszerstörungen betrafen vor allem das Verwaltungsgebäude in der Münchner Ludwigstraße, das 1943 verwüstet wurde. Die Generaldirektion wurde 1944 nach Peißenberg und Bad Reichenhall verlegt. Die Produktionsstätten der BHS blieben jedoch fast unzerstört. Lediglich die in Erschließung befindliche Bleierzgrube Freihung lief im April 1945 wegen Stromausfall voll Wasser. Der Betrieb wurde nicht mehr aufgenommen.

Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder

Die BHS konnte nach Kriegsende selbständig unter Leitung des Vorstands weiterarbeiten: Die Besatzungsmacht setzte keinen Generaltreuhänder ein; die Struktur des Unternehmens mit der Dreiheit Kohle-Eisen-Salz blieb erhalten. Überlegungen zur Zusammenlegung der oberbayerischen Kohlegruben (neben dem BHS-Bergwerk in Peißenberg auch die Oberkohle in Hausham und Penzberg) sowie Demontagepläne für die Hüttenwerke Bodenwöhr, Sonthofen und Weiherhammer blieben ergebnislos.

Sowohl die Salzproduktion als auch der Kohlenabbau liefen daher ununterbrochen weiter. Probleme bereiteten der Mangel an Arbeitskräften und Rohstoffen, bei der Kohle auch der seit 1936 unveränderte Zwangspreis. Die Ausbauarbeiten am Bergwerk Peißenberg wurden bis 1948 fortgesetzt. Die Hüttenwerke nahmen ihren Betrieb zwischen Mai 1945 und Januar 1946 wieder auf. 1948 beschäftigte die BHS wieder 5.237 Menschen.

Nach der Währungsreform von 1948 und dem Ende der Kohlezwangsbewirtschaftung 1953/54 führte die BHS den großzügigsten Ausbau ihrer Werke seit deren Bestehen durch: Zwischen 1948 und 1958 wurden 110 Mio. DM investiert, Finanzier war die Bayerische Staatsbank.

Mit der seit 1949 systematisch vorbereiteten Schließung der Saline Rosenheim war die 1912 begonnene Konzentration des Salzwesens auf Bad Reichenhall abgeschlossen. Das Torfwerk Raubling, das bisher Rosenheim mit Brenntorf versorgt hatte, stellt 1961 seine Produktion auf Düngetorf um.

Auch die Hüttenwerke erlebten nach 1945 einen deutlichen Umsatzanstieg. Nur in Bodenmais konnte die Dauerkrise nicht überwunden werden, so dass das Werk nur noch aus sozialpolitischen Erwägungen gehalten wurde. Die um 1960 vor Ort durchgeführte Suche nach Uranvorkommen verlief erfolglos. 1952 wurde der Abbau von Polierrot eingestellt und seitdem nur noch die Haldenbestände verkauft. Nach der Schließung des Werks 1962 verblieb in Bodenmais nur noch ein Elektrizitätswerk.

Angesichts des Wandels der Energieträger begann die BHS ab 1954/57 mit der Verstromung von Kohle. Seit 1951 betreute sie zusätzlich auch das staatseigene Kohlenbergwerk Marienstein.

1960 hatte der Konzern mit 5.537 Mitarbeitern den höchsten Beschäftigungsstand in der Zeit nach 1945 erreicht. Der Mangel an Arbeitskräften führte dazu, dass 1960 erstmals auch ausländische Arbeitnehmer eingestellt wurden.

Die Umstrukturierung des Konzerns um 1965/1970

Nach dem Boom der 1950er Jahre litt die BHS unter der Kohlekrise sowie den Problemen der den Hüttenwerken angeschlossenen Gießereibetriebe. Ab 1966 geriet die BHS daher in die Verlustzone. Konstant entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Salz und Torf.

Trotz maximalen Abbaus und hoher Investitionen wurde der Kohlebergbau zunehmend unrentabel. Bereits 1962 wurde daher die Förderung in Marienstein eingestellt. Ab Mitte der 1960er Jahre führte eine Absatzkrise zur Vermehrung von Haldenbeständen. Die Schließung der Bergwerke Penzberg und Hausham 1966 brachte nur eine kurzfristige Entlastung. Nachdem bereits 1968 der Schacht Peiting geschlossen wurde, entschied der Vorstand der BHS im November 1969, das Bergwerk Peißenberg als letztes bayerisches Kohlebergwerk (1.800 Mitarbeiter) zum 31. März 1971 stillzulegen.

Auch die Hüttenwerke, vor allem die Gießereien in der Oberpfalz, hatten immer stärker mit der in- und ausländischen Konkurrenz zu kämpfen. Nach einer längeren Krise wurde daher 1971 das Werk Bodenwöhr, das aus Mode geratene emaillierte Gussbadewannen und Ölöfen produzierte, geschlossen.

Binnen eines Jahrzehnts sank die Beschäftigtenzahl von 5.537 (1960) auf 2.099 (1971).

Tabelle 1: Die Umstrukturierung der BHS um 1970
1968 1972
Metall und Kunststoff: Bodenwöhr, Weiherhammer, Sonthofen, Peiting Produktbereich Metall: Weiherhammer, Sonthofen, Peiting
Kohle und Energie: Peißenberg und Bodenmais Elektrizitätswerk Bodenmais
Salzwerke: Berchtesgaden und Reichenhall Produktbereich Salz: Berchtesgaden und Reichenhall
Alpentorfwerke Rosenheim: Raubling und Ainring Produktbereich Torf: Werke in Raubling und Ainring, Betriebe in Eulenau und Hanweiler

Die BHS als staatseigener Mischkonzern in den 1970er und 1980er Jahren

Als Ergebnis der Umstrukturierungsphase um 1970 war die BHS ein Mischkonzern geworden, dessen heterogene Betriebsfelder – Salz, Torf, Maschinenbau – nur noch aus der historischen Entwicklung erklärbar waren. Gleichzeitig bemühte sich die BHS, an den stillgelegten Bergwerks-Standorten Peißenberg und Peiting Ersatzbetriebe anzusiedeln.

1968 begann die BHS mit dem Apparatebau in Peiting (Stahlbau, Entsorgungstechnik, Müllentsorgung). In Peißenberg entstand 1970 ein Nachfolgewerk, das Mitarbeiter aus dem Kohlebergwerk übernahm. Bis 1984 wurden aber alle Produktionsstätten nach Peißenberg verlegt, wo die BHS ab 1985 auch im Bereich der Medizintechnik tätig wurde.

1970 erwarb die BHS Anteile an der Golde Spritzgusstechnik in Geretsried, die ein Werk für Kunststoff-Fenster in Hohenpeißenberg aufbaute.

Erfolgreich entwickelten sich die Werke Sonthofen und Weiherhammer. Weiherhammer konzentrierte sich um 1970 auf die bereits 1959 begonnene Produktion von Wellpapp-Erzeugungsanlagen und baute 1978 mit der Herstellung von Druckmaschinen ein zweites Standbein auf. 1979 erwarb die BHS die Dr. Ing. Höfler GmbH in Ettlingen (Baden-Württemberg), die als Spezialfirma für Zahnrad-Schleiftechnik bereits vorher eng mit der Maschinenfabrik in Sonthofen zusammenarbeitete.

Weiterhin problemlos lief der Salinenbetrieb. Vertriebsgesellschaft war das Salzhandelshaus Alpina, ab 1972 "Bad Reichenhaller Salz Handelsgesellschaft mbH".

Die Torfwerke, einst der Energieversorgung der Saline Rosenheim dienend, entwickelten sich zu einer Sparte für Gartenbaubedarf und Gartentechnik. Unter der Bezeichnung "Alpentorfwerke Rosenheim" gingen sie ab 1968 auf Expansionskurs und erwarben Torfwerke in Ainring (1968), Hanweiler/Saarland (1971), Wolfsbruchmoor/Niedersachsen, Peiting (1973) und Aschhorn/Niedersachsen (1975). Der Sitz der Alpentorfwerke wurde 1979 von Rosenheim nach Raubling verlegt, seit 1986 führten sie den Namen BHS-Humuswerke. Als Vertriebsgesellschaft fungierte die 1971 gekaufte Euflor GmbH für Gartenbedarf in München und Basel. 1981 expandierte die Euflor GmbH auch nach Österreich.

Neustrukturierung und Privatisierung 1988-1998

Nachdem die sehr heterogene BHS in den 1980er Jahren immer größere Probleme hatte, Gewinne zu erwirtschaften, begann der Vorstand 1988 eine Umstrukturierung mit dem Ziel der "Konzentration der Ressourcen der BHS auf ihre eigentlichen Kernbereiche" (Geschäfts-Bericht 1989).

Die Golde GmbH Kunststofftechnik schloss daher 1988 zunächst ihr Werk in Geretsried und produzierte fortan nur noch in Hohenpeißenberg. 1989 wurde sie von der BHS verkauft. In Peißenberg wurden 1988/89 die Sparten Medizintechnik und Druckbehälterbau verkauft. Das Werk beschränkte sich fortan auf Stahlbau mit den Sparten konventioneller Stahlbau, Entsorgungstechnik, fliegende Bauten und Parksysteme. Der Getriebebau in Sonthofen fusionierte 1989 mit dem Turbogetriebebau Voith in Crailsheim (Lkr. Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg) zur BHS-Voith Getriebetechnik GmbH mit Sitz in Sonthofen. Abgeschlossen wurde die Restrukturierung 1990 mit dem Verkauf der Gießerei des Werks Weiherhammer und der BHS-Höfler Maschinenbau GmbH in Ettlingen sowie der Schließung des Standorts Peiting.

Tabelle 2: Die BHS 1990
Bereich Standorte
Metall BHS-Werke Sonthofen, Peißenberg, Weiherhammer
Salz Saline Bad Reichenhall, Salzbergwerk Berchtesgaden, Bad Reichenhaller Salz Handelsgesellschaft mbH München
Humus BHS Humuswerke Raubling, Euflor GmbH für Gartenbedarf

Noch vor dem Beginn seiner gezielten Privatisierungspolitik verkaufte der Freistaat Bayern, der seit 1927 alleiniger Aktionär der BHS geblieben war, am 24. Juni 1991 seine Aktien für 122 Mio. DM an die SKW Trostberg AG (Süddeutsche Zeitung, 14. August 1992). Da die SKW mehrheitlich im Besitz der Vereinigte Industrieunternehmungen AG (VIAG) war, bei der wiederum der Freistaat noch Mehrheitsaktionär war, behielt Bayern vorerst Einfluss auf das Geschehen.

Die SKW führte anfangs die BHS unter ihrem Dach weiter und schloss 1992/93 das verlustbringende Werk Peißenberg endgültig. Die einzelnen Werke der BHS wurden rechtlich verselbständigt – die Betriebe in Sonthofen und Weiherhammer mussten sogar in je zwei GmbHs zerlegt werden. Zwischen 1993 und 1998 verkaufte die SKW alle Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Unternehmensbereiche Metall und Humus.

Den Unternehmensbereich Salz brachte die SKW 1995 in die Südsalz GmbH ein, in der auch die SWS Südwestdeutsche Salzwerke AG (Saline Friedrichshall und Bergwerk Heilbronn) aufging. Der SKW gehörten 64 % des neuen Unternehmens. Nach der Fusion der SKW zur Degussa AG (seit 2007 Evonik) verkaufte der neu entstandene Chemiekonzern 2002 seinen Anteil an der Südsalz an den Mitgesellschafter SWS.

Tabelle 3: Auflösung der BHS 1993-1998
Verkaufsjahr Standort Nachfolgegesellschaft
1993 Weiherhammer BHS Druck- und Veredelungstechnik GmbH
1993 Weiherhammer BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH
1996 Sonthofen BHS Cincinnati Getriebetechnik GmbH (seit 2002: BHS Getriebe GmbH)
1996 Sonthofen BHS-Sonthofen GmbH
1995 Bad Reichenhall/Berchtesgaden Südsalz GmbH
1997 Bodenmais Historisches Besucherbergwerk Bodenmais BHS GmbH
1998 Raubling Euflor GmbH: In der Euflor GmbH hatte die SKW die BHS Humuswerke sowie die Düngersparte von SKW zusammengeschlossen)

Nach dem Verkauf der meisten BHS-Unternehmen wurde die BHS AG 1997 als Unternehmen aufgelöst und mit der SKW Trostberg AG verschmolzen. Der verbliebene umfangreiche Immobilienbesitz der BHS in Peißenberg, Hohenpeißenberg, Peiting, Sonthofen, Berchtesgaden und Bad Reichenhall ging in der BHS Liegenschaften GmbH & Co. KG mit Sitz in Peißenberg auf. Diese ist die einzige Nachfolgegesellschaft der BHS, die von den neuen Eigentümern nicht veräußert worden ist.


Vorstandsmitglieder der BHS
Amtszeit Name Lebensdaten Bemerkung
1927-1934 Hans Klaiber 1867-1952 Seit 1913 Generaldirektor. 1927-1934 Präsident des Vorstands
1927-1945 Josef Hörburger + 1945
1927-1951 Michael Zieglmeier 1874-1959
1927-1929 August Greinwald 1877-1929
1943-1955 Karl Drescher Geb. 1886 Stellvertretend bis 1951
1944-1945 Fritz Birkner
1949-1967 Richard Haberl 1899-1983
1955-1966 Franz Ibel
1955-1966 Hermann Kimmerl
1949-1968 Alois Thomma
1967-1971 Heinrich Heißbauer
1967-1976 Rudolf Korn 1912-1983 1954-1966 im Finanzministerium, Leiter der Abteilung "Staatliche Beteiligungen an wirtschaftlichen Unternehmen". Gleichzeitig renommierter Steuerrechtsexperte
1967-1982 Gerhard Wacher 1916-1990 CSU, MdB (1953-1963), MdL (1966-1974)
1971-1989 Gerhard Junk Bis 1976 nur stellvertretend
1971-1976 Heinrich Sauer Gest. 1976 Nur stellvertretend
1977-1986 Curt Schwesinger 1925-2009
1982-1994 Ernst Kober Geb. 1935
1988-1991 Roderich Richstein
1990-1998 Friedrich Räuchle
1991-1997 Christof Kemmann Geb. 1946


Vorsitzende des Aufsichtsrats
Amtszeit Name Lebensdaten Bemerkung
1927 Wilhelm Krausneck 1875-1927 Finanzminister
1927-1931 Konrad Sterner 1879-1960 Ministerialrat im Finanzministerium
1931-1932 August Legat 1881-1937 Ministerialrat im Finanzministerium
1933-1942 Ludwig Siebert 1874-1942 Finanzminister, Ministerpräsident
1943-1945 Fritz Siebert Ministerialrat im Finanzministerium
1945 Carl Schäfer Ministerialrat im Finanzministerium
1946 Erwin Hielscher 1898-1971 Ministerialrat im Finanzministerium
1946-1947 Otto Eckmeier Geb. 1896 Ministerialrat im Finanzministerium
1948-1955 Richard Ringelmann 1889-1965 Ministerialdirektor, Staatssekretär im Finanzministerium
1955-1958 Joseph Panholzer 1895-1973 Staatssekretär im Finanzministerium
1958-1963 Albrecht Haas 1906-1970 Staatssekretär im Finanzministerium, Justizminister
1963-1967 Franz Lippert 1900-1977 Staatssekretär im Finanzministerium
1967-1971 Anton Jaumann 1927-1994 Staatssekretär im Finanzministerium
1971-1975 Karl Hillermeier 1922-2011 Staatssekretär im Finanzministerium
1975-1991 Albert Meyer Geb. 1926 Staatssekretär im Finanzministerium
1991-1998 Wilhelm Simson Geb. 1938 Vorstandsvorsitzender der SKW Trostberg AG

Literatur

  • Eine Studie zur Geschichte der BHS sowie ihrer Vorgängerinstitution, der Generaldirektion, ist ein Desiderat. Neben älteren Selbstdarstellungen des Unternehmens liegen neuere Studien nur zu einzelnen Standorten, nicht aber zum Gesamtunternehmen vor.
  • Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft 1927-1958, München 1960.
  • Der Bayerische Staatsbergwerks-, Hütten- und Salinenbesitz und seine Verwaltung bis zur Übertragung auf die Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, München 1967.
  • Max Billert/Ludwig Stippel, Bergbau und Bergbau-Museum am Hohen Peißenberg. Ein Führer durch die Geschichte des Bergbaus im Bereich des Bayerischen Rigi, Peißenberg 3. Auflage 2006.
  • Richard Blab, Aus der Geschichte des BHS-Hüttenwerkes Bodenwöhr, anlässlich seines 500jährigen Bestehens 1464-1964, o.O. 1964.
  • Angelika Fox, Der Torfabbau für die Saline Rosenheim, in: Das bayerische Inn-Oberland 52 (1995), 95-126.
  • Richard Haberl, 250 Jahre BHS-Hüttenwerk Weiherhammer. 1717 bis 1967. Eisen- und Stahlgießerei – Maschinenfabrik, masch. o.O. 1972.
  • Günther Hudel, Die Saline Reichenhall im 19. und 20. Jahrhundert, in: Manfred Treml u. a. (Hg.), Salz macht Geschichte. Aufsätze (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 29), Regensburg 1995, 93-102.
  • Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1837-1937, o.O. 1937.
  • Cornelia Jahn, Die Bibliothek der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG, in: Manfred Treml u. a. (Hg.), Salz macht Geschichte. Aufsätze (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 29), Regensburg 1995, 261-266.
  • Wilhelm Volkert (Hg.), Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, 174-175.
  • Freundliche Hinweise von Dr. Lorenz Bülow, Dr. Ernst Kober und Dr. Christof Keemann.

Quellen

  • Goldmark-Eröffnungsbilanz zum 1. April 1923 und Geschäftsbericht der Generaldirektion der Berg-, Hütten- & Salzwerke über das Geschäftsjahr 1923, München 1924.
  • Geschäftsberichte der Generaldirektion der Berg-, Hütten- und Salzwerke, München 1924-1927.
  • Eröffnungsbilanz der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft per 1. April 1927, München 1927.
  • Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Geschäftsberichte, München 1927-1948/49.
  • Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke Aktiengesellschaft, Bericht über das Geschäftsjahr, München 1950-1990.
  • Archivalische Überlieferung: Die Aktenüberlieferung der BHS erlitt im Zweiten Weltkrieg erhebliche Verluste. Den umfangreichen Rest verwahrt das Bayerische Hauptstaatsarchiv. Ein kleinerer Teilbestand befindet sich im Bergbau-Archiv Bochum. Relevant sind ferner Akten des bayerischen Finanzministeriums, die 2006 und 2011 an das Bayerische Hauptstaatsarchiv abgeben und 2011 verzeichnet wurden (Findbuch MF 26).
  • Bibliothek: Die Bibliothek der Aktiengesellschaft wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts aufgebaut. Sie enthält salinarische, bergbau- und hüttenkundliche, technische, wirtschaftswissenschaftliche und chemische Literatur ebenso wie einschlägige Gesetzbücher. 1943 ausgelagert, erlitt sie nur wenige kriegsbedingte Verluste. 1972 wurde sie als Depositum an die Bayerische Staatsbibliothek übergeben, die 1988 auch noch die Fachbibliothek des Bergwerks Peißenberg erhielt. Der Bestand umfasst rund 4.000 Titel zu 12.000 Bänden, schwerpunktmäßig aus den Jahren 1790-1940, und ist unter der Signaturengruppe BHS aufgestellt.

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Florian Sepp, Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (BHS), publiziert am 20.12.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische_Berg-,_Hütten-_und_Salzwerke_AG_(BHS)> (22.11.2017)