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Arbeiterwehren

Truppenschau der Roten Armee am 22. April 1919 in München, Ludwigstraße. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Truppenschau der Roten Armee am 22. April 1919 in München, Siegestor/Leopoldstraße. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Günther Gerstenberg

Proletarische Arbeiterwehren bildeten sich nach dem Umsturz 1918 im Reich stets dann, wenn die Vertreter der alten Gewalten die Errungenschaften der Revolution einzuschränken oder zu beseitigen drohten. Auch in Bayern entstanden 1919 vor allem in größeren metallverarbeitenden Betrieben, aber auch in Städten mit hohem proletarischen Bevölkerungsanteil meist nur bescheiden bewaffnete Arbeiterwehren mit defensivem Charakter.

Arbeiterwehren in Bayern 1919

Die Ermordung Kurt Eisners (1867-1919) am 21. Februar 1919 und insbesondere die Mobilisierung "weißer" Regierungstruppen gegen die Räteherrschaft in Bayern im April 1919 lösten in Südbayern den Aufbau von Arbeiterwehren in Betrieben und Quartieren aus - als proletarische Antwort auf den organisierten Versuch des Bürgertums, den revolutionären Prozess zu behindern, zu stoppen oder umzukehren. Diese zum Teil sehr heterogenen Gruppen, die sich auch "Sicherheitswache", "Rote Garde" oder "Revolutionäre Ortswache" nannten, bildeten gegen Ende April 1919 die sog. Rote Armee, die aber über das Stadium eines eher provisorischen Bündnisses zum Abwehrkampf gegen die "Weißen" nicht hinauskam.

Die Arbeiterwehr Schleißheim bestand aus 15 Mitgliedern, die Arbeiterwehr Stockdorf aus 50. Die Mitgliederstärke der Arbeiterwehren der großen Münchner Betriebe dürfte folgende gewesen sein: "Maffei" 500, "Kustermann" 170, "Landes" 45, "Betriebswerkstätte I" 25, "Bayerische Motorenwerke" 550. Mit der Niederlage der Räteherrschaft in Bayern Anfang Mai 1919 verschwanden die Arbeiterwehren.

Arbeiterwehren im Ruhrgebiet 1920

Der Kapp-Lüttwitz-Putsch provozierte im März 1920 einen reichsweit ausgerufenen Generalstreik. Im Ruhrgebiet bildeten sich Arbeiterwehren, aus denen in kurzer Zeit die Rote Ruhr-Armee entstand. In Bayern riefen KPD und Anarcho-Syndikalisten in Nürnberg und München ebenfalls dazu auf, Arbeiterwehren zu bilden. Ob diese konkrete Formen annahmen, ist nicht überliefert; inwieweit bayerische Arbeiter ihren Klassenkollegen zu Hilfe eilten, ist bislang nicht erforscht. Anfang April 1920 besiegten Reichswehrtruppen die Rote Ruhr-Armee.

Der Kapp-Lüttwitz-Putsch führte unter dem Druck des Militärs und der Einwohnerwehren zur Demissionierung des bayerischen Kabinetts unter Johannes Hoffmann (1867-1930). Gustav von Kahr (1862-1934) wurde Ministerpräsident; mit ihm begann eine neue Epoche, die "Ordnungszelle Bayern". Der Freistaat geriet in Opposition zum Reich und rückte nach rechts. Die Lage der organisierten Arbeiterschaft in Bayern wurde desolat. Arbeiterwehren bildeten sich fortan in Bayern nicht mehr.

Literatur

  • Walter Roos, Die Rote Armee der Bayerischen Räterepublik in München 1919. Gab es diese Armee wirklich? ... und wie war deren Stärke? Heidelberg 1. Auflage 1998.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Günther Gerstenberg, Arbeiterwehren, publiziert am 13.07.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Arbeiterwehren> (21.09.2018)