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Geist und Leben (GuL)

Friedrich Wulf SJ. (Archiv der Deutschen Provinz der Jesuiten, Abt. 800, Nr. 173)
Josef Sudbrack SJ. (GuL 2010, Heft 5)
Alfred-Delp-Haus in München/Nymphenburg. (Archiv der Deutschen Provinz der Jesuiten, Abt. 800, Nr. 138)
Verschiedene Titelseiten der "Zeitschrift für Aszese und Mystik" und von "Geist und Leben" 1926-1986. (Foto: GuL)

von Franz-Josef Steinmetz

Als "Zeitschrift für Aszese und Mystik" 1926 in Innsbruck gegründet und vom Jesuitenorden herausgegeben, gehörte sie zu den katholischen Initiativen nach der Zeit des Kulturkampfs und der Modernismus-Krise. Seit 1947 erscheint sie unter dem Titel "Geist und Leben" (GuL) als Zeitschrift für christliche Spiritualität beim Echter-Verlag (Würzburg). Sitz der Redaktion war von 1929 bis 2003 München; nach einer Zwischenstation in Frankfurt ist die Redaktion 2005 nach Köln umgezogen.

1926–1944: Anfänge in Innsbruck und München

Der erste Jahrgang der "Zeitschrift für Aszese und Mystik" (ZAM) erschien 1926 in Innsbruck bei Tyrolia. Ihr erster Schriftleiter war der österreichische Jesuit Alois Ersin (1868-1946), damals Rektor des dortigen Collegium Maximum SJ und von 1929–1936 österreichischer Provinzial. Er hatte 1925 auch die Gründung angeregt, um die Geschichte der christlichen Frömmigkeit besser zu erforschen und ihre Praxis zu fördern. In anderen europäischen Ländern gab es solche "Organe" schon einige Jahre früher. P. Heinrich Bleienstein (1884-1960) aus der oberdeutschen Provinz SJ übernahm die Leitung der ZAM ab September 1926, zunächst noch in Innsbruck und dann ab Ostern 1929 in München.

Schon in den ersten Jahrgängen der Zeitschrift waren die Geistlichen Übungen (Exerzitien) des Ignatius von Loyola (1491-1556), welche nicht nur von Jesuiten seit mehr als 400 Jahren praktiziert werden, ein Themen-Schwerpunkt. Ignatianische Spiritualität bedeutet: zuerst Gott in allem zu suchen und zu finden, sodann Gottes Liebe im eigenen Leben zu erfahren und darauf Antwort zu geben (zum Beispiel im Gebet der liebevollen Aufmerksamkeit, durch die Schriftbetrachtung und die Unterscheidung der Geister).

Die verheißungsvollen Anfänge der ZAM fanden im "Dritten Reich" ein jähes Ende. Schon im Jahre 1943 wurden die ZAM und die ebenfalls in Innsbruck erscheinende "Zeitschrift für katholische Theologie" zusammengelegt, und nach Erscheinen des 19. Jahrgangs (1944) mussten sie eingestellt werden. Kriegseinwirkungen auf Druckerei und Verlag verhinderten das Erscheinen des letzten Heftes Anfang 1945.

1947-1979: Neubeginn unter Chefredakteur Friedrich Wulf SJ

In den Nachkriegsjahren 1945 und 1946 konnte die Zeitschrift noch nicht wieder erscheinen. Zu einer neuen Ausgabe kam es erst 1947, und zwar beim Echter Verlag in Würzburg. Sie wurde organisiert von Friedrich Wulf SJ (1908-1990) aus der damals westdeutschen Provinz SJ. Für die Neuausgabe (20. Jahrgang) änderte man nach Rücksprache mit einigen Mitbrüdern den Namen "Zeitschrift für Aszese und Mystik" (ZAM) in "Geist und Leben" (GuL) (Zitat aus dem Johannes-Evangelium 6,63).

Unter dem neuen Titel gelang es, sowohl die Kräfte zu unterstützen, die für eine Erneuerung der Kirche eintraten und zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962/65) führten, als auch die Anliegen dieses Konzils und in ihrem Gefolge die der Würzburger Synode (1971/75) an weitere Kreise spirituell zu vermitteln. Insbesondere wurde eine Frömmigkeitspraxis zur Sprache gebracht, die geeignet war, den noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts herrschenden Aszetismus-Moralismus (Überbetonung des menschlichen Tuns bei Vernachlässigung der göttlichen Gnade) und die dualistische Trennung von Geistlichem und Weltlichem zu überwinden (Schulte, in: GuL 1999, 213). Es galt, falsche Bilder von Askese (das Wort meint ursprünglich "Übung") zu korrigieren und praxisnäher darzustellen. Christliche Askese wurde nun als Kampf im Herzen des Menschen verstanden, der Gott groß und sich klein werden lässt. Aszese und Mystik wurden wieder tiefer als Einheit betrachtet. Für entsprechende Artikel konnte man unter anderem so bekannte Autoren wie Hans Urs von Balthasar (1905-1988), Eugen Biser (1918-2014), Hugo und Karl Rahner SJ (1900-1968 bzw. 1904-1984), Heinrich Schlier (1900-1978), Emmanuel von Severus OSB (1908-1997) und Corona Bamberg OSB (geb. 1921) gewinnen.

Pater Wulf war auch Berater von etlichen Bischöfen und Ordenskapiteln, erster Leiter des Institutes der Vereinigung der Ordensoberen Deutschlands (VOD) in München, Konzilstheologe in Rom, Delegierter der 32. Generalkongregation seines Ordens (1974/75), Mitglied der gemeinsamen Synode in Würzburg (1971-1975), Autor bzw. Herausgeber mehrerer Bücher oder Kommentare, sehr oft Exerzitienbegleiter. Er blieb Chefredakteur der GuL bis 1979.

1979-1986: Chefredakteur Josef Sudbrack SJ

Josef Sudbrack SJ (1925-2010) gehörte seit Beginn der 1960er Jahre zur Redaktion und übernahm die Schriftleitung 1979. Er hat die Zeitschrift spürbar mitgeprägt und wesentlich dazu beigetragen, dass ihr ureigenes Thema "christliche Spiritualität" – inmitten vieler Angebote aus dem Osten und dem Westen – deutlich und verbindlich zur Sprache kam. Sowohl durch spezifische Abhandlungen als auch durch kritische Literaturberichte hat er für eine tiefere Klärung der oftmals so verwirrend verwendeten Begriffe "Meditation" und "Mystik" gesorgt. Dabei half ihm seine besondere Kenntnis der Schriften des Alten und Neuen Testaments, auf die er sich bezog.

Aus verschiedenen Gründen hat Pater Sudbrack 1986 die Schriftleitung von GuL abgegeben. Es war wohl vor allem die redaktionelle Belastung, die ihm zu wenig Freiraum für andere Aufgaben ließ. Neben seiner Redaktionstätigkeit war er nämlich fortwährend als Referent tätig und 1976 bis 1987 auch geistlicher Leiter des Instituts der Vereinigung der Ordensoberen Deutschlands für die Weiterbildung von Ordensfrauen in München. Gemeinsam mit Wolfgang Böhme (1919-2010), dem Direktor der Evangelischen Akademie Baden in Bad Herrenalb, gründete er 1987 die "Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik e. V."

1986-1993: Chefredakteur Paul Imhof SJ

Paul Imhof SJ (geb. 1949) gehörte seit 1981 zur Redaktion und übernahm die Leitung im Jahre 1986. Auch eine "Leserumfrage", die 1989 durchgeführt wurde, hat er bei seinem Konzept berücksichtigt. Betont wurde, dass "Geist und Leben" eine Fachzeitschrift sei, die primär von denen gelesen wird, die sich auch beruflich mit Theologie befassen. Jüngere Leser interessierten sich besonders für Themen der Mystik und der Psychologie sowie für Grenzfragen zwischen Esoterik und Spiritualität. Paul Imhof hat deshalb eine größere Anzahl von jüngeren Autoren zur Mitarbeit eingeladen, und etliche Themen wurden in seiner Verantwortung in der Form von Gesprächen bzw. Interviews behandelt. Sie kennzeichnen die Buntheit und Weite seines redaktionellen Horizonts.

Seine Amtszeit als Chefredakteur endete im Februar 1993. Bis 1997 gehörte er noch zum Redaktionskomitee. Aus persönlichen Gründen bat er überraschend um Entlassung aus dem Jesuiten-Orden, die er schließlich erhielt.

1993-2005: Chefredakteur Franz-Josef Steinmetz SJ

Franz-Josef Steinmetz SJ (geb. 1931) übernahm die Schriftleitung 1993. Er gehörte seit 1968 als Neutestamentler zur Redaktion, war aber von 1973 bis 1993 hauptamtlich als Spiritual in der Priester- und Ordensausbildung tätig. Er konnte die Zeitschrift auf der Linie weiterführen, die sich unter Wulf und Sudbrack bewährt hatte. Das Ziel war immer eine im besten Sinne des Wortes "Katholische Spiritualität", die keine mittelmäßige Neutralität bedeutet, sondern scheinbar widersprüchliche Gestimmtheiten: Freude und Buße, Stolz und Demut, Liebe und Verzicht. Biblische Themen bildeten einen Schwerpunkt. Zum Programm gehörten jedoch ebenso Beiträge über die rechte Weise des Betens, der Ignatianischen Exerzitien, der christlichen Verkündigung und des interreligiösen Dialogs. Auch zeitgenössische Dichtung bzw. Lyrik fanden regelmäßig ihren Raum, und nicht zuletzt freuten sich viele Leser über (mit Farbbildern) illustrierte Beiträge aus dem Feld der Kunst bzw. der Malerei. Es war Georg Maria Roers SJ (geb. 1965), der sich als Fachmann auf diesem Gebiet besonders engagierte.

2003 musste der Orden das 1965 neu erbaute, nach Alfred Delp (1907-1945) benannte Haus in München, in dem die Zeitschriften "Geist und Leben" und "Stimmen der Zeit" ihren Redaktionssitz hatten und in dem Jesuiten auch andere Aufgaben erfüllten, schließen. Bis 2005 fand GuL dann im Kolleg Sankt Georgen (Frankfurt) eine vorläufige Unterkunft.

2005-2013: Chefredakteur Andreas Schönfeld SJ

Andreas Schönfeld SJ (geb. 1961) organisierte und vollendete den Umzug der Redaktion aus dem Alfred-Delp-Haus in München in das ehemalige Provinzialat der Norddeutschen Jesuiten in Köln. Die Bibliothek wurde nach Epochen der Spiritualitätsgeschichte und nach Sammelschwerpunkten neu geordnet. Im Internet wurde ein besonderes Angebot entwickelt. Für alle Besucher der Website stehen seit dem 21. September 2010 unter "Archiv" sämtliche Beiträge aus ZAM 1 (1926) bis GuL 79 (2006) zum Lesen bzw. Download kostenfrei zur Verfügung. Mit drei Jahren Abstand zum aktuellen Jahrgang werden die Beiträge weiter freigeschaltet. Für Abonnenten stehen sogar alle Beiträge ab 1926 zur systematischen Recherche zur Verfügung. "Geist und Leben" ist die erste theologische Fachzeitschrift im deutschsprachigen Raum, die in dieser Weise im Internet dokumentiert wurde.

GuL versteht sich nicht als bloße Fachzeitschrift für Ignatiana, vielmehr hat sie jede Form geistlichen Lebens im Blick, was sowohl konfessionelle Identität als auch ökumenische Offenheit bedeutet. Sie richtet sich an alle, die sich für christliche Spiritualität und Mystik interessieren, besonders an jene, die in der Kirche eine Vermittlungsaufgabe wahrnehmen. Die einzelnen Hefte (bis 2010 waren es sechs, seit 2011 sind es vier pro Jahr) haben mehrere Rubriken: thematische Aufsätze, Buchbesprechungen, Einübung und Weisung, Leben der Kirche, Literaturberichte, Lectio spiritualis, Spiegel der Zeit.

Nach achtjähriger Tätigkeit hat P. Andreas Schönfeld SJ am 30. Juni 2013 aus persönlichen Gründen die Schriftleitung von "Geist und Leben" abgegeben; auch die Redaktionsassistentin, Frau Dr. Birgit Gansweidt, ist aus der Redaktionsarbeit ausgeschieden.

Seit 2013: Chefredakteur Christoph Benke

PD Dr. theol. habil. Christoph Benke (geb. 1956) hat die Schriftleitung von "Geist und Leben" am 1. Juli 2013 im Auftrag der Deutschen Provinz des Jesuitenordens übernommen. Er ist Diözesanpriester des Erzbistums Wien, geistlicher Mentor für Theologiestudierende, ausgewiesener Kenner der Geschichte der Spiritualität und Autor zahlreicher Publikationen. Als Redaktionsassistentin unterstützt ihn Frau Dipl.-Theol. Anna Albinus M.A. Die Redaktion zog Anfang Juli von Köln nach Wien um. Die Kosten der Redaktion, im Wesentlichen vom Jesuitenorden getragen, können durch die Neustrukturierung erheblich gesenkt werden. Der Echter Verlag wird weiterhin in bewährter Weise die Zeitschrift edieren und vertreiben. Auch der Redaktionsbeirat wurde neu zusammen- gestellt; er soll der Redaktion in Zukunft verstärkt zuarbeiten und sie mit Rat und Hilfe unterstützen.

Zwar ist die Zahl der Abonnenten von GuL in den letzten Jahren weiter leicht gesunken, wenn auch weniger als bei anderen, vergleichbaren Medien. Mit der neuen Redaktion und dem Beirat soll die Zeitschrift behutsam weiterentwickelt und dem sich stark verändernden Markt und den Anliegen und Fragen neuer Zeiten angepasst werden.

Literatur

  • Andreas Schönfeld, Integrative Spiritualität. Zum 80. Jahrgang von "Geist und Leben", in: Geist und Leben 80 (2007), 1-8.
  • Andreas Schönfeld (Hg.), Spiritualität im Wandel. Leben aus Gottes Geist. Festschrift zum 75. Jahrgang von "Geist und Leben" - Zeitschrift für christliche Spiritualität begründet als Zeitschrift für "Aszese und Mystik" 1925-2002, Würzburg 2002.
  • Franz-Josef Steinmetz, 75 Jahre "Geist und Leben", in: Andreas Schönfeld (Hg.), Spiritualität im Wandel. Leben aus Gottes Geist. Festschrift zum 75. Jahrgang von "Geist und Leben" - Zeitschrift für christliche Spiritualität begründet als Zeitschrift für "Aszese und Mystik" 1925-2002, Würzburg 2002, 39-46.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Leben und Geist, Zeitschrift für Aszese und Mystik, ZAM

Empfohlene Zitierweise

Franz-Josef Steinmetz, Geist und Leben (GuL), publiziert am 11.04.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Geist und Leben (GuL)> (18.08.2018)