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Bayerische Gemeindebank

Büro in der Girozentrale der Bayerischen Gemeindebank in der Brienner Straße 49 in München. Das Foto entstand 1938/39 und gehört zu einer Serie von Stereobildern, die nationalsozialistische Musterbetriebe abbildeten. (Bayerische Staatbibliothek, Bildarchiv hoff-58143)
Büro in der Girozentrale der Bayerischen Gemeindebank an der Brienner Straße 49 in München. Das Foto entstand 1938/40 und gehört zu einer Serie von Stereobildern, die nationalsozialistische Musterbetriebe abbildeten.(Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv hoff-58188)

von Margarete Wagner-Braun

1914 gegründete Girozentrale der bayerischen Sparkassen, 1925 unter dem Namen Bayerische Gemeindebank verselbständigt. Die Gemeindebank wickelte den überörtlichen Giroverkehr ab und finanzierte kommunale Investitionsvorhaben. 1929 gründete sie auch eine Bausparkasse, die heutige LBS Bayern. 1972 fusionierte sie mit der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt zur Bayerischen Landesbank.

Stellung innerhalb der Sparkassenorganisation

Im dreistufigen Aufbau der deutschen Sparkassenorganisation gehörte die Bayerische Gemeindebank (Girozentrale) der mittleren Ebene an. Diese Gliederung entstand im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Im Zuge der in fast allen Wirtschaftsbereichen um sich greifenden Zusammenschluss- und Konzentrationstendenzen dieser Zeit begannen auch die Sparkassen, sich zu organisieren. Die große Zahl der regional tätigen Institute bildete die Basis; diese Sparkassen und ihre Gewährsträger schlossen sich auf der mittleren Organisationsstufe auf Landesebene zu regionalen Sparkassen- und Giroverbänden zusammen. Um ihre besonderen Aufgaben zu erfüllen, unterhielten diese Verbände eigene Bankanstalten oder waren an den sog. Girozentralen beteiligt. Die erste Girozentrale entstand in Sachsen im Jahre 1909. Ihr folgten 13 weitere Giroverbände/Girozentralen. Auf der obersten Ebene fungierte als gesamtdeutsches Spitzeninstitut der 1916 gegründete "Deutsche Zentral-Giroverband" zusammen mit seiner rechtlich unselbständigen Bankanstalt "Deutsche Girozentrale" (gegründet 1918).

Gründung

Um den überörtlichen Giroverkehr zu ermöglichen, gründeten am 19. Dezember 1914 45 Vertreter bayerischer Sparkassen den Giroverband Bayerischer Sparkassen als Verein des öffentlichen Rechts. Somit gilt 1914 als Gründungsjahr der Bayerischen Gemeindebank, obgleich sie erst 1917 organisatorisch zur öffentlichen Bankanstalt und ab 1925 gegenüber dem Verband für selbständig erklärt wurde und von da an als "Bayerische Gemeindebank – Girozentrale" firmierte.

Geschäftsgebiet und Filialen

Sitz des Instituts war zunächst Nürnberg und ab 1920 München. Die Nürnberger Geschäftsstelle wurde aber als Zweigstelle beibehalten. Eine weitere Filiale entstand in Kaiserslautern, in der damals noch zu Bayern gehörenden Pfalz. 1941 wurden im Zuge der Verselbständigungsbestrebungen des pfälzischen Gauleiters Josef Bürckel (1895-1944) die Sparkassen der Pfalz vom Bayerischen Sparkassen- und Giroverband abgetrennt. Die im Reichsgau "Westmark" gelegenen pfälzischen und saarländischen Sparkassen wurden organisatorisch zusammengefasst und ein eigener Saarländischer Sparkassen- und Giroverband sowie eine eigene Girozentrale mit dem Hauptsitz in Saarbrücken gegründet. Die bisherige Zweigstelle Kaiserslautern wurde von Saarbrücken aus weitergeführt.

Geschäftsfelder im Überblick

Die Bayerische Gemeindebank war in folgenden Geschäftsfeldern tätig:

Giroverkehr und Liquiditätsausgleich

Die Gründung der Bayerischen Gemeindebank fiel in die wirtschaftlich schwierige Nachkriegszeit und in die sich anschließende Zeit der Hyperinflation. Die damit einhergehende Vernichtung von Spar- und Anlagekapital stellte eine große Belastungsprobe dar. Die Pflege und der Ausbau des kommunalen Giroverkehrs gehörten zu den ursprünglichen Kernaufgaben der Girozentralen. Mithilfe dieses Geschäftsfeldes gelang es ihnen nach der Stabilisierung der Währung relativ schnell, neue Liquidität aufzubauen und sich neue Kundensegmente zu erschließen. Die Risiken des neuen Privatkreditgeschäftes brachten die Bayerische Gemeindebank allerdings in eine Krisensituation, da sie allzu großzügig Kredite an private Wirtschaftsunternehmen gegeben hatte. Die Konsolidierung erfolgte mit einer Satzungsänderung im Jahre 1925. Die internationalen Kapitalabzüge während der Bankenkrise 1931 zusammen mit den Kreditausfällen infolge der Weltwirtschaftskrise trafen die Gemeindebank weniger stark als der Ansturm auf die Spareinlagen der Sparkassen. Die Turbulenzen des Bank Run zwangen die Sparkassen nämlich, ihre Guthaben bei den Girozentralen abzuziehen, was natürlich auch diese in Liquiditätsprobleme brachte. In dieser schwierigen Lage wurde die Liquiditätsversorgung der Sparkassen zu einer wichtigen Aufgabe der Bayerischen Gemeindebank, ebenso wie die Umschuldung der Gemeinden, die während der großen Krise erhebliche Soziallasten zu tragen hatten.

Kommunalkredit

Zu den ursprünglichen Aufgaben der Bayerischen Gemeindebank gehörte neben der Abwicklung des Giroverkehrs und der Durchführung des Liquiditätsausgleichs auch das (langfristige) Kommunalkreditgeschäft. Ab 1920 stieg sie dann langsam in das Geschäft der Emission von Anleihen ein und verfügte somit über ein langfristiges Refinanzierungsinstrument zur Fundierung des Kommunalkredits. Im Jahr 1926 begann die Gemeindebank, eigene Kommunalobligationen auszugeben. Allerdings waren die Sparkassen infolge der Inflation damals noch nicht in der Lage, die Obligationen der Gemeindebank in ausreichendem Umfang zu übernehmen. Deshalb kam es, um die Platzierung der Papiere zu sichern, zur Gründung eines Übernahmekonsortiums, dem die maßgeblichen bayerischen Banken angehörten.

Nach der konjunkturellen Belebung nach der Krise 1925/26 und als Folge der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik stieg der Einlagenbestand der Sparkassen wieder deutlich an, und die Gemeindebank konnte nun ihre Obligationen vollständig im Sparkassensektor absetzen. Somit entwickelte sich das Anleihegeschäft sehr erfreulich, und die Bayerische Gemeindebank konnte bereits im Jahr 1928 mit Ausnahme zweier großer Städte das gesamte langfristige Kreditgeschäft der bayerischen Gemeinden bei sich konzentrieren.

Nach der Währungsreform 1948 war die Bayerische Gemeindebank wieder verstärkt als Finanzpartner der Sparkassen und Kommunen gefordert. Nach langen Verhandlungen erhielt sie im Jahre 1951 endlich - ebenso wie die anderen Girozentralen schon früher – das Recht zur Ausgabe von Pfandbriefen und verfügte damit über eine deutlich verbreiterte Refinanzierungsbasis.

Bausparen

1929 weitete die Bayerische Gemeindebank ihre Geschäfte aus und errichtete die "Öffentliche Bausparkasse für Bayern", die später in "Bayerische Landesbausparkasse" umbenannt wurde.

Fusion zur Bayerischen Landesbank

Die Bayerische Gemeindebank war erstens eine reine Sparkassenzentralbank und Girozentrale, zweitens die Bank der kommunalen Körperschaften und baute nach dem Zweiten Weltkrieg drittens das Privatkreditgeschäft zu einem erfolgreichen Geschäftszweig aus. Im Jahr 1972 fusionierte die Bayerische Gemeindebank mit der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt zur Bayerischen Landesbank Girozentrale.

Literatur

  • Johannes Bähr/Axel Drecoll/Bernhard Gotto, Die Geschichte der BayernLB, München 2009.
  • Hubert Bauer (Hg.), Bayern LB. Die Geschichte in Bildern, München 2009.
  • Bayerische Gemeindebank Girozentrale. Fünfzig Jahre bayerische Giroorganisation im Dienste der bayerischen Wirtschaft. 1914-1964, München 1963.
  • Ohne Verfasser, Bayerische Gemeindebank (Girozentrale) Öffentliche Bankanstalt, Zentralgeldinstitut der bayerischen öffentlichen Sparkassen, sowie der bayerischen Städte, Gemeinden und Kreise, o. O. o. J. [ca. 1945].

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Margarete Wagner-Braun, Bayerische Gemeindebank, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische_Gemeindebank> (21.06.2018)