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US-Kulturaustauschprogramm

Ministerpräsident Hans Ehard (CSU, 1887-1980, Ministerpräsident 1946-1954, 1960-1962; rechts) wurde auf seiner vierwöchigen Studienreise in die USA 1953 von seiner ersten Ehefrau Annelore (1891-1957; 2. v. r.) begleitet. Die Reise führte ihn u. a. nach Hollywood, wo er die Dreharbeiten zum Monumentalfilm "Demetrius and the Gladiators" (dt. "Die Gladiatoren") besichtigte. Hauptdarsteller Victor Mature (1913-1999, eigtl. Victor Joseph Maturi; 2. v. l.) führte das Ehepaar Ehard über das Set und das Produktionsgelände der 20th Century Fox. Begleitet wurden sie vom deutsch-amerikanischen Filmkomponisten Franz Waxman (1906-1967, eigtl. Franz Wachsmann; links). Waxman zählt zu den bedeutendsten Filmkomponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, NL Ehard 808)

von Dorottya Ruisz

Am US-Kulturaustauschprogramms nahmen zwischen 1947 und dem Ende der 1950er Jahre rd. 14.000 Personen teil. Das Programm war Teil der sog. Reeducation und Reorientation der westdeutschen Bevölkerung und diente der sog. Containment-Politik. Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgte nach einem sorgsamen Verfahren. Bevorzugt wurden vornehmlich Personen, die ein ausgeprägtes Multiplikatorenpotential besaßen. Unter ihnen findet sich in großer Zahl die Spitzen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. An den zumeist mehrmonatigen Aufenthalten nahmen daneben im sog. Teen-Age-Programm auch Schülerinnen und Schüler sowie Studierende teil. Zu den prominenten Teilnehmern aus Bayern zählten Franz Josef Strauß (CSU, 1915-1988), Waldemar Freiherr von Knoeringen (SPD, 1906-1971), Hildegard Hamm-Brücher (FDP, 1921-2016) und Maria Probst (CSU, 1902-1967).

Im Kontext der US-amerikanischen Umerziehungspolitik

Als die US-amerikanischen Besatzer 1945 in Bayern ankamen, sahen sie die Eindämmung der NS-Ideologie als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Ziel war es, die nationalsozialistische Weltanschauung abzulösen und durch eine fest verankerte Demokratie zu ersetzen. Dies galt als eine unabdingbare Voraussetzung für langfristige Völkerverständigung. Realisiert werden sollte die Demokratisierung durch ein weitreichendes Umerziehungsprogramm (Reeducation). Es erstreckte sich auf die Erneuerung des Bildungswesens und die Neuregelung religiöser Angelegenheiten, die Überführung der Kultur- und Medienpolitik in den Pluralismus, die Durchführung eines Film-, Frauen- und Jugendprogramms, die Etablierung der Amerikahäuser und einen Austausch von Personal an geeigneten Schaltstellen.

Zunächst konzentrierten sich die Umerziehungsmaßnahmen auf den Bereich des Bildungswesens, zumal hier das Einflusspotential als besonders hoch eingeschätzt wurde. Die Erfolgsaussichten waren jedoch aus vielerlei Gründen beschränkt: Eine rasche Wiedereröffnung der Schulen war geboten, um einer Verwahrlosung der Kinder und Jugendlichen vorzubeugen, so dass der Austausch von Personal und Lehrbüchern nicht vollendet werden konnte. Außerdem waren zusätzliche Herausforderungen für die Besatzer die Wiedererrichtung und Ausstattung der Schulgebäude, die Schulspeisung sowie die durch Flüchtlinge und Vertriebene erhöhten Schülerzahlen.

Der damalige bayerische Innenminister Alfons Goppel (CSU, 1905-1991, Innenminister 1958-1962) bereiste vom 19. Oktober bis 3. Dezember 1959 die USA im Rahmen des "Cultural Exchange Projekt PA 59". (Archiv für Christlich-Soziale Politik, NL Goppel 121)

Des Weiteren musste sich die Militärregierung mit dem starken Widerstand gegen die Schulreform auseinandersetzen, der von der wieder aufgebauten einheimischen Kultusbehörde angefacht wurde (Müller, Schulpolitik, 111–288). Diese störte sich an der beabsichtigten sog. äußeren Reform, die Angleichung an das US-amerikanische Schulwesen mit einem rein horizontal gegliederten Schulsystem beinhaltete. Den Hintergrund für die amerikanischen Bestrebungen lieferte der sog. Zook-Report (Amerikanische Erziehungskommission, Stand der Erziehung, 1946). In diesem wurde das bayerische System mit seinen vertikal getrennten Schulgattungen nach der vierjährigen Grundschulzeit als ein Nährboden für elitäres Denken eingeschätzt, das mitunter den Weg in den Nationalsozialismus geebnet habe.

Fehlende Fortschritte sowie das Memorandum einer universitären Arbeitsgemeinschaft aus Chicago (USA; Arbeitsgemeinschaft für deutsche Fragen an der Universität Chicago) bewegte die US-Militärregierung jedoch zur Aufgabe der beabsichtigten strukturellen Schulreform. Ab dem Beginn der 1950er Jahre konzentrierten sich die Maßnahmen vermehrt nicht einmal mehr auf die Diskussion um schulische Erziehungsziele und Inhalte, sondern auf außerschulische Bereiche, wie den Aufbau der Amerikahäuser und die Organisation eines Kulturaustauschprogramms (Füssl, Kulturaustausch, 169–201).

Organisation durch die Militärregierung

Die Abkehr von der äußeren Schulreform manifestierte sich im Wechsel der Leitung der Erziehungsabteilung der Militärregierung, als Alonzo Grace (1896–1971, Leiter der Erziehungsabteilung 1948–1949) im Sommer 1948 die Leitung der "Education and Cultural Relations Division" (E&CR) übernahm. Das Kulturaustauschprogramm hatte im Jahr zuvor seinen Anfang genommen und wurde zu Beginn der 1950er Jahre weiter ausgedehnt. Dass diesem Teil der Umerziehungspolitik eine große Bedeutung zukam, zeigt auch die 1948 eröffnete eigene Unterabteilung der E&CR für kulturelle Angelegenheiten ("Cultural Affairs Branch"; Heydenreuter, Office, 230). Mit "Austausch" waren vor allem die Reisen von Fach- und Führungskräften in die USA gemeint, die unter dem Titel "German Experts to the United States" zusammengefasst wurden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Erziehungswesen verbrachten beispielsweise zwischen einem und drei Monaten in den Vereinigten Staaten. Die finanzielle Grundlage wurde dabei von der Militärregierung gestellt.

Durchführung vor Ort

Planung und Durchführung des Programms vor Ort in den Vereinigten Staaten lag bei den "sponsors", aus dem entsprechenden Fach- oder Berufsverband angeworbenen Unterstützern des Austausches (OMGUS 1.10.1948–31.12.1949, Mf. 1–9). Diese geschickte Zusammenführung von Personen in ähnlichen fachlichen und beruflichen Positionen sollte gewährleisten, dass die Teilnehmer des Austauschprogramms befriedigende Fachgespräche, sinnstiftende Konferenzteilnahmen und Ähnliches erleben konnten.

Inhaltliche Ausgestaltung

Der CSU-Politiker und Landrat des Landkreises Freising, Philipp Held (CSU, 1911-1993, Freisinger Landrat 1945-1966, MdL 1954-1974), nahm vom 11. September bis 1. November 1956 an einer Studienreise in die USA teil. Held dokumentierte seine Reise in zahlreichen Aufnahmen. Hier besichtigt er gemeinsam mit Reiseteilnehmern eine Lebensmittelfabrik (rechts im Bild: Philipp Held). Neben politischen und gesellschaftlichen Themen standen vor allem auch wirtschaftliche im Vordergrund der Studienreisen. (Archiv für Christlich-Soziale Politik, NL Held Philip 14 13)

Das Kulturaustauschprogramm war im Rahmen der Umerziehungspolitik den Zielen der Völkerverständigung und Demokratisierung untergeordnet. Das Kennenlernen der Vereinigten Staaten sollte zur Entwicklung von Toleranz beitragen auf dem Weg zu einem friedlichen Miteinander der Völker. Dabei waren demokratische Verhaltensweisen der US-Amerikaner zu beobachten und sich anzueignen. Unterstützt werden sollten möglichst viele Bereiche des öffentlichen Lebens, so bspw. Gewerkschaften, Frauenorganisationen und politische Institutionen (Latzin, Lernen [2005], 139–304). Besondere Förderung wurde dem Erziehungswesen zuteil; Personen aus diesem Kreis machten rund zwölf Prozent der Teilnehmer am Austauschprogramm aus.

Nachdem das Ziel der Veränderung des Schulsystems in den Hintergrund getreten war, konzentrierten sich die Projekte im Bildungswesen auf eine sog. innere Schulreform im Zuge der Kehrtwende der Politik unter Alonzo Grace. So sollten die bayerischen Teilnehmer bei Hospitationen beispielsweise im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht die Verwendung objektiver Testverfahren beobachten. Die Aneignung dieser Methode sollte durch ihre Förderung von Unvoreingenommenheit und Vorurteilsfreiheit beispielhaft für friedliche Problemlösungsstrategien im Alltag und ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Weltfrieden sein. Das Projekt "Curriculum and Curriculum Making" zielte darauf ab, die Revision der Lehrpläne durch die Begegnung mit US-amerikanischen Lehrplänen und deren Erstellungsprozessen zu fördern. Es galt die bayerischen Stundentafeln und Lehrpläne zu modernisieren und den Fokus auf Lebensnähe zu legen. Mit dem Projekt "Study of Social Studies Teaching in the U.S." wurde das Konzept der politischen Bildung bedacht; hier sollte erkannt werden, wie demokratisches Handeln auf drei Ebenen angeeignet werden konnte: im klassenübergreifenden schulischen Miteinander, durch Pluralismus zulassenden Unterrichtsmethoden und in einem separaten Unterrichtsfach Sozialkunde.

Auswahl der Teilnehmer

Franz Josef Strauß (CSU, 1915-1988, Bundesverteidigungsminister 1956-1962) nahm 1956 zum zweiten Mal an einer Studienreise in die USA teil. Hier ist er auf dem US-amerikanischen Flugzeugträger USS Randolph (CVA-15) mit weiteren Reiseteilnehmern und US-Offizieren zu sehen. V.l.n.r.: NN, Max-Eckart Wolff (1902-1988, Chef des Stabes beim Kommando der Seestreitkräfte 1956-1957), Karl-Adolf Zenker (1907-1998, Unterabteilungsleiter für Führung und Verbandsausbildung im Führungsstab der Marine 1956-1957), Hellmuth Heye (CDU, 1895-1970, MdB 1953-1961), NN, Franz Josef Strauß. Foto: 8. September 1956. (Archiv für Christlich-Soziale Politik,NL Strauß Slg Kray 35-5 001)

Die Teilnehmerzahlen am Austausch waren begrenzt; für die einzelnen Projekte wurden im Durchschnitt nur vier Personen ausgesucht. So ist es verständlich, dass die Auswahl sehr sorgfältig erfolgte, auch aus Rücksicht auf den amerikanischen Steuerzahler und den hohen Organisationsaufwand des Austauschs. Das überragende Kriterium war neben der politischen Zuverlässigkeit das der potentiellen Multiplikatorfunktion des Kandidaten. Dieser musste vorweisen, dass er über die Fähigkeit, das berufliche Netzwerk und die Handlungskompetenz verfügte, das in den USA erworbene Wissen und Können in Bayern zu verbreiten.

Am Beispiel des Lehrplanprojekts kann das Primat des Multiplikatorpotentials veranschaulicht werden. Es wurden Kandidaten ausgewählt, die sich bereits einen Namen in der Lehrplanentwicklung gemacht hatten und Positionen einnahmen, die eine Einarbeitung der Auslandserfahrung ermöglichten. Aus Bayern nahm so im Jahr 1949 Silvia Gräfin von Brockdorff (1908–2003) teil, die in beratender Funktion beim Office of Military Government for Bavaria (OMGB) tätig war, sowie Paul Wilpert (1906–1967), der eine Professur für Philosophie und Pädagogik in Passau innehatte. Beide Personen waren später bei den Beratungen der "Stiftung zum Wiederaufbau des Bayerischen Erziehungs- und Bildungswesens" (sog. Wallenburg-Stiftung) dabei. Die Stiftung wurde am 5. April 1948 vom Kultusministerium eingesetzt und benannte sich nach Schloss Wallenburg (Lkr. Miesbach), ihrem ersten Tagungsort (ab 1. Dezember 1948 war der Tagungsort Kempfenhausen [Lkr. Starnberg]). In der Wallenburg-Stiftung setzte sich ein Expertenkreis mit verschieden Belangen des bayerischen Erziehungswesens auseinander, etwa den obersten Bildungszielen und den Inhalten der Lehrerbildung. Die Rückkehrer aus den Vereinigten Staaten wurden dabei systematisch betreut, um den Transfer des fachlichen Wissens und die Verbreitung der demokratischen Verhaltensweisen zu garantieren (Latzin, Lernen [2005], 304–321).

Relevant waren allerdings auch Faktoren gänzlich anderer Art: Verheiratete Bewerber wurden bevorzugt, um davon ausgehen zu können, dass diese tatsächlich nach Bayern zurückkehren würden. Eine Rolle spielten auch Englischkenntnisse als Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation im Zielland. Die Berufserfahrung und damit auch das Alter der Kandidaten waren ebenfalls von Bedeutung. Während der Planungsphase vor 1948 hatte es noch so ausgesehen, dass der Kulturaustausch in erster Linie der jüngeren Generation offen stehen sollte. Die Altersgruppe der 16- bis 19-jährigen kam schließlich im kleineren sog. Teen-Age-Programm auf ihre Kosten (Pilgert, Exchange, 60–62; Puaca, Missionaries). Den größeren Teil machten allerdings gleich nach Beginn des Austauschprogramms die Führungskräfte aus.

Zur Bedeutung des Programms

August Fischer (1901-1986, OB von Kempten 1952-1970) überreicht Vertretern der Stadt Kenosha (Wisconsin, USA) eine bei Ausgrabungen in Kempten gefundene römische Amphore als Gastgeschenk. Fischer stand an der Spitze einer achtköpfigen Gruppe aus Kempten, die 1954 eine zweimonatige Studienreise in die USA unternahm. Thema der Reise war das Kommunalwesen amerikanischer Städte. Aufnahme vom 4. Oktober 1954. (Stadtarchiv Kempten)

Der Kulturaustausch mit seiner Hochphase zwischen 1949 und 1953 fällt in eine Zeit der zunehmenden Partnerschaftlichkeit zwischen Deutschland und den USA und kann als Teil der sog. Containment-Politik betrachtet werden, bei der die USA mit politischen Mitteln die Ausbreitung des Kommunismus verhindern bzw. eindämmen wollten. Die Maßnahmen waren Teil des "Reeducation-Programms", wobei bei diesen wenig direktiven Aktionen der Begriff "Reorientation" mehr das tatsächliche Geschehen trifft.

Zwischen seinem Beginn und dem Ende der 1950er Jahre absolvierten 14.000 Personen das Austauschprogramm, eingeschlossen der 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche die Länder Westeuropas besuchten. Auf das "Teen-Age-Programm" entfielen dabei in der ersten Hälfte der 1950er Jahre rund 2.300 einjährige Aufenthalte. Der Austausch wurde als das Herzstück der Reorientation gesehen. Der Gouverneur des Office of Military Government for Germany (OMGUS) Lucius D. Clay (1898–1978, Militärgouverneur 1947–1949) bezeichnete ihn als "foundation upon which our reorientation program was built" (Clay, Decision in Germany, 301).

Die geschickte Platzierung der zurückkehrenden Spitzenkräfte in zu den Auslandserfahrungen passenden Gremien des nachkriegszeitlichen Bayerns zeugen von der potentiellen Strahlkraft. Dabei kann letztlich jedoch nicht eindeutig geklärt werden, welche demokratischen Elemente sich tatsächlich auf den Austausch zurückführen lassen (zu Reaktionen auf den Austausch in der Öffentlichkeit vgl. Latzin, Lernen [2005], 321–326). Als mäßig ist wohl der Erfolg des Programms für die jüngere Generation einzuschätzen, da die Vereinigten Staaten auf die Jugendlichen eine zu große Anziehungskraft ausübten, was die Wiedereingliederung der Jugendlichen in Bayern erschwerte.

Kritikwürdig ist die Unilateralität des Austauschs, der auch als Werbung für die USA dienen sollte. Aus diesem Grund wird in der historischen Forschung auch schon der Begriff des Besuchsprogramms als Ersatz für den Begriff des Austauschs vorgeschlagen (Kreis; Latzin). In der Tat kamen lediglich 2.000 US-Amerikaner im Rahmen des Kulturaustauschs nach Deutschland. Inhaltlich war er komplett von Einseitigkeit geprägt – es bestand von Beginn an die Implikation, dass es lediglich die Lebensweise in Deutschland zu verbessern galt. Am meisten Bilateralität war noch im Lehreraustausch zu beobachten, wobei es sich nur um wenige Teilnehmer handelte. Reziproker wurde der Kulturaustausch nach seiner Zuordnung zum Außenministerium der USA ab 1951, als bald auch das "Fulbright-Programm" für Deutschland geöffnet wurde. Das 1946 von James William Fulbright (1905–1995) initiierte Programm unterstützt den akademischen Austausch von und mit den USA (Stand 2019: über 160 Partnerländer und seit 1946 über 390.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer).

Eine zusammenfassende Beurteilung der Wirkung des Kulturaustausches lässt sich alleine schon wegen der heterogenen Teilnehmerschaft schwer vornehmen. Sein Anteil an der Erfolgsgeschichte der Demokratisierung des Landes ist nicht zu beziffern; mitunter schätzt die historische Forschung die Wirkung dieser Maßnahmen im Vergleich zum Einfluss der verbesserten wirtschaftlichen Verhältnisse als gering ein. Belegt ist, wie die bayerischen Absolventen vor allem vom Wohlstand und der Fortschrittlichkeit des Gastlandes beeindruckt waren, beispielsweise aber dem Schulsystem kritisch gegenüberstanden. Einen gewissen Beitrag zur Demokratisierung auf dem Weg in die Verankerung in die westliche Welt leistete dieses bisher größte Kulturaustauschprogramm der Geschichte jedoch mit Sicherheit.

Überblick über einige Teilnehmer, die Themen der Studienreisen, die Reisedauer und die Stationen der Reise
Name Lebensdaten Funktion zum
Zeitpunkt der
Studienreise
Thema der Studienreise Dauer der Studienreise Stationen der
Studienreise
Quelle/Literatur
Adam, Robert geb. 1894 Ministerialdirigent und Stellv. Des Staatssekretärs für das Flüchltingswesen Flüchtlingsbetreuung und -assimilierung 1950/51, vier Monate Latzin (2005), Lernen, 337.
Albrecht, Lisa 1896-1958 Stellv. Landesvorsitzender der SPD (1947-1949), Vorsitzende des Frauenausschusses der SPD (1947-1958) Frauen in der Poilitk 18.2. bis 28.4.1949 Latzin (2005), Lernen, 276.
Anderl, Ludwig 1909-1967 Kaplan in Trostberg Arbeit und Soziales 1949/50 Latzin (2005), Lernen, 338.
Anhegger, Friederike 1921-2009 Stadträtin in Kempten (CSU, 1972-1990) 1954, zwei Monate (15.9.-19.11.1954) New York City, Washington D.C., Niagara Falls (New York), Chicago (Illinois), Kenosha (Wisconsin), Denver (Colorado), Rocky Mountains, Milwaukee (Wisconsin), Salt Lake City (Utah), San Francisco (Kalifornien), Los Angeles (Kalifornien), Grand Canyon (Arizona), New Orleans (Louisiana) Latzin (2005), Lernen, 339. Stadtarchiv Kempten.
Baer, Fritz 1901-1993 Ministerialdirektor, Leiter der Staatskanzlei (1957-1960) Politik und Verwaltung 1957, sechs Wochen Latzin (2005), Lernen, 340.
Baeyer, Wanda von Leiterin des Fränkischen Frauenbundes, Leiterin des Bundesausschusses für staatsbürgerliche Mitarbeit im Deutschen Frauenring, Ehefrau des Psychiaters Walter von Baeyer Frauenorganisation und politisches Vereinswesen Latzin (2005), Lernen, 276.
Bamberger, Elisabeth 1890-1984 Leiterin des Stadtjugendamtes München (1950-1955) Wohlfahrtseinrichtungen für Mutter und Kind 1951 Latzin (2005), Lernen, 340.
Baudrexel, Josef Geschäftsführer des Landesverbandes für freie Volksbildung Erwachsenenbildung 1953 Latzin (2005), Lernen, 163.
Birnbaum, Immanuel 1894-1982 Leiter des Ressorts Außenpolitik der SZ (1953-1972) Pressewesen 1955, sechs Wochen Latzin (2005), Lernen, 343.
Böhm, Wilhelmine Referentin für Mädchenbildung im Staatsministerium für Unterricht und Kultus Latzin (2005), Lernen, 141.
Bosl, Karl 1908-1993 1. Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (1949-1954), Verbindungsmann der Wallenburg-Stiftung zum Kultusministerium (1951/52) Lehrerbildung und Lehrerverbände 1951/52 Latzin (2005), Lernen, 154, 344.
Brauer, Heinz 1909-2000 Stellv. Vorstandsmitglied der Renk AG (1949-1956) Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeziehungen 1950 Latzin (2005), Lernen, 345.
Braun, Hanns Maria 1893-1966 Honorarprofessor für Theaterkritik (1949), Theaterkritiker Theaterkritik 1949 Latzin (2005), Lernen, 345.
Brenner, Eduard 1888-1970 Stadtrat (SPD) in Nürnberg (1946-1950), Vorsitzender des Landesverbandes für freie Volksbildung (1946-1949) Rechts- und Politikwissenschaften in der Hochschulbildung 1949, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 144.
Brockdorff, Silvia Gräfin von geb. 1908 Beraterin für Erziehungsfragen bei der US-Militärregierung (1948) Lehrplangestaltung 1949, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 152.
Domcke, Hans 1923-2010 Tätigkeit in der bayer. Justiz (seit 1949) Politik 1956 Latzin (2005), Lernen, 133, 350.
Ebert, Wilhelm 1923-2017 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (1948-1952) Lehrerbildung und Lehrerverbände 1949, 1951/52 Latzin (2005), Lernen, 153, 154, 352.
Ehard, Hans 1887-1980 Ministerpräsident (1946-1954), Vorsitzender der CSU (1949-1955) Politik 1953, vier Wochen u. a. Chicago (Illinois), Hollywood (Kalifornien) Latzin (2005), Lernen, 276, 353. SZ, 21.7.1953, 10.
Erhard, Ludwig 1897-1977 Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des VWG (1948-1949), Bundesminister für Wirtschaft (1949-1963) Politik 1949, drei Wochen Latzin (2005), Lernen, 133, 353.
Feilner, Hildegund geb. 1918 Referentin im Wirtschaftsministerium (1948-1952) Frauenorganisationen und Wirtschaft 1950, sieben Monate (März bis Sept.) New York City, Washington D.C., New Orleans (Louisiana), Monroe (Lousiana), Chicago (Illinois), Minneapolis (Minnesota), Detroit (Michigan), Hartfort (Connecticut), Salt Lake City (Utah), San Francisco (Kalifornien), Los Angeles (Kalifornien), Denver (Colorado) Latzin (2005), Lernen, 282, 355.
Fendt, Franz 1892–1982 Rektor der Hochschule für politische Wissenschaften (HfP) München (1950-1954) Rechts- und Politikwissenschaften in der Hochschulbildung 1949, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 355.
Feury, Otto Freiherr von 1906-1998 Stellv. Vorsitzender des BBV Oberbayern (1949-1955) Landwirtschaftsorganisationen 1949, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 356.
Fingerle, Anton 1912-1976 Münchner Stadtschulrat (1945-1976) Erziehungswesen 1948 (Sept. bis Nov.) u. a. New York City, Albany (New York), Hartfort (Connecticut), Buffalo (New York), Detroit (Michigan), Battle Creek (Michigan), Lansing (Michigan), Chicago (Illinois), Schenectady, Baltimore (Maryland), Washington D.C. Latzin (2005), Lernen, 154, 356.
Fischer, August 1901-1986 OB Kempten (1952-1970), Präsident des "Verbands der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen" (1951-1961) 1954, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 357.
Gebel, Christa geb. 1924 Frauensekretärin im Bayerischen Gewerkschaftsbund Frauen in Gewerkschaften und Arbeitsleben 1949, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 280, 360.
Glum, Friedrich 1891-1974 Ministerialdirigent in der Staatskanzlei (1946-1952) Rechts- und Politikwissenschaften in der Hochschulbildung 1949, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 142, 361.
Goppel, Alfons 1905-1991 Innenminister (1958-1962) Politik 1959, sechs Wochen (19.10. bis 3.12.1959) Latzin (2005), Lernen, 133, 362. ACSP, NL Goppel 121.
Guttenberg, Elisabeth Freifrau zu 1900-1998 Landesvorsitzende der Katholischen Frauenhilfe Laienpartizipation in der Katholischen Aktion 1950 Latzin (2005), Lernen, 364.
Hagen, Lorenz 1885-1965 Präsident des Bayer. Gewerkschaftsbundes (1947–1949), Vorsitzender des DBG-Landesbezirks Bayern (1949–1955), MdL (SPD, 1946–1954) Gewerkschaftsorganisationen in den USA 1949, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 133, 365.
Hamm-Brücher, Hildegard 1921-2016 Stadträtin in München (FDP, 1948-1954) Political and Social Science Program 1949/50, ein Jahr Latzin (2005), Lernen, 365.
Haushofer, Heinz 1906-1988 Geschäftsführer des Landesausschusses für landwirtschaftliche Beratung und Fortbildung im Landwirtschaftsministerium (1949-1951) Landwirtschaftlicher Beratungsdienst 1949, zwei Monate u. a. Washington D.C., div. Orte in den Bundesstaaten West-Virginia und Pennsylvania Latzin (2005), Lernen, 270, 367.
Held, Philipp 1911-1993 Landrat von Freising (1945-1966), MdL (CSU, 1954-1974) 1956 (17.9. bis 1.11.) New York City, Washington D.C., Boston (Massachusetts), Williamsport (Pennsylvania), Buffalo (‎New York), Niagara Falls (New York), Chicago (Michigan), Denver (Colorado), Williams (Arizona), Los Angeles (Kalifornien), San Francisco (Kalifornien), Salt Lake City (Utah), Dallas (Texas), New Orleans (Louisiana), Sidney (Nebraska) ACSP, NL Held 14.
Hilgard, Hanns geb. 1911 Mitarbeiter in der Hochschulabteilung des Kultusministeriums (1946-1952) Öffentliche Verwaltung 1949, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 141, 371.
Hörburger, Frieda Leiterin des Kindergartenseminars der LMU 1950, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 141, 372.
Hundhammer, Alois 1900–1974 Kultusminister 1946–1950, MdL (CSU, 1946–1970) Bildungswesen USA 1950 (17.5. bis 26.5.) u. a. Washington D.C., Chicago (Michigan), New York City, div. Orte in den Bundesstaaten Virginia, Maryland, Latzin (2005), Lernen, 157-158. SZ, 26.5.1950, 22.5.1950, 31.5.1950.
Ilk, Hertha 1902-1972 MdB (FDP, 1949-1957) Frauen in der Politik 1951, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 276, 373.
Knoeringen, Waldemar Freiherr von 1906-1971 MdL (SPD, 1946-1970), Landesvorsitzender der SPD (1947-1963) Politik 1949 Latzin (2005), Lernen, 133, 379.
Laufer, Gerda 1910-1999 Stadträtin in Würzburg (1946-1956), MdL (SPD, 1954-1974) Politik und Gesellschaft 1954 Latzin (2005), Lernen, 276, 383.
Lippl, Alois Johannes 1903–1957 Intendant des Bayer. Staatsschauspiels (1948–1953) Theatermanagement 1949/50 Latzin (2005), Lernen, 133, 386.
Maly, Josef 1898-1961 Direktor der Landesanstalt für krüppelhafte Kinder Ausbildung von Lehrern an Behindertenschulen 1949, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 141, 387.
Meinzolt, Hans 1887-1967 Staatsrat im Kultusministerium (1946-1954) Erziehungswesen 1952, einen Monat Latzin (2005), Lernen, 141, 389.
Neff, Richard geb. 1892 Vorsitzender des Bayer. Landkreisverbandes (1948-1952) Kommunalwesen 1951 Latzin (2005), Lernen, 133, 393.
Probst, Maria 1902-1967 MdL (CSU, 1946-1949), MdB (1949-1967) Frauen in der Politik 1949, drei Monate New York City, Syracuse (New York), Indianapolis (Indiana), Bloomington (Indiana), Hartford (Connecticut), Riverdale (Connecticut), Salem (Massachusetts), Glastonbury (Connecticut), Philadelphia (Pennsylvania) Latzin (2005), Lernen, 276, 399.
Rucker, August 1900-1978 Rektor der Technischen Hochschule München (1951-1954) Erziehungswesen 1954, zehn Wochen Latzin (2005), Lernen, 141, 403.
Schaller, Jutta 1909-1983 Wirtschaftsministerium (seit 1950) Frauenorganisationen 1951 Latzin (2005), Lernen, 277, 404.
Schilling, Josef 1892–1957 MdS (1947–1957), Direktor des Arbeitsamtes München (seit 1951) Gewerkschaften und Öffentlichkeit 1949, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 133, 406.
Seeling, Otto 1891–1955 CSU, Unternehmer, Präsident des Landesverbandes der Bayerischen Industrie (1949-1955) 1951 (8.11. bis 5.12.) u. a. New York City, Washington D.C., Buffalo (New York), Toledo (Ohio), Niagara Falls (New York), Detroit (Michigan), Pittsburgh (Pennsylvania), Greenfield-Village (Michigan), Corning (New York) Latzin (2005), Lernen, 111-112, ACSP, NL Seeling
Seidel, Hanns 1901-1961 MdL (CSU, 1946-1961), Vorsitzender der CSU (1955-1961) Politik 1956, sechs Wochen Latzin (2005), Lernen, 133, 412.
Spindler, Sofie 1904-1997 Direktorin der Landesblindenschule München (1947-1969) Ausbildung von Blindenschullehrern 1949 Latzin (2005), Lernen, 141, 415.
Strauß, Franz Josef 1915-1988 MdB (CSU, 1949-1978) Prärogativrechte und Verantwortung der Legislative 1953, einen Monat Latzin (2005), Lernen, 133, 418.
Thieme, Willy 1912-1979 MdL (SPD, 1950–1958) Prärogativrechte und Verantwortung der Legislative 1951, drei Monate Latzin (2005), Lernen, 133, 420.
Wilpert, Paul 1906-1967 Präsident des Bayerischen Landesverbandes für freie Volksbildung (1949-1955) Erziehungswesen und Erwachsenenbildung 1949, zwei Monate Latzin (2005), Lernen, 163, 426.
Wimmer, Thomas 1887-1964 OB München (SPD, 1948-1960), MdL (SPD, 1946-1958) Politik 1954 Latzin (2005), Lernen, 133, 427.
Zorell, Elisabeth 1896-1993 Leiterin des Kindergärtnerinnenseminars der Sozialen Frauenschule München (1944-1961) Ausbildung von Kindergartenerzieherinnen 1949, vier Monate Latzin (2005), Lernen, 141, 430.

Anm.: Die Tabelle beinhaltet eine Auswahl unterschiedlichster Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nicht in allen Fällen sind die Organisatoren der Reise und die jeweiligen Stationen allgemein bekannt.

US-Austauschprogramm: Anzahl der Teilnehmer 1947-1954
Berufsfelder der Teilnehmer US-Amerikaner
nach
Deutschland
Deutsche
in die USA
Erziehungsfragen *390 *1.567
Jugendfragen 112 736
Religiöse Angelegenheiten 54 305
Frauenfragen 32 319
Gesundheits- und Sozialwesen 16 306
Bibliotheken und Museen 17 119
Rechtswesen 28 358
Politik 86 965
Gewerkschaften 39 884
Presse- und Informationswesen 69 563
Landwirtschaft 49 359
Studenten *399 *1.823
Schüler - 2.227
Verschiedene 64 385
Gesamt *1.355 *10.916

Anm.: Mit * markierte Zahlen enthalten auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer des sog. Fulbright Programms. Quelle: ACSP, NL Philipp Held.

Literatur

Quellen

  • Amerikanische Erziehungskommission, Der gegenwärtige Stand der Erziehung in Deutschland, München 1946.
  • Arbeitsgemeinschaft für deutsche Fragen an der Universität Chicago, Höheres Schulwesen in Deutschland. Ein Memorandum über den Bericht der United States Education Mission to Germany, in: Pädagogische Welt 2 (1948), 88–95.
  • Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP)
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA), Findmittel "Stiftung zum Wiederaufbau des Bayerischen Erziehungs- und Bildungswesens (Wallenburg-Stiftung) 1948-1953"
  • Lucius D. Clay, Decision in Germany. Garden City, NY 1950.
  • Henry P. Pilgert, The exchange of persons program in western Germany. Frankfurt am Main 1951.
  • OMGUS, ECR Education Br. Teacher education: Cultural exchange projects "German experts to U.S.", 1949, (individual projects): description of project, correspondence, personal data of involved experts, some reports. 2 Mikrofiches. 1.10.1948–31.12.1949. Institut für Zeitgeschichte, 5/308-2/34-62.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA), Reiseunterlagen bayerischer Teilnehmer am US-Kulturaustauschprogramm, in: MWi 13046-13049 (Akten des Reationalisierungs-Kuratoriums der Deutschen Wirtschaft, Bezirksgruppe Bayern).
  • Stadtarchiv Kempten, NL Friedel Anhegger.

Weiterführende Recherche

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Dorottya Ruisz, US-Kulturaustauschprogramm, publiziert am 09.12.2019; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/US-Kulturaustauschprogramm> (31.10.2020)





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