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Wochenschau

Am 30. Oktober 1908 verunglückte ein Zeppelin in Echterdingen (Baden-Württemberg). Danach wurde er am Bodensee repariert und dies vom Wochenschau-Team dokumentiert. (Foto: Haus des Dokumentarfilms)
Kameraleute, Müggelsee 1920. (Foto: Haus des Dokumentarfilms)
Wochenschaukino, 1940er Jahre. (Foto: Haus des Dokumentarfilms)
Dreharbeiten für die Wochenschau, undatiert. (Foto: Haus des Dokumentarfilms)
Götz Hirt-Reger mit Amateurkamera, undatiert. (Foto: Haus des Dokumentarfilms)
Filmaufnahmen, 1940/41. (Foto: Svend Noldan)
Dreharbeiten für den Film Sieg im Westen, 1940/41. (Foto: Svend Noldan)
Dreharbeiten für den Film Sieg im Westen, 1940/41. (Foto: Svend Noldan)

von Kay Hoffmann

Wochenschauen wurden zwischen den 1910er und den 1970er Jahren als Vorfilm im Kino gezeigt. Ihr Anspruch war es, die neuesten Bilder und Nachrichten aus der Welt zu präsentieren. Thematische Schwerpunkte waren Politik, Sensationen, Unterhaltung und Sport. Ihre Geschichte ist – auch international – geprägt von starker Kontinuität sowohl formal (acht bis zwölf Themen in 10-15 Minuten) als auch stilistisch, ästhetisch und inhaltlich. Sie gelten als Vorläufer der Fernsehnachrichten.

Anfänge der Aktualitäten

Als erste deutsche Wochenschau gilt die ab 1911 von der Express-Film in Freiburg produzierte "Der Tag im Film", auch wenn es schon vorher kurze dokumentarische Filme im Kinoprogramm gab, den sog. Aktualitäten. Diese Wochenschau versuchte, den Ausgaben der französischen Firmen Pathé, Gaumont und Éclair Konkurrenz zu machen. Diese wurden mit deutschen Zwischentiteln seit 1910 in den Kinos gezeigt. In Großstädten entwickelten sich Aktualitätenkinos, die sich auf solche Programme spezialisierten. 1912 wurde zu diesem Zweck die "EIKO-Woche" in Berlin gegründet. Während des Ersten Weltkriegs baute der Filmpionier Oskar Meester (1866-1943) ab 3. Oktober 1914 mit seiner "Meester Woche" die erfolgreichste Wochenschau auf. Bilder aus dem Krieg wurden allerdings oft in der Etappe gedreht oder sogar inszeniert, da die Kameramänner vom Militär nicht in die aktuellen Kampfgebiete gelassen wurden. Wegen der schweren Kameras wäre es gefährlich gewesen, bei den Grabenkämpfen zu drehen. Dadurch verloren die Wochenschauen für das Publikum an Attraktivität.

Bei der Militärischen Dienststelle für Auslandspropaganda im Berliner Auswärtigen Amt wurde am 1. November 1916 die "Militärische Film- und Photostelle" gegründet. Sie ging am 30. Januar 1917 in das von der Obersten Heeresleitung gegründete Bild-und Filmamt (Bufa) auf, um das Machtmittel der Bildpropaganda zu nutzen, die Frontaufnahmen der Wochenschauen zu betreuen und ab 1918 das Rohfilmmaterial zu verteilen.

Etablierung des Formats

In den 1920er Jahren existierten rund ein Dutzend Wochenschauen, die inhaltlich eine bunte Mischung aus Menschen, Tieren und Sensationen boten. Neben politischen Ereignissen wie Staatsbesuchen oder Wahlen waren Sport, Unterhaltung und Kuriositäten wie Rekordversuche oder skurile technische Erfindungen beliebte Themen. Dabei gab es mit Produktionsfirmen in anderen Ländern einen Austausch. So entwickelte sich ein internationaler Standard für Beiträge, die in der Regel eine Länge von ein bis zwei Minuten hatten. Die Zahl der Kopien war allerdings sehr begrenzt. Die "Ufa-Wochenschau" (Universum Film AG) sah sich als direkten Nachfolger der "Messter-Wochenschau" und feierte deshalb 1939 ihr 25-jähriges Bestehen. Die erste Ausgabe unter dem Titel "Ufa-Wochenschau" wurde am 17. September 1925 vom Berliner Ufa-Kino gestartet. Sie steigerte beispielsweise die Zahl der Kopien von 45 (1925) auf 100 (1929). Die Wochenschauen wurden bis zu vier Monate lang gezeigt. Sie erfüllten also keineswegs einen Anspruch auf Aktualität.

Einführung des Tons

Nach der Einführung des Tons ab 1929 reduzierte sich die Anzahl der Wochenschauunternehmen auf folgende vier:

  1. die "Ufa-" und die "Deulig-Tonwoche" (2x Ufa-Konzern)
  2. die "Fox Tönende Wochenschau"
  3. die "Emelka-Ton-Woche" (Münchner Lichtspielkunst AG)
  4. die "Bavaria-Tonwoche" (bis 1934 "Emelka-Bavaria-Tonwoche", ab 1938 "Tobis-Wochenschau")

Die Bavaria-Tonwoche arbeitete mit starken Bildern und zurückgenommenem Kommentar. Das Titellogo zeigte den Kopf der Bavaria-Statue vor einer sich drehenden Weltkugel. Die Länge der Wochenschauen blieb bei durchschnittlich zehn Minuten. Außerdem wurde zwischen 1934 und 1938 die Bavaria-N.D.S.L.-Tonwoche produziert.

In der Regel wurde weiterhin stumm gedreht und erst nach dem Schnitt mit Geräuschen, Musik und Kommentar vertont. Nur wichtige Reden oder Ansprachen zeichnete man mit einigem Aufwand als Original-Ton auf. In den 1930er Jahren starteten alle Wochenschauen zusammen genommen mit rund 400 Kopien, die weiterhin bis zu 16 Wochen im Einsatz waren. Lediglich 7,2 % der rund 5.500 Lichtspielhäuser konnten so die jeweils aktuelle Ausgabe zeigen. Die Vorführung von Wochenschauen wurde von der Reichsfilmkammer erst ab 3. November 1938 zwingend vorgeschrieben. Davor blieb die Programmgestaltung den Kinos überlassen, ob sie eine der Wochenschauen zeigten und wo sie im Programm platziert wurde; außerdem gab es Kinos, die nur Wochenschauen zeigten.

Kontrolle im NS-Staat

Die Wochenschauen blieben nach der "Machtergreifung" zunächst eigenständig. Im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) wurde der Theaterregisseur Eberhard Fangauf (geb. 1895) Referent "für die Organisation und Sicherheitsüberwachung der Filmberichterstattung bei Veranstaltungen von Staat und Partei". Seine Zuständigkeit bezog sich in erster Linie auf die Koordination der Aktivitäten und darauf, den Bildberichtern gute Arbeitsmöglichkeiten zu bieten. Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) nahm zunächst nicht direkt Einfluss. Erst 1935 wurde das Deutsche Film-Nachrichtenbüro im RMVP eingerichtet, um die Wochenschauen besser kontrollieren und auf Linie bringen zu können. Hauptanliegen war eine positive Darstellung des NS-Staates.

Aufbau Propagandakompanien

Wegen der schlechten Erfahrungen im Ersten Weltkrieg wurde ab 1936 der Aufbau von Propaganda-Kompanien (PK) und ihre Integration in militärische Strukturen geplant. Dabei gab es Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Propaganda- und dem Kriegsministerium sowie dem Oberkommando der Wehrmacht. Im Winter 1938 wurde ein grundlegendes "Abkommen über die Durchführung der Propaganda im Kriege" unterzeichnet. Der Kompromiss sah vor, dass die Film-Fachleute eine militärische Kurzausbildung erhielten und in die militärische Hierarchie eingeordnet wurden, jedoch ihren Einheiten nicht unterstellt, sondern nur zugeteilt waren und dadurch eine gewisse Eigenständigkeit behielten. Die PKs umfassten neben Kameramännern schreibende Journalisten, Fotografen, Radioreporter bis hin zu Zeichnern und Malern. Zu ihren Aufgaben gehörten neben der Berichterstattung über den Krieg die mediale Truppenbetreuung und die "zersetzende Propaganda" in den besetzten Gebieten durch die Herstellung von Flugblättern, die Produktion von Radioprogrammen in der jeweiligen Landessprache und die Gestaltung von Kinoprogrammen für die Soldaten.

Die Deutsche Wochenschau

Erst nach dem Angriff auf Polen im September 1939 fand eine Gleichschaltung der Wochenschauproduktion statt. Ab Sommer 1940 hieß sie "Die Deutsche Wochenschau". Sie wurde von Filmhistorikern als das effektivste Propagandainstrument der Nationalsozialisten bezeichnet. In der Wochenschau-Zentrale in Berlin wurde aus dem eingehenden PK-Material, das oft einen Umfang von bis zu 18 Stunden hatte, innerhalb von zwei Wochen die aktuelle Ausgabe montiert. Mit ihrem dynamischen Stil versuchte sie, die einzelnen Sujets inhaltlich zu verknüpfen und so einen Gesamtzusammenhang zu erzielen. Sie bot ein NS-Wunschbild der Wirklichkeit. Die Endabnahme führte zumindest bis Sommer 1942 Adolf Hitler (1889-1945) beziehungsweise Joseph Goebbels persönlich durch, wie sich auch an den Einträgen in seinen Tagebüchern nachweisen lässt. Die Wochenschau setzte ganz auf die Kraft der Bilder, verstärkte deren Wirkung durch Musik und rhythmische Montage; der propagandistische Kommentar mit der einpeitschenden Stimme wurde eher zurückhaltend eingesetzt. Die Laufzeit wurde auf 20 bis zu 45 Minuten pro Ausgabe verlängert. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1.700 bis 2.400 Kopien pro Ausgabe gezogen. Dies bedeutete, dass die Wochenschau erstmals halbwegs aktuell war und innerhalb von drei Wochen flächendeckend im Deutschen Reich vorgeführt werden konnte.

Verlust der Glaubwürdigkeit

Die Deutsche Wochenschau funktionierte in erster Linie in Zeiten der Siege. Die Zuschauer zeigten reges Interesse an Bildern der siegreichen Truppen. Spätestens nach der Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/43 verlor sie ihre Glaubwürdigkeit. Fernab der Realität zeigte sie nur ein Wunschbild des Kriegsverlaufs. Es gab durchaus unterschiedliche Strategieansätze für die Propaganda. Goebbels wollte die Bevölkerung schon ab Mai 1942 auf die schwierige Kriegslage vorbereiten und ein realistischeres Bild des Krieges liefern. Er konnte sich jedoch nicht gegen Hitler durchsetzen, der auf einer viel zu optimistischen Schilderung der Lage bestand. Die Berichte des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS belegen eine zunehmende Wochenschaumüdigkeit der Bevölkerung.

Neuaufbau 1950er Jahre

Nach Kriegsende 1945 wurden in den vier Besatzungszonen neue Wochenschauunternehmen aufgebaut.

  • In München wurde von Mai 1945 bis Juni 1952 die "Welt im Film" für die US-Besatzungszone produziert.
  • In Baden-Baden entstand ab 1945 als Wochenschau für die französisch besetzte Zone "Blick in die Welt", der 1949 privatrechtlich übernommen und bis 1986 weitergeführt wurde.
  • In Frankfurt produzierte die US-Produktionsfirma 20th-Century-Fox die deutsche Fassung der "Fox Tönenden Wochenschau" (1950-1978).
  • 1949 wurde in Hamburg die Neue Deutsche Wochenschau GmbH gegründet, die zwischen 1950 und 1969 die Kinos belieferte. Durch staatliche Förderung der westdeutschen Bundesregierung wurde sie politisch kontrolliert.
  • Dies gilt ebenso für das ostdeutsche Pendant, das von der Deutschen Film AG (DEFA) zwischen 1946 und 1980 unter dem Titel "Augenzeuge" produziert wurde.

Die Wochenschauen waren von starker inhaltlicher, personeller und technischer Kontinuität zur "Deutschen Wochenschau" des Zweiten Weltkriegs geprägt. Auch stilistisch gibt es durchaus Gemeinsamkeiten beim Einsatz des Kommentars oder der Musik. In den Wochenschauen wurden zwar nicht mehr nationalsozialistische Ideale gepriesen, jedoch instrumentalisierte man sie nun für die politischen Auseinandersetzungen des Kalten Krieges. Die Ausgaben hatten wieder eine Länge von zehn Minuten, mit einer Mischung aus Politik, Sensation, Unterhaltung und Sport. Weiterhin wurden einzelne Beiträge international ausgetauscht. Die vier Wochenschauen in Westdeutschland produzierten jede Woche 800 Kopien. Der "Augenzeuge" erschien zwischen 1957 und 1961 sogar zwei Mal die Woche (freitags 480 Kopien, dienstags 275 Kopien). Allerdings zeigten lediglich 200 der 3.300 Kinos der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wirklich beide Ausgaben. Die zunehmende Verbreitung des Fernsehens als neues Medium mit täglichen aktuellen Nachrichten machte die Wochenschauen zunehmend überflüssig. Sie waren jedoch Vorbild für die Fernsehnachrichten und belieferten diese anfangs mit Material.

Wirkung der Wochenschau-Bilder

Obwohl die Wochenschau an Bedeutung verloren hat, sind die Ausgaben aus den verschiedenen Jahrzehnten bis heute wichtige historische Quelle für das Bewegtbild des 20. Jahrhunderts. Kaum ein zeithistorisches Programm kann auf Bilder aus den Wochenschauen verzichten, wobei das Material in den seltensten Fällen kritisch eingeordnet wird oder die Herkunft umfassend benannt wird. Insbesondere Sendungen über das "Dritte Reich" greifen gerne auf dieses Material zurück. Unser Bild vom Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg ist über Jahrzehnte von den Aufnahmen aus den Propagandafilmen Leni Riefenstahls (1902-2003), der PK-Kameramänner und ihrer künstlerischen Überhöhung in der Wochenschau-Zentrale in Berlin geprägt worden. Einige Bilder werden immer wieder verwendet und haben dadurch eine besondere Symbolkraft für ein bestimmtes Ereignis. Das ist eine Qualität, die in zeithistorischen Programmen – die immer stärker auf Emotionalisierung und Nach-Inszenierung sowie auf die Personalisierung der NS-Geschichte setzen – besonders gefragt ist. Erst intensive Recherchen in Filmarchiven förderten neues, vor allem auch farbiges Material aus dem Amateurbereich zu Tage.

Forschungsstand und Überlieferung

Die film- und medienhistorische Forschung und Einordnung entwickelten sich – bis auf wenige Ausnahmen, wie die Arbeiten des Instituts für den Wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen in den 1970er Jahren – erst seit den 1990er Jahren. Inzwischen sind einige wichtige Publikationen und Analysen erschienen. Die Überlieferung der Wochenschau-Produktion vor 1939 im Bundesarchiv-Filmarchiv ist eher fragmentarisch, während die Ausgaben der "Deutschen Wochenschau" zwischen 1939 und 1945 und des DEFA-Augenzeugen nahezu komplett vorhanden ist. Neben diesem staatlichen Archiv hat vor allem auch die privatwirtschaftliche Deutsche Wochenschau GmbH in Hamburg wichtige Bestände für den Zeitraum ab 1945, die über einen autorisierten Zugang für professionelle Nutzer im Internet zugänglich sind.

Literatur

  • Hans Barkhausen, Filmpropaganda in Deutschland im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Hildesheim/Zürich/New York 1982.
  • Ulrike Bartels, Die Wochenschau im Dritten Reich. Entwicklung und Funktion eines Massenmediums unter besonderer Berücksichtigung völkisch-nationaler Inhalte, Frankfurt 2004.
  • Hans-Peter Fuhrmann, Ähnlichkeiten in der Form, aber Brüche bei den Konzeptionen. Die Wochenschauen in Deutschland 1939-1950, in: Johannes Roschlau (Hg.), Träume in Trümmern. Film-Produktion und Propaganda in Europa 1940-1950, München 2009, 23-34.
  • Günter Jordan/Ralf Schenk, Schwarzweiß und in Farbe. DEFA Dokumentarfilme 1946-1996, Berlin 1996.
  • Rainer Rother/Judith Prokasky (Hg.), Die Kamera als Waffe. Propagandabilder des Zweiten Weltkriegs, München 2010.
  • Uta Schwarz, Wochenschau, westdeutsche Identität und Geschlecht in den fünfziger Jahren, Frankfurt am Main 2002.
  • Peter Zimmermann (Hg.), Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. 3 Bände, Stuttgart 2005.
  • Peter Zimmermann/Kay Hoffmann (Hg.), Triumph der Bilder. Kultur- und Dokumentarfilme vor 1945 im internationalen Vergleich, Konstanz 2003.

Quellen

  • Ufa-Lehrschau (Hg.), 25 Jahre Wochenschau der Ufa, Berlin 1939.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Aktualitäten

Empfohlene Zitierweise

Kay Hoffmann, Wochenschau, publiziert am 06.09.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wochenschau> (21.06.2018)