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Mein Kampf (Adolf Hitler, 1925/26)

In der Zeitschrift Simplicissimus wurde das Erscheinen von "Mein Kampf" mit der Karikatur "Gestern noch auf stolzen Rossen ..." kommentiert. Zeichnung von Erich Schilling. Abb. aus: Simplicissimus 30 (1926), Heft 22 vom 31.8.1925, 313. (Bayerische Staatsbibliothek, 2 Per. 18 pe-30,1)
Annonce des Franz Eher Verlages für "Mein Kampf"; Völkischer Beobachter (Süddeutsche Ausgabe), Nr. 31 vom 31. Januar 1933, 4, einen Tag nach der Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) zum Reichskanzler.
Titelblatt der Erstauflage von "Mein Kampf" (1925), mit Brustbild Hitlers. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Werbeplakat für Adolf Hitlers "Mein Kampf", 1925. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Seit 1933 erschien "Mein Kampf" auch in fremdsprachigen Übersetzungen: Titelblatt der gekürzten russischen Ausgabe. "Moja bor'ba", Shanghai 1935. (Bayerische Staatsbibliothek, Biogr. 3285 m)
Mein Kampf. Ausgabe in Blindenschrift. Titelblatt, Marburg 1933 (Bayerische Staatsbibliothek, 2 38.44-1,1)
Erinnerungen Hitlers. Freie Teilübersetzung von "Mein Kampf" in persischer Sprache und arabischer Schrift, Teheran 1938 (Bayerische Staatsbibliothek A.or. 95.743).
Am 8. Januar 2016 wurde vom Institut für Zeitgeschichte erstmals eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe von Hitlers "Mein Kampf" vorgelegt. (Zur Verfügung gestellt vom Institut für Zeitgeschichte, München)

von Eberhard Jäckel und Ellen Latzin

Zentrale Programmschrift der nationalsozialistischen Weltanschauung Adolf Hitlers (1889-1945). Die Erstausgabe erschien am 18. Juli 1925 (Band 1) und am 11. Dezember 1926 (Band 2) im Franz Eher Nachf. Verlag in München. Bis 1945 wurden über 12,5 Mio. Exemplare weltweit in 16 Sprachen verkauft oder verschenkt. Nach Ende des NS-Regimes lag das Urheberrecht des Buches 70 Jahre lang beim bayerischen Finanzministerium. 2016 erschien beim Institut für Zeitgeschichte die erste umfassend kommentierte Edition von "Mein Kampf".

Entstehungsgeschichte 1924/25

Das Buch entstand unter dem Titel "Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit. Eine Abrechnung" seit Juli 1924 in der Strafanstalt Landsberg am Lech. Dort verbüßte Adolf Hitler (1889-1945) nach dem gescheiterten Putschversuch vom 8./9. November 1923 eine Festungshaftstrafe. Anders als bisher diskutiert, hat er den Text nicht anderen Personen (vermutet wurden Rudolf Heß [1894-1987] und Emil Maurice [1897-1972]) diktiert (Plöckinger, Geschichte eines Buchs, 121-153). Nach der Haftentlassung Hitlers am 20. Dezember 1924 wurde der Text mehrfach umgearbeitet und in zwei Teile aufgespalten. Wesentliche Teile des zweiten Bandes entstanden erst 1926.

Der erste Teil des Buchs erschien am 18. Juli 1925 unter dem neuen Titel "Mein Kampf. Eine Abrechnung" in einer Auflage von zunächst 10.000 Exemplaren im Franz Eher Nachf. Verlag in München, dem von Max Amann (1891-1957) geleiteten Parteiverlag der NSDAP. Den Druck besorgte das Münchner Buchgewerbehaus M. Müller & Sohn in der Schellingstraße 39/41. Der zweite Band mit dem Titel "Die nationalsozialistische Bewegung" erschien im Eher Verlag am 11. Dezember 1926 (mit Erscheinungsjahr 1927)

"Mein Kampf" wurde das erfolgreichste Produkt des Verlages, der seine Finanzen dadurch maßgeblich sanierte. Das Schicksal des Originalmanuskripts, das Hitler möglicherweise Helene Bechstein (1876-1951) schenkte, ist ungeklärt (Plöckinger, Geschichte eines Buchs, 153-157).

Hitlers "Zweites Buch", das insbesondere die außenpolitischen Erörterungen in "Mein Kampf" ergänzt, entstand im Sommer 1928. Das Manuskript blieb jedoch während der nationalsozialistischen Diktatur unveröffentlicht. Es gelangte nach Kriegsende in das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten und erschien erst 1961 als kommentierte Edition.

Verbreitung

Seit 1930 gab es "Mein Kampf" auch in einer einbändigen, ungekürzten Volksausgabe (780 Seiten) für 8 Reichsmark; bis Jahresende 1933 druckte der Eher Verlag 1,5 Mio. Bände. Seit der Machtübernahme wurde das Buch auch bei Eheschließungen, als Buchprämie beim Schulabschluss oder bei der Aufnahme in die NSDAP verteilt. Allerdings weigerten sich zahlreiche Gemeinden und Städte, unter anderem München und Nürnberg, längere Zeit, "Mein Kampf" als Hochzeitsgeschenk zu verwenden. 1939 waren 5 Mio. Exemplare erschienen, bis 1945 erreichte das Buch eine Gesamtauflage von etwa 12,5 Mio. Exemplaren. Kritische Rezensionen in der Auslandspresse nach 1933, so im Daily Telegraph oder The Times und kritische Bücher, etwa von Irene Harand (1900-1975) (1935) und Manuel Humbert (1905-1979) (1936), beeinträchtigten die Verbreitung nicht. Es wurde zudem in 16 Sprachen übersetzt.

Die Rechte für die amerikanische Ausgabe erhielten Houghton, Mifflin and Co., die am 11. Oktober 1933 die erste englische, gekürzte Übersetzung herausbrachten. Die Urheberrechte an der deutschen Ausgabe nimmt seit 1945 der Freistaat Bayern in Anspruch, dem die Alliierten nach Kriegsende die Vermögenswerte des Franz Eher Nachf. Verlags und Hitlers übertragen hatten. Nach 1945 erschien das Buch daher in zahlreichen Übersetzungen, aber nicht mehr in deutscher Sprache. Auch eine kritische Gesamtausgabe fehlt bis heute, obwohl bereits Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) in den 1950er Jahren eine kommentierte Edition anregte (Maser, Kampf, 45).

Überarbeitungen

Redaktionelle Überarbeitungen des ersten Bandes nahmen Joseph Stolzing-Cerny (1869-1942) und Ilse Pröhl (1900-1995), die spätere Frau von Rudolf Heß, vor. Den zweiten Band überarbeitete Rudolf Heß. (Vgl. Plöckinger, Geschichte eines Buchs, 121-153). Auch in den späteren Auflagen glätteten zahlreiche stilistische Verbesserungen den Redestil Hitlers.

Ferner erfuhr das Buch einige sachliche Berichtigungen. Inhaltlich gab es nur 1930 eine Änderung. Sie bestimmte, dass die Unterführer der NSDAP nicht mehr gewählt, sondern durch den ranghöheren Führer eingesetzt werden. Ansonsten blieb der Inhalt aller späteren Ausgaben unverändert.

Inhalt

Während angeblich der erste Band das Leben Hitlers und der zweite die Entwicklung der NSDAP beschreibt, soll das Buch auch, wie das Vorwort besagt, die Ziele und die Lehre Hitlers festlegen. In Wahrheit sind die autobiographischen Angaben weithin falsch und lückenhaft. Sie dienen nur als Mittel, um die erst nach 1919 entstandenen Anschauungen Hitlers scheinbar aus seinem Leben abzuleiten. Im selben Sinne tritt im zweiten Band die Parteigeschichte fast ganz hinter programmatischen Äußerungen zurück.

Das Buch erörtert alle Bereiche der Politik, beschreibt aber mit besonderer Deutlichkeit im 4. Kapitel des ersten Bandes und im 13. und 14. Kapitel des zweiten Bandes das Programm einer künftigen deutschen Außenpolitik. Deren Ziel sollte es sein, zunächst Bündnisse mit Italien und England zu schließen und dann Frankreich in einem Krieg zu besiegen, um so die Voraussetzungen zu schaffen, in Osteuropa und Sowjetrussland so genannten Lebensraum für das deutsche Volk zu erobern.

Das Buch enthält ferner Hitlers antijüdisches Programm. Während er seit 1919 zunächst nur die "Entfernung" der Juden gefordert und damit meist ihre Auswanderung oder Ausweisung aus Deutschland gemeint hatte, forderte er nun ihre Tötung, der eine Bedeutung für die ganze Welt zukomme: "Kein Volk entfernt diese Faust (des unerbittlichen Weltjuden) anders von seiner Gurgel als durch das Schwert (...) Ein solcher Vorgang bleibt aber ein blutiger". Hitler beklagte, dass es die deutsche Regierung versäumt hätte, die Juden bei Beginn des Ersten Weltkrieges "unbarmherzig auszurotten" und behauptete, dass die Niederlage nicht erfolgt wäre, wenn man 12.000 oder 15.000 von ihnen "unter Giftgas gehalten" hätte (14. und 15. Kapitel des zweiten Bandes).

Bedeutung

Die Bedeutung des Buches ist in der historischen Forschung umstritten. Während einige meinen, es habe nur der Propaganda gedient, erblicken andere in ihm, vor allem angesichts von Hitlers späterer Politik, die ernstgemeinte Darstellung seiner Ziele bereits in den 1920er Jahren. Trotz seiner weiten Verbreitung haben die Zeitgenossen das Buch insgesamt nur wenig beachtet. Verbindliche Angaben, etwa über die Zahl der deutschen Leser, gibt es nicht. 2006 versuchte Othmar Plöckinger (geb. 1965) den Mythos des "ungelesenen Bestsellers" zu widerlegen, indem er die seit 1930 intensivierte Rezeption des Buchs bei politischen Gegnern und Anhängern des Nationalsozialismus' materialreich dokumentierte. Seine Thesen stießen in der Fachwelt allerdings auf Skepsis.

Kritische Edition

Anfang 2016 erloschen die Urheberrechte an "Mein Kampf", die nach Hitlers Tod beim Freistaat Bayern lagen. Aus diesem Anlass erarbeitete das Institut für Zeitgeschichte die erste umfassend kommentierte wissenschaftliche Edition von "Mein Kampf". Die Frage, ob das für die NS-Ideologie zentrale Buch 70 Jahre nach Ende der Diktatur in Deutschland wieder verkauft werden soll, führte in der Öffentlichkeit zu erheblichen Kontroversen, in deren Verlauf das Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mit Rücksicht auf die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die Teilflörderung des Projektes zurückzog. Auch nach erfolgter Publikation der Edition, die bis Januar 2017 insgesamt 85.000 mal verkauft wurde, riss die Debatte um den Umgang mit "Mein Kampf" nicht ab; so wurde etwa diskutiert, inwieweit Passagen daraus im Schulunterricht Verwendung finden sollen.

Literatur

  • Eberhard Jäckel, Hitlers Weltanschauung. Entwurf einer Herrschaft, Stuttgart 1983.
  • Sven Felix Kellerhoff, "Mein Kampf". Die Karriere eines deutschen Buches, Stuttgart 2015.
  • Karl Lange, Hitlers unbeachtete Maximen. "Mein Kampf" und die Öffentlichkeit, Stuttgart u. a. 4. erweiterte und überarbeitete Auflage 1991.
  • Werner Maser, Adolf Hitlers Mein Kampf. Geschichte, Auszüge, Kommentare, Esslingen 11. Auflage 1981.
  • Othmar Plöckinger, Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers "Mein Kampf" 1922-1945, München 2006.
  • Antoine Vitkine, Hitlers "Mein Kampf". Geschichte eines Buches. Aus dem Franz. v. Sabine Hedinger/Sabine Schneider/Christian Stonner, Hamburg 2015.
  • Thomas Weber, Wie Adolf Hitler zum Nazi wurde. Vom unpolitischen Soldaten zum Autor von "Mein Kampf". Aus dem Engl. v. Heike Schlatterer/Karl Heinz Siber, Berlin 2016.
  • Barbara Zehnpfennig, Hitlers Mein Kampf. Eine Interpretation, München 2000.

Quellen

  • Irene Harand, Sein Kampf. Antwort an Hitler, Wien 1935.
  • Christian Hartmann u.a. (Hg.), Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. 2 Bände, München, Berlin 2016.
  • Adolf Hitler, Mein Kampf. 2 Bände, München 1925/1927.
  • Hitlers Zweites Buch. Ein Dokument aus dem Jahr 1928. Eingeleitet und kommentiert von Gerhard L. Weinberger, mit einem Geleitwort von Hans Rothfels (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 7), Stuttgart 1961.
  • Manuel Humbert, Adolf Hitlers "Mein Kampf". Dichtung und Wahrheit. Mit einem Vorwort von Heinrich Mann, Paris 1936.
  • Eberhard Jäckel zs. mit Axel Kuhn (Hg.), Hitler. Sämtliche Aufzeichnungen 1905-1924, Stuttgart 1980.
  • Othmar Plöckinger, Quellen und Dokumente zur Geschichte von "Mein Kampf" 1924-1945, Stuttgart 2016.
  • Othmar Plöckinger (Hg.), Schlüsseldokumente zur internationalen Rezeption von "Mein Kampf", Stuttgart 2016.


Weiterführende Recherche

Externe Links

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Adolf Hitler: Mein Kampf

Empfohlene Zitierweise

Eberhard Jäckel/Ellen Latzin, Hitler, Adolf: Mein Kampf, 1925/26, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hitler,_Adolf:_Mein_Kampf,_1925/26> (15.11.2018)