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Salzhandel, Altbayern (Mittelalter/Frühe Neuzeit)

Aus Historisches Lexikon Bayerns

Die Bronzefigur der "Tellus Bavarica" von Hubert Gerhard (c. 1550-1620) wurde um 1590 geschaffen und verkörpert Bayern allegorisch. Die Figur steht auf einem Salzfass, welches den Reichtum des Landes durch den Salzhandel symbolisiert. Foto der auf dem Hofgartentempel in München aufgestellten Figur von Max Prugger (1918-2003). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv pru-001750)

von Johannes Lang

Die ältesten Hinweise auf den Handel mit dem in der Saline Reichenhall erzeugten Salz gehen auf das 8. Jahrhundert zurück. Insbesondere die Wasserwege Saalach – Salzach – Inn – Donau entwickelten sich zum wichtigsten logistischen System für den bayerischen Salzhandel. Nachdem das salzburgische Salz aus Hallein ab dem ausgehenden 12. Jahrhundert die bedeutenden Märkte in Böhmen und in Österreich erobert hatte und die Wasserwege beherrschte, gelang es erst im 14. Jahrhundert, die Marktführerschaft des Reichenhaller Salzes innerhalb Bayerns wiederherzustellen. Das inzwischen nur noch auf den Landweg beschränkte bayerische Salz wurde von so genannten Sendern und Säumern auf festgelegten Routen transportiert, entlang derer so genannte Niederlagsrechte und Zölle zahlreiche Städte und Märkte entstehen ließen. Seit das Herzogtum Bayern ab dem 16. Jahrhundert sowohl das Berchtesgadener als auch das Halleiner Salz vertraglich eng an sich zu binden verstand und zudem ein staatliches Salzhandelsmonopol durchsetzte, stieg es zu einem der größten Salzexporteure in Mitteleuropa auf. Zum wichtigsten ausländischen Markt entwickelte sich neben Schwaben die Schweiz.

Der frühe Salzhandel zu Wasser und zu Lande

Wege des Reichenhaller Salzes in Altbayern. (Entwurf: Johannes Lang unter Einbeziehung der Arbeiten von Heinrich Wanderwitz; Ausführung Andreas Bachmayr)
Lageplan der Stadt Laufen, 1863. (Stadtarchiv Bad Reichenhall)

Als ein für die Gesellschaft unverzichtbares Erzeugnis genoss das Salz bereits in prähistorischer und römischer Zeit einen herausragenden Stellenwert als Handelsgut. In der von ihm verfassten Lebensbeschreibung des hl. Emmeram bemerkte Bischof Arbeo von Freising (ca. 723-783), das Land Bayern verfüge zur Genüge über Salz. Das zu Arbeos Zeiten in Bayern gehandelte Salz stammte aus Reichenhall (heute Bad Reichenhall, Lkr. Berchtesgadener Land), der bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts einzigen exportorientiert produzierenden Saline des Ostalpenraums.

Je nach Geländeverhältnissen und Zugänglichkeit gelangte Salz aus der Saline Reichenhall mit dem Schiff, auf Wagen und auf Saumtieren bis in die entlegensten Winkel des Landes. Dazu nutzte man überwiegend die Hauptverbindungswege, insbesondere die bekannten Wasserstraßen, denn größere Mengen ließen sich nur auf den Flüssen und Strömen transportieren. So etwa unterstreicht die so genannte Raffelstetter Zollordnung von 903/906 den Wert des auf der Donau transportierten Salzes, das noch vor Sklaven und Pferden als wichtigste Handelsware galt. In Reichenhall gab es, nahe der Saline, an der Saalach eine Schiffsanlagestelle mit entsprechenden Verladestätten, die im Jahre 973 urkundlich erwähnt wurden. Mittels genormter Salzschiffe wurde Salz hauptsächlich im Gewässersystem Saalach – Salzach – Inn – Donau zunächst flussabwärts transportiert. Während ein Teil weiter Donau abwärts geführt wurde, zogen („treidelten“) Menschen, später ersetzt durch Pferde, die Lastenkähne auch stromaufwärts, wobei auch die Nebenflüsse intensiv befahren wurden.

Entlang der Hauptwasserwege entstanden Umschlagplätze, die sich zu bedeutenden Siedlungen entwickelten und teilweise im Verlaufe des Hochmittelalters städtische Ausprägungen erfuhren. Erster wichtiger Haltepunkt für das Reichenhaller Salz war Salzburghofen (heute ein Ortsteil von Freilassing, Lkr. Berchtesgadener Land), dem Zusammenfluss von Saalach und Salzach, wo vermutlich die Fracht in größere Kähne – so genannte Plätten – umgeladen wurde. An der markanten Flussschleife von Laufen (Lkr. Berchtesgadener Land) existierte ein für die Schifffahrt gefährlicher Fels, weshalb die Plätten zuvor angelandet und der so genannte Nock umtragen wurde. Ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich hier eine von Reichenhaller Bürgern maßgeblich geförderte urbane Struktur, zumal vorübergehend in dem Ort auch die Münzprägung der Salzburger Erzbischöfe eine Rolle spielte. Ebenfalls größere Bedeutung erlangte die unmittelbar an der Salzach gelegene Siedlung Burghausen (Lkr. Altötting), Sitz der gleichnamigen Grafendynastie. An der Mündung des Inn in die Donau bei Passau befand sich der zentrale Umschlagplatz für das Reichenhaller Salz. Von Passau aus erfolgte auf dem Landweg die Versorgung der Salzmangelgebiete des böhmischen Raums, einer der lukrativsten Märkte. Die in drei Hauptsträngen nach Böhmen führende Handelsroute wurde im Jahre 1010 erstmals urkundlich genannt und ab dem 16. Jahrhundert als „Goldener Steig“ bezeichnet.

Wenn auch der größte Teil des Reichenhaller Salzes bis in das 12. Jahrhundert auf dem Wasser transportiert wurde, so gelangte die Fracht doch letztlich auf dem Landweg zu den Endverbrauchern. Ausgangspunkte dafür waren die an den Flüssen liegenden Siedlungen. In den Regionen fernab schiffbarer Flüsse spielten die Salztransporte zu Lande eine noch größere Rolle. So etwa erwähnt die Raffelstetter Zollordnung die von mehreren Pferden gezogenen Salzwagen, ebenso Saumtiere.

Konkurrenz ausländischen Salzes

Nach der Zerstörung der Stadt Reichenhall 1196 und dem damit verbundenen Monopolbruch des Reichenhaller Salzes übernahm das von der salzburgischen Saline in Hallein (Land Salzburg) produzierte Salz die Marktführerschaft im Ostalpenraum. Obwohl die Reichenhaller Saline ab den 1220er Jahren eine Salzerzeugung im größeren Stil wieder aufnahm, stand durch die sich abzeichnenden Landesgrenzen zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Erzstift Salzburg der Wasserweg für das Reichenhaller Salz nicht mehr zur Verfügung. Während das Salz aus Hallein, wozu auch das in der Berchtesgadener Saline zu Schellenberg (Gde. Marktschellenberg, Lkr. Berchtesgadener Land) gewonnene Salz gerechnet wurde, fortan den Transport auf dem Wasser beherrschte, beschränkte sich der Handel mit dem Reichenhaller Salz auf den Landweg in Richtung Westen.

Bis in die 30er Jahre des 14. Jahrhunderts verfügte der Salzhandel in Altbayern über weitgehend freie marktwirtschaftliche Möglichkeiten, dann aber wurde ausländisches Salz zu Gunsten des Reichenhaller Salzes immer stärker abgedrängt. Dennoch gelang im Herzogtum Niederbayern, zu dessen Territorium Reichenhall im Spätmittelalter gehörte, die Marktdurchdringung des Reichenhaller Salzes zunächst nur unzureichend, da es der bequeme Wasserweg erlaubte, das Halleiner Salz in großen Mengen von Passau die Donau aufwärts bis nach Regensburg und weiter in die Oberpfalz zu führen. Dabei erwiesen sich die Häfen von Deggendorf und Straubing als wichtige Verteilerzentren.

Das weitgehend auf den Landweg angewiesene Reichenhaller Salz hingegen konnte lediglich kurze Abschnitte von Inn und Isar nutzen, um die Städte Niederbayerns zu erreichen. Mit der Landwerdung Salzburgs im Verlaufe des 14. Jahrhunderts ging eine Abkehr von der Abhängigkeit ausländischer Salzversorgung einher. So etwa untersagten die bayerischen Herzöge im Jahre 1329 den Handel des Halleiner Salzes Donau aufwärts, was ein allgemeines Transitverbot für fremde Salze begründete. Ein kaiserliches Verbot 1346 stellte den Bürgern von Burghausen das Länden der Salzachschiffe und die Verladung des Halleiner Salzes auf die Achse unter Strafe. Bis dahin war ein guter Teil des niederbayerischen Raumes vom dortigen Salzumschlagplatz aus versorgt worden.

Salzhandel, Städtepolitik und Niederlagsrecht

Hauptabsatzgebiet des bayerischen Salzes war ab dem 13. Jahrhundert vor allem die abseits der großen Wasserwege gelegene Region westlich der Salinenstadt Reichenhall, deren Grenzlage sich für den Handel als nachteilig erwies. Die Städtepolitik der Wittelsbacher ging einher mit der durch den Salzhandel geprägten Wirtschaftspolitik; im Rahmen der Stadt- und Marktgründungen bildete das Salz aus Reichenhall, das Warenumschlagplätze und Zollstätten entstehen ließ, einen maßgeblichen Faktor für die Landesentwicklung Bayerns im Hoch- und Spätmittelalter.

So etwa entwickelte sich Traunstein, wohin von Reichenhall sowohl eine Straße als auch ein Saumweg führte, zum ersten wichtigen Umschlagplatz für das bayerische Salz, nachdem eine ursprünglich in Lauter, nordwestlich von Surberg (beide Lkr. Traunstein), gelegene Mautstation 1275 an die Traun verlegt worden war. Wenig später erhielt das rasch zur Stadt aufgestiegene Traunstein das so genannte Niederlagsrecht, wonach Händler das Salz hier zum allgemeinen Verkauf anbieten mussten und es den Salzhändlern bei Strafe verboten war, die Stadt zu umfahren oder zu umgehen. Große Salzstadel sorgten in den Orten mit dem Salzniederlagsrecht für ausreichende Speicherkapazitäten, so dass auch Produktionsengpässe ausgeglichen werden konnten.

Von Traunstein aus versorgte man auf unterschiedlichen Routen, die sich auf Grund bestehender Niederlagsrechte im Verlaufe der Jahrhunderte nur mehr geringfügig änderten, den gesamten bayerischen Raum mit Salz. Über Rosenheim und Tölz wurde mit Hilfe des Saumhandels das unmittelbare Alpenvorland beliefert, während die wichtigste Salzstraße – die Ortsnamen „Halfurt“ und „Hallerschneid“ (beide Lkr. Rosenheim) deuten noch darauf hin – die großen Fuhrwerke über Wasserburg (Lkr. Rosenheim) nach München führte. Über Trostberg (Lkr. Traunstein) brachte man das Reichenhaller Salz aufwendig auf dem Landweg nach Neuötting (Lkr. Altötting) – ebenfalls eine Gründungsstadt der Wittelsbacher –, das sich seinerseits zu einer Drehscheibe für den Handel entwickelte. Während ein Weg über Altenmühldorf (Lkr. Mühldorf am Inn), Dorfen (Lkr. Erding) und Erding in Richtung München verlief, bediente ein anderer über Neumarkt-St. Veit (Lkr. Mühldorf am Inn) und Vilsbiburg (Lkr. Landshut) die Residenzstadt Landshut, um im weiteren Verlauf auch den Raum um Kelheim und Ingolstadt zu versorgen. Eine dritte Route schließlich führte über Massing (Lkr. Rottal-Inn) und Dingolfing (Lkr. Dingolfing-Landau) in Richtung Straubing und Regensburg. Bis ins 18. Jahrhundert herauf wurden auch die 1506 von Bayern an Tirol abgetretenen Gerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg durch bayerisches Salz versorgt.

Die Wege führten von München, das seinen Aufstieg seit der Mitte des 12. Jahrhunderts den Einnahmen aus dem Salzhandel verdankte, weiter über Friedberg (Lkr. Aichach-Friedberg) und Landsberg am Lech nach Schwaben und Franken. Westlich des Bodensees traf das bayerische Salz auf seinen Konkurrenten aus Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg), das als Salzproduzent seit dem 12. Jahrhundert eine regionale Bedeutung erlangt hatte. Die auf Grund der intensiven Viehwirtschaft und Käseproduktion in hohem Maße auf Salz angewiesene Schweiz – bis in das 19. Jahrhundert herauf selbst ein Salzmangelgebiet – bildete einen heiß umkämpften Markt. Eine Begrenzung erfuhr die Verbreitung des Reichenhaller Salzes dort durch den Absatz anderer Salzproduzenten, so etwa aus Hall in Tirol, Lothringen, Burgund, Savoyen, Roche sowie aus den Meersalinen des Mittelmeeres.

Sender und Säumer

An der Saline in Reichenhall stellten Küfer jene Holzgefäße her, in denen das Salz transportiert wurde. Hauptverpackungen waren die kleineren so genannten Scheiben (sie fassten ca. 75 kg Salz) sowie die größeren Krötlinge (sie fassten ca. 300 kg Salz). Bis zur Versandfertigung und der Bereitstellung des Salzes an den Stapelplätzen zeichnete der salinarische Betrieb verantwortlich; dann überantwortete man die Ware den Fuhrleuten.

Der Salzhandel im großen Stil lag in den Händen so genannter „Sender“. Ursprünglich oblag den Siedeherren als den eigentlichen Arbeitgebern deren Auswahl für die erste Wegetappe ab Reichenhall. Da das so genannte „Sendwerk“ vererbbar war, gelangten nur angesehene Bürgerfamilien mit hohem Steueraufkommen und Vermögen in dessen Genuss. Sie arbeiteten als selbstständige Unternehmer auf eigenes Risiko und hatten neben den Pfannenbesitzern üblicherweise den größten Anteil am Salzgeschäft. Das protektionistisch geprägte Handelssystem des Niederlagsrechts erlaubte es den Händlern, wie beispielsweise in Traunstein, Wasserburg oder München, im Salzhandel einen sicheren Erwerb zu finden und das Patriziat dieser Städte zu stellen.

Ihnen war der Salztransport nur bis zur jeweils nächstliegenden Salzniederlage erlaubt, so etwa den Traunsteiner Sendern nur von Reichenhall bis nach Traunstein, wo sie von den Wasserburgern abgelöst wurden, die ihr Weg bis nach Wasserburg führte. Die Münchener Sender besaßen durch ein Privileg Kaiser Ludwigs des Bayern (reg. 1294-1347 als Herzog von Bayern bzw. Oberbayern, seit 1314 als römisch-deutscher König, seit 1328 als Kaiser) das Sonderrecht, Salz direkt aus Reichenhall holen zu dürfen – falls erforderlich durften sie auch Halleiner Salz handeln. Dadurch beugte man etwaigen Transportengpässen und damit verbundenen Hungersnöten in der bevölkerungsreichen Residenzstadt vor.

Während das „Sendwerk“ das flache Land beherrschte, dominierten die Säumer die Gebirgsgegenden, wo oftmals keine Wege, sondern nur Steige zur Verfügung standen. Die dafür vorgesehenen Saumrösser trugen Lasten zwischen 130 und 150 Kilogramm auf ihren Rücken; die sie führenden Säumer entstammten nicht selten dem bäuerlichen Milieu und arbeiteten auf eigene Rechnung. Sowohl Sender als auch Säumer transportierten stets Gegenfrachten, wenn sie das Salz von den Stapelplätzen holten, wobei als wichtigste Ware Getreide galt, gefolgt von Wein. Nicht selten lagen in den Städten und Märkten die Salzstadel neben den Getreidekästen.

Obwohl die bayerischen Landesfürsten bereits seit dem 13. Jahrhundert immer wieder Einfluss auf den innerbayerischen Salzhandel ausgeübt hatten, trachtete Herzog Wilhelm V. (reg. 1579-1597) nach dem Erwerb eines Handelsmonopols innerhalb seines Landes. Indem er den bedeutenden Salzhandelsstädten die Handels- und Niederlagsrechte abkaufte, setzte er in den Jahren 1586-89 für den Binnen- und Außenhandel des bayerischen Salzes ein landesherrliches Monopol durch. Innerhalb weniger Jahre lösten sich in den Städten die Salzsenderzünfte auf; mehrere Städte erlitten einen Bedeutungsverlust, wogegen die staatliche Präsenz im Salzhandel zunahm. Die ehemals städtischen Salzniederlagen wurden in herzogliche Salzämter umgewandelt, wo bis zur Aufhebung des staatlichen Absatzmonopols 1868 das Salz verkauft werden musste.

Bayerns Handel mit dem Berchtesgadener und Halleiner Salz

Der Export des auf dem Gebiet der Fürstpropstei Berchtesgaden in der dortigen Saline Schellenberg gewonnenen Salzes war überwiegend auf den Wasserweg der Salzach angewiesen. Diese verlief größtenteils auf Salzburger Territorium und wurde auch für den Salztransport aus der Saline Hallein genutzt. Nach außen trat das gemeinsam exportierte Berchtesgadener Salz daher nicht als eigene Marke in Erscheinung, sondern lief unter dem Namen des Halleiner Salzes. Hinzu kam, dass die Schellenberger Saline bis 1556 an Salzburg verpfändet war. Verträge aus den Jahren 1555 sowie 1589 regelten die Übernahme eines Teiles des in Berchtesgaden produzierten Salzes durch Bayern. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gingen zwei Drittel des erzeugten Salzes auf dem Landweg nach Bayern, während der Rest sowohl auf der Salzach exportiert wurde als auch über Land nach Tirol gelangte.

Nachdem der salzburgische Salzhandel ab dem Jahre 1526 zusehends aus dem wichtigen böhmischen Markt herausgedrängt worden war, verpflichtete sich Herzog Wilhelm V. (reg. 1579-1597) im Jahre 1594 zur Abnahme eines bestimmten Quantums an Halleiner Salz, das auf die Ausfuhr über die bayerischen Flüsse Inn und Donau angewiesen war, zu einem festgelegten Preis. Damit hatte sich Bayern das Monopol über das auf dem Wasserweg exportierte ausländische Salz vertraglich gesichert. Nach dem für Bayern siegreich verlaufenen Salzkrieg gegen Salzburg 1611 handelte Herzog Maximilian I. (reg. 1597-1651) die Bedingungen für den Handel mit dem Halleiner Salz zu für Bayern günstigen Konditionen neu aus. Die unter dem bayerischen Salzhandelsmonopol vertriebene Salzmenge verdoppelte sich dadurch; Bayern stieg neben Österreich zum größten Salzhändler in Süddeutschland auf. Indem man das Hochstift Passau außer Acht ließ und vor dessen Toren in St. Nikola ein bayerisches Salzamt errichtete, führte man die mit Halleiner Salz beladenen Schiffszüge donauaufwärts zu den Absatzmärkten der Oberpfalz, Frankens sowie Teilen Niederbayerns.


Kurbayerischer Salzschiffszug auf der Donau


Darstellung eines kurbayerischen Salzschiffszuges auf der Donau, c. 1773. Der über 3 Meter lange Bildprospekt zeigt viele Details und den Aufwand solche Schiffszüge flussaufwärts von St. Nikola bei Passau bis zu den Umschlagplätzen (u.a. in Stadtamhof bei Regensburg) zu treideln. Vier Transportschiffe sowie mehre mehrere Beischiffe konnten bis zu 4500 Zentner Salz laden und benötigten eine Mannschaft von bis zu 50 Personen zu Wasser und Land. (Museen der Stadt Regensburg, GN 1994-2)

Der Salzhandel mit Schwaben und der Schweiz

Karte der Salzstraßen westlich des Lechs bis zum Bodensee, 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 9656c)

In der Frühen Neuzeit stellte das in Reichenhall und (ab 1619) in Traunstein erzeugte bayerische Salz sowie das vertraglich an den bayerischen Salzhandel gebundene ausländische Salz aus Hallein und Berchtesgaden das wichtigste und ertragreichste Exportgut Bayerns dar. 1810 unterstützte mit Rosenheim ein weiterer bayerischer Produktionsstandort das mächtige staatliche Salzwesen, wogegen der Handel mit dem Salz aus dem habsburgischen Salzkammergut sowie Tirol innerhalb Bayerns untersagt war. Da Franken, die Oberpfalz und Teile Niederbayerns größtenteils durch das aus der Saline Hallein stammende Salz versorgt wurden, bemühte man sich verstärkt, das Reichenhaller Salz weiter im Westen abzusetzen. Zu den Hauptgebieten zählten das südliche Schwaben sowie die Schweiz von Basel bis zu einer gedachten Linie von Fribourg über Bern, den Kanton Unterwalden nach Chur. Auf drei Hauptrouten (Buchhorner, Lindauer und Augsburger Route) verlief der Transport in Richtung Bodensee.

Während ab den 1710er Jahren zunächst Zwischenhandels-Grossisten das Monopol für den Salzverkauf nach Schwaben erhielten – traditionell nahm die Stadt Memmingen eine herausragende Rolle ein –, versuchten die bayerischen Kurfürsten ab der Mitte des 18. Jahrhunderts den Export in Eigenregie zu betreiben. Der Salzhandel mit der Schweiz erfolgte über das 1755 in der Reichsstadt Buchhorn (heute: Friedrichshafen, Baden-Württemberg) gegründete bayerische Salzamt, dessen Funktion über die eines reinen Niederlagsortes hinausging. Konzipiert vom Hofkammerrat Franz Xaver Stubenrauch (1718-1793), entwickelte sich dieser exterritoriale Wirtschaftsstützpunkt Bayerns einerseits zu einem Wegbereiter für die grundsätzliche Infrastruktur und das Transportwesen zwischen der Lechgrenze und dem Bodenseegebiet. Andererseits bildete er eine kommunikative Schnittstelle zwischen dem Münchener Hof und der Eidgenossenschaft. Dies führte beispielsweise dazu, dass der Abnehmer – der Kanton Bern – letztlich Einfluss nahm auf die Produktionsvorgänge des Anbieters Bayern. Erst die von Frankreich erzwungene Unterordnung des Schweizer Salzhandels unter staatliche Regie führte zum Ende des bayerischen Engagements in der Helvetischen Republik.

Literatur

  • Johann Dorner, Die Burghauser Salzfertiger, in: Manfred Treml u.a. (Hg.), Salz macht Geschichte. Aufsätze, Augsburg 1995, 297-303.
  • Jean-Claude Hocquet, Der bayerische Salzhandel mit der Schweiz, in: Manfred Treml u.a. (Hg.), Salz macht Geschichte. Aufsätze, Augsburg 1995, 323-330.
  • Fritz Koller, Die Salzachschiffahrt bis zum 16. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Bd. 123 / 1983, 1-126.
  • Fritz Koller, Bayern – Salzburg – Berchtesgaden. Der Streit um den Salzhandel 1587 – 1611, in: ZBLG, Bd. 50 / Heft 3, München 1987, 767-821.
  • Fritz Koller, Das Salzwesen, in: Walter Brugger/Heinz Dopsch/Peter F. Kramml (Hg.), Geschichte von Berchtesgaden. Stift – Markt – Land. Bd. I. Zwischen Salzburg und Bayern, Berchtesgaden 1991, 739-842.
  • Johannes Lang, Geschichte von Bad Reichenhall, Neustadt a.d.Aisch 2009.
  • Lorenz Maier, Salzstraßen in Bayern, in: Manfred Treml u.a. (Hg.), Salz macht Geschichte. Aufsätze, Augsburg 1995, 280-287.
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  • Richard Loibl, Korn um Salz. Der Passauer Salzhandel im 15. und 16. Jahrhundert, in: Max Brunner (Hg.), Passau – Mythos und Geschichte, Regensburg 2007, 144-158.
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  • Rudolf Palme, Salzwesen und Salinenwälder, in: Walter Brugger/Heinz Dopsch/Peter F. Kramml (Hg.), Geschichte von Berchtesgaden. Stift – Markt – Land. Bd. II / 1. Vom Beginn der Wittelsbachischen Administration bis zum Übergang an Bayern 1810, Berchtesgaden 1993, 535-578.
  • Erwin Probst, Baierisches Salz für Franken. Ein Beitrag zur fränkischen Wirtschaftsgeschichte des 18. Jahrhunderts, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, 10 (1958), 159-185.
  • Reinhard Stauber, Der Weg zum landesherrlichen Salzmonopol in Bayern vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, in: Manfred Treml u.a. (Hg.), Salz macht Geschichte. Aufsätze, Augsburg 1995, 223-233.
  • Hermann Vietzen, Der Münchner Salzhandel im Mittelalter 1158-1587 (Kultur und Geschichte 8), München 1936.
  • Heinrich Wanderwitz, Studien zum mittelalterlichen Salzwesen in Bayern (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 73), München 1984.

Quellen

Weiterführende Recherche

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Salzstraßen

Empfohlene Zitierweise

Johannes Lang, Salzhandel, Altbayern (Mittelalter/Frühe Neuzeit), publiziert am 09.02.2023, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Salzhandel,_Altbayern_(Mittelalter/Frühe_Neuzeit)> (26.02.2024)