Burghausen, Burg

Ansicht der Hauptburg. (Foto: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)
Luftbild der Burganlage. (Foto: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)
Innerer Burghof mit Palas, Freitreppe und Burgkapelle St. Elisabeth. (Foto: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)
Innerer Burghof mit dem mittleren Kemenatentrakt und Freitreppe. (Foto: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)
Georgstor, Ansicht vom zweiten Vorhof mit dem Allianzwappen von Herzog Georg dem Reichen und Herzogin Hedwig. (Foto: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)
Westempore der Hedwigskapelle mit Stifterrelief Herzog Georgs des Reichen und der Herzogin Hedwig. (Foto: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)

von Brigitte Langer

Die Grafen von Burghausen errichteten im 11. Jahrhundert eine erste kleinere Burganlage, die 1180 von den Wittelsbachern übernommen und nach der ersten Landesteilung von 1255 zur Zweitresidenz und zum Familienwohnsitz der niederbayerischen Herzöge ausgebaut wurde. Die "reichen" Herzöge von Bayern-Landshut ließen die Burg im 15. Jahrhundert zur größten und wehrhaftesten Anlage in ganz Bayern ausbauen. Nach der Wiedervereinigung Ober- und Niederbayerns 1504/05 verlor die Burg ihre Funktion als Zweitresidenz. Heute ist sie die längste noch existierende Burganlage Deutschlands.

Bedeutung

Herausragende Bedeutung erhält die Burg zu Burghausen durch ihre historische Funktion als landesherrliche Burg der bayerischen Wittelsbacher und ihren architektonischen Rang als eines der großartigsten spätmittelalterlichen Befestigungswerke. Von 1392 bis 1503 war die Burg die Zweitresidenz der in Landshut residierenden niederbayerischen Herzöge (Bayern-Landshut) und erfüllte als deren Familienwohnsitz vielfältige Funktionen als Hofhaltung der Herzoginnen und Erziehungsort der Kinder, als Wohnsitz des Erbprinzenpaares und als Witwensitz. Die sog. Reichen Herzöge von Bayern-Landshut verwahrten in der wehrhaften Trutzburg ihren Gold- und Silberschatz. Als mächtiges Bollwerk verkörperte die Burg den Macht- und Repräsentationswillen der Herzöge.

Mit einer Ausdehnung von etwas über 1.000 m Länge ist die Burg zu Burghausen eine der längsten Burgen der Welt. Die bis heute von nahezu intakten Ringmauern umwehrte Anlage erstreckt sich auf einem schmalen Bergrücken zwischen der Salzach und deren Altwasserarm, dem Wöhrsee, hoch über der Stadt Burghausen. Fünf große Höfe, ehedem durch Gräben und Toranlagen gesichert, unterteilen als Abschnitte der Befestigung das Bergplateau und bilden mit ihren Wehrmauern, Toren und Türmen und den Wirtschaftsgebäuden und Wohnbauten für Hofbeamte und Handwerker den Auftakt der Gesamtanlage, die in der mächtigen Kernburg um den inneren Burghof an der Südspitze des Burgbergs kulminiert.

Die Frühzeit der Burg (Die Grafenburg)

Archäologische Funde bestätigten, dass der schmale Kammrücken schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Seit 1027 bis etwa um 1164 wurde das Reichsgut von den Grafen von Burghausen verwaltet, die auf der Südspitze des Burgbergs eine erste steinerne Anlage mit Ringmauer und Kirche errichteten. Deren bauliche Überreste aus dem 11. und frühen 12. Jahrhundert wurden in jüngster Zeit archäologisch ergraben. Nach kurzer Zeit unter dem Herzog Heinrich VII. dem Löwen (reg. 1156-1180 als Herzog von Bayern, 1142-1180 als Herzog Heinrich III. von Sachsen) fiel die Burg 1180 an die Wittelsbacher, die am Fuß der südlichen Burgspitze ein Mautgebäude unterhielten. Als Grenzbollwerk zum geistlichen Fürstentum Salzburg und als Mautstätte im Salzhandel hatten Burg und Siedlung Burghausen für den bayerischen Herzog hohe strategische Bedeutung.

Die Gründung der Wittelsbacher Burg

Nach der ersten bayerischen Landesteilung 1255 baute Herzog Heinrich XIII. (reg. 1255–90), der in Landshut residierende Begründer der Linie Niederbayern, die Burg zu Burghausen aus. Er ließ die anspruchsvollen Wohnbauten der Hauptburg an der Südspitze, dem höchsten Punkt des Bergrückens, errichten: den Palas, dessen mächtige Erdgeschosshalle noch heute von dieser Zeit zeugt, den Dürnitzstock mit zwei übereinanderliegenden Sälen und den zunächst frei stehenden Kemenatenbau gegenüber. Er stiftete auch die an den Palas angrenzende Burgkapelle, die der hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231), der Tante seiner Gemahlin Elisabeth von Ungarn (1236-1271), geweiht wurde.

Eine Hofordnung von 1293 legte Landshut, Straubing und Burghausen als Residenzen der niederbayerischen Herzöge fest. Die zunehmende Befestigung des gesamten Burgbergs erfolgte im Verlauf des 14. Jahrhunderts. Mauerzüge am Südende des Burgbergs und am Beginn des dritten Vorhofs sicherten bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts Burg und Stadt. Eine Urkunde aus dem Jahr 1387 dokumentiert schließlich die volle Ausdehnung der Burganlage auf über einen Kilometer bis ans Nordende des Kammrückens.

Der Ausbau unter den Reichen Herzögen von Bayern-Landshut

Den weiteren Ausbau im Verlauf des 15. Jahrhunderts, der bis heute das Erscheinungsbild der Burg prägt, bestimmten drei Generationen von Wittelsbachern – die Reichen Herzöge von Bayern-Landshut Heinrich XVI. (reg. 1393-1450), Ludwig IX. (reg. 1450-1479) und Georg (reg. 1479-1503). Sie wählten Burghausen als ihre Zweitresidenz. Unter Heinrich erfolgte um 1430/40 die gotische Umgestaltung des Dürnitzstocks für eine anspruchsvolle Hofhaltung. Auch ließ er mit Zeughaus und Haberkasten zwei monumentale Wirtschaftsgebäude in den Vorhöfen errichten. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts, vielleicht schon unter Ludwig dem Reichen, wurde der Kemenatentrakt erweitert und an den Palas angebunden.

Als der eigentliche Bauherr der Burghauser Burg jedoch gilt Herzog Georg, der nach seiner Vermählung mit Hedwig von Polen (1457-1502) 1475 in der berühmten Landshuter Fürstenhochzeit die Erbprinzenjahre in Burghausen verbrachte und als regierender Herzog von Landshut den Ausbau steuerte. Umbauten und Erweiterungen in Palas und Kemenatenbau galten der Ausgestaltung des Familiensitzes für die ständige Hofhaltung seiner Gemahlin. Mit Neubauten wie der äußeren Burgkapelle St. Maria im vierten Vorhof zwischen 1479 und 1489, einem Meisterwerk spätgotischer Architektur unter Salzburger Einfluss, und dem monumentalen Georgstor mit dem bayerisch-polnischen Allianzwappen am Zugang zum ersten Vorhof setzte er baukünstlerisch bedeutende Akzente. Angesichts der Türkengefahr entstand durch den Ausbau des Befestigungsrings mit seinen fünf Höfen als Einzelabschnitten der Wehranlage sowie der Verstärkung des Verteidigungssystems im Außenbereich am Eggenberg auf dem lang gestreckten Höhenrücken über der Stadt die stärkste Festung im Land - ein weitläufiges, gewaltiges Bollwerk, das der Familie und den Reichtümern des Herzogs Sicherheit bot.

Mit der Vereinigung der Teilherzogtümer Ober- und Niederbayern nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05 verlor die Burg zu Burghausen ihre politische Bedeutung als Zweitresidenz der Wittelsbacher.

Die Burg in nachmittelalterlicher Zeit

Dennoch erfüllte die Burg auch in der Frühen Neuzeit weiterhin eine wichtige Funktion als Grenzburg im Osten Bayerns. Während des Dreißigjährigen Krieges ließ Kurfürst Maximilian I. (reg. 1598–1651, seit 1623 als Kurfürst) die Befestigungswerke durch Schanzen verstärken. Kämpfe um die Burg gab es im Spanischen und im Österreichischen Erbfolgekrieg, was zu einer weiteren Anpassung der Fortifikationen führte. Spätestens seit 1706 war die Burg zu Burghausen Garnison. Die Unterbringung von Truppeneinheiten führte zu einschneidenden Umgestaltungen in der Hauptburg. Während der Napoleonischen Kriege wurde die Burg von den Franzosen besetzt. 1809 besichtigte Napoleon Bonaparte (1769-1821) das eindrucksvolle Befestigungswerk.

Nach Aufhebung der Garnison wurde die Hauptburg seit 1896 restauriert und mit der Einrichtung einer staatlichen Gemäldegalerie im Palas einer neuen Bestimmung zugeführt. 1939 übernahm die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen die Burg zu Burghausen. Im Palas befinden sich das Staatliche Burgmuseum und die Staatsgalerie Burghausen, im Kemenatenbau das Stadtmuseum.

Literatur

  • Joseph Baader, Haus- und Hofhaltungsordnungen Herzog Ludwig des Reichen von Niederbayern für das Residenzschloss Burghausen, während des Aufenthalts seiner Gemahlin Herzogin Amalie daselbst, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte 36 (1877), 25-54.
  • Albert Balthasar, Die Baugeschichte der Burg und der Stadtbefestigung von Burghausen, Diss. München 1950.
  • Michael Cramer-Fürtig/Reinhard Stauber, Der Burghauser Schatz der Reichen Herzöge. Bemerkungen zur Quellenlage und Probleme der Größenbestimmung, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 114/115 (1988/89), 5-27.
  • Johann Dorner, Herzogin Hedwig und ihr Hofstaat. Das Alltagsleben auf der Burg Burghausen nach Originalquellen des 15. Jahrhunderts (Burghauser Geschichtsblätter 53), Burghausen 2002.
  • Georg Hager, Burghausen. Schloss und Befestigung der Stadt. Zur Baugeschichte. Beschreibung des Kgl. Schlosses. Quellen, in: Gustav Bezold/Berthold Riehl/Georg Hager (Bearb.), Die Kunstdenkmäler von Bayern. 1. Band: Die Kunstdenkmäler von Oberbayern. 8. Teilband: Bezirksamt Altötting, München 1905, 2420-3503 (Nachdruck München 1982).
  • Brigitte Langer, Burg zu Burghausen. Amtlicher Führer, München 2004 und München 2. aktualisierte Auflage 2011.
  • Volker Liedke, Baualtersplan zur Stadtsanierung, Burghausen, München 1978.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Brigitte Langer, Burghausen, Burg, publiziert am 06.05.2014; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Burghausen,_Burg> (28.05.2018)