Böcklerbund

von Hans-Josef Krey

Bündnis von Adeligen des Straubinger Landes und des Nordgaus zur Hussitenabwehr und zur Verteidigung ständischer Rechte gegenüber dem Herzog (1428/1466). Politisch wirksam wurde der Bund, als Herzog Albrecht IV. 1467 seinen Bruder Sigmund wegen dessen Mitgliedschaft im Bund aus der Regierung drängte. Albrechts jüngerer Bruder Christoph scheiterte bei dem Versuch, mit Hilfe der Böckler seine Beteiligung an der Regierung zu erzwingen. Der nun alleinregierende Albrecht ließ den Bund 1467 auflösen. Die kriegerische Gegenwehr Herzog Christophs und der führenden Bundesvertreter (Böcklerkrieg) blieb erfolglos und stärkte langfristig die herzogliche Position im Straubinger Land.

Spätmittelalterliche Ritterbünde

In den im 14. und 15. Jahrhundert gegründeten Ritterbünden und -genossenschaften schloss sich der Adel zusammen, um seine politischen und wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Die Mitglieder huldigten dem ritterlichen Ideal und hielten Wettkämpfe und Turniere bei jeder Zusammenkunft ab. Jedes Mitglied führte als Zeichen seiner Zugehörigkeit ein gemeinsames Symbol mit sich. Der Hintergrund solcher Vereinigungen konnte in der politischen und wirtschaftlichen Situation der einzelnen Mitglieder liegen, die sich durch das erstarkende Landesfürstentum bedroht fühlten, oder in der allgemeinen Lage des Landes, dessen innere und äußere Konflikte durch den Landesherren nicht allein bewältigt werden konnten. Beim Böcklerbund treffen beide Hintergründe zu.

Adelsbünde im Herzogtum Bayern

Adelsbünde waren im bayerischen Herzogtum des 14. und 15. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich. Die regierende Familie der Wittelsbacher hatte sich durch Aufteilungen des Landes und durch daraus resultierende Konflikte finanziell und politisch so geschwächt, dass der Adel häufig vermittelnd oder militärisch unterstützend auftreten musste. 1315 schloss der oberbayerische Adel einen Bund, um das Zerwürfnis von König Ludwig (reg. 1294-1347, König seit 1314) und seinem Bruder Rudolf I. (reg. 1294-1317) beizulegen. 1392 unterstützte eine weitere Adelseinung die Herzöge Stephan III. (reg. 1375-1413), Friedrich (reg. 1375-1397) und Johann II. (reg. 1375-1397) dabei, ihr Land zu teilen. Weitere Adelsbündnisse wurden in den Jahren 1403 und 1416 im Herzogtum Ingolstadt geschlossen.

Gründung und Wiederbelebung des Böcklerbundes (1428/1466)

1428 wurde die "Geselschafft vom Aingehürn" im Straubinger Land von den dort ansässigen Adeligen gegründet, um eine gemeinsame Verteidigung gegen die Hussiten zu organisieren und die eigenen Rechte zu sichern. Das sagenumwobene Einhorn oder Aingehürn, nach dem sich der Bund nannte, steht für Treue und seine Fähigkeit zu beschützen. Am 30. August 1466 wurde dieser Bund in der "Gesellschafft zum Ayngehürn", genannt auch Böcklerbund, eines Zusammenschlusses von Adeligen des Straubinger Landes und des Nordgaus, wieder belebt. Darauf weist das Formular für die Aufnahme eines neuen Mitgliedes hin, das noch als Kopie erhalten ist. Die Mitglieder waren sowohl im Landshuter als auch im Münchner Herzogtum begütert und hatten teilweise auch Stellungen bei Hof in den jeweiligen Herzogtümern inne.

Organisation und Verfassung

Der ursprüngliche Bundbrief vom Anfang des 15. Jahrhunderts wurde 1466 bis auf geringfügige Abweichungen übernommen. An die Spitze des Bundes setzte sich Sebastian Pflug (gest. um 1496) als Hauptmann; vier Räte standen ihm unterstützend zur Seite: Hans Gewolf von Degenberg (um 1460), Niclas von Abensberg (1441-1485), Hans von Fraunberg zu Massenhausen (1437-1476) und Hans von Nußberg (um 1470). Hauptmann und Räte wurden jährlich neu gewählt. Die Urkunde sowie die Beibriefe der Mitglieder sollten in Regensburg, dem Ort der Bundesgründung, hinterlegt werden. Als Wahrzeichen des Bundes wurde das Bildnis des Bocks gewählt, den die Mitglieder an einer Kette befestigt tragen mussten.

Zweimal im Jahr tagte der Bund; hier konnten Streitigkeiten der Mitglieder vor den Hauptmann gebracht werden oder über Maßnahmen beraten werden, wenn ein Mitglied eine Auseinandersetzung mit einem Dritten hatte. Für diesen Fall ist eine genaue Höhe der Hilfe festgesetzt. Dies ist ein wichtiger Unterschied zum Bundbrief von 1428. An die gemeinsame Kasse waren jährliche Abgaben zu entrichten. Der Bund richtete beim Tod eines Mitglieds dessen Begräbnis aus.

Motive und Hintergründe des Böcklerbundes

Ziel des Bundes war die Verteidigung der Grenze gegen Böhmen, da in der zweiten Hälfte des Jahres 1466 ein Krieg mit Böhmen wahrscheinlich geworden war. Somit bot sich der Adelsbund als ernstzunehmende Größe für die bayerischen Herzöge und auch den habsburgischen Kaiser Friedrich III. (reg. 1440-1493, seit 1452 Kaiser) bei der Verteidigung der Landesgrenze an.

Mächtige Familien des Böcklerbundes, die Degenberger, die Frauenberger zum Haag, die Stauffer zu Ehrenfels und die Preysinger zu Wolnzach, hatte Friedrich III. am 20. März 1465 in den Freiherrenstand erhoben. Herzog Albrecht IV. von Bayern-München (reg. 1465-1508) stand dem Bund daher misstrauisch gegenüber. Die in den Freiherrenstand erhobenen Familien, die Besitz im oberbayerischen Herzogtum hatten, konnten im Schutz des Bundes versuchen, auf allen ihren Besitzungen Reichsunmittelbarkeit zu erreichen.

Die Rolle von einigen Bundesmitgliedern beim Regierungswechsel im Herzogtum Bayern-München (1467)

Einige Bundesmitglieder waren unter Albrechts Bruder Sigmund (reg. 1460-1467) mächtige Räte am Hof des Herzogs von Bayern-München: Hans von Degenberg (gest. um 1480) und Albrecht von Nußberg (um 1470). Vermutlich auf ihr Betreiben hin wurde der regierende Herzog Sigmund sogar Mitglied des Böcklerbundes. Albrecht IV. drängte Sigmund daraufhin zum Verzicht auf die Regierung des oberbayerischen Herzogtums und wurde alleiniger oberbayerischer Herzog. Albrechts IV. jüngerer Bruder Christoph (1449-1493), ursprünglich von jeglicher Beteiligung an der Regierung ausgeschlossen, beantragte nach Herzog Sigmunds Resignation die Mitgliedschaft im Böcklerbund und forderte gleichzeitig von seinem Bruder Albrecht eine Beteiligung an der Regierung. Dazu hatten ihn sicher die beiden Straubinger Adeligen ermuntert. Christoph wollte den Bund offensichtlich dazu benutzen, eine Teilhabe am Regiment im oberbayerischen Herzogtum zu erzwingen.

Maßnahmen gegen den Bund und Auflösung

Diese Ereignisse waren Grund für Albrecht IV., gegen den Bund vorzugehen, auch wenn seine Vertrauten im Straubinger Land meinten, dass allein Hans von Degenberg und Albrecht von Nußdorf Christoph unterstützen würden, die übrigen Mitglieder des Böcklerbundes Christophs Aufnahmegesuch aber eher ablehnen würden. Albrecht IV. wandte sich an den Kaiser und an seine wittelsbachischen Verwandten, die Pfalzgrafen Friedrich (reg. 1449-1476) und Otto II. (reg. 1461-1499) sowie Herzog Ludwig von Landshut (reg. 1450-1479). Die Böckler wurden von Kaiser Friedrich III. aufgefordert, am 28. Oktober 1467 in Regensburg zu erscheinen. Am 19. Oktober 1467 erging bereits ein kaiserliches Verbot der Gesellschaft, das sich auf das Bündnisverbot der Goldenen Bulle bezog. Am 28. Oktober 1467 schließlich folgte die formelle Auflösung. Der Bundbrief wurde zerschnitten und die Siegel ihren Trägern zurückgegeben. Von dem Bundbrief sind daher nur noch Kopien erhalten.

Nachwirkungen des Böcklerbundes - der Böcklerkrieg

Herzog Christoph selbst blieb im Niederland und organisierte von dort aus den Widerstand gegen seinen Bruder. Vor einem Schiedsgericht, das unter dem Vorsitz von Herzog Ludwig von Landshut stattfand, drohte er mit Gewalt, wenn die Landsassen nicht auf seine Wünsche nach der Beteiligung am Regiment seines Bruders eingingen. Albrecht IV. agierte geschickter, indem er Christoph weitere Verhandlungen anbot.

Mitte des Jahres 1468 begannen einige Gefolgsleute Albrechts eine Fehde gegen Hans von Degenberg wegen fehlender Soldzahlungen. Sie eroberten die Burg Degenberg (Ruine bei Schwarzach, Lkr. Straubing-Bogen). Herzog Ludwig forderte den Degenberger auf, vor Albrecht IV. als seinem Landesherren Recht zu suchen. Der Degenberger flüchtete daraufhin nach Strakowitz in Böhmen. Sein Verbündeter Ratzko von Rayol plünderte von Altennußberg (Ruine, Gde. Geiersthal, Lkr. Regen) aus Albrechts IV. Besitzungen. Der Degenberger fand Unterstützung bei Hans von Nußberg, bei den Familien der Chamerauer, Randsberger und Nothaft. Albrecht IV. begann daraufhin einen erfolgreichen Feldzug gegen diese Adeligen und eroberte folgende Burgen: Weißenstein (Lkr. Regen), Altennußberg, Saldenburg (Lkr. Freyung-Grafenau), Zwiesel (Lkr. Regen), Eschlkam (Lkr. Cham), Kollnburg (Lkr. Regen), Haidstein (Gde. Chamerau, Lkr. Cham) und Neurandsberg (Gde. Rattenberg, Lkr. Straubing-Bogen). 1469, zwei Jahre nach Auflösung des Böcklerbundes, waren die ostbayerischen Besitzungen Albrechts IV. wieder ruhig. 1472 schließlich gelang es dem Herzog, den Verbündeten des Degenbergers, Ratzko von Rayol, als Gefolgsmann zu gewinnen. Dieser wurde Pfleger Abrechts IV. in dessen Besitzungen in Furth, Eschlkam und Neukirchen.

In der Folgezeit fand Albrecht IV. eine vorläufige Einigung mit Christoph. Sowohl hier als auch später sicherte er sich den wichtigen Vorteil, mit seinem Bruder keine Herrschaftsrechte teilen zu müssen. Nach siegreicher Beendigung des Böcklerkrieges konnte Albrecht IV. der herzoglichen Macht im Straubinger Land mehr Präsenz verschaffen. Diese Maßnahmen führten schließlich, zusammen mit einem gegen Habsburg gerichteten politischen Kurs, zur Gründung des Löwlerbundes.

Dokumente

Literatur

  • Hans-Josef Krey, Herrschaftskrisen und Landeseinheit: die Straubinger und Münchner Landstände unter Herzog Albrecht IV. von Bayern-München (Berichte aus der Geschichtswissenschaft), Aachen 2005.
  • Holger Kruse/Werner Paravacini/Andreas Ranft, Ritterorden und Adelsgesellschaften im spätmittelalterlichen Deutschland. Ein systematisches Verzeichnis (Kieler Werkstücke 1), Frankfurt 1991.
  • Johannes Laschinger, Straubing und die Landtage vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, in: Jahresbericht des Historischen Vereins Straubing und Umgebung 86 (1985), 147–172.
  • Heinz Lieberich, Landherren und Landleute. Zur politischen Führungsschicht Baierns im Spätmittelalter (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 63), München 1964.
  • Emma Mages, Waldmünchen. Die Pflegeämter Waldmünchen und Rötz (Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern I 56), München 1991.
  • Andreas Ranft, Adelsgesellschaften. Gruppenbildung und Genossenschaft im spätmittelalterlichen Reich, Sigmaringen 1994.
  • Sigmund von Riezler, Geschichte Baierns. 3. Band, Gotha 1889 (Nachdruck Aalen 1964).
  • Joachim Schneider, Spätmittelalterlicher deutscher Niederadel. Ein landschaftlicher Vergleich (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 52), Stuttgart 2003.

Quellen

  • Bayerische Staatsbibliothek Cgm 2156, fol. 1r-1v (Absagebrief Johanns von Degenberg an Herzog Albrecht IV. vom 8. Dezember 1469)
  • BayHStA Bairische Landschaft.
  • BayHStA Geheimes Hausarchiv - Hauskurkunden.
  • BayHStA Geheimes Hausarchiv - Korrespondenzakten.
  • BayHStA Gerichtsurkunden Degenberg.
  • BayHStA Haus- und Familiensachen.
  • BayHStA Kurbayern Urkunden.
  • Hans Bösch, Der gesellschaft des Aynkurns briefe, in: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. Neue Folge 29 (1882), 297–302.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Hans-Josef Krey, Böcklerbund, publiziert am 16.09.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Böcklerbund> (17.12.2017)