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Spartakusbund, 1915-1919

Rose Luxemburg. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Karl Liebknecht. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Max Levien, antisemitische Propagandapostkarte [Levien war nicht jüdischer Herkunft!] mit der Aufschrift "Levin (Jude), ein gefährlicher Demagoge". (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Friedbert Mühldorfer

Anfang 1915 im Umkreis von Karl Liebknecht (1871-1919) und Rosa Luxemburg (1871-1919) entstandene Gruppe radikaler Pazifisten und Sozialisten innerhalb der SPD, benannt nach dem Anführer eines Sklavenaufstandes im Römischen Reich. Der Spartakusbund - damals noch "Gruppe Internationale" - schloss sich 1917 der USPD an und ging zum Jahreswechsel 1918/19 mit anderen linksradikalen Gruppen in der KPD auf.

Vorgeschichte und Entwicklung bis Kriegsende 1918

Die wachsende Kritik innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an der offiziellen Parteilinie (Zustimmung zu Kriegskrediten, "Burgfriede" mit Staat und Unternehmern während des Krieges) führte am 5. März 1915 zur Bildung der oppositionellen Gruppe "Internationale" u. a. um Rosa Luxemburg (1871-1919) und den SPD-Abgeordneten Karl Liebknecht (1871-1919). Ihre Mitglieder vernetzten sich zunächst reichsweit nur lose und nahmen an internationalen Konferenzen radikaler Pazifisten und Sozialisten teil. Als Mitteilungsblatt wurden seit dem 27. Januar 1916 "Politische Briefe" illegal herausgegeben und verschickt, unterzeichnet "Mit Parteigruß Spartakus" in direkter Bezugnahme auf den Anführer des Sklavenaufstandes im Römischen Reich. Von September 1916 bis Oktober 1918 erschienen zwölf solcher illegaler Schriften unter dem Titel "Spartacus". Aufgrund dessen wurde der Name Spartakusgruppe bzw. "Spartakisten" für die Anhänger der Gruppe "Internationale" verwendet.

Die zunehmende Zahl oppositioneller Abgeordneter führte zu deren Ausschluss aus der SPD und zur Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) am 8. April 1917, der sich die Spartakusgruppe als linker Flügel mit eigenem Gruppenstatus anschloss.

Die politische Linie der USPD (sofortiges Kriegsende, Sturz der kaiserlichen Regierung, "echte" Demokratisierung mit Sozialisierungen, Räterepublik) fand in den Revolutionstagen ihren Ausdruck in der Ausrufung der "freien sozialistischen Republik" am 9. November 1918 durch Karl Liebknecht als Reaktion auf die unmittelbar vorher verkündete "Deutsche Republik" durch Philipp Scheidemann (1865-1939) von der Mehrheits-SPD (MSPD). Am gleichen Tag erschien erstmalig die Tageszeitung "Die Rote Fahne" als Organ des Spartakus.

Die seit 11. November 1918 in "Spartakusbund" umbenannte Gruppe verblieb zunächst noch in der USPD und hoffte auf deren revolutionäre Umgestaltung, bemühte sich aber zugleich um den Aufbau eigener reichsweiter Organisationsstrukturen.

Dass der "Rat der Volksbeauftragten" mit den alten Eliten des Kaiserreichs zusammenarbeitete und sich auf die Durchführung von Parlamentswahlen konzentrierte, bewertete der Spartakusbund als Verrat an der Revolution. Er propagierte stattdessen die Errichtung einer deutschen Räterepublik nach russischem Vorbild als Teil der notwendigen Weltrevolution.

Aufgrund der organisatorischen und personellen Schwäche, v. a. aber aufgrund der geringen Verankerung innerhalb der Betriebe und Gewerkschaften blieb der direkte Einfluss der Spartakusgruppe auf die politische Entwicklung insgesamt eher gering – trotz zunehmender Massenkundgebungen. Dies zeigte auch die Entscheidung des 1. Reichsrätekongresses in Berlin, der sich am 20. Dezember 1918 mit großer Mehrheit für Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung aussprach; damit wurde der u. a. vom Spartakusbund propagierten Räterepublik eine Absage erteilt.

Da auch innerhalb der Berliner USPD die Spartakuspositionen keine Mehrheit fanden, gründete ein Spartakus-Reichskongress (30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919) zusammen mit den "Internationalen Kommunisten Deutschlands" eine eigenständige revolutionäre Partei, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Bis 1920 trug die Partei noch den Zusatz "Spartakusbund".

Spartakusbund in Bayern

Entsprechend der überragenden Rolle Berlins ist die Geschichte des Spartakusbundes wesentlich an dieses politische Zentrum gebunden; von dort gingen auch nahezu alle - v. a. publizistischen - Impulse für die regionalen Gruppen aus, die zunächst in den traditionellen Schwerpunkten der Arbeiterbewegung in West-, Nord- und Mitteldeutschland entstanden.

Trotz zunehmender Diskussion innerhalb der bayerischen Sozialdemokratie und der folgenden Abspaltung der USPD bildeten sich bis in die Revolutionstage keine organisatorischen Strukturen einer Spartakusgruppe in Bayern.

Erste Gruppen entstanden im November 1918 in Ingolstadt und Burglengenfeld, gefolgt von München, wo am 11. Dezember 1918 zu einer Versammlung des Spartakusbundes eingeladen wurde.

Als Urheber der Münchner Gruppe gelten der Naturwissenschaftler Dr. Max Levien (1885-1937), der im bayerischen Leibinfanterieregiment gedient hatte und im November 1918 nach München kam, sowie der Schriftsetzer Hans Kain (1887-1926). Da Erich Mühsam (1878-1934) zentralistische Positionen strikt ablehnte, gelang es zwar nicht, seine am 30. November 1918 gegründete "Vereinigung Revolutionärer Internationalisten Bayerns" (VRI) in eine Ortsgruppe des Spartakusbundes umzubilden, wie Levien vorgeschlagen hatte. Allerdings gehörten viele VRI-Mitglieder zum Kern der später gegründeten KPD in München.

Ebenfalls im Dezember 1918 entstand in Nürnberg eine Ortsgruppe des Spartakusbundes.

Max Levien als Redner während einer Kundgebung der Münchner Kommunistischen Partei auf dem Oberwiesenfeld, 7. April 1919. (Stadtmuseum München, Fotomuseum)

Arbeiter- und Soldatenräte als Betätigungsfeld

Spartakusmitglieder kamen meist aus SPD-, USPD- bzw. Gewerkschaftsmilieu oder entwickelten entsprechende Kontakte während der Kriegszeit oder beim Fronturlaub. Zur Politisierung trug oftmals in besonderem Maße die Teilnahme an den Streiks Ende Januar/Anfang Februar 1918 bei. Nach der Rückkehr aus dem Krieg waren sie häufig als Mitglieder von Soldaten- und Arbeiterräten aktiv.

Wesentliches Betätigungsfeld der Mitglieder des Spartakusbundes war die Propagierung ihrer Ziele in politischen Versammlungen sowie v. a. in Kasernen und Betrieben. Sie forderten, die volle Macht auf die Arbeiter- und Soldatenräte im Sinne einer Räterepublik nach russischem Vorbild zu übertragen und Sozialisierungen als Antwort auf die als unentschlossen kritisierte Politik der Eisner-Regierung und auf die Zusammenarbeit der bayerischen SPD mit den bürgerlichen Kräften konsequent durchzuführen.

Übergang zur KPD 1919

An der Reichskonferenz des Spartakusbundes vom 30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919 in Berlin nahmen aus Bayern bzw. München Levien und Kain sowie Friedrich Albert Fister (geb. 1889) für die "Internationalen Kommunisten Deutschlands", teil, denen sich die VRI angeschlossen hatte. Mit der Gründung der Kommunistischen Partei auf dieser Konferenz in Berlin strebten auch die Spartakisten in Bayern nach einer eigenständigen revolutionären Partei, die als KPD in München seit Januar 1919 in Erscheinung trat.

Namensgleiche Organisation in der Bundesrepublik

Auf die Tradition des Spartakusbundes berief sich der 1971 gegründete, 1990 nach der Wiedervereinigung aufgelöste und der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) nahestehende "Marxistische Studentenbund Spartakus".

Literatur

  • Hans Beyer, Die Revolution in Bayern 1918-1919, Berlin Ost 2. Auflage 1988.
  • William A. Pelz, The Spartakusbund and the German working class movement 1914-1919, Lewiston 1988.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Spartakisten, Gruppe Internationale

Empfohlene Zitierweise

Friedbert Mühldorfer, Spartakusbund, 1915-1919, publiziert am 04.06.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Spartakusbund,_1915-1919> (17.11.2018)