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Geheime Feldzeugmeisterei

Hauptmann Ernst Röhm, Foto 1918. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Achim Fuchs

Die Feldzeugmeisterei ist die oberste militärische Einrichtung für die Beschaffung und Verwaltung von Waffen, Munition und Feldgeräten. Innerhalb der bayerischen Armee bestand sie seit 1906, die formelle Abwicklung nach dem Ersten Weltkrieg war 1921 abgeschlossen. Bis dahin hatte sich bei der Reichswehr in Bayern eine geheime Feldzeugmeisterei ausgebildet, die auch mit den paramilitärischen republikfeindlichen Verbänden kooperierte. Zuständig für die Feldzeugmeisterei war vor allem Ernst Röhm (1887-1934). Nach seiner Entlassung im Mai 1923 wurde die Feldzeugmeisterei wieder ganz in die Reichswehr eingebunden.

Einrichtung einer Feldzeugmeisterei 1906 nach preußischem Vorbild

Dem Vorbild der 1898 in Preußen errichteten Feldzeugmeisterei folgte Bayern 1906. Die Feldzeugmeisterei war die oberste militärische Dienststelle für die Beschaffung und Anfertigung des ganzen Kriegsmaterials und des Feldgeräts, entweder bei den technischen Instituten der Armee oder über Privatfirmen. Sie unterstand direkt dem Kriegsministerium. Ihr unterstellt waren (Frühjahr 1914) die Inspektion der Technischen Institute, der wiederum die Gewehrfabrik (Amberg), die Geschützgießerei und Geschossfabrik (Ingolstadt), die Artillerie-Werkstätten (München) usw. unterstellt waren, sowie die Artillerie- und Train-Depot-Direktion.

Die bayerische Feldzeugmeisterei bis zu ihrer Abwicklung 1921

1916 war das Kriegsamt als eigene Abteilung des Kriegsministeriums errichtet worden. Es leitete zentral die Kriegswirtschaft Bayerns, hatte innerhalb des Ministeriums aber auch die Federführung bei der Beschaffung von Waffen, Munition und Gerät. Am 15. Mai 1919 gingen die Befugnisse der Feldzeugmeisterei auf das bisher vorgesetzte Kriegsamt über. Am 1. Juni 1920 wurde dieses zunächst in Feldzeugmeisterei-Abteilung umbenannt und am 1. Oktober 1921 ganz aufgelöst, die Restabwicklung oblag dem Landesfinanzamt München.

In der Reichswehr waren dem "Feldzeugmeisteramt" bzw. seit 1920 der "Zeugamtsabteilung" als zentralen Dienststellen in Berlin bei den beiden Gruppenkommandos in Berlin und Kassel je ein "Zeugamt" nachgeordnet. In den sieben Wehrkreisen bestanden dagegen nur noch je eine "Munitionsanstalt" (später: "Munitions- und Wehrkreiswaffenmeisterei"). Im bayerischen Wehrkreis VII, zum Gruppenkommando 2 gehörig, war diese in Ingolstadt untergebracht. Eine Feldzeugmeisterei der Reichswehr gab es in Bayern also offiziell nicht mehr.

Die geheime Feldzeugmeisterei der Reichswehr in Bayern

Nach Kriegsende 1918 war das Land voll von Waffen, Geräten und Munition. Nur ein Teil davon wurde gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags abgeliefert. Einen Teil der in Bayern befindlichen Bestände kontrollierten Franz Ritter von Epp (1868-1947) als Kommandeur der Schützenbrigade 21 bzw. sein im Stab der Brigade zuständiger Offizier, Hauptmann Ernst Röhm (1887-1934). Durch die Ernennung Epps zum "Infanterieführer VII" am 1. Januar 1921 erweiterte sich die Zuständigkeit Röhms, dem Epp freie Hand ließ, auf ganz Bayern. Die Existenz von Waffenlagern in Bayern war ein offenes Geheimnis. Ihre Verwaltung durch die Bayerische Reichswehr geschah allerdings im Verborgenen. Für dieses so genannte nicht etatmäßige Kriegsgerät errichtete die bayerische Regierung eine geheim gehaltene "Feldzeugmeisterei" ("FZ"). Ihr unterstanden drei Zeugämter in München, Ingolstadt und Bamberg (zeitweise mit Fürth), bezeichnet als "Zeugamt Süd" bzw. "Mitte" und "Nord", dazu eine Anzahl Depots. Außerdem wurden Scheinfirmen errichtet, in denen Teile des Materials lagerten. Die Zeugämter wurden am 15. Juni 1921 aufgelöst.

Kooperation mit Reichswehr und paramilitärischen Verbänden

Nicht nur die Reichswehr hatte Zugriff auf die Feldzeugmeisterei, sondern auch die rechtsradikalen Kampfverbände. Sie deponierten hier Waffen "zu treuen Händen", wurden aber aus den Beständen auch beliefert.

Die schwer überschaubaren Verhältnisse kamen Röhm entgegen. Je mehr er sich als "politischer Soldat" fühlte, desto mehr machte er die Feldzeugmeisterei zu seinem Instrument. Allerdings überreizte er sein Spiel. Eine rechtsradikale "Arbeitsgemeinschaft", an deren Zustandekommen er maßgeblich beteiligt war, plante für den 1. Mai 1923 eine "nationale Demonstration", die auf einen Zusammenstoß mit demonstrierenden Marxisten, aber auch mit der Regierung hinauslaufen sollte. Doch stand die Reichswehr unmissverständlich an der Seite der Regierung. Röhms Beteiligung an der Konfrontation und die teilweise Bewaffnung der Rechtsradikalen aus den Beständen der Feldzeugmeisterei in der Nacht zum 1. Mai galt als Missachtung klarer Befehle seiner militärischen Vorgesetzten. Daher wurde er am 3. Mai seines Postens enthoben. Die Feldzeugmeisterei wurde wieder stärker in die Reichswehr eingebunden.

Während des Hitlerputsches im November 1923 spielte sie keine Rolle mehr: Da sich die Reichswehrtruppen rasch eindeutig auf die Seite der Regierung stellten, blieb den Putschisten der Zugriff auf die von der Reichswehr verwalteten Bestände im Wesentlichen verwehrt.

Wehrmacht und NSDAP

Der Ausbau der Wehrmacht seit 1935 machte eine Neuorganisation der gesamten Feldzeugmeisterei nötig. In jedem Wehrkreis bzw. Korpsbereich wurde ein "Feldzeugkommando" errichtet, das der gemeinsamen "Feldzeugintendantur" unterstand. In Bayern gab es somit bei Kriegsausbruch neben dem Feldzeugkommando VII in München für das 1937 aufgestellte XIII. Armeekorps in Nürnberg ein Feldzeugkommando XIII. Ihnen unterstand im Zweiten Weltkrieg je ein "Heereszeugamt" mit mehreren "Nebenzeugämtern".

Von der Wehrmachtsorganisation zu unterscheiden ist die "Reichszeugmeisterei" der NSDAP. Sie wurde 1928 in der Tegernseer Landstraße 210 in München zunächst für die SA errichtet und der Obersten SA-Führung, 1930 dann dem Reichsschatzmeister der NSDAP unterstellt. Seit 1934 wurde sie zur zentralen Beschaffungsstelle der NSDAP und ihrer Gliederungen ausgebaut.

Literatur

  • Harold J. Gordon jr., Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923-1924, Frankfurt am Main 1971, insbesondere 148-152.
  • Gerhard Heyl, Militärwesen, in: Wilhelm Volkert (Hg.), Handbuch der bayerischen Ämter Gemeinden und Gerichte 1799-1980, München 1983, 371-372.
  • Heinz Hürten, Das Krisenjahr 1923. Militär und Innenpolitik 1922-1924, Düsseldorf 1980.

Quellen

  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, KA, Bayern und Reich. 36. Band, 1. Teil, Akt 4, FZ-Akt.
  • Ernst Röhm, Die Geschichte eines Hochverräters, München 8. Auflage 1934.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Achim Fuchs, Geheime Feldzeugmeisterei, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Geheime Feldzeugmeisterei> (22.03.2019)