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Hohenfels, Adelsfamilie

Karte der Herrschaft Hohenfels, angefertigt für die Pfalz-Neuburger Verwaltung von Christoph Vogel (1554-1608) und Matthäus Stang (1560-1620), um 1600. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 3594)

von Manfred Jehle

Geschlecht aus dem heutigen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, ab dem 12. Jahrhundert nachweisbar, zur Wende 14./15. Jahrhundert bereits wieder ausgestorben. Die Hohenfelser agierten als Ministerialen in enger Bindung an den Bischof von Regensburg, seit dem 14. Jahrhundert ist auch eine Tätigkeit für die bayerischen Herzöge und im Umkreis der Bischöfe von Eichstätt nachgewiesen. Wichtigste Besitzungen waren neben der Stammburg Hohenfels die Burgen Falkenstein, Helfenberg und Ehrenfels.

Herkunft und Stammsitz

Die Regensburger Hochstiftsministerialen von Hohenfels saßen zuerst in Raitenbuch (Hausraitenbuch), nahe Hohenfels (Lkr. Neumarkt i. d. Opf.) zwischen der Schwarzen Laaber und der Naab gelegen. Kurz nach 1200 errichteten sie die Burg Hohenfels, nach der sie sich fortan benannten. In Raitenbuch saßen danach andere Regensburger Dienstleute, die mit den Hohenfelsern nicht stammverwandt waren.

Über Raitenbuch verfügte der Bischof von Regensburg schon seit dem 9. Jahrhundert. Der Besitz in der Umgebung wurde seit dieser Zeit gezielt erweitert. Im Hinterland der Höfe und Straßenstationen Beratzhausen an der Schwarzen Laaber und Kallmünz an der Naab (beide Lkr. Regensburg) wurde Raitenbuch zum Zentrum eines Regensburger Güterkomplexes.

Erste Vertreter der Familie und verwandtschaftliche Beziehungen

Die Ministerialen von Raitenbuch/Hohenfels werden erstmals zu der Zeit bekannt, als der mit ihnen verwandte Bischof Konrad (Kuno) I. von Regensburg (reg. 1126–1132) das Bistum leitete. Sein Neffe war Bischof Konrad II. von Regensburg (reg. 1167–1185), der in späteren Bischofslisten auch nach Hohenfels und Falkenstein (Lkr. Cham), das im 13. Jahrhundert zum Hohenfelser Besitz gehörte, benannt wurde.

In einer Notiz des Klosters St. Emmeram (Stadt Regensburg) von ca. 1126–1129 sowie in zwei Urkunden vom Juli 1129 werden Raitenbucher erstmals ausdrücklich erwähnt: Am 13. Juli Adelgoz, am 17. Juli Nizo, der auch in der St. Emmeramer Notiz genannt ist. Möglicherweise gehörten die Raitenbucher zu einer größeren Sippe von eng verwandten Ministerialen, die um Regensburg auf wichtigen Positionen eingesetzt waren. Neben Adelgoz von Raitenbuch werden Nizo von Hofdorf (Lkr. Regensburg, östlich von Wörth), Nizo von Raitenbuch, Adelgoz von Sallern (Stadt Regensburg) und Konrad von Inkofen (bei Schierling, Lkr. Regensburg) genannt. Bei den Ministerialen von Raitenbuch und von Hofdorf blieben "Nizo" und "Konrad" im 12. Jahrhundert die Leitnamen; Adelgoz von Sallern wird zwischen ca. 1114 und 1132 wiederholt unter den Regensburger Ministerialen aufgeführt; in Inkofen beanspruchte Konrad von Hohenfels 1232 die Vogtei. Die Verwandtschaft mit dem herausragenden Bischof Konrad I. und dessen Neffen Bischof Konrad II. wird dazu beigetragen haben, die Bedeutung der Familie zu steigern. Zur selben Ministerialenfamilie dürfte der nur einmal genannte Konrad von Pfraundorf gehört haben, der 1147 an der Rückgabe von St. Emmeramer Besitz in Schmidmühlen (Lkr. Amberg-Sulzbach) beteiligt war. Die Kirche St. Martin in Oberpfraundorf (Gde. Beratzhausen, Lkr. Regensburg) war im Hochmittelalter die Pfarrkirche, zu der Raitenbuch und Hohenfels gehörten, bevor in Hohenfels im 13. Jahrhundert ein eigener Pfarrsitz errichtet wurde.

Nach Hohenfels nannten sich die Ministerialen zum ersten Mal, als Graf Ulrich von Velburg vor 1217 die Burg Helfenberg bei Lengenfeld (Gde. Velburg, Lkr. Neumarkt i.d.OPf.) an das Hochstift Regensburg abtrat. Konrad von Hohenfels gehörte zu den Bürgen des Vertrags. Mit der Burg Helfenberg war zu dieser Zeit Wirnto belehnt, der vermutlich von der nahen Burg Plankenstein bei Deusmauer (Gde. Velburg, Lkr. Neumarkt i.d.OPf.) stammte und mit den Hohenfelsern verwandt war. Der in der Region seltene Leitname Wirnto findet sich dann bei den Ministerialen von Frickenhofen, deren Besitz sich auch auf die Herrschaften Helfenberg und Hohenfels erstreckte und die wohl ebenfalls mit den Hohenfelsern verwandt waren.

Erwerbungen, Aufstieg und Herrschaftsbildung

Im 13. Jahrhundert besaßen die Hohenfelser neben ihrer Stammburg auch die Burgen Falkenstein, Helfenberg (Lkr. Neumarkt i.d.OPf., bei Velburg) und Ehrenfels (Lkr. Regensburg, bei Beratzhausen). Einige Zeit besaßen sie die Burgen Sengersberg (ca. 3 km nördlich von Falkenstein) und Schönberg (Ortsteil von Wenzenbach, Lkr. Regensburg). Dieser Besitz unterstreicht die führende Stellung der Familie im Einflussbereich des Hochstifts nördlich der Donau. Als weiterer Besitz der Hohenfelser werden zahlreiche Regensburger Lehen im Donaugebiet um Regensburg und Reichslehen nördlich der Donau genannt. Die Hohenfelser waren die mächtigste Adelsfamilie der Region nordwestlich von Regensburg. Im Gegensatz zu den benachbarten Grafen von Hohenburg und von Velburg ordneten sie von ihren Burgen aus ihre Herrschaften, erwarben Kirchenpatronate und beteiligten sich an der Gründung von Klöstern.

Der bedeutendste Besitz neben der Stammburg Hohenfels waren die Burgen Falkenstein, Helfenberg und Ehrenfels. Alle vier Herrschaften waren groß genug, dass später bayerische und pfälzische Ämter aus ihnen entstehen konnten. Die Umstände der Erwerbung der Burg Falkenstein sind nicht bekannt. 1232 verzichtete Konrad (II.) von Hohenfels gegenüber Bischof Siegfried von Regensburg (reg. 1227-1246) auf Falkenstein, wohl aber nur, um die Burg sogleich wieder als Lehen zu erhalten. Burg und Herrschaft Helfenberg verlieh Bischof Siegfried von Regensburg 1232 an Konrad von Hohenfels. Die Herrschaft gelangte dann an denjenigen Zweig der Hohenfelser, der auf der 1256 erstmals erwähnten Burg Ehrenfels saß.

Um die Kastler Vogtei entstand 1244 zwischen den Hohenfelsern und den Grafen von Hirschberg ein Krieg, in dem zahlreicher Kastler Klosterbesitz zerstört wurde. Die Auseinandersetzung war in den Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. (reg. 1220-1250) mit Papst Gregor IX. (reg. 1227-1241) eingebunden. Die Hohenfelser waren mit Bischof Friedrich II. von Eichstätt (reg. 1237–1246) verbündet, der wie der Regensburger Bischof auf kaiserlicher Seite stand. Der Sohn des verstorbenen Grafen von Hirschberg, Graf Gebhard III. von Hirschberg, unterstützte die päpstliche Partei. Nach der Ermordung Gebhards III. 1245 schloss dessen Sohn, Gebhard IV., mit dem Bischof von Eichstätt Frieden und wechselte auf die Seite des Kaisers. Die ehrgeizigen Pläne der Hohenfelser, die Grafen von Hirschberg aus der Kastler Vogtei zu verdrängen, waren damit gescheitert. Das bedeutete auch das Ende des Versuchs, im Nordwesten von Regensburg eine weitgehend geschlossene Territorialherrschaft des Hochstifts zu errichten. Im Sommer 1245 wechselte Bischof Siegfried und mit ihm vermutlich Konrad von Hohenfels auf die Seite des Papstes. Eine mit Unterstützung des Gegenkönigs Heinrich Raspe (reg. als Landgraf von Thüringen 1242-47, deutscher Gegenkönig seit 1246) mögliche Eroberung der Burgen Adelburg (südlich von Velburg) oder Haimburg (nördlich von Neumarkt/Opf.) durch Gottfried von Sulzbürg, den Schwager Konrads von Hohenfels, versprach einen Ausbau der Machtposition im Gebiet der Kastler Vogtei, kam aber nicht zustande.

Der Wechsel auf die antikaiserliche Seite brachte den Regensburger Bischof und die Hohenfelser Ministerialen in Gegensatz auch zum Herzog von Bayern und zu den Bürgern Regensburgs. Der Kaiser reagierte mit einem Privileg für die Regensburger Bürger und beendete die bischöfliche Stadtherrschaft, die er noch 1232 bestätigt hatte. Bischof Siegfried musste die Stadt verlassen und starb 1246. Im Konflikt mit den Bürgern, dem Herzog von Bayern und dem Kaiser wurde sein Nachfolger Albert I. (reg. 1247-1259) vor allem von seinem Ministerialen Konrad von Hohenfels unterstützt. Im bischöflichen Auftrag verübte dieser in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 1250 im Kloster St. Emmeram zusammen mit anderen Regensburger Ministerialen einen Anschlag auf den Sohn des Kaisers, König Konrad (reg. 1237-1254), der jedoch überlebte. Da inzwischen bekannt geworden war, dass Kaiser Friedrich II. zwei Wochen zuvor in Italien verstorben war, reiste König Konrad ab und verzichtete auf Vergeltung.

Genealogische Verhältnisse im 13. Jahrhundert

Die Generationenfolge lässt sich im 13. Jahrhundert nicht mit Sicherheit rekonstruieren. Genealogische Untersuchungen liegen nur von Wilhelm Brenner-Schäffer (1814-1881) (1845) und Kamillo Trotter (1862-1938) (1938) vor, beide auf der Grundlage der gedruckten Quellen, die bereits 1845 in den Monumenta Boica, dem Codex chronologico-diplomaticus episcopatus Ratisbonensis von Thomas Ried (1773-1827) und den Regesta sive rerum Boicarum (Regesta Boica) vorlagen. Brenner-Schäffer überließ es einem "erfahreneren Forscher [...] die sich überstürzende Menge der Hohenfelser Conrade zu sichten und zu scheiden". Dies leistete dann Trotter, dem eine weit bessere Auswertung der Quellen und Bestimmung der Generationenfolge gelang. Insbesondere konnte er den Nachweis führen, dass auch die Ministerialen zu Raitenbuch zur Familie gehörten und gegen Ende des 12. Jahrhunderts die Burg Hohenfels errichteten, nach der sie sich dann nannten. Einige genealogische Angaben Trotters bedürfen Korrekturen, die an seinen Ergebnissen zur Generationenfolge wenig ändern. Allerdings sind nicht wenige Daten, die Trotter zu einzelnen Familienmitgliedern angibt, ungenau oder falsch. Neuere Arbeiten zur Genealogie der Familie sind seitdem nur noch von Robert Dollinger (1966) zum Familenzweig der Ehrenfelser vorgelegt worden.

Als den ersten Hohenfelser zu Ehrenfels bezeichnete Trotter Konrad (III) (bereits 1290 als verstorben bezeichnet). Seine Söhne waren 1290 erwachsen: Konrad, Propst des Stifts St. Johann, Ritter Heinrich von Ehrenfels (Bürgermeister von Regensburg 1311-1313), Pfarrer Konrad von Oberwiesenacker und Konrad der Jüngere.

Wappen

Hohenfelser und Ehrenfelser führten dasselbe Wappen. Es zeigt mehrere Rauten oder Wecken im Schild. Deren Anzahl ist in den verschiedenen Belegen unterschiedlich groß. Ein Helmsiegel Konrads von Hohenfels zeigt 1340 einen mit Rauten belegten Spitzhut.

Spital und Klostergründungen

1224 gründete Konrad (I) von Hohenfels ein Spital in Pollenried (Lkr. Regensburg, nordwestlich von Regensburg), in der Nähe der wichtigen Hauptverkehrsstraße nach Nürnberg. Auf der östlichen Seite der Naab entstand dann 1237 das Zisterzienserinnen-Kloster Pielenhofen, ein Werk von Regensburger Ministerialen. Der Ort Pollenried gehörte noch bis 1240 den Hohenfelsern, die ihn dann dem neuen Kloster übertrugen. Der Besitz des Klosters erstreckte sich im Westen so weit, wie die Einflusszonen der Hohenfelser und Ehrenfelser reichten. In Lengenfeld unterhalb der Burg Helfenberg betrieb das Kloster das Siechenhaus.

Die zweite Klosterstiftung unter Beteiligung der Hohenfelser war Seligenporten bei Neumarkt in der Oberpfalz. 1247 stifteten Gottfried von Sulzbürg und seine Frau Adelheid von Hohenfels das Zisterzienserinnenkloster. Zu den Förderern gehörten neben den Hohenfelsern die mit diesen verwandten Herren von Hilpoltstein sowie die Ehrenfelser und die Frickenhofer, die in den Herrschaften Helfenberg und Hohenfels begütert und vermutlich mit den Hohenfelsern verwandt waren.

Ende des Ministerialenverhältnisses

Am Ende des 13. Jahrhunderts begannen sich die engen Bindungen der Ministerialen von Hohenfels und Ehrenfels zum Regensburger Bischof zu lockern; im 14. Jahrhundert scheint die Abhängigkeit bereits verschwunden. Noch 1290 hatten sich Konrad und Heinrich von Hohenfels gegenüber Bischof Heinrich (reg. 1277-1296) verpflichten müssen, dem Gotteshaus Regensburg die Treue zu wahren und nicht außerhalb der Regensburger Ministerialität zu heiraten. Bald darauf dienten sie den Bischöfen von Regensburg nicht mehr wegen ihres Ministerialenverhältnisses, sondern standen in bezahlten Dienstverhältnissen. Hohenfelser traten schließlich als wittelsbachische Dienstleute auf: 1305 Heinrich und Konrad von Ehrenfels, 1314 Konrad von Hohenfels der Jüngere und Heinrich von Ehrenfels. Sie verfügten nun über ihre Herrschaften Hohenfels und Falkenstein sowie Ehrenfels und Helfenberg wie über freies Eigentum.

Die geistlichen Mitglieder der Familie traten nun auch in Eichstätt auf. Bekannt sind Albrecht (gest. 1355), 1344 bis 1351 Elekt und 1351 bis 1355 Administrator im Bistum Eichstätt, sowie Ulrich (gest. 1328), Domherr zu Eichstätt und Propst des Neuen Stifts in Spalt.

Der Verkauf der Besitzungen

1323 verkaufte Heinrich von Hohenfels sein Erbteil an Hohenfels und die Herrschaft Falkenstein an König Ludwig den Bayern (reg. als König 1314-1347, ab 1328 als Kaiser), machte aber den Verkauf alsbald wieder rückgängig. Der Hohenfelser erscheint noch einmal 1327 im Besitz Falkensteins, das dann wenig später an die Landgrafen von Leuchtenberg und von ihnen 1332 an die Herzöge von Bayern gelangte. Von einer Zustimmung des Bischofs von Regensburg zum Verkauf der Herrschaft ist nichts bekannt. Der Bischof war auch nicht beteiligt, als Heinrich von Ehrenfels 1335 wegen seiner Schulden die Burg Ehrenfels und seinen Anteil am Markt Beratzhausen an Kaiser Ludwig den Bayern verkaufte. Die Ehrenfelser saßen seither nur noch auf der Burg Helfenberg.

1370 trug Hans von Ehrenfels die Herrschaft Helfenberg Kaiser Karl IV. (reg. 1346-1378, als Kaiser ab 1355; seit 1347 König von Böhmen) als Lehen des Königreichs Böhmen auf. 1372 wurde der erste Teil von Helfenberg, 1374 und 1380 die restlichen Teile an den Kurfürsten Ruprecht I. (reg. 1329-1390) verkauft.

1366 wurde auch die Herrschaft Hohenfels Kaiser Karl IV. als böhmisches Lehen aufgetragen. 1375 verkauften Albrecht und Hilpolt von Hohenfels ihre Herrschaft Hohenfels ebenfalls an den Kurfürsten Ruprecht. Helfenberg und Hohenfels gehörten seitdem zur Oberen Pfalz der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Herrschaft Ehrenfels übergab Kaiser Ludwig der Bayer 1335 den Herren von Stauff, die die ehemalige Regensburger Ministerialenherrschaft zu einer Reichsherrschaft machen konnten. Nach den Verkäufen begegnen Angehörige der Ehrenfelser Linie noch als Amtmänner des Hochstifts Regensburg und des bayerischen Herzogtums. Um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert scheinen beide Linien im Mannesstamm ausgestorben.

Literatur

  • Robert Dollinger, Elfhundert Jahre Beratzhausen, Beratzhausen 1966.
  • Manfred Jehle, Hohenfels, in: Hans-Michael Körner/Alois Schmid (Hg.), Handbuch der historischen Stätten. Bayern. 1. Band: Altbayern und Schwaben (Handbuch der historischen Stätten 7/1), Stuttgart 4. Auflage 2006, 322-323.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Manfred Jehle, Hohenfels, Adelsfamilie, publiziert am 08.03.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hohenfels,_Adelsfamilie> (14.11.2018)