Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst

Titelblatt der ersten Ausgabe des "Hochland" vom Oktober 1903. Das Inhaltsverzeichnis verdeutlicht die inhaltliche Zielsetzung des neuen Organs.
Titelbild mit Motto, Illustrationen von Hermann Bek-Gran (1869-1909).
Titelblatt der letzten Ausgabe vor dem Verbot 1941.
Carl Muth. (aus: Hochland 39 [1946], vor S.1)
Titelblatt der neu begründeten Zeitschrift 1946.
Titelblatt von "Neues Hochland". (1973)

von Konrad Ackermann

1903 in München durch den Publizisten Carl Muth (1867-1944) gegründete Zeitschrift. Hochland bemühte sich um eine Begegnung von Katholizismus und moderner Literatur und wurde daher 1911 im "Modernismusstreit" kirchlich indiziert. Ab dem Ersten Weltkrieg wandte sich die Zeitschrift verstärkt politischen Themen zu. Trotz seines regimekritischen Kurses konnte Hochland bis 1941 erscheinen. Die 1946 wiederbegründete Zeitschrift musste 1974 eingestellt werden.

Gründung 1903

Unter dem Eindruck der "Inferiorität" des deutschen Katholizismus in der geistig-religiösen Krise des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts gründete Carl Muth (1867–1944) nach intensiver literarischer Vorarbeit – im besonderen durch die unter dem Pseudonym "Veremundus" 1898 in Mainz erschienene Veröffentlichung "Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?" – im Oktober 1903 die Monatsschrift Hochland. Der Name war dem den ersten Jahrgängen vorangestellten Motto "Hochland, hohen Geistes Land - Sinn dem Höchsten zugewandt" entnommen; Pate stand hier der elsässische Schriftsteller Friedrich Lienhard (1865-1929). Das Organ sollte thematisch "alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst" umfassen und zur "Wiederbegegnung von Kirche und Kultur in Deutschland" führen.

Die Zeitschrift erschien bei dem auf katholisches Schrifttum spezialisierten Kösel-Verlag, dessen Leiter Paul Huber (1875-1911) an der Gründung von Hochland aktiv beteiligt war. Carl Muth, der in München-Solln lebte und einen Kreis von katholischen Intellektuellen und Schriftstellern um sich versammelte ("Hochland-Kreis"), prägte das Profil der Zeitschrift bis zu ihrem Verbot 1941.

Kirchliche Indizierung im Modernismusstreit 1911

Das die ersten Hefte begleitende Echo war überwältigend. Doch Muths Versuch, katholischen Geist und moderne Literatur zu vereinen und die bis dahin vorherrschende religiös-romantische Kulturtradition als Anachronismus abzuwerten, führte in eine ernste und tiefgreifende Krise. Im "Katholischen Literaturstreit" - einer von Muths Gegnern war der österreichische Schriftsteller Richard Kralik (1852-1934) - wurde die Zeitschrift des "Modernismus" bezichtigt und 1911 von Rom indiziert. Zwar wurde das entsprechende Dekret nicht veröffentlicht, doch blieb die Lage von "Hochland" angespannt. Erst nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ebbte der "Katholische Literaturstreit" ab. Bis in die 1930er Jahre blieb aber das Verhältnis von "Hochland" zur kirchlichen Hierarchie gespannt.

Öffnung für politische Fragen ab dem Ersten Weltkrieg

Nach Kriegsausbruch 1914 schlug "Hochland" im Sog der "Ideen von 1914" einen moderat nationalen Kurs ein. Die Bedeutung der Zeitschrift nahm ab 1918 zu, als im pluralen Kulturspektrum der Weimarer Republik auch das katholische Geistesleben einen Aufschwung erlebte. Im Sinne der 1916 von Max Scheler (1874-1928) im "Hochland" geforderten "Soziologischen Neuorientierung" propagierte die Zeitschrift eine religiös-moralische Erneuerung mit dem Ziel der "Verchristlichung" der modernen Welt.

"Hochland", dessen Profil katholischer Konservativismus gepaart mit christlicher Sozialverantwortung prägte, stellte sich im Sinne des "Vernunftrepublikanismus" entschiedener als andere katholische Zeitschriften auf die Seite der Republik. Gleichzeitig äußerte die Zeitschrift Kritik am Parteienstaat und sympathisierte gegen Kapitalismus, Liberalismus und Sozialismus mit korporativ-ständestaatlichen Ideen und einem konservativen Europagedanken. Tagespolitische Berichterstattung unterblieb jedoch. 1922 erreichte "Hochland" eine Auflage von 10.000 Exemplaren und damit eine für eine Kulturzeitschrift beachtliche Reichweite.

Zum "Hochland-Kreis", der regelmäßig in der Zeitschrift publizierte, gehörten katholische Philosophen und Schriftsteller wie Theodor Haecker (1879-1945), Konrad Weiss (1880-1940), Leo Weismantel (1888-1964), Joseph Bernhart (1881-1969) und Ruth Schaumann (1899-1975). Gefördert wurden Autoren, die für eine "Dichtung aus christlichem Geist" standen, wie Gertrud von Le Fort (1876-1971), Peter Dörfler (1878-1956), Sigrid Undset (1882-1949), Werner Bergengruen (1892-1964), Alma Holgersen (1896-19676), Rudolf Henz (1897-1987), Karl Gabriel Pfeill (1898-1942) oder Stefan Andres (1906-1970). Im Hochland veröffentlichten auch Max Scheler (von 1916-1922), Carl Schmitt (1888-1985, bis 1930), Romano Guardini (1885-1968), Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973), Peter Wust (1884-1940) und Alois Dempf (1891-1982).

Gegnerschaft zum Nationalsozialismus

Seit 1931, parallel zu kirchlichen Stellungnahmen nach den Wahlerfolgen der NSDAP 1930, bezog Hochland Position gegen den Nationalsozialismus und brach 1932 klar mit den Denkern der "Konservativen Revolution". Nach 1933 erachtete es die Zeitschrift als zentrale Aufgabe, die nationalsozialistische Ideologie zurückzuweisen und zu überwinden, doch konnte die Kritik nicht mehr offen, sondern nur indirekt, z. B. über ästhetische oder geschichtliche Anspielungen vorgetragen werden (Zitat 1934 in Analogie zum obligatorischen Hitlergruß: "Sie rufen Heil, Heil, wo doch kein Heil ist").

Weiterhin versammelte Muth um sich einen kleinen und überschaubaren Kreis von Redaktion und Autoren, in deren Beiträgen – in gegenseitiger vertraulicher Absprache – der Name Hitler durchwegs unerwähnt blieb. Mitglieder dieser Gruppe der "inneren Emigration" waren Theodor Haecker, Friedrich Dessauer (1881-1963), Konrad Weiß, Romano Guardini, Alois Dempf und Werner Bergengruen. Prägend wirkte der Kreis auf den Widerstand der "Weißen Rose" um Hans (1918-1943) und Sophie Scholl (1921-1943).

Verbot 1941

Trotz ihrer regimekritischen Haltung konnte die auch international beachtete Zeitschrift zunächst weiter erscheinen. Ihre Auflagenhöhe stieg sogar nach einem Einbruch 1933/34 von rund 5.000 Exemplaren bis 1939 wieder auf 12.000 an. Ab Kriegsausbruch 1939 nahmen die Schikanen gegen "Hochland" zu, mehrere Ausgaben wurden beschlagnahmt und mussten eingestampft werden. Als 1941 das NS-Regime systematisch gegen die letzten katholischen Zeitschriften vorging - u. a. auch gegen die jesuitischen "Stimmen der Zeit" -, wurde "Hochland" zum 1. Juni 1941 verboten.

Neuanfang nach 1945 und Ende

Kurz nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft im Frühjahr 1945 wurde das Wiedererscheinen Hochlands angeregt und im Winter 1946/47 auch tatsächlich realisiert, obwohl Carl Muth 1944 kurz vor Kriegsende gestorben war. Neuer Herausgeber wurde Franz Josef Schöningh (1902-1960), der schon seit 1939 die Redaktion geleitet hatte. Inhaltlich blieb es bei den traditionellen Themen, ergänzt und erweitert durch Analysen des Kriegsgeschehens, der NS-Vergangenheit und der damit einhergehenden Schuldfrage. Basierend auf dem christlichen Konservativismus trat "Hochland" im Sinne des "Abendlandgedanken" für ein geeintes Europa ein. Die Auflage nach dem Krieg lag anfänglich bei 15.000 Exemplaren.

Unter den Autoren fanden sich vertraute Namen wie Romano Guardini, Waldemar Gurian (1902-1954), Alois Dempf, Karl Buchheim (1889-1982) oder Josef Pieper (1904-1997). Neu hinzu traten Robert Spaemann (geb. 1927), Joseph Ratzinger (geb. 1927, 2005-2013 Papst Benedikt XVI.) oder Friedrich Heer (1916-1983).

Aufsehen erregte 1961 der Beitrag "Der deutsche Katholizismus im Jahre 1933" des späteren Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde (geb. 1930), der - ähnlich wie Rolf Hochhuths (geb. 1931) Drama "Der Stellvertreter" - den Beginn der kritischen öffentlichen Debatte über die Rolle der katholischen Kirche im "Dritten Reich" markierte.

Ein Jahrzehnt später, 1971, versuchte sich die Zeitschrift durch Titeländerung in "Neues Hochland" und inhaltliche Aktualisierung dem deutlich veränderten gesellschaftlichen Klima anzupassen. Diese misslang aber; 1974 wurde das traditionsreiche Blatt endgültig eingestellt.

Herausgeber, Redakteure und Schriftleiter (1903-1941)

Der Herausgeber von Hochland, Carl Muth, war auch 1903-1932 und wieder 1935-1939 Hauptschriftleiter der Zeitschrift. 1932-1935 war kurzfristig Friedrich Fuchs (1890-1948) Hauptschriftleiter, 1939-1941 Franz Joseph Schöningh.

Name Lebensdaten Hochland-Redakteur Bemerkung
Max Ettlinger 1877-1929 1908-1917
Konrad Weiss 1880-1940 1908-1920
Eugen Schmitz 1882-1959 1908-1921
Max (David) Fischer 1893-1954 1918-1919
(Philipp Funk) 1884-1937 (1921-1926) Als Mitarbeiter des Kösel-Verlags 1920-1926 historischer Berater von Hochland.
Friedrich Fuchs 1890-1948 1920-1932 1932-1935 Hauptschriftleiter
Otto Gründler geb. 1894 1921-1926
Wilhelm Matthiessen 1891-1965 1920-1921
Karl Schaezler geb. 1900 1925-1941 Ab 1946 Schriftleiter, 1960-1966 Hauptschriftleiter.
Franz Joseph Schöningh 1902-1960 1935-1939 1939-1941 Hauptschriftleiter, 1946-1960 Herausgeber und Hauptschriftleiter.

(nach: Muth, Carl Muth und das Mittelalterbild des Hochland, 409-425)

Literatur

  • Konrad Ackermann, Der Widerstand der Monatsschrift Hochland gegen den Nationalsozialismus, München 1965.
  • Felix Dirsch, Das "Hochland" - Eine katholisch-konservative Zeitschrift zwischen Literatur und Politik 1903-1941, in: Hans-Christof Kraus (Hg.), Konservative Zeitschriften zwischen Kaiserreich und Diktatur. Fünf Fallstudien, Berlin 2003, 45-96.
  • Maria Cristina Giacomin, Zwischen katholischem Milieu und Nation. Literatur und Literaturkritik im Hochland (1903–1918) (Politik- und kommunikationswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft 9), Paderborn 2009.
  • Gilbert Merlio, Carl Muth et la revue "Hochland". Entre catholicisme culturel et catholicisme politique, in: Michel Grunewald/Uwe Puschner (Hg.), Le milieu intellectuel catholique en Allemagne, sa presse et ses résaux (1871-1963). Das katholische Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und sein Netzwerk (1871-1963), Bern 2006, 191-208.
  • Wulfried Muth, Carl Muth und das Mittelalterbild des Hochland (Miscellanea Bavarica Monacensia 43), München 1974.
  • F. Rappmannsberger, Karl Muth und seine Zeitschrift Hochland als Vorkämpfer für die innere Erneuerung Deutschlands, München 1952.
  • Manfred Weitlauff, "Modernismus litterarius". Der "Katholische Literaturstreit", die Zeitschrift "Hochland" und die Enzyklika "Pascendi dominici gregis" Pius' X. vom 8. September 1907, in: Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte 37 (1988), 97-175. [Nochmals in: Manfred Weitlauff, Kirche zwischen Aufbruch und Verweigerung. Ausgewählte Beiträge zur Kirchen- und Theologiegeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Stuttgart/Berlin/Köln 2001, 388-460.]

Quellen

Weiterführende Recherche

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Neues Hochland

Empfohlene Zitierweise

Konrad Ackermann, Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst, publiziert am 30.03.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst> (21.01.2018)