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Bayreuther Festspiele

Festspielhaus in Bayreuth nach der Fassadensannierung 2016. (Foto von Markus Gögelein lizensiert durch CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)
Die Bayreuther Festspiele gehen auf das Werk des Komponisten Richard Wagner (1813-1883) zurück. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-001641)

von Oswald Georg Bauer

Die Bayreuther Festspiele sind das einzige Theater-Unternehmen, das von einem Komponisten für die Aufführungen seiner Werke gegründet wurde und das bis in die Gegenwart (Stand: 2018) von seinen Nachkommen geleitet wird. Ihre Rolle und die der Festspielleiter im "Dritten Reich", aber auch die Instrumentalisierung von Richard Wagners (1813-1883) Musik für deutschnationale Zwecke bzw. die Debatte um eine Verortung des Wagner'schen Werkes im Deutschnationalen seit den 1920er Jahren sorgten noch nach 1945 immer wieder für Diskussionsstoff. Öffentlichkeitswirksam stellt sich seit Ende der 1960er Jahre bei der Eröffnung der Festspiele allerlei Prominenz ins Rampenlicht, wobei das Bayreuther Publikum seit jeher ein weltweites und generationenübergreifendes ist. Die Festspiele finden seit 1876 statt. Der eigentlich jährlich wiederkehrende Turnus musste aber mehrmals aus politischen und finanziellen Gründen unterbrochen werden.

Entstehung

Die erste Erwähnung zur Idee von Festspielen findet sich in einer vertraulichen Mitteilung Richard Wagners (1813-1883) vom September des Jahres 1850 an drei seiner Freunde. Er wolle den "Siegfried", den er zur Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" ausbaute, nicht irgendeinem Theater übergeben, sondern trage sich "mit den allerkühnsten Plänen." Im Freien auf einer Wiese werde er ein einfaches Theater aus Brettern und Balken errichten lassen, die Sänger einladen, den Chor und das Orchester zusammenstellen, in den Zeitungen Einladungen ausschreiben. Der Eintritt sei natürlich gratis. Drei Aufführungen sollten stattfinden, und anschließend werde das Theater abgerissen. So ungeheuerlich der Plan auch scheine, so sei er doch seine bewusste Lebensaufgabe.

Kein Festspielhaus in München

König Ludwig II. von Bayern (1845-1886, König 1864-1886), der Wagner nach München berufen hatte, wollte dieses Theater in München errichten lassen. Er gab Ende Dezember 1864 dem Architekten Gottfried Semper (1803-1879) den Auftrag, das Modell eines prachtvollen steinernen Theaters am Hochufer der Isar, nördlich des Maximilianeums anzufertigen. Wagner jedoch schrieb an Semper, er solle ein provisorisches Theater aus Holz oder Backstein entwerfen. Damit war der Grund für das spätere Scheitern des Projekts gelegt. Ein Holzbau wäre für Ludwigs Repräsentationsbedürfnis kaum akzeptabel gewesen.

Ein Festspielhaus in Bayreuth

Im März 1870 fasste Wagner Bayreuth als Aufführungsort seines Werkes ins Auge, da die Stadt mit dem Markgräflichen Opernhaus eine große Bühne ohne festes Ensemble besaß. Im April 1870 besuchte er Bayreuth, jedoch sagte ihm das dortige Opernhaus nicht zu. Er entschloss sich daher, sein eigenes Theater und sein Wohnhaus "Wahnfried" in Bayreuth zu errichten.

Das "Richard-Wagner-Festspielhaus" auf dem "Grünen Hügel" ist der Prototyp eines schmucklosen, einzig nach funktionalen Gesichtspunkten errichteten Opernhauses (Architekt Otto Brückwald [1841-1917]): keine repräsentative, sondern eine schlichte Backstein-Fassade, eine große, mit neuester Technik ausgerüstete Bühne, ein schmuckloser, amphitheatralischer Zuschauerraum nach dem Vorbild der antiken Theater, das Orchester ist versenkt und unsichtbar.

Finanzierung des Festspielbaus

Die Finanzierung der veranschlagten 300.000 Taler sollte nach dem "Patronats-System" erfolgen: Eintausend Patrone sollten durch den Kauf von Patronatsscheinen zu je 300 Talern die Summe aufbringen und dafür freien Eintritt zu den Aufführungen erhalten. Das System funktionierte nur teilweise - Zahlungen gingen nur sehr zögernd ein - und das Projekt war immer am Rande des Scheiterns. Ende Januar 1874 gewährte König Ludwig II. aus seiner Privatkasse einen Vorschuss von 100.000 Talern, der aus den Einnahmen zurückgezahlt werden sollte. Der Beginn der Festspiele wurde auf den Sommer 1876 angesetzt, im Februar waren erst 490 Patronatsscheine verkauft. Benötigt aber wurden inzwischen 1.300.

Eröffnung und Etablierung

Dirigenten und Solisten der Bayreuther Festspiele von 1894. Abb. aus: Die Gartenlaube, Sammelband 1894, 517. (Gemeinfrei via Wikimedia Commons)

Trotzdem fand die Eröffnung mit der Uraufführung der Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" mit den Einzelwerken "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" statt. Seit April 1876 wurde geprobt, mit den Sängern auch in Wahnfried. Hans Richter (1843-1916) studierte das Orchester ein und dirigierte alle Vorstellungen. Er blieb bis zum Jahr 1912 der verlässlichste Mitarbeiter und die Autorität der Festspiele. König Ludwig II. kam schon zu den Generalproben, zur Premiere am 13. August reisten Wilhelm I. (1797-1888, König von Preußen 1861-1888, deutscher Kaiser 1871-1888) und Dom Pedro II. (1825-1891, Kaiser von Brasilien 1831-1889) an. Zahlreiche Mitglieder des deutschen und österreichischen Adels waren erschienen, ebenso Musiker, Komponisten, Maler, Schriftsteller, Journalisten, Mitglieder der Wagner-Verbände und "Wagnerianer". Der zweite und der dritte Zyklus der Aufführungen waren nicht ausverkauft.

Wegen des Defizits von etwa 150.000 Mark gab es zunächst keine Fortsetzungen. Wagner konnte nur noch die von Hermann Levi (1839-1900) dirigierte Uraufführung des "Parsifal" im Sommer 1882 leiten, bevor er am 13. Februar 1883 verstarb. Im Sommer 1883 konnten die "Parsifal"-Aufführungen programmgemäß stattfinden, ebenso 1884, wiederum dirigiert von Levi. Wagners Witwe Cosima Wagner (geb. de Flavigny, 1837-1930) nahm 1886 die Leitung selbst in die Hand, führte Regie und baute bis zum Jahr 1901 konsequent den "Bayreuther Spielplan" auf.

Bayreuth als Hort nationaldeutscher Kunst

Die Kehrseite der Leitung durch Cosima Wagner ist jedoch ihre Etablierung der "Wahnfried-Ideologie", mit der sie Bayreuth zum Hort der nationaldeutschen Kunst umpolte. Sie berief sich dabei auf Wagners Bemühungen um eine eigenständige deutsche Kunst und seinen Antisemitismus. Diese Ideologie, von ihrem Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) und den Wahnfried-Jüngern aggressiv verbreitet, war geprägt von der Germanisierung der Wagner'schen Werke, von einer pseudo-religiösen Kunstauffassung, vom Ariertum, einer neuen Religion des arischen Christus und einem hemmungslosen Antisemitismus. Die kultur-ideologische Leitlinie der Wahnfried-Ideologie ist von Cosima bis ins "Dritte Reich" zu verfolgen. Während des Ersten Weltkriegs machte Chamberlain mit seinen "Kriegsaufsätzen" das Haus Wagner zum Ort deutscher Kriegspropaganda. Mit Chamberlains Engführung ausschließlich auf die Politisierung waren die Gleise in die politische Radikalisierung Bayreuths nach der Niederlage von 1918 gelegt.

Bayreuth als "Hitlers Hoftheater"

Schlussszene der Oper Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen von 1930. (Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-501 / CC-BY-SA 3.0
Ansicht der Villa Wahnfried (auch "Haus Wahnfried") am Bayreuther Hofgarten, 1939. Das 1874 fertiggestellte Haus war das Wohnhaus von Richard Wagner (1813-1883). Das Bild zeigt die Front des Hauses mit dem vorgelagerten Rondell, in dessen Mitte eine Büste König Ludwigs II. (1845-1886, König seit 1864) aufgestellt ist. An der Fassade prangt der von Richard Wagner stammende Spruch: "Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt." Seit 1973 befindet sich das Haus im Eigentum der Stadt Bayreuth. Seit 1976 ist darin das Richard-Wagner-Museum untergebracht. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-015370)

Während des Krieges hatte Siegfried Wagner (1869-1930), Cosimas Sohn und Nachfolger, die Engländerin Winifred Williams (1897-1980) geheiratet. Sie lud Adolf Hitler (NSDAP, 1889-1945, Reichskanzler 1933-1945) zu einem Besuch in "Wahnfried" ein, der am 1. Oktober 1923 stattfand. Bei dieser Gelegenheit traf Hitler mit Chamberlain zusammen. Aus dem Gefängnis in Landsberg schrieb Hitler an Siegfried, dass in Bayreuth "durch den Meister" (also Richard Wagner) und "dann durch Chamberlain das geistige Schwert geschmiedet wurde, mit dem wir heute fechten." Bayreuth wurde zum Hort der reaktionären "Deutschnationalen", die die Demokratie ablehnten.

Bei der Wiedereröffnung der Festspiele im Jahr 1924 manifestierte sich Bayreuths politischer Widerstand gegen die Weimarer Republik darin, dass man "Flagge" zeigte: Auf dem Dach des Festspielhauses wehte nicht die schwarz-rot-goldene Flagge der Republik, sondern die schwarz-weiß-rote Fahne des untergegangenen Kaiserreichs. Am Schluss der "Meistersinger" erhob sich das Publikum und sang das Deutschlandlied, ein einmaliger Vorgang in der Festspielgeschichte.

Nach dem Tod Siegfried Wagners im Jahr 1930 erreichte seine Witwe Winifred als Nachfolgerin das, was allen ihren Vorgängern nicht gelungen war: die nationale Anerkennung der Festspiele im Sinne einer deutschen Nationalkunst. Bayreuth wurde während der NS-Diktatur zur nationalen Großveranstaltung. Thomas Mann (1875-1955) prägte den Begriff "Hitlers Hoftheater" (Vaget, Schatten Wagners, 211). Propagandaminister Joseph Goebbels (NSDAP, 1897-1945) hat Hitlers jährliche Auffahrt zum Festspielhaus und den Jubel tausender Begeisterter von der Wochenschau aufnehmen und in den Kinos verbreiten lassen. Diese Bilder haben sich dem kollektiven kulturellen Gedächtnis eingeprägt.

Die Aufführungen im Dritten Reich waren von höchster Qualität. Wilhelm Furtwängler (1886-1954) und Richard Strauss (1864-1949) dirigierten, die Elite der Sänger mit Größen wie Max Lorenz (1901-1975), Rudolf Bockelmann (1892-1958), Franz Völker (1899-1965), Jaro Prohaska (1891-1965), Kirsten Flagstad (1895-1962), Helge Rosvaenge (geb. Helge Hansen, 1897-1972), Marta Fuchs (1898-1974), Maria Müller (1898-1958), Frida Leider (1888-1975), Germaine Lubin (1890-1979), garantierten erstklassiges Niveau. Heinz Tietjen (1881-1967) inszenierte, Emil Preetorius (1883-1973) entwarf die Bühnenbilder und Kostüme. Die Reform des Wagner-Stils war epochemachend.

Die Neuinszenierung des "Lohengrin" unter der Dirigentschaft von Furtwängler im Jahr der Olympiade von 1936 war ein weltweit beachtetes künstlerisches Ereignis, das in allen Sprachen Lobeshymnen fand. Alle Kostüme waren aus weißer Seide gefertigt. Die NS-Propaganda missbrauchte die künstlerisch hochstehenden Aufführungen als Beweis für die Fortschrittlichkeit des NS-Regimes. Thomas Mann, der in seinem Exil in Zürich die Übertragungen im Rundfunk hörte, brachte es auf den Punkt: "Allem, was aus Deutschland kommt, fehlt die Unschuld, Kulturpropaganda liegt allem zugrunde." (Mann, Tagebuch, 9.8.1934). Arturo Toscanini (1867-1957) und Fritz Busch (1890-1951), die beide in Bayreuth dirigiert hatten, gingen ins Exil, denn sie empfanden es als eine "Schande, dem Bösen zu dienen" (Busch, Leben, 206), so Fritz Busch.

Die Bayreuther Festspiele während des Zweiten Weltkriegs

Während des Krieges fanden bis 1944 die Kriegsfestspiele für Rüstungsarbeiter und für Kriegsverwundete bei freiem Eintritt statt. Nach der letzten "Meistersinger"-Aufführung am 9. August 1944 wurde das Festspielhaus geschlossen.

"Wahnfried" wurde bei einem Bombenangriff auf Bayreuth am 5. April 1945 zerstört, das Festspielhaus blieb allerdings verschont. Es wurde beschlagnahmt. Die US-amerikanischen Truppen nutzten es für Unterhaltungs-Shows, Gottesdienste, Opernaufführungen und Konzerte. Zudem war ein Flüchtlingslager darin untergebracht und es kam zu Plünderungen.

Neuanfang für "Bayreuth"

Blick in den Zuschauerraum des Festspielhauses. Im Vordergrund ein Teil der Bühne, dann der besonders konstruierte Orchestergraben. Foto 1950. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv fruh-02501)
Der einem Amphitheater nachempfundene Zuschauerraum des Festspielhauses. Foto um 1950. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-015853)
Wieland Wagner (links; 1917-1966) und Wolfgang Wagner (rechts; 1919-2010) organisierten nach dem Zweiten Weltkrieg die Bayreuther Festspiele. Die beiden Brüder waren Enkel von Richard Wagner (1813-1883). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv fruh-02493)

Nachdem Winifred Wagner am 2. Juli 1947 durch das Urteil der Spruchkammer untersagt wurde, ein Unternehmen zu leiten, verzichtete sie auf die Festspielleitung zugunsten ihrer beiden Söhne Wieland Wagner (1917-1966) und Wolfgang Wagner (1919-2010). Sie übernahmen gleichberechtigt die Festspielleitung. Finanziert wurden die Festspiele von der neu gegründeten "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth", durch öffentliche Gelder und über die Rundfunk-Anstalten. Am 30. Juli 1951 wurden die Festspiele mit dem "Parsifal" wieder eröffnet, dirigiert von Hans Knappertsbusch (1888-1965) und inszeniert von Wieland Wagner. Die Chöre leitete Wilhelm Pitz (1897-1973), der zu einer Bayreuther Legende wurde. Ein neues Sänger-Ensemble wurde aufgebaut, mit George London (eigtl. George Burnstein, 1920-1985) als "Amfortas", Wolfgang Windgassen (1914-1974) als "Parsifal", Martha Mödl (1912-2001) als "Kundry" und Hermann Uhde (1914-1965) als "Klingsor". Indem Wieland Wagner die Gestaltungsprinzipien des modernen Theaters und der Kunst der Gegenwart zur Grundlage seines neuen Stils machte und die humane und spirituelle Aussage dieses Werkes analysierte, legte er die Grundlage für einen neuen Wagner-Stil. Wenn diese Inszenierung als die Rettung Bayreuths bezeichnet wurde, klingt dies zwar pathetisch, trifft aber den Sachverhalt.

Wieland und Wolfgang inszenierten abwechselnd und entwarfen die Bühnenbilder selbst. In "Neubayreuth" dirigierten neben Knappertsbusch auch Herbert von Karajan (1908-1989), Karl Böhm (1894-1981) und Pierre Boulez (1925-2016). Unter den Sängern finden sich Namen wie Astrid Varnay (1918-2006), Leonie Rysanek (1926-1998), Anja Silja (geb. 1940), Theo Adam (geb. 1926), Birgit Nilsson (1918-2005), Gottlob Frick (1906-1994), Dietrich Fischer-Dieskau (1925-2012) und Hans Hotter (1909-2003). Die Ära "Neubayreuth" ist von Wielands epochemachenden Inszenierungen des "Ring", der "Meistersinger", des "Tristan" und des "Tannhäuser" geprägt, bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1966.

Die Bayreuther Festspiele unter Wolfgang Wagner

Danach führte Wolfgang zunächst die Festspiele alleine weiter. Ab dem Jahr 1969 verpflichtete er Regisseure und Bühnenbildner. Die "Tannhäuser"-Inszenierung von Götz Friedrich (1930-2000) in den Bühnenbildern von Jürgen Rose (geb. 1937) im Jahr 1972 verursachte den ersten Bayreuther Theaterskandal. Dass Götz Friedrich aus der DDR kam, empfand ein Großteil des Publikums als Affront. Man warf ihm vor, er habe aus dem Tannhäuser einen "Gesellschaftsrevolutionär" gemacht, der Schlusschor klinge wie "der Betriebskampf-Gruppenchor des volkseigenen Betriebes 'Rote Lokomotive' in Leipzig", so Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU, 1915-1988, Ministerpräsident 1978-1988) in einem Protestbrief. Er wurde im Jubiläumsjahr 1976 übertroffen durch die "Ring"-Inszenierung von Patrice Chéreau (1944-2013) in den Bühnenbildern von Richard Peduzzi (geb. 1943), dirigiert von Pierre Boulez (1925-2016), die im ersten Jahr mit Buh-Stürmen überschüttet wurde. Ein Großteil des internationalen Publikums verstand weder die neue Bildsprache noch die intensive Personenführung, die die Grenzen von Liebe und Hass bis aus Äußerste auslotete. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zum größten Erfolg der Festspielgeschichte. Der Beifall nach der letzten Aufführung 1980 dauerte eineinhalb Stunden. Im Jahr 1973 wurde die "Richard Wagner-Stiftung" gegründet, die der "dauernden Erhaltung der Voraussetzungen für die Durchführung" der Festspiele, der "Pflege des künstlerischen Nachlasses" und der "Förderung" der Wagner-Forschung dient.

Wolfgang Wagner verfolgte in den nächsten Jahrzehnten das Prinzip der "Palette der verschiedene Handschriften" mit Regisseuren wie Jean-Pierre Ponnelle (1932-1988), Peter Hall (1930-2017), Werner Herzog (eigtl. Werner Herzog Stipetić, geb. 1942), Dieter Dorn (geb. 1935), Harry Kupfer (geb. 1935), Heiner Müller (1929-1995) und Dirigenten wie Carlos Kleiber (1930-2004), Colin Davis (1927-2013), Horst Stein (1928-2008), Daniel Barenboim (geb. 1942), James Levine (geb. 1943), Peter Schneider (geb. 1939), Giuseppe Sinopoli (1946-2001), Georg Solti (1912-1997) und Christian Thielemann (geb. 1959). Als Nachfolger von Wilhelm Pitz wurde auch der Chordirektor Norbert Balatsch (geb. 1928) legendär.

Das Ende der Ära Wolfgang Wagner

Nach der Jahrtausendwende nahmen Wolfgang Wagners Kräfte ab. Die Stringenz seines Prinzips der verschiedenen Handschriften verlor an Bedeutung, die Frage der Nachfolge stellte sich immer dringender. Im Jahr 2008 trat er zugunsten seiner beiden Töchter Eva Wagner-Pasquier (geb. 1945) und Katharina Wagner (geb. 1978) zurück.

Seit 2015/16 hat Katharina Wagner die Festspielleitung allein inne. Sie inszeniert selbst. In der Verpflichtung der Regisseure ist eher eine deutschsprachige als eine internationale Ausrichtung zu erkennen. Die Versuche um einen neuen "Bayreuther Stil" mit einem eigenen Profil dauern mit unterschiedlichem Erfolg an.

Literatur

  • Hermann Attinghaus, Bayreuther Betrachtungen. 125 Jahre Richard-Wagner-Festspiele. Unangepasstes zum Jubiläum, Wien 2001.
  • Albrecht Bald/Jörg Skriebeleit, Das Außenlager Bayreuth des KZ Flossenbürg, Bayreuth 2003.
  • Oswald Georg Bauer, Josef Hoffmann. Der Bühnenbildner der ersten Bayreuther Festspiele, München/Berlin 2008.
  • Oswald Georg Bauer, Die Geschichte der Bayreuther Festspiele, Berlin 2016.
  • Oswald Georg Bauer, Vierzig Jahre Neubayreuth, Sonderdruck aus den Programmheften der Bayreuther Festspiele, Bayreuth 1991.
  • Oswald Georg Bauer, Wieland Wagner. Sein Denken. Aufsätze. Reden. Interviews. Briefe. Beiheft zur Ausstellung "Denkmalschutz für Wagner"? Wieland Wagners künstlerische Arbeit für die Bayreuther Festspiele, Bayreuth 1991.
  • Udo Bermbach, Nationalismus in deutschen Festspielen? Zur Idee und Praxis der Bayreuther Festspiele, in: Harald Schmid/Justyna Krzymianowska (Hg), Politische Erinnerung. Geschichte und Identität – Peter Reichel zum 65. Geburtstag, Würzburg 2007, 53-66.
  • Gunther Braam, Richard Wagner in der zeitgenössischen Fotografie, Regensburg 2015.
  • Fritz Busch, Aus dem Leben eines Musikers, Frankfurt am Main 1982.
  • Ingrid Dallmeyer, Richard Wagner und Bayreuth. Der Einfluß der Richard Wagner-Festspiele auf die Stadt, Diss. masch. Bayreuth 1991.
  • Bernhard Diebold, Der Fall Wagner. Eine Revision, Leipzig 1928.
  • Friedrich Dieckmann, Bilder aus Bayreuth. Festspielberichte 1977-2006 (Theater der Zeit, Recherchen 41), Berlin 2007.
  • Winfried Gebhardt/Andre Ziegerle, Pilgerfahrt ins Ich. Die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele und ihr Publikum. Eine kultursoziologische Studie, Konstanz 1998.
  • Till Haberfeld/Oswald Georg Bauer, Wieland Wagner. Revolutionär und Visionär des Musiktheaters, Berlin 2017.
  • Sylvia Habermann, Der Auftritt des Publikums. Bayreuth und seine Festspielgäste. 1876-1944, 2 Bände, Bayreuth 1991-1992.
  • Brigitte Hamann, Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth, München 2002.
  • Sabine Henze-Doering, Kulturelle Zentren in der amerikanischen Besatzungszone. Der Fall Bayreuth, in: Gabriel Clemens (Hg.), Kulturpolitik im besetzten Deutschland (Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft Beiheft 10), Stuttgart 1994, 39-54.
  • Michael Karbaum, Studien zur Geschichte der Bayreuther Festspiele (1876-1976), Regensburg 1976.
  • Markus Kiesel (Hg.), Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth, Köln 2007.
  • Dietrich Mack, Der Bayreuther Inszenierungsstil 1876-1976, München 1976.
  • Herbert Schneider, Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele 1876 als internationales Medienereignis, in: Christine Vogel/Rolf Reichardt (Hg.), Medienereignisse im 18. und 19. Jahrhundert (Ancien Régime, Aufklärung und Revolution 38), München 2009, 165-212.
  • Antje Schrader, Theater als Festspiel. Salzburg und Bayreuth, Erlangen 1989.
  • Holger R. Stunz, Richard Wagners Partituren als Spielball der Zeitgeschichte. Eine Spurensuche, in: wagnerspektrum 2 (2008), 175-208.
  • Hans Rudolf Vaget (Hg.) Im Schatten Wagners. Thomas Mann über Richard Wagner, Frankfurt am Main 2005.

Quellen

  • Karl-Ulrich Gelberg/Ellen Latzin (Bearb.), Quellen zur politischen Geschichte Bayerns in der Nachkriegszeit, 2. Band: 1957-1978, München 2005.
  • Thomas Mann, Tagebuch, 9. August 1934.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Richard-Wagner-Festspiele

Empfohlene Zitierweise

Oswald Georg Bauer, Bayreuther Festspiele, publiziert am 04.06.2018; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayreuther_Festspiele> (21.08.2018)