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Heilsarmee

Eine Ausgabe der Zeitschrift "Der Kriegsruf" nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs vom 19.9.1914 (Der Kriegsruf. Offizielle Wochenschrift der Heilsarmee in Deutschland, 28. Jahrgang, Nr. 38, Berlin 1914, S. 1).
Die Zeitschrift der Heilsarmee "Der Kriegsruf" wurde am 5. Januar 2008 in "Heilsarmee-Magazin" umbenannt. Hier abgebildet ist das Titelblatt der Ausgabe vom 16. Januar1926 (Der Kriegsruf. Offizielle Wochenschrift der Heilsarmee in Deutschland, 40. Jahrgang, Nr. 3, Berlin 1926, S. 1).
von Wolfgang Behnk

1878 in England gegründete Freikirche, deren Kennzeichen starkes soziales Engagement und straffe Organisation nach militärischem Vorbild sind. Seit 1886 ist die Heilsarmee in Deutschland tätig. Zwischen 1923 und 1929 gründete die Heilsarmee mehrere Niederlassungen in Bayern und baute Nürnberg zu einem wichtigen Zentrum ihrer Aktivitäten aus. Nach 1945 gelang das Anknüpfen an diese Erfolge nur noch bedingt.

Entstehung und Geschichte

Die Heilsarmee ist eine Freikirche mit evangelistischer und diakonisch-sozialer Ausrichtung. Sie geht auf den in Nottingham geborenen Engländer William Booth (1829-1912) zurück. Schon als Jugendlicher war er durch das soziale Elend und die geistliche Not vieler seiner Mitmenschen, vor allem in den Londoner Slums, erschüttert. Unter Spott, Gelächter und Unverständnis begann der 1858 zum Methodistenprediger ordinierte Booth auf den Straßen zu missionieren und praktisch zu helfen. Geleitet durch das Motto "Suppe, Seife, Seelenheil" erwarb er für seine Sache bald Respekt. Aus der von ihm 1865 gegründeten "Ost-Londoner Christlichen Erweckungsgesellschaft" ging 1878 die - mit militärischer Struktur und Uniformen ausgestattete - "Heilsarmee" ("Salvation Army") hervor. Ihr Leiter – der erste war Booth selbst – wird "General" genannt, die hauptamtlichen Mitarbeiter "Offiziere" (theologisch ausgebildete und ordinierte Geistliche), die ehrenamtlichen Mitarbeiter "Heilssoldaten". Hinzu kommen nicht-uniformierte Mitglieder im "Freundeskreis". Die Gemeinden heißen "Korps". Die Heilsarmee forderte seit ihrer Gründung die Gleichstellung der Frauen und setzte diese in ihrem eigenen Bereich durch.

1886 begann Fritz Schaaff von Stuttgart aus mit der Pionierarbeit der Heilsarmee in Deutschland. Die Gemeinschaft breitete sich rasch aus. Ihre Hauptverwaltung wurde bald von Stuttgart nach Berlin verlegt, wo 1897 mit der Eröffnung eines Mädchenheims auch die soziale Tätigkeit der Heilsarmee in Deutschland begann. Unter dem NS-Regime und in der DDR wurde die Heilsarmee unterdrückt und teilweise verboten. 1961 zog das "Nationale Hauptquartier" von Berlin nach Köln um. Der "Kriegsruf" ist seit 115 Jahren die offizielle, wöchentlich erscheinende Zeitschrift der Heilsarmee.

Lehre und Praxis

Die Grundsätze der Heilsarmee beruhen auf dem Glauben an die göttliche Inspiration der Bibel, den Dreieinigen Gott, die Versöhnung in Jesus Christus für die ganze Welt, die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht am Ende der Welt (Glaubensbekenntnis der Heilsarmee). Ziel ist es, die Menschen zum Glauben zu rufen, im Glauben zu stärken und durch Glauben zu gutem Handeln zu führen. Es geht der Heilsarmee nicht um bestimmte Lehren und Riten – selbst Taufe und Abendmahl werden nicht praktiziert –, sondern um die persönliche Bekehrung zu einem gottgefälligen Leben in der Heiligung, unter Verzicht auf Alkohol, Nikotin und sinnliche Ausschweifungen. Armut, Hunger, Alkoholismus, Drogensucht, Krankheit, Kriminalität, Bildungsmangel, soziale Entwurzelung und seelische Verkümmerung gehören zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des guten Handelns. Neben der evangelistischen und sozialen Tätigkeit gibt es in der Heilsarmee auch ein kirchliches Leben mit Gottesdiensten, Bibelstudium, Konfirmandenunterricht, Gebetszusammenkünften und Veranstaltungen für alle Altersgruppen.

Organisation und Verbreitung

Das "Internationale Hauptquartier" der Heilsarmee liegt in London. Derzeitiger "General", also weltweiter Leiter, ist der Shaw Clifton (geb. 1945). In Deutschland ist die Heilsarmee eine religiöse "Körperschaft des öffentlichen Rechts", mit ihrem "Nationalen Hauptquartier" in Köln. Leiter ist seit Juli 2005 "Oberst" Horst Charlet. In Bayern hat die Heilsarmee keinen Körperschaftsstatus. Sie ist Gastmitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) sowie Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland und in Bayern. Ferner ist sie Mitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Heilsarmee gliedert sich weltweit in die fünf "Zonalen Departments" Europa, Afrika, Amerika & Karibik, Südasien sowie Südpazifik & Ostasien. Die "Zone Europa" umfasst 15 "Territorien", unter denen Deutschland eines bildet - mit den vier Gebieten "Norddivision", "Ostdivision", "Westdivision" und "Süddivision". Zur "Süddivision" zählt auch Bayern.

Weltweit arbeitet die H. mit ca. 25.700 "Offizieren" und 110.000 Mitarbeitern. Sie hat in 109 Ländern ca. 2 Millionen Mitglieder. Sie unterhält ca. 900 Kinderheime und Kindertagesstätten, über 1.200 Schulen, ca. 2.000 Alten- und Pflegeheime, ca. 250 Kliniken, zahlreiche Einrichtungen für Frauen, Obdachlose, Behinderte, Alkoholiker und AIDS-Infizierte sowie über 1.000 Suppenküchen.

Die Heilsarmee in Bayern

In Bayern wurde die Heilsarmee erst nach dem Ersten Weltkrieg tätig, als sie den kriegsbedingten Einbruch ihrer Tätigkeit in Deutschland mit einer Expansionskampagne wettzumachen versuchte. Nach der Gründung eines Korps in München 1923 entstanden weitere Korps 1924 in Nürnberg und Fürth, 1927 in Erlangen und Ansbach, 1928 in Würzburg sowie 1929 in Hof und Regensburg. Als geographisches Zentrum dieser Niederlassungen wurde Nürnberg 1930 Sitz einer eigenen Division.

Nach dem "Dritten Reich" und dem Zweiten Weltkrieg erwies sich der Wiederaufbau für die Heilsarmee als schwierig; es entstanden lediglich wieder die Korps in München, Nürnberg und Fürth. Ein Vorposten in Hof (1976 noch bestehend) ist zwischenzeitlich aufgegeben worden. 2005 gab es in Bayern vier Einrichtungen der Heilsarmee: die - von "Majorinnen" und "Majoren" geleiteten - "Korps" (Gemeindezentren) in Nürnberg (ca. 60 Soldaten und Freunde), München (ca. zwölf Soldaten und Freunde) und Fürth (ca. 4 Soldaten und Freunde) sowie das "Sozialwerk Nürnberg" (über 100 Mitarbeiter).

Literatur

  • Horst Reller/Hans Krech/Matthias Kleiminger (Hg.), Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen, Gütersloh 5. Auflage 2000, 107-113.
  • Karl Eduard Haas, Die kleinen christlichen Kirchen und freien Gemeinden in Bayern, Erlangen 1976, 154-163.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Wolfgang Behnk, Heilsarmee, publiziert am 30.06.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Heilsarmee> (13.12.2018)