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Hohenegg, Herrschaft

Das Wappen der Herren von Hohenegg im Scheiblerschen Wappenbuch um 1450/80. (aus: BSB Cod.Icon. 312 c., S. 45)
Die Herrschaft Hohenegg auf der Vorarlberg-Karte von Blasius Hueber (1735-1814). (Provincia Arlbergica, Wien 1783).
Das Amtshaus in Weitnau. (Tourismusbüro Weitnau, Foto Andreas Knak)

von Karl Heinz Burmeister

Bis 1806 bestehende Herrschaft im Allgäu mit dem Hauptort Weitnau (Lkr. Oberallgäu). Namensgebend war die abgegangene Burg Hohenegg (Gde. Grünenbach, Lkr. Lindau). Die Herrschaft geht auf die seit 1240 bezeugten Edlen von Hohenegg zurück, die sie aber 1359 an die Grafen von Montfort verkauften. Von diesen gelangte die mehrfach verpfändete Herrschaft 1451 an Herzog Sigmund von Tirol (reg. 1443-1496). In der Frühen Neuzeit war Hohenegg Bestandteil des vorderösterreichischen Länderkomplexes. Die kleine Herrschaft, die den Blutbann besaß und auf dem Vorarlberger Landtag vertreten war, fiel 1806 an Bayern.

Politische Geschichte

Die erstmals 1171 erwähnte Burg Hohenegg (bei Ebratshofen, Gde. Grünenbach, Lkr. Lindau) ist heute nur mehr ein Burgstall von 15 x 50 m Fläche, dessen Mauern verschwunden sind. Sie war im Besitz der Herren von Rettenberg, von Trauchburg und von Hohenegg, die unter einander verwandten Nebenlinien desselben Geschlechts waren. Über die Entstehung der Burg ist nichts überliefert. Seit ca. 1240 saßen auf der Burg die Edlen von Hohenegg, die bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht haben, z. B. Rudolf von Hohenegg (gest. 1290), der Hofkanzler König Rudolfs I. von Habsburg (reg. 1273-1291) war und 1284 Erzbischof von Salzburg wurde.

1359 verkauften die Hohenegger, die seit 1313 auch auf der Burg Vilsegg (Bezirk Reutte, Tirol) saßen und diese zu ihrem künftigen Sitz machten, an den Grafen Wilhelm III. von Montfort-Bregenz (gest. 1373). Dieser schloss 1362 einen Dienstvertrag mit Österreich, der auch eine Öffnung der Burg Hohenegg vorsah. Sein Sohn, der als Minnesänger berühmte Hugo XII. von Montfort-Bregenz (1373-1424), war vermutlich 1422 auf der Burg zu Besuch. Dessen Söhne verpfändeten 1436 und verkauften 1438 Hohenegg auf Rückkauf. Am 12. Juli 1451 verkaufte die Gräfin Elisabeth von Montfort-Bregenz (1413-1458) Hohenegg mit dem "alten" Teil der Grafschaft Bregenz an Herzog Sigmund von Tirol (reg. 1443-1496), der 1456 Hohenegg an den Pfleger der Burg Kaspar von Laubenberg (gest. 1493) verpfändete.

Hohenegg erlebte infolge des Personalprinzips des Allgäuer Gebrauchs, aber auch im Zuge des Aufkommens der Wiedertäufer und der Reformation lang anhaltende Zwistigkeiten zwischen den Montfortern und Laubenbergern und auch Österreich. Im Bauernkrieg von 1525, in dem Untertanen aus Hohenegg Spitzenpositionen in der "Christlichen Vereinigung" einnahmen, wurde die Burg stark beschädigt. Sie wird letztmals 1559 erwähnt, wurde dann aber im Dreißigjährigen Krieg dem Verfall überlassen.

Am 31. Juli 1539 erhielt Graf Wolfgang von Montfort-Rothenfels (ca. 1489-1540) die Bewilligung, Hohenegg gegen die Erlegung des Pfandschillings von den Laubenberg auszulösen. Am 24. August 1543 erklärte König Ferdinand I. (reg. 1531-1564, Kaiser seit 1558) sich auf Drängen der Vorarlberger Landstände bereit, die an Johann II. von Montfort-Rothenfels (1490-1547), den Bruder Wolfgangs, übergegangene Pfandschaft Hohenegg zurückzulösen und sie wieder der Herrschaft Bregenz einzugliedern. Den für die Rücklösung erforderlichen Pfandschilling hatten der Abt des Benediktinerklosters Mehrerau und die Städte Bregenz und Feldkirch aufzubringen.

1703 wurde, entgegen einer 1543 von Ferdinand I. erteilten Zusage, die Herrschaft nicht mehr zu verpfänden, eine Verpfändung von Hohenegg an das Stift Kempten erwogen.

Von 1451 bis 1806 war, von den Verpfändungen unterbrochen, Hohenegg einer der vielen Mosaiksteine in dem sich im Spätmittelalter stetig ausbreitenden Vorderösterreich. Die habsburgischen Kaiser nahmen ihre Position als Herren von Hohenegg in ihre langatmige Titulatur auf. Die Anbindung an Bregenz verstärkte sich im 16. Jahrhundert, als Hohenegg nach dem Erwerb der Gerichte Grünenbach und Simmerberg 1523, Kellhöfe 1570 (= Weiler i. Allgäu und Scheidegg) und Altenburg (alle Lkr. Lindau) 1571 durch Österreich über ein Landbrücke mit Bregenz verbunden wurde. Eine große Bedeutung hat die Herrschaft Hohenegg allerdings nie erlangt. Die Verkäufe von 1359, 1438 und 1451 oder die Verpfändungen von 1436, 1456, 1477 oder 1539, die geplante Verpfändung von 1703, die Verwaltung der Herrschaft durch subalterne Beamte und auch die gemeinsame Verwaltung mit der Herrschaft Bregenz, die stets vorrangig blieb, lassen die seit alters bestehende untergeordnete Bedeutung von Hohenegg erkennen. Schon in dem Bestallungsbrief von 1424, den Anna von Neuhaus, die Witwe Hugos XII. von Montfort, dem von ihr ernannten Vogt Thomas Ulmer ausstellte, hieß es, dass dieser "irem Obristen Vogt zu Bregentz … gehorsam" sein sollte. Über die Jahrhunderte hinweg blieb Hohenegg ein Anhängsel an Bregenz.

Erst lange nach dem Übergang an Bayern wurde 1865 die von der Geographie her gebotene Trennung des Hauptorts der ehemaligen Herrschaft Weitnau (Lkr. Oberallgäu) vom Landgericht Lindau und Zuordnung zum Landgericht Kempten durchgeführt.

Territorium/Struktur

Die zur Burg Hohenegg gehörige gleichnamige Herrschaft lag im Voralpenland in der Region Allgäu. Ihr Territorium verteilt sich auf die Altlandkreise Lindau, Kempten und Sonthofen. Es deckt sich im Wesentlichen mit dem Gebiet des heutigen Marktes Weitnau. Weitnau, erstmals 1250 als Witenowe urkundlich erwähnt, entwickelte sich frühzeitig zum Verwaltungssitz der Herrschaft Hohenegg. Hohenegg gliederte sich in vier Verwaltungssprengel (Hauptmannschaften): Weitnau, Sibratshofen, Hellengerst (beide Markt Weitnau, Oberallgäu) und Ebratshofen (Gde. Grünenbach, Lkr. Lindau). 1747 zählte man in Weitnau 104, in Sibratshofen 31, in Ebratshofen 90, in Wiederhofen 26 und in Wilhalms 41 begüterte Untertanen; dazu kamen weitere 147 begüterte Hohenegger, die im Rettenbergischen, Kemptischen oder Trauchburgischen Gebiet saßen.

Die Herren von Hohenegg verfügten ursprünglich über den Kirchensatz der Pfarrkirchen St. Pelagius in Weitnau und St. Elisabeth in Ebratshofen, doch hatten sie Weitnau 1292 dem Domstift Konstanz geschenkt. Das hatte zur Folge, dass wiederholt gewichtige Konstanzer Chorherren als Kirchherren zu Weitnau waren. Wiedertäuferische und reformatorische Regungen wurden im 16. Jahrhundert rasch unterdrückt.

Die Wirtschaft beruhte auf der Land-, Forst- und Viehwirtschaft. Zudem lag Hohenegg an der wichtigen Salzstraße und gewährte dadurch Arbeitsplätze im Transportgewerbe.

Verwaltung

Hohenegg war ein Lehen der Äbte von Kempten. Alle Belehnungen sind von 1408 bis 1793 urkundlich überliefert. Der Abt belehnte beispielsweise 1421 Hugo XII. von Montfort-Bregenz, dessen Sohn Stefan I. (gest. 1437) und Enkel Hermann I. mit Hohenegg, seit 1546 auch die Habsburger: Maria Theresia (1717-1780), Joseph II. (reg. 1764-1790, Kaiser ab 1765) 1781 und 1787, Leopold II. (1747-1792, Kaiser ab 1790) 1791 und zuletzt 1793 Kaiser Franz II. (1768-1835, römisch-deutscher Kaiser 1792-1806, Kaiser von Österreich 1804-1835), der 1806 die Krone auf Druck Napoleons niederlegen musste.

Die Verwaltung der Herrschaft Hohenegg wurde kaum je von den allenfalls sporadisch vor Ort weilenden Inhabern der Herrschaft, d. h. den Herren von Hohenegg, den Grafen von Montfort oder gar den Erzherzögen von Österreich, auch nicht von den Pfandherren ausgeübt, sondern blieb subalternen Beamten überlassen. Bis 1438 waren das die von den Herrschaftsinhabern eingesetzten und auf der Burg residierenden Vögte. Seit 1438 saß auf der Burg ein Amtmann, seit 1476 als Ammann bezeichnet. Der Ammann der Herrschaft Hohenegg verlegte 1483 seinen Sitz in das sog. Amtshaus (1528 als "Gerichtshaus", 1616 als "Amtsbehausung", erst 1728 als "Amtshaus" bezeichnet) in Weitnau. Seit 1500 nannte er sich "Ammann des Tigis Hochenegg". Mit dem Hinweis auf den Tigen (Gerichtsgemeinde) sollte wohl – im zeitlichen Vorfeld des Bauernkrieges – ein Element der Selbstverwaltung hervorgekehrt werden. Das schon 1730 für einsturzgefährdet gehaltene Amthaus wurde 1753 mit Archiv, Kanzlei und zwei Zivilarresten neu errichtet, wobei die Herrschaft (Oberamt Bregenz) lediglich einen Zuschuss leistete, während die übrigen Baukosten von der Gerichtsgemeinde zu tragen waren. Das Amtshaus wurde für die Untertanen zum Symbol ihrer Eigenständigkeit.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte allerdings der Ammann stark an Bedeutung verloren. Er war zum Stabhalter, wie man den Stellvertreter des Gerichtsvorsitzenden gewöhnlich nannte, herabgesunken und war nur mehr stellvertretender Richter des Bregenzer Oberamtmanns. 1785 wurde der Ammann in Weitnau durch die Gerichtsregulierung Josephs II. durch einen rechtskundigen Beamten ersetzt und die Zahl der Laienrichter stark reduziert.

Eine Besonderheit des Gerichtes Hohenegg war die Blutgerichtsbarbeit. König Sigismund (reg. 1411-1437) hatte den Grafen von Montfort-Bregenz 1429 das Privileg erteilt, in allen ihren Gerichten Stock und Galgen zu errichten. Kaiser Friedrich III. (reg. 1440-1493) hatte dieses Privileg 1469 ausdrücklich auch für Hohenegg ausgestellt. Die Hohenegger Richter hießen in den in Weitnau durchgeführten Kriminalprozessen "Geschworne", der den Stab führende Richter "Malefizrichter" wurde von der Regierung in Innsbruck mit dem Blutbann belehnt. Die Hochgerichtsprozesse wurden aber in Bregenz entschieden, wohin ein in Hohenegg ergriffener Täter überstellt und wo auch die peinliche Befragung durchgeführt wurde (eine Folterkammer gab es in Weitnau nicht). Der in Bregenz mit dem Urteil abgeschlossene Prozess wurde dann in Weitnau noch einmal wie ein Theaterstück durchgespielt und endete mit der Verlesung des Bregenzer Urteils. Noch nach der Aufhebung des Gerichtes Hohenegg und seiner Eingliederung in das Landgericht Weiler beantragte der ehemalige Stand Hohenegg bei der Organisationskommission, dass der erste Gerichtsvorsteher und Repräsentant künftig den Titel "Gerichtsammann" führen dürfe.

Landstände

In den seit dem 16. Jahrhundert organisierten Vorarlberger Landständen hatte auch das Gericht Hohenegg seinen Platz. Hohenegg war eines der in den 24 Ständen vertretenen Gerichte und ist als solches auch in der politischen Karte der Landstände (Ende 18. Jahrhundert) eingezeichnet. Hohenegg gehörte zu den bevorzugten zehn Prinzipalständen. In der Rangfolge der Stände nahm Hohenegg nach den drei Städten Feldkirch, Bregenz und Bludenz als ehemalige Herrschaft den vierten Platz ein. Abgeordneter zu den Landständen war meist der Ammann von Hohenegg. Gemäß einer Musterliste von 1621 stellte Hohenegg 4 Spielleute, 10 volle Rüstungen, 44 Musketiere und 5 Schanzgräger, Ebratshofen 5 Rüstungen, 16 Musketiere und 2 Schanzgräber für die den Ständen obliegende Landesverteidigung. Später zählte das Kontingent von 82 ½ Mann.

Quellen- und Archivsituation

Nachdem die Herren von Hohenegg schon im 14. Jahrhundert nach Vilsegg übersiedelt und zudem 1594 bzw. 1671 im Mannesstamm ausgestorben waren, gab es kein Interesse an der Familienforschung mehr. Auch die Gemeinden Weitnau und Ebratshofen brachten nicht die Voraussetzungen mit, sich nachdrücklich der Geschichte von Hohenegg zu widmen, zumal die Burg schon im 17. Jahrhundert abgegangen und die Herrschaft 1806 von der politischen Landkarte verschwunden war. Es fehlt daher bis heute an einer fundierten Geschichte des Geschlechts, der Burg und der Herrschaft Hohenegg.

Deren Aufarbeitung steht auch im Wege, dass die Quellen breit gestreut sind. Größere Bestände liegen im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck (Bücher Walgau), im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz (Oberamt Bregenz, Rechnungsbücher, Allgäuer Akten, Landstände), im Staatsarchiv Augsburg (Amtsprotokolle 1607-1807, Fürststift Kempten, Vorderösterreich Lit. 591, Rentamt Lindau), ÖStA Wien (Urkunden von 1359 und 1451, Hss. W 236, 254, 494), HStA München (Rep. Montfort), EA Freiburg, Stadtarchiv Bregenz, im Stadtarchiv Feldkirch sowie im Gemeinde- und im Pfarrarchiv Weitnau.

Erst in jüngerer Zeit sind 1968 mit den Arbeiten von Peter Blickle (geb. 1938) und Manfred Ott gute Übersichtsartikel über die Herrschaft Hohenegg entstanden. Sie wurden 1983 durch die auf die Geschichte der Burg und das Geschlecht Hohenegg zugeschnittene Darstellung von Arnold Freiherr von Nostitz ergänzt. Weitere Arbeiten wurden nach der umfassenden Monografie über "Das Weitnauer Tal" von Martin Müller (1987) vorwiegend Themen der Geschichte des Marktes Weitnau gewidmet (1990, 1992, 2007).

Literatur

  • Karl Heinz Burmeister, Das Amtshaus Hohenegg, seine Entwicklung und seine Bedeutung, in: Allgäuer Geschichtsfreund 107 (2007), 17-48.
  • Karl Heinz Burmeister, Zur Geschichte der Herrschaft Hohenegg, in: Allgäuer Geschichtsfreund 92 (1992), 77-102.
  • Martin Müller, Das Weitnauer Tal, Bergatreute o.J. [1987].
  • Arnold von Nostitz, Zur Geschichte der Herren und der Burg von Hohenegg, Ravensburg 1983.
  • 750 Jahre Amt Weitnau-Hohenegg. 1240-1990. Eine Dokumentation, Weitnau 1990.
  • Klaus Wankmiller, Spurensuche nach einem alten Rittergeschlecht. Die Herren von Hohenegg und Hochegg, in: Das schöne Allgäu 70 (2007),6, 68-71.

Quellen

  • Gerhard Immler, Staatsarchiv Augsburg, Fürststift Kempten Archiv (Bayerische Archivinventare 51), München 2002, 4, 149, 303, 480, 709, 829-834, 837, 926, 1238 f.
  • Viktor Kleiner, Die Urkunden des Stadtarchivs in Bregenz. 1.-3. Band, Wien 1931/34, 3.
  • Max Schefold, Alte Ansichten aus Bayerisch Schwaben (Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, 8), Weißenhorn 1985.
  • Heribert Sturm, Staatsarchiv Neuburg a. d. Donau (Bayerische Archivinventare, 1), Augsburg 1952.
  • Meinrad Tiefenthaler, Die Vorarlberger Musterrolle von 1621 (Allgäuer Heimatbücher, 23), Kempten 1940.

Weiterführende Recherche

Bregenz-Hohenegg, Herrschaft

Empfohlene Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, Hohenegg, Herrschaft, publiziert am 24.03.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hohenegg, Herrschaft> (21.09.2018)