Meister Eder und sein Pumuckl (Ellis Kaut, 1961)

von Veronika Diem

1961 schuf die Münchner Hörspielautorin Ellis Kaut (1920–2015) die Figur des Kobolds Pumuckl, der zunächst unsichtbar, dann nur für den Schreinermeister Franz Eder sichtbar, die vielfältigsten Abenteuer in München und Oberbayern erlebt. Der Erfolg der für den Bayerischen Rundfunk (BR) produzierten Hörspielreihe war so durchschlagend, dass einige Geschichten ab Anfang der 1980er Jahre auch für das Fernsehen und das Kino umgesetzt wurden. Die Geschichten rund um Meister Eder und seinen Pumuckl sind seit ihrer Erstausstrahlung fester Bestandteil im Geschichtenkanon unzähliger Kinderzimmer. Die Figur wurde so bekannt, dass sich die Geschichten auch außerhalb des deutschen Sprachraums verbreiteten und adaptiert wurden.

Biographischer Hintergrund und Entstehungsgeschichte der Serie

Die Münchnerin Ellis Kaut (1920–2015) war seit 1939 mit dem Autor Kurt Preis (1913–1991) verheiratet. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie beim Rundfunk und machte parallel dazu eine Ausbildung zur Bildhauerin an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach Kriegsende wurde sie 1947 Mitautorin der Rundfunksendung "Brumml-Geschichten" bei Radio München. Von 1955 bis 1961 verfasste sie für den Kinderfunk des Bayerischen Rundfunks (BR) die 150-teilige Hörspielserie "Musch macht Geschichten", in der ein sprechender Kater und ein nur mäßig erfolgreicher Schriftsteller aufeinandertreffen.

Nach deren Abschluss bat die damalige Leiterin des Kinderfunks, Candida Franck (1917-2019), Kaut 1961 um Ideen für eine weitere Hörspielserie. Kaut erinnerte sich an eine Szene im Winterurlaub mit ihrem Mann, bei dem er sie im Scherz Pumuckl nannte. Spontan entwickelten sie gemeinsam die Figur eines unsichtbaren Kobolds mit roten Haaren, der am Leimtopf eines Schreiners kleben blieb und so nur für ihn sichtbar wurde. Der Kobold, der sich selbst als Nachfahre der Klabauter auf Hoher See sieht, lebt fortan in der Schreinerwerkstatt. Mit seinen Streichen und Scherzen bringt er den als gemütlich-grantigen Handwerker gezeichneten großväterlichen älteren Mann immer wieder in Erklärungsnöte gegenüber Dritten, die ihn vielfach für verrückt erklären.

1962 übernahm der Westdeutsche Rundfunk (WDR) die Geschichten unter dem Namen "Immer dieser Fizzibitz" und einem Kölsch sprechenden Meister Eder. Im Kölner Raum war Pomocken ein Schimpfwort für Flüchtlinge aus dem Osten und dem WDR klang Pumuckl zu ähnlich. Insgesamt wurden 30 Folgen gesendet, die die Pumuckl-Geschichten teilweise 1:1 übernahmen, teilweise aber auch verschiedene Folgen neu arrangierten. Von 1982 bis 1993 gab es auch eine Schweizer Adaption des Kobolds und seiner Geschichten unter dem Namen "De Meischter Eder und sin Pumuckl" (insgesamt 52 Geschichten).

Die Hörspielserie im BR 1962 bis 1973 und die Verbreitung auf Tonträgern 1969-1978

Ellis Kaut verfasste rund 90 Pumuckl-Hörspiele, die im BR realisiert wurden. Als Vorbild für die Figur des Schreinermeisters Franz Eder diente ihr offenbar ein namentlich nicht näher bekannter Münchner Möbelschreiner. Kaut wählte als Sprecher des Schreinermeisters den Schauspieler Franz Fröhlich (1901–1964) aus. Nach dessen Tod übernahm Alfred Pongratz (1900–1977) diese Rolle. Nach Pongratz' Tod wurde Gustl Bayrhammer (eigtl. Adolf Gustav Bayrhammer, 1922–1993) zunächst neuer Sprecher und dann für die ersten beiden Staffeln der Fernsehserie auch Darsteller des erstmals filmisch dargestellten Schreiners.

Sprecher Meister Eder
Name Lebensdaten Zeitraum Bemerkungen
Franz Fröhlich 1901-1964 1962-1964 Schauspieler
Alfred Pongratz 1900-1977 1964-1977 Opernsänger (Bariton), Schauspieler, Sprecher
Gustav "Gustl" Bayrhammer 1922-1993 1977-1993 Schauspieler

Bei den Recherchen für eine mögliche Stimme des Kobolds entdeckten Kaut und Franck im BR-Schallarchiv Aufnahmen des Schauspielers und Synchronsprechers Hans Clarin (eigtl. Hans Joachim Schmid, 1929–2005). Clarin war gebürtiger Wilhelmshavener und besaß einen zu einem Klabautermann passenden norddeutschen Zungenschlag. Clarin lieh dem Kobold bis zu einem Stimmbandschaden 2003 die Stimme, die für den Pumuckl zum Charakteristikum wurde. Auf ihn folgte der Schauspieler und Synchronsprecher Kai Taschner (geb. 1957).

Sprecher Pumuckl
Name Lebensdaten Zeitraum Bemerkungen
Hans Clarin (eigtl. Hans Schmid) 1929-2005 1962-2003 Schauspieler, Synchronsprecher
Kai Taschner geb. 1957 seit 2003 Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur, Musiker
Von 1962 bis 2003 prägte die charakteristische Stimme von Hans Clarin (1929-2005) das Wesen des Pumuckl. Foto: 1968. (Bayerischer Rundfunk, Historisches Archiv, Foto: Lindinger)

Ab 21. Februar 1962 sendete der BR die Hörspielfolgen monatlich im Sonntagnachmittagsprogramm des Kinderfunks. Regie führten für die Hörspielproduktionen im Rundfunk Jan Alverdes (1932–1971) und für die letzten neun Folgen Willy Purucker (1925–2015). Die letzte Folge "Pumuckl geht aufs Meer zurück" wurde am 30. Dezember 1973 ausgestrahlt. Die letzten Sätze waren "Ja, Kinder, so ist es gekommen, dass der Pumuckl nun nicht mehr beim Meister Eder ist. Der Meister Eder arbeitet inzwischen wieder in seiner Werkstatt und ab und zu erzählt er von seinem Pumuckl und weil er dann jedes Mal mit 'es war einmal' beginnt, hält ihn keiner mehr für verrückt, sondern nur für einen sehr liebenswerten alten Mann mit ein bisschen viel Fantasie. Vielleicht besucht ihn der Pumuckl wieder und vielleicht erfahren wir es. Dann kann es sein, dass ich euch davon erzähle. Vielleicht." (Kaut, Nur, 200). Diese Folge wurde nur einmalig ausgestrahlt, da es kurz darauf wegen der darin erfolgten Trennung von Meister Eder und Pumuckl zu Protesten und sogar Drohungen der Zuhörenden gegen die Autorin kam. Die Folge wurde daraufhin verändert und Pumuckl kehrte nun doch zusammen mit Meister Eder wieder nach München zurück.

Radio-Hörspielfolgen mit dem Sprecher Franz Fröhlich, 1962-1965
Titel der Folge Folge Nr. Erstausstrahlung
Spuk in der Werkstatt 1 21.02.1962
Das geschnitzte Bett 2 21.03.1962
Pumuckl ärgert den sangesfreudigen Schlosser 3 16.05.1962
Das neue Badezimmer 4 13.06.1962
Das Schiff in der Badewanne 5 11.07.1962
Der Wellensittich 6 08.08.1962
Die geheimnisvolle Schaukel 7 05.09.1962
Pumuckl und das Geld 8 03.10.1962
Pumuckl und die Schule 9 31.10.1962
Pumuckl und die Erkältung 10 28.11.1962
Der Kater 11 02.01.1963
Der Wollpullover 12 30.01.1963
Das Spielzeugauto 13 27.02.1963
Die abgerissenen Tulpen 14 27.03.1963
Pumuckl soll Ordnung lernen 15 24.04.1963
Die Gartenzwerge 16 19.05.1963
Pumuckl will eine Uhr haben 17 16.06.1963
Pumuckl und die Schatzsucher 18 14.07.1963
Pumuckl auf dem Land 19 11.08.1963
Immer noch im Urlaub 20 15.09.1963
Pumuckl und die Obstbäume 21 13.10.1963
Eder bekommt Besuch 22 10.11.1963
Das Weihnachtsgeschenk 23 15.12.1963
Pumuckl und der Schnee 24 05.01.1964
Pumuckl und der Schmutz 25 16.02.1964
Pumuckl wird reich 26 29.03.1964
Der verhängnisvolle Schlagrahm 27 24.05.1964
Die Gummiente 28 12.07.1964
Die Bergtour 29 06.09.1964
Pumuckl und die Knackfrösche 30 04.10.1964
Pumuckl und die Ostereier 31 18.04.1965


Radio-Hörspielfolgen mit dem Sprecher Alfred Pongratz, 1965-1973
Titel der Folge Folge Nr. Erstausstahlung
Spuk in der Werkstatt 1 ca. 1969
Pumuckl und das Geld 8 28.02.1971
Pumuckl in der Schule 9 19.03.1972
Pumuckl und die Erkältung 10 09.11.1969
Der Kater 11 12.11.1972
Der Wollpullover 12 07.12.1969
Das Spielzeugauto 13 24.09.1972
Die abgerissenen Tulpen 14 09.05.1971
Pumuckl soll Ordnung lernen 15 ca. 1969
Die Gartenzwerge 16 10.05.1970
Pumuckl will eine Uhr haben 17 01.02.1970
Pumuckl auf dem Lande 19 07.06.1970
Immer noch im Urlaub 20 05.07.1970
Meister Eder bekommt Besuch 22 28.03.1971
Pumuckl und der Schmutz 25 16.04.1972
Der verhängnisvolle Schlagrahm 27 21.11.1971
Die Gummiente 28 06.06.1971
Pumuckl spielt mit dem Feuer 32 03.10.1965
Die abergläubische Putzfrau 33 07.11.1965
Pumuckl und der Nikolaus 34 05.12.1965
Der verstauchte Daumen 35 02.01.1966
Pumuckl will sich bemerkbar machen 36 06.02.1966
Pumuckl und die Briefmarken 37 20.03.1966
Pumuckl und der erste April 38 03.04.1966
Pumuckl und das Schloßgespenst 39 01.05.1966
Pumuckl und das Segelboot 40 30.05.1966
Pumuckl und der Kirschlikör 41 26.06.1966
Pumuckl hütet Fische 42 24.07.1966
Das Gespenst im Gartenhäuschen 43 02.10.1966
Pumuckl und das goldene Herz 44 30.10.1966
Pumuckl und die Weihnachtsüberraschung 45 04.12.1966
Pumuckl ist an gar nichts schuld 46 08.01.1967
Das Spanferkelessen 47 05.02.1967
Pumuckl und dder Pudding 48 05.03.1967
Die Kopfwehtabletten 49 02.04.1967
Pumuckl und die Katze 50 07.05.1967
Pumuckl und die Musik 51 25.06.1967
Pumuckl und die Bosheit 52 15.10.1967
Pumuckl und das Märchen 53 12.11.1967
Pumuckl und die Christbaumkugeln 54 10.12.1967
Pumuckl wartet auf die Bescherung 55 24.12.1967
Pumuckl und die grüne Putzfrau 56 21.01.1968
Pumuckl und der Lehrling 57 12.02.1968
Pumuckl setzt sich nicht durch 58 17.03.1968
Das Ostergeschenk 59 14.04.1968
Der Waldspaziergang 60 12.05.1968
Die Bank vor der Werkstatt 61 02.06.1968
Pumuckl und die Silberblumen 62 13.10.1968
Pumuckl und die Angst 63 10.11.1968
Der silberne Kegel 64 08.12.1968
Das Parfümflascherl 65 26.12.1968
Pumuckl geht ans Telefon 66 12.01.1969
Pumuckl und der Grantler 67 09.03.1969
Pumuckl und die Maus 68 07.04.1969
Hilfe - eine Aushilfe! 69 04.05.1969
Pumuckl will Schreiner werden 70 07.09.1969
Pumuckl im Zoo 71 05.10.1969
Pumuckl will Geburtstag haben 72 04.01.1970
Pumuckl will Lesen lernen 73 08.03.1970
Pumuckl und die Tauben 74 05.04.1970
Pumuckl und Puwackl 75 11.10.1970
Der große Krach 76 08.11.1970
Der Krach und seine Folgen 77 13.12.1970
Das Schmuckkästchen 78 24.12.1970
Pumuckl und der Finderlohn 79 31.01.1971
Der Föhn 80 04.07.1971
Pumuckl und die Kartenspieler 81 10.10.1971
Pumuckl und der falsche Gasmann 82 09.01.1972
Pumuckl und die Blechbüchsen 83 20.02.1972
Pumuckl will in die Zeitung kommen 84 28.05.1972
Pumuckl und der Fleck im Stuhl 85 02.07.1972
Der verdrehte Tag: Pumeister und Edermuckl 86 25.12.1972
Das eigene Zimmer 87 04.02.1973
Pumuckl paßt auf 88 11.03.1973
Die erwachsene Bärbel 89 02.12.1973
Pumuckl geht aufs Meer zurück 90 30.12.1973

Zwischen 1969 und 1978 wurden 78 Geschichten auf 39 LPs produziert und veröffentlicht. Als Meister Eder sprachen Alfred Pongratz (Folgen 1-66) und Gustl Bayrhammer (Folgen 67-78). Jan Alverdes (Folgen 1-18) und Alexander Malachovsky (1922–1989, Folgen 19-78) führten Regie. Der Pumuckl wurde von Hans Clarin gesprochen. Ab Anfang der 1980er Jahre wurden parallel zu den Vorbereitungen des Kinofilms und der ersten Staffel der Fernsehserie erneut Tonträgeraufnahmen mit dem Gespann Bayrhammer-Clarin produziert.

Seit 2008 gibt es die gedruckten Geschichten als Hörbücher, gelesen von Stefan Kaminski (geb. 1974).

Illustratoren

Kaut benötigte für die Illustration der Bücher jemanden, der die eigentlich unsichtbare Figur illustrierte. Sie fand in der Abschlussklasse der Akademie für das Graphische Gewerbe in München eine geeignete Illustratorin: Barbara von Johnson (geb. 1942). Sie illustrierte die Geschichten und Tonträger-Cover von 1963 bis 1978. Damit schuf sie die ersten Bilder der Figur Pumuckl.

Ab 1978 adaptierte der Animator Béla Ternovszky (geb. 1943) die Figur des Kobolds für die filmische Umsetzung. Auf die Bitte des Produzenten Manfred Korytowski (1936–1999) hin, der in der NS-Zeit mit seiner jüdischen Familie nach Brasilien ins Exil gegangen war, bekam Pumuckl Kleidungsstücke in den brasilianischen Nationalfarben Grün und Gelb. Die Kombination der roten Haare mit gelbem Oberteil und grüner Hose wurde zum Charakteristikum der Figur. 1982 übernahm der Karikaturist Brian Bagnall (1943-2020), Kauts Schwiegersohn, die Illustration des Kobolds im Bereich der Vermarktung. Die Figur des Pumuckl wurde im Laufe der Jahre in verschiedenen Stufen verändert und auch dem jeweiligen Zeitgeist angepasst. Dies führte zuletzt 2015 zu Protesten in den Sozialen Medien, als der Kobold bei der Umgestaltung seinen markanten Bauch verlor, den er seit Ende der 1970er Jahre besaß. Diese Veränderung wurde daraufhin wieder zurückgenommen.

Pumuckl wird sichtbar

Die Bücher

Insgesamt schrieb Ellis Kaut 66 Geschichten für elf Bücher, wovon zwischen 1965 und 1978 zehn im Herold-Verlag erschienen. 1991 folgte eine Neuausgabe mit einem elften Band im Lentz-Verlag.

Nr. Buchtitel Erscheinungsjahr
1 Meister Eder und sein Pumuckl 1965
2 Pumuckl spukt weiter 1966
3 Immer dieser Pumuckl 1967
4 Pumuckl und das Schloßgespenst 1968
5 Pumuckl auf Hexenjagd 1969
6 Hallo, hier Pumuckl 1971
7 Pumuckl und Puwackl 1972
8 Pumuckl auf heißer Spur 1974
9 Pumuckl und die Schatzsucher 1976
10 Pumuckl geht aufs Glatteis 1978
11 Kapitän Pumuckl hurra! 1991

Die Fernsehserie und die Filme

Nach einigen kleinen Spots für die Bayerische Rundfunkwerbung als Testlauf kam 1982 "Meister Eder und sein Pumuckl. Der Film" unter der Regie von Ulrich König (geb. 1949) in die Kinos und anschließend die Geschichten als Serie ins Fernsehen. Inspiriert durch einen Disney-Spot, hatte Kaut die Idee, auch den Pumuckl als animierte Trickfilmfigur in einer Realfilm-Umgebung zu zeigen. In einer anderen Zeitzeugenversion reklamieren Korytowski und König diese Idee für sich.

Die Verfilmung der Geschichten war durch die Kombination von Real- und Zeichentrickfilm sehr aufwändig: Es mussten letztlich zwei Filme gedreht und diese übereinander gelegt werden. Der Ton wurde dann nachsynchronisiert. Nach einem Aufeinandertreffen auf der Internationalen Funkausstelung (IFA) in Berlin – vermutlich 1977 – übertrug Kaut die Filmrechte auf Korytowski und seine Münchner Infafilm GmbH. Die Trickfilmszenen ließ Korytowski bei MAFILM Pannónia Filmstúdió in Budapest (Ungarn) produzieren. Die Realfilmszenen wurden an verschiedenen Drehorten in München und dem südlichen Oberbayern gedreht. Die Szenen in der Werkstatt und in der Wohnung des Schreinermeisters wurden in einer schon baufälligen ehemaligen Schreinerwerkstatt in einem Rückgebäude an der Widenmayerstraße 2 im Münchner Stadtteil Lehel gedreht. Kurz nachdem die zweite Staffel abgedreht war, wurde das Gebäude Anfang 1985 abgerissen. Auf dem Gelände entstand ein Gebäudekomplex der Versicherungskammer Bayern.

Die Art der Produktion war vor allem eine Herausforderung für Gustl Bayrhammer, den Darsteller des Meister Eder, der weitestgehend monologisch arbeiten musste. Viele Szenen gewinnen durch Improvisation und Situationskomik, die während des Drehs zwischen Bayrhammer, Regisseur Ulrich König, Kameramann Horst Schier (1938–1998) und anschließend im Tonstudio durch Clarin spontan entstanden.

Als Auftakt der Fernsehserie (Staffel 1: 26 Folgen. Produktion 1978-1982. Staffel 2: 26 Folgen. Produktion 1984-1985) wurde ein Pilotfilm produziert (ab 2. April 1982 im Kino), der im Wesentlichen Szenen aus den Folgen "Spuk in der Werkstatt" (Nr. 1), "Das verkaufte Bett" (Nr. 2), "Das Schloßgespenst" (Nr. 4), "Das Spanferkelessen" (Nr. 19) und "Das neue Badezimmer" (Nr. 3) aneinanderreiht. Auf den Pilotfilm und die beiden ersten Staffeln (Ausstrahlung Staffel 1 ab 24. September 1982 im BR. Staffel 2 ab 1. Oktober 1988 in der ARD) folgten 1991 die Dreharbeiten für einen weiteren Kinofilm ("Pumuckl und der blaue Klabauter"). Regie führten Alfred Deutsch und Horst Schier. Während der Dreharbeiten starb Gustl Bayrhammer am 24. April 1993 und die Regisseure sowie Produzenten standen vor der schwierigen Aufgabe, den Film ohne Bayrhammer fertigzustellen. Der Schauspieler und langjährige Sprecher des BR, Wolf Euba (1934-2013), lieh Meister Eder seine Stimme.

Mit dem Tod Bayrhammers fiel neben der animierten Pumuckl-Figur die prägende Hauptfigur der Serie aus. Dennoch wurde elf Jahre nach der zweiten Staffel mit der Serie "Pumuckls Abenteuer" eine dritte Staffel (13 Folgen) produziert, deren Inhalt sich an dem des Kinofilms "Pumuckl und der blaue Klabauter" anlehnt und die als Reiseabenteuer aufgebaut ist. Im August 1999 wurde die erste Folge ("Pumuckls allerschönster Traum") im Kinderkanal erstmals gesendet.

Im Jahr 2002 entstand auf Basis eines Drehbuchs von Ellis Kaut und Ursula Bagnall ein weiterer Kinofilm: "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" startete am 16. Oktober 2003 in den deutschen Kinos. Auch hier bestand die Herausforderung darin, dass der Hauptprotagonist Franz Eder als einzige Person, die Pumuckl sehen kann, nicht mehr von Gustl Bayrhammer dargestellt werden konnte. Die Drehbuchautoren ersannen die Figur des von Hans Clarin gespielten Ferdinand Eder, der nicht nur Cousin und Erbe des Schreinermeisters Franz Eder ist, sondern als Restaurator einen verwandten Beruf ausübt.

An den Hörspiel- und Filmversionen waren über die Jahre zahlreiche renommierte bayerische Schauspieler in verschiedenen Nebenrollen beteiligt. Mit den verschiedenen Auflagen wechselten oftmals sowohl die Namen der dargestellten Figuren also auch die Darstellerinnen und Darsteller: Erni Singerl (eigtl. Ernestine Kremmel, 1921–2005), Willy Harlander (1931–2000), Carlamaria Heim (1932–1984) oder Rosl Mayr (eigtl. Rosa Mayr, 1896–1981).

Rezeption und Verbreitung

Die Geschichten des Kobolds wurden auch außerhalb des deutschen Sprachraums zum Erfolg: Unter verschiedenen Namen, wie zum Beispiel "Frou Frou" (Griechenland), "Pilfinger" (Dänemark), "Pumukli" (Ungarn), "Pumuky" (Spanien) oder "Voroojak" (Iran) wurden seine Geschichten im Fernsehen gezeigt.

Zwischen 1972 und 1978 sendete der Norddeutsche Rundfunk (NDR) in seiner Kindersendung Plumpaquatsch Pumuckl-Geschichten. Die in Legetricktechnik gestaltete Darstellung des Pumuckl unterschied sich deutlich von derjenigen im BR.

1985 stiftete Ellis Kaut vom Starnberger Bildhauer Claus Nageler (1943–2017) ausgeführten Pumuckl-Brunnen, der im Münchner Luitpoldpark an den Kobold erinnert. In der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) in München existiert eine Ellis-Kaut-Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat "Kinder spielerisch an Kinderliteratur und das Lesen als wesentlichen Beitrag zur kulturellen Bildung junger Menschen heranzuführen" (http://ellis-kaut-stiftung.com/, Zugriff vom 7.9.2020).

Die Autorin Uli Leistenschneider (geb. 1981) publizierte 2017 drei neue Geschichten nach Motiven von Ellis Kaut. 2018 zeigte das Münchener Gärtnerplatztheater die Uraufführung eines Pumuckl-Musicals mit der Musik von Franz Wittenbrink (geb. 1948) und einer Textbearbeitung von Anne X. Weber (geb. 1966).

Nach diversen Rechtsstreitigkeiten, die die Ausstrahlung der Fernsehserie und deren Vertrieb auf Speichermedien verhinderten, konnte 2019 die digital überarbeitete Serie im Streaming-Portal von Amazon Prime Video abgerufen werden. Wenig später war sie ab März 2020 auch wieder im BR zu sehen.

München- und Bayernbezug

Die Handlung sowohl der Hörspiele wie auch der filmischen Umsetzung spielt im Wesentlichen in München in den Stadtteilen Lehel (hier befindet sich die Schreinerwerkstatt), Giesing, Solln, Haidhausen und Bogenhausen. Darüber hinaus werden immer wieder Orte außerhalb des Münchner Stadtgebiets einbezogen, etwa die Region zwischen Fischbachau, Brannenburg und Bayrischzell oder der Starnberger See. Später kamen auch Orte außerhalb Bayerns hinzu. Die Einbindung realer Schauplätze erhöhte den Identifikationswert der Zuschauer mit den Geschichten des Kobolds. Am deutlichsten zeigt sich das durch das jeder Folge vorgeschaltete Intro, das verschiedene Perspektiven der Münchner Altstadt mit dem Pumuckl zeigt.

Die Hauptfiguren der Geschichten entstammen fast ausschließlich einem kleinbürgerlichen und handwerklichen Milieu, in der auch Meister Eder zuhause ist. Gerade die Figur des Dialekts sprechenden Meister Eder, der oft nicht sonderlich gute Laune hat und sich rasch aufregt, trotzdem aber ein gutmütiger Mensch ist, prägt dieses Bild. Dass jedoch die Geschichten und Figuren auch in anderen Dialekten funktionierten, zeigte sich der skeptischen Autorin Kaut mit der erfolgreichen Kölner Adaption der Rundfunkhörspiele.

Schauplätze der filmischen Umsetzung von Meister Eder und sein Pumuckl

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Anmerkung: Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Urheberrechtsstreitigkeiten

Im Zusammenhang mit der Figur des Pumuckl gab es einige Rechtsstreitigkeiten, die sich vor allem am Urheberrecht der Figur entzündeten und neben den beiden Müttern des Kobold, Ellis Kaut und Barbara von Johnson, auch den BR betrafen. Im ersten Rechtsstreit zwischen von Johnson und Kaut entschied das OLG München am 4. September 2003 (Az. 29 U 474302), dass beide das Urheberrecht an der Figur besitzen. Bereits zuvor stellte das LG München I die Urheberrechte von Johnsons an der Figur fest (Az. 7 O 22704/01), als es um die Verwendung der Figur zu Merchandisingzwecken durch ein Unternehmen ging. Am 13. September 2006 untersagte das Landgericht München I nach einer Klage von Johnsons dem BR die Ausstrahlung der Kindersendung "Pumuckl TV" und des Spielfilms "Meister Eder und sein Pumuckl" (Az. 21 O 553/03). Im Zuge dieser Klage wurde die Vergütung ihrer Urheberrechte neu geregelt. 2011 wurde der Betreiber des privaten Pumuckl-Museums in Ohlstadt (Lkr. Garmisch-Partenkirchen) von Barabara von Johnson erfolgreich verklagt. 2012 beendeten Kaut und von Johnson anlässlich des 50. Geburtstags von Pumuckl ihren jahrelangen Streit und gaben eine Versöhnung bekannt. Jüngst kam es Anfang 2020 zu einem Rechtsstreit zwischen der Drehbuchautorin einer Folge der 1999 entstandenen Pumuckl-Serie "Pumuckls Abenteuer" und dem BR. Die verschiedenen Urheberrechtsstreitigkeiten verhinderten über viele Jahre die erneute Ausstrahlung der Serie sowie den Filmträgervertrieb.

Literatur

  • Dietmar Grieser, Pinocchio, Pumuckl und Peter Pan. Kinderbuchfiguren und ihre Vorbilder, Frankfurt am Main/Leipzig 2003.
  • Ellis Kaut, Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl, München 2009.
  • Brigitta Rambeck, Ellis Kaut (*17.11.1920). Nicht nur die Mutter des "Pumuckl", in: Alfons Schweiggert/Hannes S. Macher (Hg.), Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert, Dachau 2004, 233-234.
  • Süddeutsche Zeitung Nr. 40 vom 16./17. Februar 2019, 44.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Veronika Diem, Meister Eder und sein Pumuckl (Ellis Kaut, 1961), publiziert am 24.11.2020; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Meister_Eder_und_sein_Pumuckl_(Ellis_Kaut,_1961)> (11.04.2021)





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