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LIGA Bank eG. Dienstleister für die Kirche

Prälat Dr. Anton Götz (1867-1946), Gründungsvorsitzender des Wirtschaftlichen Verbandes bzw. der LIGA (LIGA Bank eG)
Statut des "Verbandes katholischer Ökonomiepfarrer Bayerns eGmbH", 15. Februar 1917 (aus: Wagner-Braun/Hierhammer, 75 Jahre Liga, München 1992, 159)

von Margarete Wagner-Braun

Die in Regensburg ansässige Genossenschaftsbank ist als Dienstleister für die katholische Kirche mit Schwerpunkt in Bayern und der Pfalz tätig (Kirchenprovinzen München und Bamberg). Hervorgegangen ist sie aus einer 1917 gegründeten Selbsthilfeorganisation für katholische Landpfarrer, welche die zu ihrer Pfründe gehörigen Güter selbst bewirtschafteten. In den 1930er Jahren reduzierte sich das anfänglich sehr umfangreiche Dienstleistungsspektrum der Genossenschaft auf die Tätigkeit im Bankensektor. Als christliche Standesbank stellt die LIGA Bank ihre Leistungen in den Dienst der katholischen Kirche. Mit einer Bilanzsumme von über 3 Mrd. Euro im Jahr 2004 erstreckt sich das Geschäftsgebiet heute auf den gesamten süddeutschen Raum und Österreich. Das in Regensburg ansässige Kreditinstitut ist seit über 50 Jahren die größte der dem Genossenschaftsverband Bayern angeschlossenen Genossenschaftsbanken.

Gründung und Namensgebung

Hervorgegangen ist die LIGA Bank aus dem am 15. Februar 1917 in Regensburg gegründeten "Verband katholischer Ökonomiepfarrer Bayerns". Zweck dieser genossenschaftlich organisierten Selbsthilfeeinrichtung war es, die katholischen Geistlichen Bayerns in rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten zu unterstützen. Bereits daraus geht hervor, dass die LIGA nicht auf den Bankbereich beschränkt bleiben wollte. So entstanden nach der Neugründung im Jahr 1919 und der Namensänderung in "Wirtschaftlicher Verband der katholischen Geistlichen Bayerns" weitere Abteilungen, deren Spektrum die gesamten wirtschaftlichen Belange der katholischen Geistlichen Bayerns abdeckte. Die Bezeichnung Liga als Ergänzung zum bisherigen Namen legte sich der Verband 1924 nach dem Vorbild vergleichbarer Klerusorganisationen in Spanien und Italien zu. Um den genossenschaftlichen Charakter hervorzuheben, firmierte das Unternehmen ab 1937 unter "Liga, Spar- und Kreditgenossenschaft eGmbH".

Anfänglicher Schwerpunkt im Versicherungswesen

Neben dem Bankgeschäft lag der zweite Schwerpunkt der Tätigkeit anfänglich auf dem Gebiet des Versicherungswesens. Folgende Unterstützungskassen wurden dem Wirtschaftlichen Verband angegliedert:

  • Priester-Rentenkasse (1922-1935)
  • Fürsorgekasse für Pfarrhausangestellte (1922-1935)
  • Priester-Krankenkasse (1923-heute)
  • Priester-Sterbekasse (1924-1940) (Lebensversicherung)

Im Bereich der Sachversicherung vermittelte der Verband Verträge mit anderen Versicherungsgesellschaften zu besonderen Konditionen.

Im Jahr 1931 wurden die beiden größten Unterstützungskassen, die Kranken- und die Lebensversicherung, ausgegliedert und in eigenständige Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit umgewandelt. Die übrigen Unterstützungskassen wurden vier Jahre später als Reaktion auf erhebliche nationalsozialistische Einflussnahme eingestellt. Während die Krankenversicherung heute noch existiert (LIGA Krankenversicherung), erfolgte aufgrund des anhaltend massiven Drucks seitens der nationalsozialistischen Regierung im Jahre 1940 die zwangsweise Überführung der Liga-Lebensversicherung der katholischen Geistlichen VVaG an die "Bayern Öffentliche Anstalt für Volks- und Lebensversicherung".

Widdumsadministration und Warengeschäft

Eine besondere Innovation stellte im Jahre 1920 die Gründung der Abteilung Widdumsadministration zur Verwaltung und Verpachtung von Kirchengrund dar. Damit in Verbindung stand die Pachteinhebestelle, die als Inkassostelle für die Finanzkammern der bayerischen Diözesen für die Berechnung und Erhebung der fälligen Pachtbeträge zuständig war. Während die Widdumsadministration bereits 1935 aus dem Wirtschaftlichen Verband ausgegliedert und in einen eigenständigen Verein mit dem Namen "Katholische Widdumsadministration" umgewandelt worden war, verblieb die Pachteinhebestelle noch bis 1998 bei der Bank. Außerdem wurde 1922-1934 ein umfangreiches Warengeschäft mit kirchlichen und profanen Produkten betrieben.

Fokussierung auf das Bankgeschäft ab den 1930er Jahren

Mit dem Wirtschaftlichen Verband wurde im Sinne eines Allfinanzkonzepts einem Berufsstand, nämlich den katholischen Geistlichen, ein Wirtschaftsunternehmen an die Seite gestellt, das für die speziellen Finanzierungsprobleme dieser Zielgruppe passende Lösungen anbot. Nach der Ausgliederung und Einstellung von Widdumsadministration und Versicherungsabteilungen blieb das Bankgeschäft als Kerngeschäft erhalten.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war von konstantem, zeitweise beachtlichem Wachstum gekennzeichnet. Besonderer Ausdruck des Expansionsstrebens waren die Öffnung des Kreditgeschäfts für im kirchlichen Dienst stehende Laien im Jahr 1969 und die Filialpolitik. Nach der Einrichtung von Filialen an allen Bischofssitzen in Bayern und der Pfalz sowie in Nürnberg erweiterte die LIGA ihr Geschäftsgebiet seit 1991 auf die Apostolische Administratur Görlitz sowie die (Erz-)Bistümer Dresden-Meißen, Rottenburg und Freiburg sowie seit 2002 auch auf Österreich.

LIGA Bank heute

Mit dem Ziel, ihrem speziellen Kundenkreis maßgeschneiderte Produkte anzubieten und um der besonderen Geschäftsphilosophie auch weiterhin verstärkt konkrete Gestalt zu verleihen, bietet die LIGA Bank innovative Bankprodukte an, die den Grundsätzen der Nachhaltigkeit entsprechend christliche, ethische, soziale, ökologische und ökonomische Werte betonen. Auch in dieser Hinsicht unterstreicht die LIGA Bank ihre Rolle als Standesbank für den katholischen Klerus, die Diözesen, die Pfarrgemeinden, die Ordensgemeinschaften, die Caritas, alle kirchlichen Einrichtungen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst.

Acredobank als evangelisches Gegenstück

Eine der LIGA Bank vergleichbare Einrichtung gibt es auf evangelischer Seite mit der in Nürnberg ansässigen ACREDOBANK, die aus dem 1922 gegründeten "Wirtschaftsverband der evangelischen Geistlichen Bayerns" hervorging. Wie die LIGA war dieser Verband anfangs auch im Warengeschäft tätig, um sich dann auf das Bankgeschäft zu konzentrieren, weshalb er 1969 in "Spar- und Kreditbank in der evang. Kirche in Bayern eG" (SKB) umbenannt wurde. Seit 2000 führt das Institut seinen heutigen Namen ACREDOBANK.

Literatur

  • Margarete Wagner-Braun/Alfons Hierhammer, 75 Jahre Liga. Vom "Verband Katholischer Ökonomiepfarrer" zur grössten Genossenschaftsbank Bayerns, Regensburg 1992.
  • Margarete Wagner-Braun, Die Lebensversicherung für den katholischen Klerus Deutschlands. Liga-Lebensversicherung der katholischen Geistlichen V.V.a.G., Weiden 1996.
  • Margarete Wagner-Braun, Geistliche als Bankiers. Zur Entstehung und Entwicklung der LIGA Spar- und Kreditgenossenschaft eG. Regensburg, in: Francesca Schinzinger (Hg.), Christliche Unternehmer, Boppard am Rhein 1994, 293-312.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

LIGA Spar- und Kreditgenossenschaft eG. Regensburg (seit 1976), Wirtschaftlicher Verband der kath. Geistlichen Bayerns, eingetragene Genosssenschaft mit beschränkter Haftpflicht (1919-1924), Liga, Wirtschaftlicher Verband der katholischen Geistlichen e.G.m.b.H. Regensburg (1924-1937), Liga, Spar- und Kreditgenossenschaft eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht (1937-1976), Verband bayerischer Ökonomiepfarrer, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht (1917-1919)

Empfohlene Zitierweise

Margarete Wagner-Braun, LIGA Bank eG. Dienstleister für die Kirche, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/LIGA Bank eG. Dienstleister für die Kirche> (18.11.2018)