Bayerischer Landbund, 1924-1933

Titelblatt der Zeitschrift "Bayerischer Landbund" (Ausgabe vom 19. April 1925)

von Manfred Kittel

1924 entstandener Landesverband des Reichs-Landbundes. Vorläufer war der fränkische Bund der Landwirte (BdL). Eng verbunden mit der Bayerischen Mittelpartei/DNVP in Bayern, schwankte der Landbund zwischen völkisch-antisemitischem Fundamentalismus und gouvernementalen Kräften. Zu Beginn der 1930er Jahre näherte sich seine Anhängerschaft stark der NSDAP an, der Bund verlor seine politische Bedeutung. Er wurde im Juni 1933 endgültig aufgelöst.

Bayerischer Landbund

Bayerischer Landbund nannte sich seit 1924 der bayerische Landesverband des Reichslandbundes. Er setzte nach dem Ersten Weltkrieg vor allem im evangelischen Franken die Tradition des im Kaiserreich gegründeten, von ostelbischen Großagrariern dominierten Bundes der Landwirte fort. Zwar spielte der Adel in der Führung der bayerischen Organisation gegenüber den mittelgroßen Bauern eine eher untergeordnete Rolle, doch waren die konservativen politischen Grundkoordinaten ansonsten ganz ähnlich: Scharfe Frontstellung gegenüber dem Liberalismus, der seit der Bismarckzeit als Hauptschuldiger am Niedergang der Landwirtschaft galt, sowie klare Abgrenzung gegenüber den katholischen Christlichen Bauernvereinen. Diese wurden wegen ihrer Verbindung mit der Zentrumspartei lange als "ultramontan" und national unzuverlässig verdächtigt, auch wenn sich das Verhältnis schon während des "schwarz-blauen Blocks", also des Bündnisses von Konservativen und (katholischer) Zentrumspartei, vor dem Ersten Weltkrieg zu bessern begann und zu Weimarer Zeiten überwiegend als "schiedlich-friedlich" gelten konnte.

Landbund und Deutschnationale

Nach der Novemberrevolution 1918 wirkten der Landbund und sein Vorsitzender, Friedrich Beckh (1843-1927), zusammen mit Deutsch-Konservativen, Antisemiten und lokalen Mittelstandsvereinigungen maßgeblich an der Gründung der bayerischen Deutschnationalen mit, die bis 1924 als Bayerische Mittelpartei firmierten. Faktisch aber war der Landbund selbst eine Art Interessenpartei; ihr und nicht den Deutschnationalen galt in erster Linie die politische Loyalität der Landbundmitglieder, wobei das hohe Maß an gemeinsamen nationalistischen, konfessionalistischen und antisemitischen Grundüberzeugungen diesen Sachverhalt zeitweilig verdeckte. Hinzu kam, dass die Landbundführer bei den bayerischen Deutschnationalen ohnehin das Sagen hatten, weil die Partei lediglich in den agrarisch-evangelischen Bezirksämtern Frankens mit Hilfe ihres bäuerlichen Bündnispartners absolute Stimmenmehrheiten zu erzielen vermochte. In den Städten dagegen kam sie kaum über 10 % hinaus.

Das Verhältnis zwischen völkischen und gouvernementalen Kräften

Das enge Verhältnis zwischen Landbund und Deutschnationalen war auch deshalb problematisch, weil die Führer des Landbundes zwischen völkischem Fundamentalismus und der Einsicht in die Notwendigkeit schwankten, durch Regierungsbeteiligung Verbesserungen für ihre bäuerliche Klientel durchzusetzen. Einen radikal antiparlamentarischen Kurs verfolgten dabei vor allem die Verbandszeitschrift und der Junglandbund. Aber auch die eher gouvernementalen Kräfte sahen schon Mitte der 1920er Jahre davon ab, einen klaren Trennungsstrich gegen den Völkischen Block und die NSDAP zu ziehen.

Landbund und Nationalsozialismus

Von der Landwirtschaftspolitik der DNVP unter Alfred Hugenberg (1865-1951) enttäuscht, gaben sie im August 1930 dem Drängen jener Kräfte nach, die den Landbund aus seiner Verbindung mit den Deutschnationalen lösen wollten. Stattdessen kam ein Bündnis mit der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei (CNBL) zustande, die sich vor dem Hintergrund einer großen Agrarkrise bereits seit 1928 der Vertretung klein- und mittelbäuerlicher Interessen vor allem im süd- und westdeutschen Raum annahm. Als die bayerische Landbundführung angesichts des reichsweiten Scheiterns der neuen Partei schon 1932 wieder auf die Allianz mit den Deutschnationalen zurückschwenkte, war dieser "Zickzackkurs" einem großen Teil ihrer bäuerlichen Anhänger nicht mehr vermittelbar. Zudem gelang es der NSDAP-Agitation mehr und mehr, die "antisemitische Glaubwürdigkeit" des Landbundes zu erschüttern. Seit den Reichspräsidentenwahlen im Frühjahr 1932 sah das Gros seiner einstigen Anhänger in der NSDAP die letzte Hoffnung für die deutsche Landwirtschaft. Auf der anderen Seite war die bayerische Landbundführung – neben der thüringischen – die einzige, die sich den Machtansprüchen der Nationalsozialisten widersetzte und eine organisatorische Übernahme des Verbandes durch den agrarpolitischen Apparat der NSDAP noch bis 1933 verhindern konnte.

Literatur

  • Manfred Kittel, Provinz zwischen Reich und Republik. Politische Mentalitäten in Deutschland und Frankreich 1918-1933/36 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 47), München 2000, 423-450, 604-620.
  • Stefanie Merkenich, Grüne Front gegen Weimar. Reichs-Landbund und agrarischer Lobbyismus 1918-1933 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 113), Düsseldorf 1998.
  • Markus Müller, Die Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 1928 bis 1933, Düsseldorf 2001, v. a. 457-464.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Manfred Kittel, Bayerischer Landbund, 1924-1933, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerischer Landbund, 1924-1933> (20.11.2017)