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Amberger Hochzeit, 1474

Kupferstich von Johann Georg Wisger; dargestellt sind von links nach rechts: Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz (reg. 1437-1449) und seine Gemahlin Margarete (gest. 1479), Kurfürst Friedrich I. sowie das Brautpaar der Amberger Hochzeit, Kurfürst Philipp und seine Gemahlin Margarete. (Stadtmuseum Amberg, Foto: Wolfgang Steinbacher)
Amberger Hochzeitsbrunnnen. Der im Jahr 2000 gestaltete Brunnen zeigt das Brautpaar Margarete von Bayern-Landshut und Philipp von der Pfalz, flankiert von zwei Narren. (Künstler: Engelbert Süß, Foto: Stadt Amberg)

von Johannes Laschinger

Die Hochzeit Margaretes (1456-1501), Tochter von Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut (reg. 1450-1479), mit dem pfälzischen Kurprinzen Philipp (reg. 1476-1508) 1474 ist als "Amberger Hochzeit" bekannt. Die ausschweifend und glanzvoll gefeierte Vermählung wurde von Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz arrangiert. Anhand mehrerer überlieferter Quellen kann der Ablauf der Hochzeit genau rekonstruiert werden. Durch den Historiker Max Buchner (1881-1941) rückte das in Vergessenheit geratene Ereignis wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Einführung: Wiederentdeckung Anfang des 20. Jahrhunderts

Die glanzvolle Vermählung des pfälzischen Kurprinzen Philipp (reg. 1476-1508) mit Margarete (1456-1501), der Tochter Herzog Ludwigs IX. von Bayern-Landshut (reg. 1450-1479), im Jahr 1474 fand wohl erst seit den Arbeiten des Münchner Historikers Max Buchner (1881-1941) als "Amberger Hochzeit" Eingang in die Geschichtsbücher. Bereits 1374 war die Stadt Schauplatz einer fürstlichen Vermählung gewesen (gemeint ist die Eheschließung des späteren Kurfürsten Ruprechts III. [reg. 1398-1410, 1400-1410 als römisch-deutscher König Ruprecht I.] mit Elisabeth (1329-1375), einer Tochter Burggraf Friedrichs V. von Nürnberg [reg. 1357-1397]). Auffällig ist die zeitliche Nähe der Arbeiten Buchners zur Wiederentdeckung und -belebung der "Landshuter Hochzeit" durch den dort 1902 gegründeten Verein "Die Förderer".

Vorgeschichte

Ursprünglich hatte Kurfürst Friedrich I. (reg. 1449-1451 als Vormund, 1451-1476 als Kurfürst), der Onkel und frühere Vormund Pfalzgraf Philipps, geplant, seinen Neffen mit der Erbtochter des Grafen von Katzenellenbogen zu vermählen. Damit wollte Friedrich die rechtsrheinischen Besitzungen der Kurpfalz vergrößern. Da Philipp aber nicht zustimmte, wurde 1468 bei einem Treffen Kurfürst Friedrichs mit Herzog Ludwig IX. dem Reichen von Bayern-Landshut eine Vermählung mit dessen Tochter Margarete - eine nicht nur aus Pfälzer Sicht durchaus lukrative Partie - ins Auge gefasst. Letztere war eigentlich bereits Graf Eberhard V. von Württemberg-Urach (reg. 1459-1495 als Graf, 1495-1496 als Herzog Eberhard I.) zugedacht. Dieses Projekt scheiterte jedoch aus politischen Gründen.

So wurde am 23. Februar 1468 mit der Einwilligung Philipps und Margaretes ein Ehevertrag zwischen Friedrich und Ludwig geschlossen. Diesem zufolge hätte die Vermählung am 8. Juli 1473 in Heidelberg stattfinden sollen. Ein Jahr nach dem Ehevertrag trachtete Friedrich jedoch danach, für seinen Neffen die Hand Marias (1457-1482), der Erbtochter Herzog Karls I. des Kühnen (reg. 1467-1477) von Burgund, zu gewinnen. Dies unterstreicht, dass die Motivation einer Eheanbahnung im Hochadel immer ein "Überlagerungsfeld sozialer und politischer Verhaltensweisen" (Karl-Heinz Spieß) war. Nachdem der pfälzisch-burgundische Heiratsplan am Ende des Jahres 1473 endgültig aufgegeben werden musste, wurde das pfälzisch-bayerische Eheprojekt wieder aufgenommen und im Februar 1474 in Amberg realisiert.

Vorbereitung der Hochzeit

Die Amberger Hochzeit faszinierte die Menschen, wie Fürstenhochzeiten im Spätmittelalter überhaupt eine enorme Strahlkraft besaßen. Zeitgenossen beeindruckte die Vielzahl der adeligen Gäste, die sich im Turnier und im Tanz manifestierende höfische Pracht und die großen Mengen an verbrauchten hochwertigen Speisen und Getränken. Diese Wirkung war durchaus gewollt, denn derartige Hochzeiten ermöglichten es sowohl Gastgebern als auch Gästen, ihre politische Potenz und ihren sozialen Ranganspruch darzustellen (Gabriel Zeilinger).

Die Quellenlage ist im Hinblick auf die Amberger Hochzeit sehr gut, wobei zu beachten bleibt, "dass die Quellen zu den Fürstenhochzeiten als Zeugnisse exponierter dynastischer Ereignisse auch eine ungleich höhere Überlieferungschance hatten als Schrifttum zu periodisch häufiger auftretenden Festen" (Gabriel Zeilinger).

Zunächst ist die "Ordnung der hochzit pfalzgraff Philips zu Amberg" zu nennen, die aus verschiedenen einzelnen Ordnungen besteht, die geradezu generalstabsmäßig ausgearbeitet der Vorbereitung des großen Ereignisses dienen sollten. Die erste legt den persönlichen Dienst fest, der den Gästen beigegeben wurde. Mit der zweiten wurden die Aufgaben des Amberger Rates geregelt, die vor allem auf Beherbergung der zahlreichen Gäste (und ihrer Pferde) sowie deren Sicherheit durch eine Beleuchtung von Straßen und Plätzen abzielten. Weitere Festschreibungen hatten die Ausstattung der Gemächer des Schlosses, die Vorbereitung von Küche und Keller aber auch die des Marstalls zum Gegenstand.

In den zuletzt genannten Bestimmungen finden sich die ungeheuren Mengen an Lebensmitteln, die aus der Umgebung Ambergs angefordert wurden. Zur Lieferung von Ochsen, Kälbern, Spanferkeln, Frischlingen, Kapaunen, Hühnern und Eiern, Wildbret oder Fisch wurden neben der Vogtei und dem Kastenamt Amberg auch die Ämter Nabburg, Vilseck, Grafenwöhr und Waldeck sowie die Klöster Ensdorf und Kastl verpflichtet. Alleine aus der Vogtei Amberg kamen 3.000 Hühner, 6.000 Eier, 300 Kälber, 100 Kapaune und 100 Spanferkel. Teure Gewürze, wie Safran, ebenso wie Mandeln, Feigen, Rosinen und Essig wurden von Heidelberg aus nach Amberg gebracht. Exorbitant war aber auch die Menge an Weinen. Eingelagert wurden in Massen "Luxusgewächse" wie Malvasier und Reinfal, desgleichen italienischer Wein und Frankenwein, allein von letzterem mehr als 100.000 Liter. "Gerade aber in solchen Festmählern und ihren als öffentliches Spektakel inszeniertem Nahrungskonsum wurde die Alltagsroutine durchbrochen, der Luxus dieser Bankette war ein wichtiger Bestandteil in den Verhaltensformen des demonstrativen Konsums" (Gerhard Fouquet).

Ablauf der Hochzeit

Genaue Kenntnisse über den Ablauf des Festes verdanken wir einem Bericht des kurpfälzischen Kanzlers und Speyerer Bischofs Mathias Ramung (reg. 1464-1478). Diese Darstellung war als Information für Kurfürst Friedrich I. gedacht, der aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht an der Hochzeit teilnehmen konnte. Ein detailliertes Teilnehmerverzeichnis rundet die Überlieferung zur Amberger Hochzeit ab.

Der Kanzler beginnt seinen Bericht mit der Ankunft des Bräutigams, Pfalzgraf Philipps, am 19. Februar 1474. In dessen Begleitung befanden sich nicht nur seine aus dem Haus Savoyen stammende Mutter Margarete (gest. 1479) und seine Tante, Herzogin Mechthild von Österreich (1419-1482), sondern auch Graf Eberhard V. von Württemberg, dem die Braut ursprünglich zugedacht gewesen war, sowie Ramung selbst. Vom Amberger Viztum, Landgraf Friedrich V. von Leuchtenberg (reg. 1463-1487), bayerischen Rittern und Amberger Bürgern wurden die Ankömmlinge eine halbe Meile vor der Stadt empfangen. Ramung rühmt dabei das äußere Erscheinungsbild ihres Zuges "mit dem schonsten raisigem geczeug, der lang zeit von sovil volks in einer farb nit gesehen [worden] ist".

Am Sonntag, dem 20. Februar 1474, brachen Philipp und Kurfürst Ernst von Sachsen (reg. 1464-1486) mit großem Gefolge in Amberg auf und ritten der Braut entgegen, die von 1.000 rot gekleideten Reitern begleitet wurde. Vor dem Abendessen erfolgte die Trauung im Schloss durch den Regensburger Bischof, wobei die Braut "ain gulden stück", der Bräutigam "von silber ganz weiß ain stuck" trugen. Nach dem Abendessen und Tanz wurde die Braut um zehn Uhr zu Bett gebracht, wo sie am nächsten Morgen ihre Morgengabe, die übliche finanzielle Zuwendung des Bräutigams an die Braut, erhielt: 10.000 Gulden und ein kostbares Halsband. Daran schloss sich der Kirchgang an, wobei das Paar an der Kirchentüre vom Regensburger Bischof gesegnet wurde. Dass auch dies ein Akt fürstlicher Repräsentation war, zeigt die Kleidung der Braut. Sie trug "drei gulden rock und drei gulden schauben, und ir harpant was kostlich unter augen, einer nidern kron gleich; sonst hat sy noch mehr von halßpant oder kleinoter an der prust [ge]tragen". Am Montag Nachmittag wurden wie bereits am Dienstag Turniere abgehalten. Am Aschermittwoch, dem 23. Februar 1474, endete die Hochzeit mit dem "gesellenstechen".

Philipp und seine Gemahlin blieben nach den Hochzeitsfeierlichkeiten in Amberg, wo der Pfalzgraf am 14. April 1474 zum Administrator der Oberpfalz bestellt wurde. Nach dem Tod seines Onkels, Kurfürst Friedrichs I., am 12. Dezember 1476, löste Philipp seine Amberger Hofhaltung auf und begab sich nach Heidelberg. Aus der Ehe Philipps mit Margarete gingen 14 Kinder hervor, darunter der Thronfolger Kurfürst Ludwig V. (reg. 1508-1544) und dessen Erbe, Kurfürst Friedrich II. (reg. 1544-1556).

Die "Amberger Hochzeit" als historisches Festspiel

Zur 900. Wiederkehr der ersten Nennung Ambergs im Jahr 1934 wurde ein von Eugen Hubrich (1895-1963) verfasstes Festspiel "Amberger Blut" aufgeführt, das den gegen Kurfürst Friedrich I. gerichteten "Amberger Aufruhr" von 1453/54 und die "Amberger Hochzeit" von 1474 thematisierte. Die mit der Erstaufführung begründete Amberger Festspieltradition endete mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Seine letzten Aufführungen erlebte das von Hubrich "überarbeitete" Stück 1953. Ein Jahr später präsentierte sich das gesamte Ensemble des "Amberger Bluts" im Kostüm beim Empfang von Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) in Amberg; eine weitere Aufführung fand nicht mehr statt.

Nachdem im Jahr 2000 der von dem Künstler Engelbert Süß geschaffene "Hochzeitsbrunnen" auf dem Marktplatz aufgestellt worden war, begründete der hiesige "Verein für erlebte Geschichte 'Cantus Ferrum'" ein Jahr später eine neue Tradition: alle zwei Jahre veranstaltet dieser das "Amberger Brunnenfest", unter anderem mit einem Festzug des Brautpaares der Amberger Hochzeit durch die Straßen der Stadt.

Literatur

  • Max Buchner, Die Amberger Hochzeit (1474). Ein Beitrag zur politischen und kulturellen Geschichte des ausgehenden Mittelalters, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Neue Folge 25 (1910), 584-604 und Neue Folge 26 (1911), 95-127.
  • Gerhard Fouquet, Weinkonsum in gehobenen städtischen Privathaushalten des Spätmittelalters, in: Michael Matheus (Hg.), Weinproduktion und Weinkonsum im Mittelalter (Geschichtliche Landeskunde 51), Stuttgart 2004, 133-179, bes. 141.
  • Lothar Kolmer, Die Amberger Hochzeit von 1474. Turnieren. Tanzen. Trinken, in: Johannes Laschinger (Hg.), Aus Ammenberg wird Amberg. Historische Vorträge aus 975 Jahren Amberger Geschichte (Schriftenreihe zur Geschichte und Kultur der Stadt Amberg 5), Amberg 2010, 208-222.
  • Franz Prechtl, Die "Amberger Hochzeit" 1474. Eine "Hochzeit" für Amberg, Amberg 1997.

Quellen

  • Bericht des Kanzlers Ramung, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakten 959.
  • Max Buchner, Quellen zur Amberger Hochzeit von 1474, in: Archiv für Kulturgeschichte 6 (1908), 386-438.
  • Ordnung der Hochzeit Pfalzgraf Philipps, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Geheimes Hausarchiv, Pfälzer und Pfalz-Neuburger Akten 2381b, fol. 17r-34v.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Johannes Laschinger, Amberger Hochzeit, 1474, publiziert am 18.04.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Amberger_Hochzeit,_1474> (20.09.2018)