Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Landessoldatenrat, 1918/19

Aufruf gegen die Räterepublik, unterstützt vom regierungstreuen Teil des Landessoldatenrats. (Bayerische Staatsbibliothek, 4 H.un.app. 1071 t-9)
Aufruf zum Eintritt in das Freikorps Bamberg, unterstützt vom regierungstreuen Teil des Landessoldatenrats. (Bayerische Staatsbibliothek, 4 H.un.app. 1071 t-22)
Im Mathäserbräu wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 der Landessoldatenrat gegründet. Foto des Festsaals von 1911. Abb. aus: (Georg Jakob Wolf): Ingenieur J. Heilmann und das Baugeschäft Heilmann und Littmann. Ein Rückblick auf vierzig Jahre Arbeit, (München 1911), 19. (Bayerische Staatsbibliothek, 2 Bavar. 1602 z)

von Georg Köglmeier

Nach der Delegiertenkonferenz der bayerischen Soldatenräte vom 30. November bis 3. Dezember 1918 wählten die bayerischen Soldatenräte als ihr Spitzengremium den Landessoldatenrat. In dieser Funktion folgte er dem Münchner Soldatenrat nach, da die Soldatenräte außerhalb Münchens dessen Führungsanspruch nicht anerkennen wollten. Seine 50 Mitglieder waren gleichzeitig die Vertreter der Soldatenräte im provisorischen Nationalrat. Der Landessoldatenrat bestand bis April 1919, besaß einen eigenen Vollzugsrat und eine eigene Zeitung.

Entstehung und Zusammensetzung

Zur Bildung des Landessoldatenrats fand vom 30. November bis zum 3. Dezember 1918 in München eine landesweite Delegiertentagung der bayerischen Soldatenräte statt, die teilweise selbst als Landessoldatenrat bezeichnet wurde. Nach sehr kontroversen Debatten einigten sich die Delegierten auf eine Stärke von 50 Mitgliedern aus Vertretern der drei bayerischen Armeekorps, des Münchner Soldatenrats und der Fronttruppen. Die jeweiligen Delegationen bestimmten ihre Vertreter selbst. Bei seiner ersten Sitzung am 13. Dezember 1918 wählte der Landessoldatenrat aus seiner Mitte heraus einen elfköpfigen Vollzugsausschuss als Vorstand und als Exekutivorgan. Dessen Zusammensetzung, auch in den Proportionen der in ihm vertretenen Gruppen, entsprach genau der des Landessoldatenrats. Vorsitzender wurde das USPD-Mitglied Fritz Sauber (1884-1949); sein Stellvertreter war Paul Simon (SPD, geb. 1879).

27 der 50 Soldatenräte waren Mitglied einer Partei; zwölf gehörten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) an, neun der (Mehrheits-)Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), sechs den Liberalen. Profilierte Mitglieder waren neben den Vorsitzenden Sauber und Simon Felix Fechenbach (USPD, 1894-1933), Wilhelm Reichart (USPD, KPD, geb. 1878), Gustav Klingelhöfer (USPD, 1888-1961), Christian Ferkel (USPD, 1881-1934), Richard Kämpfer (USPD, 1884-1966) und Karl Henne (Liberale).

Tätigkeit und Stellung des Landessoldatenrats und seines Vollzugsausschusses

Der Landessoldatenrat tagte zum einen im Rahmen des provisorischen Nationalrats als Vertretung der Soldatenräte; er versammelte sich zum anderen auch unabhängig davon als eigenständiges Gremium über die Tagung des provisorischen Nationalrats hinaus bis Anfang Februar 1919. Im provisorischen Nationalrat verstand er sich als eigene Fraktion; seine Mitglieder schlossen sich aber auch dessen parteipolitischen Fraktionen an.

Aufgabe des Landessoldatenrats sollte es sein, die militärische Räteorganisation mit der Leitung des Staates zu verbinden. Er sollte als oberstes Überwachungsorgan der Armee fungieren. Die konkrete Erfüllung dieser Kontrollfunktion lag in den Händen des Vollzugsausschusses, d. h. dessen Mitglieder überwachten den Dienstbetrieb im Ministerium für militärische Angelegenheiten, was immer wieder zu schweren Konflikten mit Minister Albert Roßhaupter (SPD, 1878–1949) führte. Für seine Tätigkeit war der Vollzugsausschuss dem Landessoldatenrat Rechenschaft schuldig. Der Landessoldatenrat versuchte, an den Entscheidungen über das zukünftige Wesen der bayerischen Armee mitzuwirken, vor allem die Stellung der Offiziere zu reformieren, was ihm allerdings nur in Ansätzen gelang.

In seiner Funktion als Spitzengremium der bayerischen Soldatenräte sah es der Landessoldatenrat als seine Aufgabe an, eine Verbindung zu den Soldatenräten herzustellen und Aufklärung unter ihnen zu betreiben. Zu diesem Zweck brachte er ab dem 21. Dezember 1918 eine eigene Zeitung mit dem Titel "Der freie Kamerad" auf den Markt. Sie erschien letztmalig am 2. April 1919.

Spaltung und Ende

Die Ausrufung der Räterepublik Anfang April 1919 führte zur Spaltung des Landessoldatenrats. Einige Mitglieder stellten sich in den Dienst der Räterepublik: Der Vorsitzende Sauber versuchte, die Räterepublik in Würzburg zu verankern, was mit seiner Verhaftung endete. Wilhelm Reichart übernahm nach einstimmigem Votum der Münchner Kasernenräte das Amt des Volksbeauftragten für das Militärwesen, um größeres Chaos zu vermeiden. Andere stellten sich auf die Seite der Gegner der Räterepublik: Der stellvertretende Vorsitzende Paul Simon verließ München und schloss sich der Regierung Hoffmann an, die nach Bamberg geflüchtet war. Nach der Ausrufung der kommunistischen Räterepublik unterzeichnete er für den Landessoldatenrat oder dessen Vollzugsausschuss mehrere Flugblätter, in denen die Regierung für den Eintritt in eine Volkswehr, die die Räterepublik bekämpfen sollte, warb.

Die Gegner der Räterepublik organisierten am 23. April 1919 die wohl letzte Tagung des Landessoldatenrats, auf der dieser einen neuen, dreiköpfigen Vollzugsausschuss, mit Paul Simon als Vorsitzendem, bestimmte. Aber auch dieser sollte nur bis zur vollständigen Auflösung des Heeres, die spätestens am 1. Mai 1919 abgeschlossen sein sollte, bestehen bleiben. Mit diesem Datum ging somit das militärische Rätewesen in Bayern zu Ende.

Literatur

  • Georg Köglmeier, Die zentralen Rätegremien in Bayern 1918/19. Legitimation - Organisation - Funktion (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 135), München 2001.

Quellen

  • Der freie Kamerad. Zeitung für die Bayerischen Soldaten, München 1918/19.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Georg Köglmeier, Landessoldatenrat, 1918/19, publiziert am 22.11.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Landessoldatenrat,_1918/19> (26.05.2019)