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Notgeld

Notgeld der Stadt Bad Wörishofen, 1921. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Gutschein über 500 Mark Mindelheim, Oktober 1922. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Notgeld der Stadt München, 1923. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Weizengeld der Preysingbank Deggendorf, November 1923. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Wertbeständiges Notgeld: 2.10 Mark in Gold München, November 1923. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Notgeld Kimratshofen 1947. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Notgeld der Stadt Bad Tölz, August 1923. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)
Bäckerpfennig von 1916. (HVB Stiftung Geldscheinsammlung)

von Franziska Jungmann-Stadler

Notgeld ist Ersatzgeld. Es ersetzt in Krisenzeiten die nicht mehr funktionierende Versorgung der Bevölkerung mit staatlichen Zahlungsmitteln (oder lindert sie wenigstens). Heute ist Notgeld als Sammelgebiet von währungsgeschichtlichem, heimatgeschichtlichem und kulturgeschichtlichem Interesse.

Definition

Notgeldausgaben sind Zahlungsmittel, die in Krisenzeiten den Mangel an staatlichem Geld ausgleichen. Wenn der Staat bei Kriegsausbruch die Münzen als kriegswichtiges Metall einzieht oder in der Inflationszeit den Bedarf an Banknoten nicht mehr decken kann, dann werden Behörden, Kommunen, Firmen oder Private aus Eigeninitiative tätig. Sie emittieren dann unter staatlicher Genehmigung oder Duldung Geldscheine, die regional oder zeitlich begrenzt sein können. Diese Notgeldscheine können die verschiedensten Erscheinungsformen erhalten, aus geringwertigem Stoff (z. B. aus Altpapier, Pappe, Leder, Holz, Alufolie, Porzellan usw.) bestehen oder durch ihre Benennung (Anteilschein, Gutschein, Anweisung, Notgeld etc.) auf ihre Eigenschaft als Ersatzgeld hinweisen.

Bayerisches Notgeld im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert gab es in Bayern nur eine einzige Notgeldausgabe. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 kam es zu einer Zahlungsmittelknappheit. Die Stadt Kaiserslautern ließ daher Darlehen-Scheine in den Werten von 1,2 und 5 Gulden drucken, die sie den Firmen Eisenwerke und Kammgarnspinnerei zur Verfügung stellte.

Kleingeldausgaben ab 1914

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde das Kleingeld knapp sowohl in den Aufmarschgebieten des Heeres an den West- und Ostgrenzen, weil sich hier die Personenzahl schlagartig vermehrte und nicht genug Wechselgeld vorhanden war, als auch im Inland, wo sich der allmähliche Einzug der Münzen als kriegswichtiges Material bemerkbar machte. Viele Firmen ließen daher Notmünzen aus unedlem Metall, aus Porzellan oder Holz oder ähnlichem herstellen oder gaben Kleingeldscheine  in den Werten von 1 Pfennig bis 1 Mark aus. Dieses Kleingeld zirkulierte nur in kleinem Umkreis. In München hießen diese Scheine "Bäckerpfennige", weil sich vor allem das Lebensmittelgewerbe dieses Wechselgelds bediente. Dieses Notgeld hatte keine Rechtsgrundlage, wurde aber geduldet.

Großgeld ab 1918 bis 1921/22

Gegen Kriegsende 1918 überholte die Geldentwertung die Kleingeldausgaben, die daraufhin aus dem Verkehr verschwanden. Es wurden zunehmend größere Nominale gebraucht. Die Reichsbank erlaubte den Städten in dieser Situation, Papiernotgeld in den Werten zwischen 1 Mark und 100 Mark zu drucken. Unter Geldscheinsammlern heißt dieses Geld "Großgeld", weil im Gegensatz zur vorhergehenden Kleingeldperiode hier nur mehr Werte in Mark emittiert wurden. Als die Reichsbank weder in der Lage war, genügend Zahlungsmittel zu drucken, wurde das Großgeld um die Jahreswende 1921/22 wieder eingezogen.

Ein Sonderfall sind die sog. Serienscheine. Nach Kriegsende 1918 etablierte sich sehr schnell ein Sammlermarkt  für das bis dahin ausgegebene Notgeld. Als viele Städte mit immer häufigeren Wünschen nach eingezogenen Notgeldscheinen konfrontiert wurden, beschlossen viele, selbst solche herzustellen und wurden auch durch spezialisierte Druckfirmen dabei unterstützt. Diese Sammlerscheine waren nicht für den Umlauf als Zahlungsmittel bestimmt, sondern bedienten nur ein Sammlerinteresse. Serienscheine werden sie deshalb genannt, weil meistens eine Serie von 4 bis 6 Scheinen Szenen aus der Geschichte, wichtige Gebäude oder Personen der betreffenden Stadt darstellt. In bunten Farben gedruckt, findet man sie heute noch auf jedem Flohmarkt. Interessant sind sie auch deswegen, weil sie auf Grund ihrer hohen Druckauflage eine weitverbreitete Städtereklame darstellten.

Ausgaben in der Hyperinflation bis 1924

Ein Reichsgesetz vom 17. Juli 1922 (RGBl. I, 693) verbot zwar neue Notgeldausgaben und auch die Ausgaben für Sammlerzwecke (Serienscheine), die anziehende Inflation machte diese Bemühung um Ordnung des Geldwesens jedoch zunichte, so dass bereits ab dem 25. Juli 1922 wieder Notgeldausgaben gedruckt werden mussten.

Ab Mitte 1923 gab es bei der Ausgabe von Notgeld kein Halten mehr. Wie beim staatlichen Geld folgten auch beim Notgeld den Tausendern die Millionen- Milliarden und Billionenscheine. Es gab kaum eine Behörde, eine Kommune, eine Bank oder ein Unternehmen, das nicht Notgeld ausgegeben hat. Das Notgeld überwog die staatlichen Zahlungsmittel bei weitem. Für die Emittenten war das ein sicheres Geschäft. Sie gaben Scheine mit der Kaufkraft des Ausgabetags aus und nahmen sie mit der gesunkenen Kaufkraft des Rückgabetags wieder ein. Der Besitzer des Notgelds trug das Risiko der Entwertung allein.

Wertbeständiges Notgeld

Gegen Ende der Hyperinflation im Herbst 1923 gaben Banken und private Unternehmen ein sog. wertbeständiges Notgeld aus, das nicht auf Mark, sondern auf eine Warenmenge lautete. Es waren Sachwertgutscheine, die auf Roggen, Weizen, Speck, Zucker, Kartoffeln, Buchenholz oder ähnlichem  lauteten in Umlauf. Durch Erlass der Reichsregierung vom 23. Oktober 1923 konnten dann solche Notgeldausgaben genehmigt werden, wenn zur Deckung Teile der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches hinterlegt wurden. Diese wertbeständigen Notgeldscheine lauteten auf Goldmark.

Es erfolgte die Stabilisierung der Mark durch die Einführung der Rentenmark. Eine wichtige Maßnahme dazu war die Bekämpfung des Notgelds. Seit 17. November 1923 wies die Reichsbank ihre Kassen und Zweigstellen an, kein Notgeld mehr in Zahlung zu nehmen, sondern präsentierte es den Ausgebern zur Einlösung bis zum 26. November. Damit endeten jegliche Notgeldemissionen.

Notgeld 1947/48

In den Jahren 1947 und 1948 kam es in Bayern erneut zur Ausgabe von Notgeld, das regional den Mangel an Scheidemünzen beheben sollte. Es lautete meist auf 10 oder 50 Pfennig. Es sind bisher 25 Gemeinden bekannt, die rund 200 verschiedene Kleingeldwerte herausgaben. Mit der Währungsreform 1948 verschwand dieses Notgeld wieder.

Literatur

  • Katharina Depner, Banknoten und Notgeld, in: Schönere Heimat 107. (2018), 164-174 [dort Abbildungen und weiterführender Literatur].
  • Albert Pick, Das Papiergeld Bayerns. Staatspapiergeld, Banknoten und Notgeld, Regenstauf 1989.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Kriegsnotgeld, Nachkriegsnotgeld, Inflationsgeld

Empfohlene Zitierweise

Franziska Jungmann-Stadler, Notgeld, publiziert am 13.06.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Notgeld> (10.12.2018)