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Coburger Convent

Das Ehrenmal des Bildhauers Richard Kuöhl (1880-1961) wurde 1926 im Andenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Deutschen Landsmannschaft (DL) eingeweiht. Das Mahnmal zeigt drei nackte Männer, die gemeinsam ein Schwert in die Höhe strecken. Heute erinnert das Mahnmal an die Gefallenen beider Weltkriege. Alljährlich hält der Coburger Convent bei seinem Pfingstkongress an diesem Mahnmal ein Totengedenken ab. (Foto von Jed lizensiert durch CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons)
Coburger Pfingstkongress, 2009. (Foto von Tersbach lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

von Ulrike Claudia Hofmann

Der 1951 gegründete "Coburger Convent der Landsmannschaften und Turnerschaften an deutschen Hochschulen" ist ein Korporationsverband von Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich. Zu seinen Leitlinien zählen "die Erhaltung und Förderung der abendländisch-christlichen Kultur" sowie die "Verwirklichung eines freien Europa und eines ungeteilten und unteilbaren Deutschlands". Wie viele Studentenverbindungen tat sich auch der Coburger Convent nach 1945 schwer mit der NS-Vergangenheit, nicht nur seiner einzelnen Mitglieder. Immer wieder wurde der eigenen Angaben zufolge "parteipolitisch und konfessionell ungebundene" Verband aus den eigenen Reihen mit nationalistischem und rechtem Gedankengut konfrontiert. Auch die öffentliche Unterzeichnung der "Coburger Resolution gegen Rechts" im Jahr 2000 konnte bislang an dieser zumindest in Teilen latent vorhandenen Ausrichtung nichts ändern.

Gründung

An Pfingsten 1951 schlossen sich die Landsmannschaften, die von 1908 bis 1938 in der "Deutschen Landsmannschaft" (DL) organisiert waren, mit den Turnerschaften des 1872 gegründeten "Verbandes der Turnerschaften an Deutschen Hochschulen (VC)" zum "Coburger Convent der Landsmannschaften und Turnerschaften an deutschen Hochschulen" (CC) zusammen. Das Zusammengehen der beiden pflichtschlagenden Verbindungsarten erklärt sich u. a. daraus, dass bereits während der Weimarer Republik die "Deutsche Landsmannschaft" mit den Turnerschaften einen regen Austausch pflegte. 1953 schrieb man sogar mit den österreichischen Turnerschaften und Landsmannschaften eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit fest. Die Gründung dieses neuen Dachverbandes war keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen die Vorzeichen schlecht, dass das deutsche Korporationswesen neu belebt werden würde. Jedoch wurden bis 1949 nach und nach Studentenverbindungen wieder erlaubt. Verantwortlich dafür war in der Hauptsache das stetige Engagement der Alt-Herren-Verbände, allen voran der katholischen Verbindungen mit ihren einflussreichen Förderern in Staatsverwaltung und CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie der Ost-West-Konflikt. Seit 1951 halten jedes Jahr zu Pfingsten die im "Coburger Convent der Landsmannschaften und Turnerschaften an deutschen Hochschulen" organisierten Verbindungen einen mehrtägigen Kongress mit Tagungen, Sportveranstaltungen und Feierlichkeiten in Coburg ab.

Leitlinien

Mit der Gründung des neuen Dachverbandes begann für die Landsmannschaften der früheren "Deutschen Landsmannschaft" ein politischer Neuanfang, der sich in einer Modifikation der theoretischen Leitlinien niederschlug. Das Kriegsende 1945 und die damit verbundene Ablehnung der Korporationen aufgrund ihrer demokratiefeindlichen Haltung nach 1919 durch eine breite Front von den Alliierten über die westdeutschen Universitätsrektoren bis hin zu einem großen Teil der Studierenden stellte eine tiefgehende Zäsur dar. Nicht nur die Auslegung der Begriffe des Landsmannschafter-Wahlspruches "Ehre, Freundschaft und Vaterland" wurde im Sinne der neuen demokratischen Ordnung verändert, sondern der frühere Wahlspruch der "Deutschen Landsmannschaft" wurde um den Begriff der "Freiheit" erweitert ("Ehre, Freundschaft, Freiheit und Vaterland").

Ohne diese Veränderungen wäre eine Wiederzulassung der Verbindungen nach dem Krieg kaum realistisch gewesen. Daneben wollte der Coburger Convent mit diesen neuen Verbandsprinzipien die Lehren aus seiner nationalistischen Vergangenheit ziehen, in der seine Verbindungen neben anderen zu Wegbereitern des NS-Regimes geworden waren.

Die Nachkriegszeit

Der Umgang mit der NS-Vergangenheit bis zu den 1980er Jahren

Die schriftlich fixierten Positionen des Coburger Convents stimmten aber nicht immer mit der konkreten Verbandspolitik und den Einstellungen in den Mitgliedsverbänden überein. Am deutlichsten zeigte sich dies an den Gedenkreden vor dem Landsmannschafter-Denkmal oder anderen Stellungnahmen zum jährlichen Pfingsttreffen der Coburger Convent-Verbindungen in Coburg. Ein zentrales Thema, an dem sich der Convent aufgrund der Haltung seiner Vorläuferorganisation während der NS-Zeit messen lassen musste, war sein Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Bis in die 1980er Jahre stand eine unkritische und undifferenzierte Glorifizierung deutscher Weltkriegssoldaten als ehrenvoll und tugendhaft im Vordergrund. Unbequeme Fragen wie nach der Kriegsschuld stellte man nicht. Nur selten und sehr vorsichtig wurde die jüngste deutsche Vergangenheit kritisch thematisiert.

Die Umbewertung des Landsmannschafter-Denkmals

Gleichzeitig distanzierten sich die Korporationen des Coburger Convents bereits seit ihrer Gründung von der kriegsverherrlichenden und –bejahenden Bewertung des 1926 errichteten Landsmannschafter-Denkmals. Viele wollten das Denkmal als Symbol für den Sieg der Freiheit und Friede in aller Welt gedeutet sehen, betonten ihre friedliche Gesinnung und wehrten sich gegen den Vorwurf der Kriegsverherrlichung. Im Coburger Convent sah man keinen Widerspruch zwischen der Verehrung des Soldatentums und der Ablehnung von Krieg. Einerseits verurteilte der Coburger Convent Krieg und Blutvergießen, andererseits wehrte sich die Weltkriegsgeneration mit einer Idealisierung der Soldaten dagegen, Sinn und Richtigkeit eines Teils ihrer Lebensgeschichte zu erschüttern.

Zaghafter Aufbruch in den 1980er Jahren

Auch in den 1980er Jahren gelang es dem Verband nicht, sich ernsthaft und konsequent mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Zwar kamen in den Gedenkreden Themen wie Soldatenbild, NS-Vergangenheit oder Kriegsschuld stärker zur Sprache, die Redner verurteilten zaghaft das Dritte Reich, doch bisherige Denkschemata wurden nicht durchbrochen, geschweige denn die eigene Rolle, die Affinität für das nationalistisch-völkische Gedankengut oder die mangelnde Offenheit gegenüber diesen Themen innerhalb des Verbandes selbstkritisch beleuchtet.

Eher am Rande und in der Wahl der Formulierungen zeigten sich Ansätze, sich mit der jüngsten deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen. So sprach 1984 der Redner Christian Hoyer im Rahmen der Gedenkfeier das erste Mal unumwunden an, dass auch in deutschem Namen Kriegsverbrechen begangen wurden. In einem jahrzehntelang gepflegten Ritual während des jährlichen Pfingsttreffens spiegelte sich jedoch eine eindeutige nationalistische Komponente im Coburger Convent unverblümt wieder. Nach einem Fackelzug der Verbindungen durch das nächtliche Coburg sangen die Korporierten öffentlich alle drei Strophen des Deutschlandliedes.

Der Wandel durch die Wiedervereinigung

Die Wiedervereinigung 1990 stellte für den Coburger Convent einen erneuten Einschnitt dar. Sie führte dazu, althergebrachte Traditionen und Rituale zu überdenken, und leitete letztlich zu Beginn der 1990er Jahre eine Kursänderung ein. Seither traten liberalere Verbindungen offensiver auf und prägten stärker das öffentliche Bild des Coburger Convents. Zwar halten alle Bünde an der Mensur fest, die Gesamtlinie des Verbandes veränderte sich aber deutlich: So fanden 1991 im Vorfeld des Pfingstkongresses Gespräche zwischen dem Verband und seinen heftigsten Kritikern, den Jusos, statt; die Mahnstunde wandelte sich zur Feierstunde, bei der seither für die erste Strophe des Deutschlandliedes kein Platz mehr ist. Auch die Gedenkreden vor dem Landsmannschafter-Denkmal zeugten von größerer Offenheit und Selbstkritik: Man fragte nach den Ursachen solcher Denkmäler, bekannte sich stolz zu den Landsmannschaftern, die dem Widerstand angehört hatten oder forderte den eigenen Verband auf, sich Kritik und Selbstkritik zu stellen. Jeder Form von Nationalismus und Vaterlandsverherrlichung erteilte man eine klare Absage, ja man öffnete sich sogar für junge Ausländer. Daneben war dem Coburger Convent die Betonung des Toleranzprinzips so wichtig, dass er im Dezember 2000 die "Coburger Resolution gegen Rechts" unterzeichnete.

Der "alte Geist"

Dennoch war dieser Kurs innerhalb des Coburger Convents nicht unumstritten. Bis in die jüngste Vergangenheit traten immer wieder nationalistische Töne hervor. Schon 1993 wurde das deutschtümelnde Image des Coburger Convents durch eine Gedenkrede vor dem Ehrenmal reaktiviert. In dieser verglich der Redner Dieter Wiebecke, wie bereits 1943 Hermann Göring (NSDAP, 1893-1946) im "Großdeutschen Rundfunk", die Schlacht bei Stalingrad 1942/43 mit dem Abwehrkampf der Griechen gegen die Perser bei den Thermophylen 480 v. Chr. Als Konsequenz dieses Vorfalls mussten die Ansprachen des Kongresses im Folgejahr dem CC-Präsidium vorgelegt werden. Bis in die jüngste Vergangenheit brachen beim Coburger Convent solche nationalistischen Töne auf. Als 2001 das erste Mal mit der akademischen Landsmannschaft der Salzburger zu Salzburg eine österreichische Verbindung den Kongress ausrichtete, stand zu befürchten, dass wieder vaterländisches Gedankengut in den Vordergrund rücken würde. Da eine Gruppe von liberaleren Verbindungen mit dem Vorstoß, die Österreicher von der Ausrichtung des Pfingsttreffens auszuschließen, scheiterte, bewahrheitete sich diese Befürchtung. Mit der undifferenzierten Glorifizierung deutscher Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg wurde ein überwunden geglaubter Ehrbegriff wiederbelebt.

Diese Entwicklung zeigt, dass der Coburger Convent trotz aller Veränderungen noch immer von liberalen bis hin zu stramm nationalistischen Korporationen ein breites Spektrum beheimatet und noch heute einen heterogenen Dachverband im Korporationswesen darstellt.

Die Organisation des Coburger Convents heute

Heute (2013) besteht der Coburger Convent aus 96 farbentragenden und pflichtschlagenden Landsmannschaften und Turnerschaften an 45 Hochschulen und Universitäten (41 in Deutschland, 4 in Österreich) und umfasst circa 12.000 Mitglieder. Die meisten Mitgliedsbünde stammen in der Regel aus traditionellen Universitätsstädten wie Heidelberg (Baden-Württemberg) oder Tübingen (Baden-Württemberg); die zwölf bayerischen Verbindungen im Coburger Convent kommen aus Bayreuth, Erlangen, München, Regensburg und Würzburg. Der Verband betont seine parteipolitische und konfessionelle Neutralität. Er lehnt jeglichen Extremismus ab und nimmt Mitglieder unabhängig von ihrer Nationalität, Hautfarbe oder Religion auf.

Der Coburger Convent unterhält eine CC-Akademie, die vorrangig Schüler, Studenten und Akademiker beim Studium oder bei der beruflichen Umorientierung durch ein Seminarangebot an den verschiedenen Hochschulstandorten unterstützen will. Außerdem verleiht der CC jährlich einen Studien- und Wissenschaftspreis an Verbandsmitglieder, die sich durch herausragende Studienleistungen und ein besonderes Engagement für den Verband oder einen seiner Mitgliedsbünde auszeichnen. Daneben unterhält er seit 1959 die sog. studentengeschichtliche Vereinigung, die sich der Erforschung der Geschichte des Hochschulwesens, des Studententums und besonders der historischen Entwicklung des Coburger Convents und seiner Mitglieder widmet. Unterstützung erhält diese Vereinigung durch das CC-Archiv, das im Institut für Hochschulkunde in Würzburg schriftliche und gegenständliche Quellen zur Geschichte des CC und seiner Vorläuferorganisationen verwahrt. 1964 rief der CC die Coburger Sozietät für Studentenhilfe e. V. ins Leben, die bis heute Mitglieder des Convents und deren Verbindungen finanziell unterstützt.

Literatur

  • Coburger Convent (Hg.), Handbuch des Coburger Convents. Wissenswertes und Hilfreiches, Würzburg Neuauflage 2005.
  • Friedhelm Golücke, Die bundesdeutsche Nachkriegszeit, in: Harm-Hinrich Brandt/Matthias Stickler (Hg.), "Der Burschen Herrlichkeit". Geschichte und Gegenwart des studentischen Korporationswesens (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 8), Würzburg 1998, 145-157.
  • Dietrich Heither, Nicht nur unter Talaren... . Von der Restauration zur Studentenbewegung, in: Dietrich Heither (Hg.), Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften, Frankfurt am Main 1997, 159-186.
  • Ulrike Claudia Hofmann, Der Coburger Convent zwischen Tradition und Wandel, in: Werner K. Blessing (Hg.), Region - Nation - Vision. Festschrift für Karl Möckl zum 65. Geburtstag, Bamberg 2005, 109-131.
  • Heinz Kraus, 40 Jahre Coburger Convent I und II.
  • Achim Lebert/Rupert Appeltshauser (Hg.), Ehre-Freundschaft-Vaterland. Geschichte des CC-Ehrenmals in Coburg mit einem Beitrag zur Geschichte des Denkmals Ernst II. (Die untere Anlage 16), Coburg 1993.
  • Ferdinand Ernst Nord, Landsmannschaften und Turnerschaften vereint im Coburger Convent, 1868-1872 (Historia Academica 15), o. O. 1976.
  • Torsten Schloms, Der Coburger Convent (CC) der akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften an deutschen Hochschulen. 2 Bände, Diplomarbeit masch. Erlangen-Nürnberg 1995.
  • Klaus Wöhner, Coburg und sein Convent, Coburg 1986.

Quellen

  • Ausgaben von Neue Presse Coburg, Coburger Tageblatt.
  • Durch Selbstbesinnung zur Selbsterkenntnis. Zu den Grundsätzen unseres Verbandes, in: CC-Blätter 1968, 95-99.
  • Alfred Küsgen, Gefallenen-Ehrung, in: CC-Blätter (1956), 5-7.
  • Siehe auch: Archiv des Coburger Convents im Deutschen Institut für Hochschulkunde (Rechtsträger: Deutsche Gesellschaft für Hochschulkunde) an der Universität Würzburg.
  • Dieter Wiebecke, Gedenkrede am CC-Ehrenmal, in: CC-Blätter (1993), 54-55.
  • Klaus Wöhner, Coburg und sein Convent, Coburg 1986.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verband Alter Herren im Coburger Convent (AHCC) e. V.

Empfohlene Zitierweise

Ulrike Claudia Hofmann, Coburger Convent, publiziert am 30.09.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Coburger Convent> (19.06.2018)