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Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei (CNBL), 1928-1932

Vorwärts zum Aufstieg! (Der Thüringer Landbund vom 12.5.1928)
Au Backe, die Splitter! (Karikatur der Deutschen Tageszeitung vom 16.5.1928)
Dem preisgekrönten Rindvieh (Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei/Nachrichten- blatt vom 19.5.1928)
Für Scholle und Reich, Deutsches Landvolk/Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei, Parteiemblem. (Privatbesitz)

von Markus Müller

Anfang 1928 entstandene Partei einiger bäuerlich geprägter Landbünde, die damit auf die einsetzende Agrarkrise und die Unzufriedenheit vieler Bauern mit der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) reagierten. In Bayern trat sie praktisch erst 1930 auf den Plan, als durch die Obstruktionspolitik der Hugenbergschen DNVP gegen die Reichsregierung Brüning/Schiele das enge Verhältnis zwischen Bayerischem Landbund und Bayerischer Mittelpartei/DNVP in Bayern aufgebrochen wurde. Mit der Unterstützung des Landbundes kam die CNBL bei der Reichstagswahl 1930 in Bayern auf 4,3 %. Weil aber die NSDAP in den alten Landbund-Hochburgen ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren hatte (insgesamt 17,95 %), und danach den Landbund heftig angriff, wandte sich dieser erneut der DNVP zu. Das bedeutete bis 1932 das politische Aus für die CNBL in Bayern.

Fehlstart zur Reichstagswahl 1928

Zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928 trat die CNBL als national-konservative, formal antiparlamentarische und berufsständische Interessenpartei an, die sich auf das Programm des Reichs-Landbundes berief. In Bayern konnte die Partei aber keine zugkräftigen Kandidaten nominieren, da der Landbund geschlossen zur DNVP stand und scharf gegen die CNBL agitierte. Die Deutschnationalen hatten auf ihren Kandidatenlisten Landbündler besonders stark berücksichtigt. Die CNBL kam in Bayern nur auf 0,1 % der Stimmen und stellte danach ihre Betätigung im Freistaat erst einmal ein.

Profiteur des DNVP-Zerfalls

Als sich der DNVP in Gefolgsleute Alfred Hugenbergs (1865-1951) auf der einen und gouvernementale Kräfte auf der anderen Seite aufspaltete, orientierte sich der Bayerische Landbund ab Anfang 1930 politisch neu. Er befolgte die Vorgabe der Berliner Landbund-Zentrale, zur Reichstagswahl im September 1930 eigene "Landvolk-Listen" aufzustellen, um Heinrich Brünings (1885-1970) Agrarminister Martin Schiele (1870-1939) (zuvor DNVP) eine eigene parlamentarische Gefolgschaft zu verschaffen. Dadurch trat der Bayerische Landbund praktisch als CNBL an. Da er nur in den protestantischen Landesteilen über eine nennenswerte Organisation verfügte, blieb die Partei auf Franken beschränkt und schloss ansonsten ein Wahlabkommen mit dem katholisch geprägten Bayerischen Bauernbund.

Erfolg im protestantischen Franken 1930

Bei der Reichstagswahl am 14. September 1930 erreichte die CNBL/Landbund-Liste in Franken 10,5 % (Mittelfranken 13,0 %, Oberfranken 10,8 %, Unterfranken 6,6 %). In elf Bezirksämtern – allesamt ländlich-protestantisch – wurde sie stärkste Partei. Die 143.970 Stimmen trugen ein knappes Siebtel zum Gesamtergebnis der CNBL auf Reichsebene bei und beförderten drei Vertreter des Bayerischen Landbundes in den Reichstag: Georg Bachmann (1885-1971), Heinrich Hopp (1866-1944) und Dietz Freiherr von Thüngen (1894-1973). Sie erwiesen sich in der 21-köpfigen CNBL-Fraktion lange Zeit als treue Gefolgsleute Schieles.

Abwendung des Bayerischen Landbundes von der CNBL

Seit Ende 1930 wiederholte sich die Situation von 1928, dieses Mal aber unter umgekehrten Vorzeichen: Die CNBL stellte den Reichslandwirtschaftsminister Schiele, aber der Reichs-Landbund und zunehmend auch die Bauern waren angesichts ausbleibender Erfolge mit dessen Arbeit unzufrieden. Sie wandten sich anderen Parteien zu, verstärkt der NSDAP. Die Nationalsozialisten warfen der CNBL auch in Bayern ob ihres Festhaltens an Brüning eine antinationale und sozialdemokratisch beeinflusste Politik vor, was auf dem Land als wirkungsvolles Argument galt. Je deutlicher das Scheitern der CNBL-Politik offenbar wurde, umso mehr geriet der Bayerische Landbund unter Druck. Den Weg der Mitglieder zu Hitler wollten die Funktionäre 1931 noch nicht mitgehen, daher orientierte sich die Mehrheit der Landbundführung allmählich wieder an den Deutschnationalen, mit denen man im Bayerischen Landtag noch eine gemeinsame Fraktion unterhielt. Bachmann, Hopp und von Thüngen blieben bis zur Reichtagsauflösung in der CNBL-Fraktion, verbreiteten seit Anfang 1932 jedoch erneut DNVP-Parolen. Ohne die Unterstützung durch den Landbund fiel die CNBL in Bayern wieder auf das Niveau einer Splitterpartei zurück: 0,1 % in Franken bei der Reichstagswahl im Juli 1932, 0,3 % im November 1932 bei einer gemeinsamen Liste mit dem Bayerischen Bauernbund. Zur Reichstagswahl am 5. März 1933 trat die CNBL nicht mehr an, sie empfahl stattdessen die Stimmabgabe für die "Kampffront Schwarz-Weiß-Rot".

Literatur

  • Manfred Kittel, "Weimar" im evangelischen Bayern. Politische Mentalität und Parteiwesen 1918-1933 mit einem Ausblick auf die Zeit nach 1945 (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A 109), München 2001, v. a. 142ff.
  • Markus Müller, Die Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 1928-1933 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 129), Düsseldorf 2001.

Weiterführende Recherche

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Deutsches Landvolk

Empfohlene Zitierweise

Markus Müller, Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei (CNBL), 1928-1932, publiziert am 12.06.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei (CNBL), 1928-1932> (13.12.2018)