NSZ Rheinfront

Werbung der NSZ Westmark von 1942. Anzeige aus: Einwohnerbuch der Stadt Ludwigshafen a. Rh., Waldkirch 1942, n. S. 216. (Foto: Stephan Pieroth)

von Stephan Pieroth

Die Nationalsozialistische Zeitung Rheinfront (NSZ) wurde 1930 von Gauleiter Josef Bürckel (NSDAP, 1895-1944) als NSDAP-Organ für die bayerische Pfalz gegründet. Mit der Herausgabe eigener Ausgaben für das benachbarte Saargebiet (ab Juli 1932) und das besetzte Lothringen (ab August 1940) entwickelte sich die NSZ Westmark (so der Titel ab Dezember 1940) zu einem bis dahin beispiellosen publizistischen Schwergewicht. Im Mai 1944 war sie mit einer Gesamtauflage von 412.000 die größte deutsche Regionalzeitung mit einem Netz von Lokalausgaben. Höhere Auflagen erreichten nur noch der Völkische Beobachter und die Berliner Morgenpost. Die letzte Ausgabe erschien am 20. März 1945.

Anfänge in Haßloch

Verlagsgebäude der NSZ Rheinfront in Haßloch, Gillergasse 4, 1930 und Ludwigshafen, Amtsstraße 7, 1940. Diese Fotoserie wurde 1940 in einem Artikel zum zehnjährigen Bestehen der Zeitung abgedruckt. Abb. aus: NSZ Rheinfront, Nr. 302 (2.11.1940). (Bayerische Staatsbibliothek, 2 Eph.pol. 83 z-1940,9/11)

Die erste Ausgabe der Nationalsozialistischen Zeitung Rheinfront (NSZ), die laut Untertitel "für die Rheinpfalz und das deutsche Saargebiet" bestimmt war, erschien am 25. Oktober 1930 mit einer Auflage von 3.000 Exemplaren. Hergestellt wurde sie in der Druckerei Karl Wittmann in Haßloch (Rheinland-Pfalz). Als Herausgeber zeichnete der Leiter des Gaus Rheinpfalz, Josef Bürckel (NSDAP, 1895-1944), verantwortlich. Bereits 1932 überholte die NSZ mit nach eigenen Angaben täglich 29.600 Exemplaren den bisherigen regionalen Marktführer, die nach eigener Einschätzung "unabhängig-nationale" Pfälzische Rundschau (Auflage 27.000) aus dem Ludwigshafener Waldkirch-Verlag.

Kopf der Titelseite der Zeitung NSZ Rheinfront vom 1. November 1930. (Bayerische Staatsbibliothek 2 Eph. pol. 76 t-1938, 11/12)

Die Presselandschaft präsentierte sich Anfang der 1930er-Jahre extrem zersplittert. Allein in der Pfalz gab es (Stand 1. Oktober 1932) 53 selbstständige Tageszeitungen. Kleine und kleinste Lokalblätter mit Auflagen von wenigen tausend Exemplaren bestimmten das Bild. Die inhaltliche Qualität war oft unzureichend. Zudem waren viele Verlage nach der Weltwirtschaftskrise angeschlagen. All dies bot auch Chancen für die neu antretende NSZ. Ab 1933 standen dem Gauleiter und seinen Mitarbeitern zudem die Machtmittel des NS-Staats zur Verfügung – und die nutzten sie auch.

Der Verlagskaufmann Gerhard Kuhn

"Der Betriebsleiter der NSZ Rheinfront Gerhard Kuhn (NSDAP, 1897-1955) im Kreise der Betriebsjugend", Abbildung in "Die Nationalsozialistische Musterbetriebe 1937/1938". (Foto Heinrich Hoffmann,Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv hoff-675813)

Maßgeblicher Manager und wichtigster Unterstützer Bürckels in Pressefragen wurde der Verlagskaufmann Gerhard Kuhn (NSDAP, 1897-1955). Der gebürtige Ostpreuße war 1927 im Auftrag Max Winklers (DDP, 1875-1961), des Verwalters des Grenzland-Pressefonds, in die Pfalz gekommen, um angeschlagene Zeitungsverlage im Auftrag der Reichsregierung zu stabilisieren. Mit den Reichssubventionen sollten Verlage in grenznahen Regionen verdeckt unterstützt werden, die unter den Folgen von Weltkrieg und Besatzung besonders gelitten hatten. Kuhn wurde dann auch selbst als Verleger aktiv: 1927 beim "bürgerlich-nationalen" Pfälzischen Merkur in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz), 1931/32 zudem bei der Aktiendruckerei und Zeitungsverlag-AG in Neustadt a. d. Weinstraße (Rheinland-Pfalz), die die Pfälzische Bürgerzeitung mit der Tendenzangabe "Wirtschaftspartei" (gemeint: Reichspartei des deutschen Mittelstandes) herausgab.

Verlagsgebäude der NSZ Rheinfront in Neustadt a. d. Weinstraße 1937 und heutiger Zustand in der Gustav-Böhmer-Straße (heute: Hauptstraße) 99/101 (links: Foto Heinrich Hoffmann, Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv hoff-39580, rechts: Foto: Stephan Pieroth)

Bürckel engagierte mit Kuhn den wohl besten Kenner der regionalen Zeitungsbranche als Verlagsdirektor für die NSZ; offiziell trat er seinen Dienst im April 1933 an. Der NSZ-Verlag, der seit Mitte Juni 1932 in Räumen des technisch besser ausgestatteten Verlags Thieme in Kaiserslautern (Schillerplatz 9) gearbeitet hatte, zog um nach Neustadt, wo die Gauleitung ihren Sitz hatte. Ab Januar 1933 wurde die Parteizeitung in Kuhns Aktiendruckerei (Turmstraße 11-13) hergestellt. Eine klare Trennlinie zwischen der Tätigkeit Kuhns als NSZ-Verleger und seinen vielfältigen weiteren Aktivitäten in der Verlagsbranche lässt sich rückblickend nicht ziehen. Dass er ab 1933 im allgemeinen "als Treuhänder der Partei" agiert habe, räumte Kuhn nach dem Krieg ein.

Das Konzept der Gauzeitung

Fotocluster von der Kirchweih in Winzingen (Stadtteil von Neustadt a.d. Weinstraße). Der großzügige Einsatz von Fotos in Zeitungen war in dieser Zeit eher selten. Abb. aus: NSZ Rheinfront Nr. 155 (7.7.1936). (Bayerische Staatsbibliothek, 2 Eph.pol. 83 z-1936,7/9)

1930 begann die NSZ als typisches Partei-Kampfblatt. Bei der Reichstagswahl am 14. September hatte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) auch in der Pfalz ihren Durchbruch erlebt und war mit 22,8 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft geworden. Ihre hemmungslose Polemik trug der NSZ 1931/32 mindestens drei befristete Verbote wegen "Verächtlichmachung leitender Staatsbeamter" ein. In ihrer Werbung bezeichnete sich die NSZ ausdrücklich als "größte pfälzische antisemitische Tageszeitung". Gerade in den ersten Jahren war sie für den noch keineswegs unangefochtenen Gauleiter aber auch ein innerparteiliches Machtinstrument.

Ab 1933 verstand sich die Zeitung als Führungsmedium, das die NS-Herrschaft im allgemeinen und die Position des Gauleiters im besonderen festigen sollte. Themen, die Bürckel besonders wichtig erschienen, wie etwa die Volkssozialistische Selbsthilfe, die Rückführung des Saargebiets, die Gemeinschaftsschule und der Kampf gegen nicht loyale Kräfte in den Kirchen, nahmen stets viel Raum ein. Das gilt sogar für die ausführlich dargestellten Aktivitäten Bürckels als Reichsstatthalter in Österreich, obwohl diese für die Leserschaft im deutschen Südwesten deutlich weniger relevant waren.

Fortlaufend stellte die Redaktion die "Leistungen" des NS-Regimes propagandistisch heraus. Man setzte aber auch ganz offen auf brutale Einschüchterung vermeintlicher oder tatsächlicher Gegner, berichtete etwa über Gerichtsurteile und Einweisungen ins Konzentrationslager unter voller Namensnennung der Betroffenen, und schürte Antisemitismus. Deutlich erkennbar sollte die NSZ auch zum Aufbau einer Gau-Identität in der "Westmark" beitragen; dazu musste vor allem die permanent beschworene angebliche Gefahr durch den "Erzfeind Frankreich" herhalten.

Bürckel konnte jederzeit ausführlich in der NSZ zu Wort kommen, wenn er das wünschte. Sein Pressechef in den Jahren 1937/38, der NSZ-Redakteur Julius Ganser (NSDAP, 1900-1994), beschrieb es nach dem Krieg so: "Der Gauleiter selbst spielte die Rolle eines Über-Hauptschriftleiters. Das ging bis zu den Überschriften, den Platzvorschriften, den Verboten, irgendetwas zu bringen, gegen das selbst die Berliner Zentralstellen nicht eingewendet hätten."

Mit der NSZ wurde das bis dahin unbekannte Konzept der Regionalzeitung im deutschen Südwesten etabliert. Ein weitgehend einheitlicher Hauptteil mit Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport wurde mit jeweils inhaltlich unterschiedlichen Lokalteilen kombiniert. Das war eine revolutionäre Neuerung; nach diesem formalen Muster arbeiten Regionalzeitungen bis heute. Vor allem im Zeitabschnitt 1935 bis 1938 baute die NSZ-Redaktion eine Lokal- und Regionalberichterstattung auf, wie es sie in diesem Umfang bis dahin nicht gegeben hatte. Auch beim Marketing schlug der Verlag neue Wege ein: So stiftete er etwa Pokale für Sportturniere, veranstaltete Preisausschreiben und betrieb so Sympathiewerbung.

Konkurrenzkampf mit allen Mitteln

Der Kampf der NSZ und ihrer Verantwortlichen gegen die konkurrierende Presse zog sich über viele Jahre bis in den Krieg hinein. Die kommunistische und die sozialdemokratische Presse waren auch in der Pfalz bereits im Februar/März 1933 verboten worden. Für die konfessionelle Presse kam das staatlich verordnete Ende 1936. Konkurrierende Unternehmen, für deren Ausschaltung es keine rechtliche Grundlage gab, griffen Bürckel und Kuhn meistens nach einem Muster an, bei dem politische Pressionen und wirtschaftlicher Druck kombiniert wurden.

Exemplarisch zeigt das der Fall des Waldkirch-Verlags in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz), den Bürckel als größten Konkurrenten betrachtete. Im Juli 1933 besetzten Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) zeitweise das Verlagshaus. Zahlreiche weitere - vor allem publizistische - Angriffe führten dazu, dass Waldkirch seine Pfälzische Rundschau im Oktober 1933 in einen "Gemeinschaftsverlag" einbrachte, den Kuhns Südwestdeutsche Verlags-GmbH mit 51 Prozent der Anteile beherrschte.

Chefredakteur der nun "parteiamtlichen" Pfälzischen Rundschau wurde Bürckels Vertrauter Max Steigner (NSDAP, 1896-1946). 1935 setzte die NSDAP den Waldkirch-Verlag nach dessen Angaben dann mit der Nichtbezahlung von Druckrechnungen über 100.000 Reichsmark erneut massiv unter Druck. Kuhns Aktiendruckerei konnte daraufhin auch die restlichen Anteile an der Pfälzischen Rundschau übernehmen; das Blatt wurde umgewandelt in die Neue Abend-Zeitung (NAZ) für den Gau Saarpfalz.

Kopf der Titelseite der Zeitung NSZ Rheinfront vom 1. Juli 1938. (Bayerische Staatsbibliothek 2 Eph. pol. 84 t-1938, 3)

Mit dem Jahreswechsel 1938/39 übernahm die Reichs-NSDAP über die Standarte Druckerei und Verlags-GmbH Berlin (60 Prozent der Anteile) und die Phönix Zeitungsverlag GmbH Berlin (40 Prozent) schließlich das Restvermögen des Waldkirch-Verlags. Am Stammkapital der daraus gebildeten Saarpfälzischen Druckerei und Verlags-GmbH wurde dem Gau-Konzern später eine Minderheitsbeteiligung eingeräumt; 1941 entsprach diese 40 Prozent des Stammkapitals. Bereits seit August 1940 arbeitete die nach Auflage und Ausgabenzahl kräftig "gewachsene" NSZ nicht mehr in Neustadt, sondern ebenfalls in Ludwigshafen in der Amtsstraße – schräg gegenüber der Saarpfälzischen Druckerei.

Auch deshalb, weil immer mehr Konkurrenten wegfielen und sich das Verbreitungsgebiet vergrößerte, erhöhte sich die Druckauflage von Bürckels Gauzeitung kontinuierlich: Von 172.030 Ende 1936 stieg sie auf 185.380 Ende 1938 und auf 292.768 Exemplare im Dezember 1940. Im August 1941 erschien die Zeitung mit 14 verschiedenen Lokalausgaben in der Pfalz, dem Saargebiet und Lothringen, das nun auch zu Bürckels Gau gehörte; die Gesamtauflage betrug zu dieser Zeit 316.411. Die höchste Auflage ist für Mai 1944 dokumentiert: 412.000 Exemplare täglich.

Kopf der Titelseite der Zeitung NSZ Westmark vom 3. Januar 1944. (Bayerische Staatsbibliothek 2 Eph. pol. 84 t-1944, 1/10)

Organisation und wirtschaftliche Entwicklung des NSZ-Verlags

Verantwortlicher Träger der Gauzeitung war Bürckel zunächst allein. Entgegen der Parteilegende war er aber nicht Alleinherrscher auf Dauer. Nach einem Erlass Adolf Hitlers (NSDAP, 1889-1945) vom 31. Januar 1934 mussten alle NS-Gauzeitungsverlage der Kontrolle der Parteizentrale unterstellt werden. In der Praxis bedeutete das, dass die regionalen Gesellschafter entsprechende Erklärungen abzugeben hatten und Firmen des vom Reichsleiter der Presse der NSDAP, Max Amann (NSDAP, 1891-1957), geführten Pressekonzerns Kapitalanteile übernahmen.

Ein deutlicher Hinweis auf die Initiative der Reichspartei ist der Ort, an dem die NSZ Rheinfront Verlagsgesellschaft mbH am 21. Dezember 1935 gegründet wurde: Berlin. Bis zum 31. Dezember 1936 behielt der Verlag seinen juristischen Sitz in der Reichshauptstadt, obwohl er dort in keiner Weise aktiv war. Erst dann wurde der GmbH-Sitz in die Pfalz nach Neustadt verlegt. Quellen zu den Gründen dieses Ablaufs fehlen. Vom Stammkapital in Höhe von 500.000 Reichsmark hatte Bürckel 485.000 Reichsmark eingebracht; auf diesen Wert wurde sein NSZ-Verlagsrecht veranschlagt. Einen  Anteil von 15.000 Reichsmark hielt zunächst Edgar Brinkmann (geb. 1896, NSDAP), Leiter des Verwaltungsamts des Reichsleiters der Presse der NSDAP, im Namen der Standarte Druckerei und Verlags-GmbH Berlin.

1936 übernahm Bürckel auch diesen kleineren Anteil. Zuvor hatte er jedoch unterschreiben müssen, dass er alle Anteile "nur als Treuhänder für die NSDAP" halte. Zudem galten nun finanzielle Vorgaben: Über 40 Prozent des Verlag-Reingewinns konnte der Gauleiter frei verfügen. 40 Prozent standen dem Verwaltungsamt des Reichsleiters für die Presse der NSDAP (Max Amann) zu, und 20 Prozent waren den Rücklagen der NSZ-GmbH zuzuführen.

In der Zeit, als Bürckel als Reichskommissar nach Österreich entsandt war, setzte eine weitere Machtverschiebung zugunsten der Reichs-NSDAP ein. Entsprechende Veränderungen sind im Handelsregister dokumentiert; Quellen zu den Hintergründen fehlen. Mit der von der Parteizentrale beherrschten Saarpfälzischen Druckerei in Ludwigshafen wurden im September 1940 die Neustadter Aktiendruckerei, der Westpfalz-Verlag in Kaiserslautern und die Zweibrücker Druckerei fusioniert – alles Unternehmen, die bis dahin vom Gau Saarpfalz beziehungsweise Gerhard Kuhn kontrolliert worden waren. Im Gegenzug wurde Kuhns Südwestdeutscher Verlags-GmbH (Stand 1941) beziehungsweise dem NSZ-Gauverlag (Stand 1942) eine Minderheitsbeteiligung an dieser Saarpfälzischen Druckerei eingeräumt. Zu einem nicht mehr genau feststellbaren Zeitpunkt, vermutlich 1941, fiel auch der Gauverlag dann ganz an den sogenannten Amann-Konzern: 70 Prozent der Anteile hielt zuletzt die Franz Eher Nachf. GmbH München, 30 Prozent lagen bei der Standarte Druckerei und Verlags-GmbH Berlin.

Welchen finanziellen Ertrag der Gau-Pressekonzern erbrachte, lässt sich mangels ausreichender Quellen nicht beziffern. Erhalten ist aber die Bilanz 1943 des NSZ-Verlags: Mit einem Umsatz von 11,9 Millionen erzielte er demnach einen Reingewinn nach Steuern von 1,1 Millionen Reichsmark. Mehr als 300.000 Mark davon waren für eine "Gewinnabführung" - also wohl für den Gauleiter – bestimmt. Dass nach dem Krieg sichergestellte Kontounterlagen Bürckels aus dem Juni 1944 persönliche Guthaben von mehr als 3,5 Millionen Reichsmark auswiesen, vermag insofern nicht zu überraschen.

Spekulationen über den wachsenden Wohlstand des Gauleiters trat das Regime mit aller Härte entgegen: Bürckel stelle "sämtliche" Einkünfte einer 1934 unter seinem Namen gegründeten wohltätigen Stiftung zur Verfügung, behauptete sein Stellvertreter Ernst Ludwig Leyser (NSDAP, 1896-1973) 1936 wahrheitswidrig als Zeuge vor dem Sondergericht Frankenthal. Ein Ludwigshafener Bürger, der behauptet hatte, der Gauleiter sei "ein reicher Mann, der durch die NSZ sehr viel Geld verdiene", wurde auf der Grundlage des sogenannten Heimtückegesetzes zu zehn Monaten Haft verurteilt.

NS-Verlag und Redaktion

Angehörige der Werkschar der NSZ Rheinfront bei den Maifeierlichkeiten 1938 vor der NSZ-Druckerei in Neustadt a.d. Weinstraße, abgedruckt in "Nationalsozialistische Musterbetriebe 1939/1940" (Foto Heinrich Hoffmann, Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv hoff-66152)

Für Bürckel, den selbsternannten Arbeiterführer, war die NSZ auch ein sozialpolitisches Vorzeigeprojekt. Die rund 530 Festangestellten – Stand Dezember 1943 – bekamen Gehaltszulagen zum 1. Mai, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Gehaltsempfänger verdienten pro Monat durchschnittlich 295 Reichsmark. Es gab eine betriebliche Altersversorgung und zu Friedenszeiten zweimal jährlich Betriebsausflüge mit buntem Programm. Dass die NSZ im Mai 1938 als erste Druckerei reichsweit zum "NS-Musterbetrieb" erklärt wurde, war für den Gauleiter auch ein Prestigeerfolg.

Akten des Reichsverbands der deutschen Presse weisen für Ende 1944 67 Namen von NSZ-Redaktionsmitgliedern aus, darunter acht Redakteurinnen. Soweit ersichtlich, stammte die Mehrheit aus dem Verbreitungsgebiet. Das Durchschnittsalter lag bei 40 Jahren. Leitende Mitarbeiter mussten das Vertrauen Bürckels haben; ihre Bezahlung war dann mit bis zu rund 1.200 Reichsmark monatlich für Chefredakteure außerordentlich gut. Zu diesen Vertrauensleuten gehörten vor allem die Hauptschriftleiter, die laut Impressum in folgender Reihenfolge amtierten:

30.10.1930 Lud[wig] Ed[uard] Fleischmann
03.11.1930 Josef Hünerfauth (1902-1981)
03.02.1931 Dr. Hans Englram (1886-1952)
16.06.1932 Karl Mages (1905-1995)
23.10.1932 Emil Franz Rasche (1904-1958)
02.12.1940 Max Steigner (1896-1946)
01.09.1942 Walter Petwaidic (1904-1978)
01.09.1943 Emil Franz Rasche (1904-1958)
05.02.1945 Dr. Robert Oberhauser (1907-2003)

Ende im März 1945

Von 1943 bis 1945 befand sich die NSZ-Druckerei auf diesem Industriegelände in Lambrecht, Adolf-Hitler-Straße (heute: Hauptstraße) 35. (Foto: Stephan Pieroth)

Im Oktober 1944 gab es in der Pfalz lediglich noch acht Tageszeitungen. NSZ und NAZ verfügten zusammen über einen Marktanteil von 87,1 Prozent. Der NS-Gauverlag lag damit sogar noch über dem reichsdeutschen Durchschnittsanteil der NS-Presse von 82,5 Prozent. Angesichts der 1943 massiv einsetzenden Luftangriffe hatte die NSZ ihre Druckerei von Ludwigshafen nach Lambrecht (Rheinland-Pfalz) in die ehemalige Tuchfabrik Georg Botzong verlagert. Ab Juli 1944 war dies der zentrale technische Betrieb. Die letzte dort vor dem Einmarsch der Amerikaner hergestellte Ausgabe trägt das Datum 18. März 1945. In Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz), wo auch noch gedruckt wurde, war am 20. März 1945 Schluss.

Beide technische Betriebe wurden wenige Monate später – unter Aufsicht der französischen Besatzungsmacht - für den Neuaufbau einer demokratisch gesinnten Presse genutzt. In Lambrecht ging mit der Erstausgabe des 29. September 1945 Die Rheinpfalz an den Start; die Redaktion saß in Neustadt in Räumen eines früheren Unternehmens Gerhard Kuhns, der Pfälzischen Verlagsanstalt. In Kaiserslautern erschien ab dem 16. Oktober 1945 die Pfälzische Volkszeitung.

Literatur

  • Tobias Hirschmüller, Was wurde der Neustadter Bevölkerung über den Beginn des Zweiten Weltkriegs erzählt? Inszenierung und Erinnerung in der regionalen Propaganda, in: Markus Raasch (Hg.), Volksgemeinschaft in der Gauhauptstadt. Neustadt an der Weinstraße im Nationalsozialismus, Münster 2020, 593-604.
  • Lothar Meinzer, Stationen und Strukturen der nationalsozialistischen Machtergreifung: Ludwigshafen am Rhein und die Pfalz in den ersten Jahren des Dritten Reiches (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen 9), Ludwigshafen 1983.
  • Stefan Mörz, Vom Westboten zur Rheinpfalz. Die Geschichte der Presse im Raum Ludwigshafen von den Anfängen bis zur Gegenwart (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen 19), Ludwigshafen 1994.
  • Stephan Pieroth, Parteien und Presse in Rheinland-Pfalz 1945-1971. Ein Beitrag zur Mediengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Mainzer SPD-Zeitung "Die Freiheit" (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 18), Mainz 1994.
  • Stephan Pieroth, Presse unterm Hakenkreuz. Die pfälzischen Tageszeitungen 1933 bis 1945, in: Gerhard Nestler/Roland Paul/Hannes Ziegler (Hg.), Braune Jahre in der Pfalz. Neue Beiträge zur Geschichte einer deutschen Region in der NS-Zeit (Beiträge zur pfälzischen Geschichte hg. vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde 29), Kaiserslautern 2016, 177-208.
  • Stephan Pieroth, Josef Bürckel und die pfälzische Presse, in: Pia Nordblom/Walter Rummel/Barbara Schuttpelz (Hg.), Josef Bürckel. Nationalsozialistische Herrschaft und Gefolgschaft in der Pfalz (Beiträge zur pfälzischen Geschichte 30), Kaiserslautern 2019, 113-123.
  • Walter Rummel, "Vom politischen Geschehen unbeeindruckt". Der Kampf der Familie Bürckel gegen die Entnazifizierung (1948-1958), in: Pia Nordblom/Walter Rummel/Barbara Schuttpelz (Hg.), Josef Bürckel, Nationalsozialistische Herrschaft und Gefolgschaft in der Pfalz (Beiträge zur pfälzischen Geschichte hg. vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde 30), Kaiserslautern 2019, 219-316.
  • Erich Schunk, "Die wahren Schuldigen sind in der Presse zu suchen", in: Landau und der Nationalsozialismus (Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Landau in der Pfalz 10), Ubstadt-Weiher 2013, 225-243.
  • Hannes Ziegler, Presse unter Druck. Die pfälzische Tagespresse unter dem Nationalsozialismus, in: Gerhard Nestler/Hannes Ziegler (Hg.), Die Pfalz unterm Hakenkreuz. Eine deutsche Provinz unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, Landau (Pfalz) 1993, 197-226.

Quellen

Die Akten des NS-Gauverlags und der damit verbundenen Unternehmen sind nahezu vollständig verloren. Selbst Dokumente, die nach dem Krieg noch erhalten waren und in Wiedergutmachungsverfahren zitiert wurden, sind heute nicht mehr auffindbar. Wichtige Informationen zum Thema finden sich vor allem in den Beständen folgender Archive:

  • Centre des Archives diplomatiques de La Courneuve, Paris: Akten der französischen Militärregierung ab 1945.
  • Bundesarchiv Koblenz und Berlin: NS 26 (NSDAP-Hauptarchiv), R 55 (Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda),  R 103 (Reichsverband der Deutschen Presse) sowie im Bestand Ehemaliges Berlin Document Center/NSDAP-Gaukartei.
  • Landesarchiv Speyer: R 19 (Provinzialamt für Wiedergutmachung Neustadt), H 91 (Gestapo Neustadt), H 13 (Oberregierungspräsidium Neustadt) und J 6 (Landgericht Frankenthal).
  • Archiv des Amtgerichts Ludwigshafen.

Die umfangreichsten (aber nicht immer vollständigen) Bestände von Ausgaben der NSZ Rheinfront/Westmark finden sich in der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer und in der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die Lokalausgaben sind zudem teilweise in Archiven und Bibliotheken der jeweiligen Erscheinungsorte archiviert.

Rheinfront, NSZ-Westmark

Empfohlene Zitierweise

Stephan Pieroth, NSZ Rheinfront, publiziert am 3.8.2021; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/NSZ_Rheinfront> (27.10.2021)




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