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Deutsche Kampfspiele, Nürnberg, 23.-29. Juni 1934

Aus Historisches Lexikon Bayerns

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von Maria Dechant

Kopfzeile bei der Berichterstattung über die Deutschen Kampfspiele in Nürnberg im Fränkischen Kurier vom 25. Juli 1934.

Die Idee leistungssportlicher Wettkämpfe unter dem Titel 'Deutsche Kampfspiele' entstand Ende des 19. Jahrhunderts als nationale Initiative. Nach den ersten Durchführungen in der Weimarer Republik setzten sie die Nationalsozialisten 1934 fort. Die Kampfspiele fanden in diesem Jahr in Nürnberg sowie an verschiedenen weiteren Austragungsorten statt und umfassten zahlreiche Wettkämpfe, darunter auch deutsche Meisterschaften, ergänzt durch ein umfangreiches Rahmenprogramm. Für die Nationalsozialisten war der nationale Grundgedanke der Veranstaltung nutzbar, den sie zudem durch spezifische Elemente ihrer Ideologie erweiterten. Eine umfassende Durchdringung des Festes konnten sie jedoch nicht erreichen. Dennoch stellten die Deutschen Kampfspiele 1934 unter den Nationalsozialisten seit Entstehung der Idee zum ersten Mal ein zentrales nationales Sportfest dar.

Entwicklung im Kaiserreich

Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich der Zentralausschuss zur Förderung des Volks- und Jugendspiels in Deutschland, nationale Volksfeste zu reformieren. Daraus entstand die Idee eines national ausgerichteten 'Deutschen Olympia', das sich im Sinne von antiken Spielen auf den Nationalgedanken konzentrieren sollte. Der neugegründete Reichsausschuss für deutsche Nationalfeste sollte regelmäßige Kampfspiele organisieren. Diese waren erstmals 1900 im Niederwald bei Rüdesheim (Hessen) vorgesehen; fehlende finanzielle Mittel, Konflikte unter Sportverbänden und die aufwendige Umgestaltung des Austragungsortes verzögerten allerdings die Umsetzung. Erst 1913 griff der Deutsche Reichsausschuss für Olympische Spiele die Idee wieder auf und plante ein 'Nationales Olympia' für 1915, das aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert wurde.

Durchführung der Kampfspiele in der Weimarer Republik

Nach Kriegsende knüpfte der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen an das Vorhaben der Kampfspiele an und plante die erste Austragung für das Jahr 1922, weiterhin im national-konservativen Geist der Kaiserzeit. In diesem Zusammenhang fand im Januar eine Wintersportwoche in Garmisch-Partenkirchen statt, am 18. Juni wurden die ersten Deutschen Kampfspiele in Berlin eröffnet – erstmals als gemeinsames nationales Sportfest der großen Turn- und Sportverbände. Teilnehmer waren Deutsche aus dem In- und Ausland. Das Programm umfasste Mannschafts- und Individualsportarten, wie Fußball, Tauziehen und Leichtathletik.

Auch die Kampfspiele 1926 sollten nationale Einheit symbolisieren, was jedoch nur eingeschränkt gelang. Verbandskonflikte führten dazu, dass die Winterspiele an zwei Orten, im Schwarzwald (Baden-Württemberg) und Garmisch-Partenkirchen, stattfanden. Die Sommerspiele vom 4. bis 11. Juli wurden als Symbol für die Zusammengehörigkeit mit den besetzten Gebieten im Rheinland ausgetragen, bewusst in Köln, wo sie nach dem Abzug alliierter Truppen als Befreiungsfest begangen wurden.

Den Auftakt der Kampfspiele 1930 bildete die Winterveranstaltung im Januar im schlesischen Krummhübel, die Sommerspiele folgten vom 25. bis 27. Juli in Breslau. Der Austragungsort sollte die Verbundenheit mit den Deutschen im Osten betonen, doch wirtschaftliche Probleme und das nachlassende Interesse der Sportverbände führten zu geringer Beteiligung. Dementsprechend fehlten viele Spitzensportler und es folgte breite Kritik.

Deutsche Kampfspiele 1934

Bewerbungen und Zuschlag für Nürnberg 1934

Bereits 1932 hatte der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen Nürnberg als Austragungsort der nächsten Kampfspiele festgelegt. Nach dem Bekanntwerden dieser Entscheidung in der Presse Ende 1933 bemühte sich jedoch auch Frankfurt am Main um die Veranstaltung. Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (NSDAP, 1887-1943) lehnte dies ab und hielt am ursprünglichen Beschluss fest. Er begründete dies mit der zentralen Lage Nürnbergs im Reich und seiner künftigen Funktion als Austragungsort der Reichsparteitage.

Planung

Die Planung der Deutschen Kampfspiele 1934 oblag dem Kampfspielausschuss, der sich aus Vertretern der Sportverbände, des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen – der sich kurz darauf auflöste und durch den Reichssportführer ersetzt wurde – sowie der Stadt Nürnberg zusammensetzte. Den Vorsitz führte der Leiter der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik, Karl Ritter von Halt (NSDAP, 1891-1964). Zur Organisation der Veranstaltung wurden zahlreiche Unterausschüsse gebildet. Reichssportführer Tschammer setzte sich bei der Programmplanung dafür ein, die Kampfspiele in Nürnberg als Zusammenführung sämtlicher deutscher Meisterschaften zu gestalten. Zudem sollten sie als Erprobungs- und Sichtungsveranstaltung für die Olympischen Spiele 1936 dienen und damit eine frühzeitige Demonstration der sportlichen Leistungsfähigkeit des Deutschen Reiches zwei Jahre vor den Spielen darstellen.

Ablauf, Sportwettbewerbe und Rahmenprogramm

Als Vorlauf fanden vom 26. Januar bis 4. Februar die Winterkampfspiele in Braunlage und Schierke (Niedersachsen) mit Ski-, Bob-, und Rodelsport, Eislaufen, Eisschießen sowie Eishockey statt. Die Sommerkampfspiele wurden am 23. Juli offiziell eröffnet, aufgrund des umfangreichen Programms wurden die Wettkämpfe allerdings bereits vom 21. bis 29. Juli ausgetragen. Im Zentrum standen Wettkämpfe, oft auch in Form von Meisterschaften, insbesondere in Kampfsportarten wie Boxen, Jiu-Jitsu und Ringen. Zahlreiche Ballspiele, darunter Fußball, Faustball, Handball, Schlagball, Wasserball, Hockey und Kegeln, wurden ebenfalls durchgeführt, ebenso wie Kraftsport, Leichtathletik, moderner Fünfkampf, Fechten und Schießen, Reit- und Radsport, Rollkunstlauf sowie Tauziehen. Viele Wassersportarten wurden an andere Austragungsorte verlegt. So waren in Nürnberg lediglich Schwimmen und Kanupolo vertreten.

Neben den eigentlichen Wettkämpfen fand ein vielfältiges Rahmenprogramm statt, darunter Sportvorführungen, Paraden, Konzerte und die 'Deutsche Kampfspiel-Ausstellung', die unter anderem die Geschichte des Sports in Nürnberg beleuchtete. Im Zentrum standen große Festakte wie die Eröffnungsfeier. Diese fand am 24. Juli statt und begann – wie auch die Abschlussfeier - mit dem Einmarsch verschiedener Verbände und Teilnehmerinnen und Teilnehmer, angeführt von SA und SS. Es folgten Reden des Nürnberger Oberbürgermeisters Willy Liebel (NSDAP, 1897-1945) und des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten.

Am 26. Juli wurde für Auslandsdeutsche der 'Deutsche Abend' mit Musik und Reden veranstaltet. Im Rahmen der Kampfspiele fand am 27. Juli auch der erste Kongress des Deutschen Reichsbunds für Leibesübungen statt, der im Wesentlichen aus einer Rede des Reichssportführers bestand, in der er die propagandistischen Heilsversprechen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wiederholte und die 'Gleichschaltung' aller Sport- und Turnverbände unter dem Einheitsverband des Reichsbunds verkündete. Die Abschlussfeier der Kampfspiele kombinierte Vorführungen mit den letzten Wettkämpfen, darunter das Fußballendspiel um den 'Adolf-Hitler-Pokal'. In seiner abschließenden Rede betonte Tschammer die Einigkeit der Sportler – im Sinne des nationalsozialistischen Ideologie von 'Volksgemeinschaft' und 'Gleichschaltung' der Sportverbände.

Austragungsorte

Stadionbad Nürnberg, Postkarte 1934. (Stadtarchiv Nürnberg, A 5 Nr. 1085)

In Nürnberg selbst wurden die Wettkämpfe unter anderem im Stadion, der Luitpoldhalle und der Tiergartenhalle ausgetragen. Für einige Sportarten bot die Stadt jedoch weder die geografisch günstigste Lage noch geeignete Sportstätten. Daher fanden die Kampfspiele an sieben weiteren Austragungsorten statt. So wurden die Tennismeisterschaften in München und die Bahnradmeisterschaften in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) durchgeführt. Vor allem Wassersportarten wurden ausgelagert: Die Motorbootrennen fanden auf dem Templiner See bei Potsdam statt, Segelwettbewerbe in Kiel, Ruderwettkämpfe in Mainz, Faltbootwettkämpfe am Starnberger See und die Kajak- sowie Kanadierwettbewerbe in Hamburg.

Teilnehmende und Zuschauende

Insgesamt nahmen an den Deutschen Kampfspielen im Sommer rund 8.000 Sportlerinnen und Sportler teil. An den Winterkampfspielen sollten sich ursprünglich sowohl in- als auch auslandsdeutsche Sportler beteiligen. Allerdings fehlten vor allem Sportler aus dem Sudetenland, da ihre Teilnahme von der tschechoslowakischen Regierung untersagt worden war. Auslandsdeutsche waren somit nur durch einige Sportler aus der Freien Stadt Danzig vertreten. Auch an den Sommerkampfspielen nahmen nur wenige 'Volksdeutsche' teil, was unter anderem auf das schlechte internationale Renommee des Deutschen Reiches aufgrund seiner repressiven Politik seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zurückzuführen war. Darüber hinaus fehlte die politische Prominenz aus Berlin. Insgesamt verfolgten rund 70.000 Zuschauer das Sportfest im Sommer, wobei allein bei der Abschlussfeier 50.000 bis 60.000 Menschen anwesend waren.

Der nationalsozialistische Einfluss auf die Kampfspiele

Postkarte anlässlich der Deutschen Kampfspiele in Nürnberg, 1934. (Stadtarchiv Nürnberg, A 34 Nr. 3262)

Die Zielsetzung der Deutschen Kampfspiele 1934 war weitgehend identisch mit der ihrer Vorgängerinnen, passte sich jedoch gezielt an die nationalsozialistische Ideologie der 'Volksgemeinschaft', der Traditionspflege sowie der Körperideale an. Die Nationalsozialisten verbanden diese Ziele stärker mit sozialdarwinistischen Vorstellungen, da sich die Deutschen körperlich für den 'Daseinskampf des Volkes' rüsten sollten. Die Proklamation eines zentralen Sportverbands beim Kongress des Deutschen Reichsbunds für Leibesübungen stellte zugleich eine Maßnahme der 'Gleichschaltung' dar. Tschammer verkündete, dass sämtlichen deutschen Vereine für Leibesübung zukünftig unter dem Reichsbund für Leibesübungen, der im selben Jahr gegründet worden war, zusammengefasst werden sollten. Feierelemente und Dekorationen – darunter Totengedenken für die 'Gefallenen der Bewegung' und Hakenkreuze – entstammten dem Nationalsozialismus.

NS-Organisationen nahmen sowohl an den Feierlichkeiten als auch als Wettkampfmannschaften an den Kampfspielen teil, blieben jedoch insgesamt im Vergleich zu späteren Sportfesten schwach vertreten. Dies lag unter anderem daran, dass die SA noch durch die Folgen des Röhm-Putsches geschwächt war und die SS vorrangig polizeiliche Aufgaben wahrnahm. Trotz der nationalsozialistischen Einflussnahme blieb der ursprüngliche Charakter der Deutschen Kampfspiele weitgehend erhalten. Dies war zum einen auf personelle Kontinuitäten zurückzuführen: In den tragenden Verbänden sowie im vom Reichssportführer übernommenen Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen waren dieselben Personen wie bei früheren Kampfspielen für die Organisation zuständig. Zum anderen entschied sich das NS-Regime, die Kampfspiele weiterhin als Sportfest durchzuführen und die traditionellen leistungsorientierten Kriterien beizubehalten.

Das Ziel, die Deutschen Kampfspiele 1934 zu einem zentralen Symbol für die Eingliederung des Sports in den NS-Staat zu machen, erreichten die Nationalsozialisten somit nur teilweise. Gründe dafür waren das Fehlen wichtiger Politiker, die Unterrepräsentation von NS-Organisationen sowie die verzögerten Maßnahmen nach der angekündigten Gleichschaltung des Verbandswesens – erst nach und nach konnten die Sportverbände nach nationalsozialistischen Vorstellungen reorganisiert werden.

Bedeutung für das NS-Regime, Rezeption und Einordnung

Die Deutschen Kampfspiele 1934 waren für das NS-Regime selbst nur von geringer politischer Bedeutung. Dennoch nutzte es die Veranstaltung zur Repräsentation des Deutschen Reiches im Ausland, indem es ausländische Gäste dazu einlud.

Tatsächlich wurden die Deutschen Kampfspiele 1934 im Vergleich zu den Vorgängerveranstaltungen zu einem zentralen Sportfest im Deutschen Reich. Gründe dafür waren die Zusammenfassung zahlreicher Meisterschaften und die professionelle Durchführung aller Sportarten. Wettkämpfe, die bei früheren Kampfspielen aufgrund fehlender Austragungsstätten nur provisorisch stattfinden konnten, wurden 1934 an geeignete Orte verlegt. Gemessen an der Teilnehmerzahl waren die Kampfspiele 1934 jedoch nicht die größten ihrer Art; die Veranstaltung von 1922 übertraf sie noch. Außerdem fehlten herausragende sportliche Leistungen, was dem überladenen Programm der Spiele geschuldet war.

Nach 1934 fanden die Deutschen Kampfspiele nicht mehr in tradierter Form statt, sondern wurden ab 1938 mit Turnwettkämpfen zum Deutschen Turn- und Sportfest zusammengefasst.

Literatur

  • Eerke U. Hamer, Entstehung und Inhalt der drei Pläne für deutsche Kampfspiele bzw. ein deutsches Nationalfest in den Jahren 1895 bis 1897/98, Frankfurt am Main 1983.
  • Hartmut E. Lissinna, Nationale Sportfeste im nationalsozialistischen Deutschland (Mannheimer historische Forschungen 12), Mannheim 1997.

Quellen

  • Carl Diem, Deutsche Kampfspiele 1922. Bericht des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Berlin 1922.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Maria Dechant, Deutsche Kampfspiele, Nürnberg, 23.-29. Juni 1934, publiziert am 06.03.2026; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Deutsche_Kampfspiele,_Nürnberg,_23.-29._Juni_1934> (9.03.2026)