Hinweis: Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
 Mehr erfahren

Weltstadt mit Herz

Im Großen Sitzungssaal des Münchner Rathauses überreicht am 27. Juli 1962 Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD, geb. 1926, Münchner Oberbürgermeister 1960-1972) an Dorit Lilowa (1922-2009) den ersten Preis des Slogan-Wettbewerbs. Lilowas Slogan "München - Weltstadt mit Herz" wurde aus 14.218 Einsendungen von einer Jury zum besten Werbespruch gekürt. (Stadtarchiv München, Fotosammlung RD2032H15)
München profitierte nach 1945 von der bundesdeutschen Teilung. Der Zustrom an Einwohnern, den die Stadt seit der Jahrhundertwende verzeichnete (auch durch Eingemeindungen bedingt), setzte sich nach Kriegsende ungebrochen fort. Bereits 1958 überschritt die Isarmetropole die Millionengrenze und hatte damit ihre Einwohnerzahl innerhalb eines halben Jahrhunderts verdoppelt. (Grafik: Bernhard von Zech-Kleber)

von Anna Kurzhals

Die Bezeichnung "München - Weltstadt mit Herz" geht zurück auf einen Werbeslogan der Münchner Hausfrau Dorit Lilowa (1922-2009) aus einem Wettbewerb, den der Verkehrsverein München 1962 initiierte. München folgte damit dem allgemein einsetzenden Trend zu verstärktem Stadtmarketing. In dem Terminus "Weltstadt" drückt sich der Anspruch Münchens aus, eine international bekannte und anerkannte Metropole zu sein. Der Zusatz "mit Herz" spezifiziert dieses Image und setzt gleichzeitig den negativen Assoziationen, die mit einer Großstadt in Verbindung gebracht werden (Anonymität, Hektik, Seelenlosigkeit), eine positive Konnotation (Freundlichkeit, Menschlichkeit, Gemütlichkeit, Lebenswert) entgegen. Der Slogan wurde in kürzester Zeit sehr populär und in den vielfältigsten Zusammenhängen aufgegriffen.

Ursprung 1962

"München – Weltstadt mit Herz" ist einer der bekanntesten und langlebigsten Werbesprüche der Stadt. Er geht zurück auf einen Wettbewerb, den der Verkehrsverein München im Jahr 1962 angeregt hatte. Ziel war es, einen einprägsamen und reklametauglichen Slogan zu finden, der zukünftig für die Fremdenverkehrswerbung genutzt werden sollte. München reihte sich damit in die Reihe anderer Städte ein, die sich bereits Werbesprüche zugelegt hatten: "Berlin ist eine Reise wert" oder "Wien hat immer Saison". Stadtmarketingaktionen wie diese gewannen an Notwendigkeit, da Phänomene wie Internationalisierung und steigender Massenkonsum es erforderten, sich im Konzert der Metropolen abzusetzen und touristische Aufmerksamkeit zu erlangen. Angesichts der rasanten Entwicklung der Landeshauptstadt, die als drittgrößte Kommune der Bundesrepublik in den Nachkriegsjahrzehnten sowohl wirtschaftlich als auch hinsichtlich des Zuzugs ein außerordentliches Wachstum verzeichnete, wollte man seine Stellung nicht zuletzt durch gezielte Imagekampagnen konsolidieren.

Die Suche eines Slogans für München wurde durch den Vorsitzenden des Verkehrsvereins, Hans Dürrmeier (1899-1977), der Mitglied der Leitung des Süddeutschen Verlags (SV) war, angeregt. Mit der Unterstützung durch die Münchner Presse erreichte die Aktion weite Kreise und konnte eine überwältigende Resonanz von fast 44.000 Einsendungen aus der ganzen Bundesrepublik und sogar aus dem Ausland verzeichnen. Aus dieser Fülle wurde der Slogan "München – Weltstadt mit Herz" von der Hausfrau Dorit Lilowa (1922-2009) zum Gewinner erkoren. Den zweiten Platz errang der Satz "München macht froh" und der dritte Preis wurde an den Spruch "Wer die Welt kennt, liebt München" vergeben.

Aussage

Die Aussage "Weltstadt mit Herz" spielt in gekonnter Weise mit den gegensätzlichen Assoziationen, die sich mit den Wörtern "Weltstadt" und "Herz" verbinden. Mit dem Terminus "Weltstadt" verbindet sich die Selbsteinschätzung Münchens, eine international bedeutsame Metropole zu sein. In der Tat hatte die Stadt im Jahr 1957 die Millionengrenze überschritten und war damit offiziell in die Reihe der Weltstädte aufgerückt. Als Sitz bedeutender internationaler Konzerne wie Siemens, der Münchener Rück oder BMW hatte sie sich im aufstrebenden Nachkriegsdeutschland als Wirtschaftsmetropole profiliert. Diese Stellung verdankte München insbesondere der deutschen Teilung, die nicht nur die Abwanderung einflussreicher Industriebetriebe aus dem sowjetisch-besetzten Teil Deutschlands in die bayerische Landeshauptstadt beförderte, sondern auch die Rolle Berlins durch die Trennung der Stadt und die Inselstellung in der DDR geschwächt hatte. Überdies galt München mit seinen hochkarätigen Theatern und zahlreichen Museen als wichtiges kulturelles Zentrum der Bundesrepublik und darüber hinaus. Nicht zuletzt setzte der seit 1960 regierende junge und dynamische Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD, geb. 1926, Oberbürgermeister 1960-1972) moderne Impulse für die Stadtentwicklung. Dennoch erschien den Zeitgenossen die Landeshauptstadt zur Zeit der Sloganentstehung noch nicht unbedingt als Weltstadt. So bemerkte selbst Oberbürgermeister Vogel in seiner Ansprache bei der Preisverleihung an die Sieger des Wettbewerbs, dass diese Aussage zum Widerspruch anrege und meinte scherzhaft, dass München allenfalls zu Berufsverkehrszeiten als eine geschäftige Weltstadt erscheine.

Der Slogan betonte jedoch nicht allein den Weltstadt-Charakter Münchens; vielmehr ergänzte der Zusatz "mit Herz" die Botschaft um sympathische und gefühlvolle Aspekte. Er setzte damit den negativen Konnotationen, die oftmals mit einer Großstadt in Verbindung gebracht wurden, eine positive Aussage entgegen. Ungezwungener Biergartenflair und lebensfroher Barock sind damit ebenso zu assoziieren wie bodenständige Traditionspflege und feierfreudige (Oktober-)Festkultur. Der emotionale Begriff "Herz" ließ an Freundlichkeit, Menschlichkeit und Gemütlichkeit denken und verbannte gleichzeitig übliche Großstadt-Vorurteile wie anonyme Atmosphäre, hektische Betriebsamkeit oder seelenlose Straßenschluchten.

Verwendung

Der Slogan wurde in kürzester Zeit äußerst populär und in den vielfältigsten Zusammenhängen aufgegriffen. Zeitgenössische Publikationen über München wählten den Slogan – oder Teile davon – gerne als Titel. Auch Abwandlungen und Verfremdungen zeigen die große Beliebtheit. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) titelte beispielsweise im September 1964 "München – jetzt Weltstadt mit Zeltstadt" und meinte damit die Bierzelte des Oktoberfestes. Entgegen manch anderen kurzlebigen Werbesprüchen konnte dieser Satz Jahrzehnte lang seine Popularität bewahren. Besondere überregionale Bekanntheit erlangte er durch die Olympischen Spiele, die 1972 in München stattfanden.

Der Slogan hat auch nach über fünfzig Jahren nichts an Erfolg eingebüßt und erweist sich weiterhin als beliebt und bekannt. Darauf aufbauend ließ sich das städtische Marketing im neuen Jahrtausend von dem markanten Satz mit der klaren Botschaft inspirieren: So knüpft das neue Werbekonzept von 2015 unter dem Schlagwort "einfach München" – nicht zuletzt mit einem Herz als wichtigem Bestandteil der ikonographischen Corporate Identity (CI) – an den erfolgreichen Spruch aus den 1960er Jahren an. Allen diesen Neuerungen zum Trotz findet sich die Betitelung "Weltstadt mit Herz" weiterhin auf zahlreichen Postkarten und Souvenirs ebenso wie in Publikationen und erfreut sich sowohl bei Einheimischen als auch bei Gästen der weitaus größeren Bekanntheit.

Literatur

  • Nina A. Krieg, Die "Weltstadt mit Herz". Ein Überblick 1957 bis 1990, in: Richard Bauer (Hg.), Geschichte der Stadt München, München 1992, 413-421.
  • Anna Kurzhals, "Millionendorf" und "Weltstadt mit Herz". Selbstdarstellung der Stadt München 1945-1978 (Miscellanea Bavarica Monacensia 189), München 2018.

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Anna Kurzhals, Weltstadt mit Herz, publiziert am 18.06.2018; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Weltstadt_mit_Herz> (15.11.2019)






Haben Sie Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie an die Redaktion

© Historisches Lexikon Bayerns 2005 -2019. Die Rechte an den Texten und Bildern dieses digitalen Angebots liegen, soweit nicht anders angegeben, bei der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Rechte an den anderweitig gekennzeichneten Texten und Bildern liegen bei den genannten Institutionen oder Personen. Weitere Informationen, u. a. zur Zitierweise, Weiterverlinkung oder Verwendung von Inhalten finden Sie unter www.historisches-lexikon-bayerns.de.