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Goldene Straße

Das Straßennetz der "Goldenen Straße" im Kontext der spätmittelalterlichen Handelswege zwischen dem fränkisch-bayerischen Raum und Böhmen. Das Adjektiv "golden" wurde auch für den von Passau aus nach Böhmen führenden Goldenen Steig verwendet, wie auch zeitweise für die von Vilshofen über Grafenau führende Verbindung. (© Haus der Bayerischen Geschichte; Konzeption: Ulrich List, München; Grafik: Heinz Muggenthaler, Regen. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz)
Die Straßenkarte von Erhard Etzlaub (1462-1532) zeigt noch die nördliche Route über Weiden und Bärnau (rote Markierung durch die Redaktion). (Germanisches Nationalmuseum, Inv. Nr. La 217 Kaps. 1036 a)

von Ulrich List

Spätmittelalterliche Handelsstraße zwischen Nürnberg und Prag. Kaiser Karl IV. (reg. 1347-1378) versuchte beim Aufbau des "neuböhmischen" Territoriums in der Oberpfalz den Handelsverkehr von der bisherigen direkten Verbindung über Waidhaus auf eine nördlich gelegene Route umzulenken. Seit dem 16. Jahrhundert wurde diese Strecke über Sulzbach, Weiden und Tachov/Tachau "Goldene Straße" genannt. Ziel war es, mit dieser längeren Straße den Herrschaftsraum der Landgrafen von Leuchtenberg zu umgehen. Die "Goldene Straße" war niemals die einzige Verbindung zwischen Nürnberg und Prag, sondern nur eine von mehreren Routen im Straßensystem, das das böhmisch-oberpfälzische Grenzgebirge querte.

Begriff und Problematik

Der Begriff "Goldene Straße" erscheint erst im Jahre 1513 in den Quellen und bezeichnet eine Straßenverbindung, welche die beiden damaligen Metropolen Nürnberg und Prag über Lauf, Sulzbach, Weiden, Bärnau, Tachov/Tachau und Pilsen verband. Der Bärnauer Pfleger Hans von Uttelhofen beschreibt sie als "königliche Stras, die von Brage aus gen solt, wie es than vor alter gegangen ist , darumb sy than die angezeigten straß die gulden straß genant ist, die (...) auf Nurmberg zu geth." (StA Amberg, Böhmen 774). Bereits in einem Brief der Stadt Tachau an die Stadt Weiden aus dem Jahre 1565 wird jedoch die Problematik der Festlegung auf eine bestimmte Trasse zwischen Nürnberg und Prag deutlich. Die Tachauer beklagen in diesem Dokument, dass "kauffleutt, furleit, viecktreiber" die Route über Pfraumberg/Přimda (Bezirk Tachau, Tschechien) gegenüber der "Goldenen Straße" bevorzugen. Es wird auch angesprochen, dass es sich hierbei keineswegs um eine neuere Entwicklung handelt (Stadtarchiv Weiden, A I 904).

Karl IV. und die "Goldene Straße"

Die "Goldene Straße" wird in der Literatur meist auf Karl IV. (reg. 1347-1378) zurückgeführt, dem an einer sinnvollen Verbindung seiner Luxemburger Stammlande bzw. der Krönungsstadt Frankfurt mit seinem Königreich Böhmen und dessen Hauptstadt Prag gelegen war. Er selbst drückte diese Absicht in einem Lehensbrief über Heidingsfeld (Stadt Würzburg) vom Neujahrstag 1367 so aus: "umb das ein jeglich Kunig zu Beheimb und die seinen, von seinen wegen Herberge haben mögen, von Beheim zu Franckenfurt an dem Mayn zu reiten, wann er sich gebürt einem Römischen Kunig zu kniesen und auch zu reiten dahin zu anderen Churfürsten, Fürsten und Herrn, zu Kuniglichen und Keiserlichen Höfen, Perlament und Gespreche zu haben und des Reiches Sachen da zu teidigen." (nach Hans Hubert Hofmann, "Böhmisch Lehen vom Reich." Karl IV. und die deutschen Lehen der Krone Böhmen, in: Bohemia. Jahrbuch des Collegium Carolinum. 2. Band (1961), 117)

Durch seine Erwerbungs- und Heiratspolitik schuf Karl IV. innerhalb weniger Jahre eine territoriale Verbindung zwischen Böhmen und der Reichsstadt Nürnberg ("Neuböhmen"), die durch Burgen, wie beispielsweise in Lauf, abgesichert wurde. Die Städte und Siedlungen dieses neu erworbenen Gebiets ermöglichten durch gezielte Förderungen und Privilegien einen effizienten und relativ sicheren Handelsverkehr zwischen Nürnberg und seinem Königreich Böhmen. Da sich der günstige Übergang über das Grenzgebirge bei Waidhaus (Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab) nicht in seinem Besitz befand, versuchte er den Übergang bei Bärnau (Lkr. Tirschenreuth) zu etablieren, indem er dem Grenzort schon 1351 das Tachauer Stadtrecht verlieh.

Streckenverlauf

Angaben über das Geleit auf dieser Straßenverbindung, auf der nach Karls Willen auch in Zukunft die Böhmenkönige zur Wahl und Krönung des Kaisers ziehen sollten, sind im "Böhmischen Salbüchlein" Kaiser Karls IV. aus den Jahren 1366/68 überliefert. "Man sol wissen, waz geleits vom Rein get, daz sol ein pleger zu Lawffe nehmen in dem pache zu Erleinstegen und sol daz beleitten biz an die pruk an der Pegnitz zu Hohenstat. – So sol ez dann nehmen ein pfleger zu Sultzbach und sol ez beleytten piz für Gempach auf dem Puhel. – it. Daselbes sol ez danne nemen ein pfleger zu Hirssaw und sol ez beleytten biz auf den Kolperch. – It. Auf dem Kolperg sol dan ein Pfleger von Parkstein daz geletytte nemen und sol ez beleitten unz gen der Altenstat. – It. Zu der Altenstat sol ez dann nehmen ein Pfleger zu dem Störnstein und sol ez beleytten biz für den Walt, do sein nicht mer not ist //" (Fritz Schnelbögl, Das "Böhmische Salbüchlein" Kaiser Karls IV. über die nördliche Oberpfalz 1366/68 [Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 27], München 1973, 99)

Diese Angaben geben eine sehr genaue Auskunft bezüglich der Routenführung, da sich die genannten Orte auf der Strecke der Kaufleute befunden haben müssen. Betrachtet man diese Handelsstraße auf der Karte, wird erkennbar, dass es sich hierbei nicht mehr um eine möglichst geradlinig verlaufende Altstraße im klassischen Sinne handelt. Diese Route, die allgemein "Goldene Straße" genannt wird, wurde durch hoheitliche Anordnung von der kürzeren und bequemeren Route über Pfraumberg mit einer Passhöhe von 636 Metern umgeleitet. Sie verlief nun, durch Städte und Gebiete Karls IV. hindurch, in einem nördlichen Bogen über einen höheren und steileren Pass mit 698 Metern zwischen Bärnau und Tachau und bog dann wiederum nach Süden, in Richtung Pilsen, ein. Dieser Umweg wurde nötig, da die Straße über das Gebiet Neuböhmens führen sollte.

Die südliche, bequemere Route über Waidhaus verlief über das Gebiet der Landgrafen von Leuchtenberg und wird heute von der Autobahn E 50 Nürnberg - Prag nachgezeichnet. Da bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in dieser Gegend, von Herzog Břetislav I. Grenzwächter bei Pfraumberg/Přimda (Bezirk Tachau, Tschechien) eingesetzt wurden, ist von einem hohen Alter dieser Verbindung auszugehen. Im späten Mittelalter wird diese Trasse auch als "Verbotene Straße" erwähnt, da sie nicht mit den Privilegien der nördlichen Variante ausgestattet war. Ein wirkliches Nutzungsverbot ist aber auch während der Regierungszeit Karls IV. nicht nachzuweisen, da der bedeutendste Anteil des Handels durch Händler und Kaufleute aus den Städten Nürnberg, Pilsen und Prag abgewickelt wurde, und diesen Städten bereits von Karls Vater, Johann von Luxemburg (reg. als König von Böhmen 1310-1346), die freie Wahl der Wege (Wegefreiheit) zugesichert worden war. Im Raißbüchlin des Augsburgers Jörg Gail aus dem Jahre 1563 ist nur noch diese Verbindung zwischen Nürnberg und Prag verzeichnet. (vgl. Krüger, Herbert. Das älteste deutsche Routenhandbuch, Jörg Gails "Raißbüchlin", Graz 1974)

Die "Goldene Straße" im System der Fernstraßen nach Böhmen

Auch zu ihrer Blütezeit stellte also diese "Goldene Straße" nicht die einzige Verbindung über die Mittelgebirgsschwelle des Oberpfälzer Waldes und des Český les/Böhmerwaldes dar. Wie beispielsweise die Untersuchungen von Alexander Binsteiner belegen, existierten in diesem Gebiet schon im Neolithikum Handelsrouten für Feuersteine und bereits die vorgeschichtliche Siedlungserschließung des Raumes folgte vorhandenen Verkehrsleitlinien.

Faktoren wie die verbriefte Wegefreiheit für Nürnberger Händler, religiös oder politisch bedingte Handelsverbote infolge kriegerischer Auseinandersetzungen wie der Hussitenkriege oder des Dreißigjährigen Krieges oder auch Gefahren durch "Raubritter" sowie der jahreszeitlich bedingte Zustand bestimmter Trassen bedingten seit jeher die Existenz paralleler Nebenrouten und die Nutzung verschiedener Trassen.

Die einseitige Herausstellung der "Goldenen Straße" als konkret festgelegter und bedeutendster Verbindung zwischen Prag und Nürnberg kann dem alten Verkehrssystem zwischen Böhmen und Bayern nicht gerecht werden. Es muss vielmehr im Bereich zwischen den Städten Nürnberg und Prag von einem differenzierten System sich verzweigender Routen ausgegangen werden. Dieses erstreckte sich im Bereich der Grenzgebirge des Oberpfälzer Waldes und des Český les auf verschiedene Wegführungen zwischen Eger im Norden und Waldmünchen im Süden. Im südlichen Teil nutzte der Verkehr aus Regensburg zum Teil die gleichen Trassen.

Dieses historisch bedeutende Straßensystem war keineswegs auf die Verbindung zwischen den Städten Nürnberg und Prag beschränkt, sondern stellte nur den Teilbereich eines wesentlich größeren West-Ost-Verkehrssystems zwischen West- und Osteuropa dar. Seine Blütezeit erreichte die West-Ost-Verbindung zwischen Nürnberg und Prag erst im ausgehenden Mittelalter, da große Teile des Fernhandels bis ins 13. Jahrhundert über die südlich gelegene, ältere Fernhandelsmetropole Regensburg abgewickelt wurden. Um all diese historischen Haupt- und Nebentrassen, welche die Gebiete der heutigen Städte Nürnberg und Prag über Pilsen in ihrer Grundausrichtung von West nach Ost verbanden begrifflich zu fassen, sollte besser von einem "System der Goldenen Straße" ausgegangen werden.

Das weiträumige Streckennetz des "Systems der Goldenen Straße" blieb auch in der Frühen Neuzeit im Gebrauch. Erst mit dem Ausbau von Fernverkehrsstraßen, beginnend mit dem Chausseebau im 18. Jahrhundert, konzentrierte sich das dichte Fernwegenetz auf wenige Routen. Darunter folgte die Hauptverbindungsstraße Nürnberg-Prag der historischen Trasse der mittelalterlichen "Verbotenen Straße" (Grenzübergang nach Böhmen in Waidhaus).

Bedeutung als Handelsweg

Im Gegensatz zur Handelsstadt Nürnberg war Prag im ausgehenden Mittelalter eher als politisches und geistiges Zentrum zu sehen, in dem Waren eher konsumiert als produziert wurden. Die Handelsbilanz der böhmischen Metropole war deshalb gegenüber Nürnberg stets negativ. Die Nürnberger Händler lieferten Kramwaren, Orientwaren wie Gewürze und Medikamente, Seidenstoffe und Barchent nach Prag. Ferner wurden Schmuckwaren, Waffen und Rüstungen nach Böhmen exportiert. Aus Böhmen brachten die Händler Fette, Häute, Wachs, Felle, Kupfer, Silber, Gold und ab dem 16. Jahrhundert auch verstärkt Vieh nach Nürnberg.

Forschungsstand und Rezeption

Im Bereich der Altstraßenforschung wurden einzelne Streckenabschnitte der "Goldenen Straße" seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder in regionalen Teilbereichen erforscht und in ihrem Verlauf nachgewiesen. Eine abschließende komplette Erfassung aller für den historischen Fernverkehr bedeutenden Trassen wird jedoch durch die großräumigen Flurveränderungen im Zuge der Flurbrereinigung, der Überbauung und Verfüllung von Wegabschnitten und der Siedlungs- und Wegezerstörung im Grenzraum zwischen Bayern und Tschechien kaum mehr möglich sein.

Seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" und der Erleichterungen beim Grenzübertritt zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik gewinnt die "Goldene Straße" besonders für den Tourismus in der eher strukturschwachen Grenzregion stark an Bedeutung. So wurden Fernwanderwege, Fahrradwege und Kulturpfade entlang der ehemaligen Handelsrouten eingerichtet, die sich meist an historischen Etappenorten orientieren, den originalen Wegverläufen aber natürlich nicht immer folgen können.

Literatur

  • Alexander Binsteiner, Die Feuersteinstraße zwischen Bayern und Böhmen. Ein populärwissenschaftliches Konzept im INTERREG III-Programm der Europäischen Union, in: Miloslav Chytrácek/Jan Michálek/Karl Schmotz (Hg.), 9. Treffen: 23. bis 26. Juni 1999 in Neukirchen b. Hl. Blut / Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern, West- und Südböhmen, Rahden 2000, 39-42.
  • Ulrich List, Untersuchungen zum Transportwesen und den Transportwegen des Systems der "Goldenen Straße" zwischen dem mittelfränkischen und dem böhmischen Becken, seine ökonomische Entwicklung und Bedeutung. 2 Bände (Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung 11), Kallmünz 2006.
  • Dietrich Jürgen Manske, Altstraßenforschung in Ostbayern: Auf den Spuren alter Fern- und Nahverbindungen, mittelalterlicher Wegweiser und Gefahrenhinweise, in: Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz 26 (2003), 29-48.
  • Jaroslav Meznik, Der ökonomische Charakter Prags im 14. Jahrhundert, in: HISTORICA XVII. Historische Wissenschaften in der Tschechoslowakei, Prag 1969, 43-91.
  • Hans Schenk, Die Beziehungen zwischen Nürnberg und Prag von 1450–1500, in: Ingomar Bog (Hg.), Der Außenhandel Ostmitteleuropas 1450–1650, Köln/Wien 1971, 185-203.
  • Hans Schenk, Nürnberg und Prag (Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des Europäischen Ostens 46), Wiesbaden 1969.
  • Petra Vorsatz, Die Goldene Straße in Ostbayern und Böhmen (Kultur in Ostbayern 4), Regensburg 2007. (Fremdenführer)
  • Petra Vorsatz/Gerhard Neuner, Kaiser Karl IV. und die Goldene Straße. Karl und "Neuböhmen", in: Anno Domini. Jahrbuch für mittelalterliche Kulturgeschichte und historisches Brauchtum 2001/2002, 8-19.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Ulrich List, Goldene Straße, publiziert am 01.03.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Goldene Straße> (18.11.2018)