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Kampfbund für deutsche Kultur (KfdK), 1928-1934

Alfred Rosenberg, Vorsitzender des Kampfbundes für deutsche Kultur; Aufnahme von 1940. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Hugo Bruckmann (aus: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. 1. Band, Berlin 1931, S. 224)

von Ernst Piper

Nationalsozialistische Organisation, gegründet am 4. Januar 1928 mit Sitz in München. Vorsitzender war Alfred Rosenberg (1893-1946). Der Bund, dem eine Reihe prominenter Mitglieder angehörte, wandte sich heftig gegen die künstlerische Moderne. Er wurde 1934 in die NS-Kulturgemeinde überführt.

Gründung

Der dritte Reichsparteitag der NSDAP verabschiedete im August 1927 "kulturelle Richtlinien zur Gewinnung der geistig Schaffenden". Alfred Rosenberg (1893-1946), der sich bereits 1919 Adolf Hitler (1889-1945) und seiner Partei angeschlossen hatte, Herausgeber des "Völkischen Beobachters" und vieler anderer Parteizeitschriften war und die Rolle des Chefideologen der NSDAP innehatte, erhielt den Auftrag, eine neue Organisation aufzubauen. Am 4. Januar 1928 wurde zunächst die "Nationalsozialistische Gesellschaft für deutsche Kultur" gegründet. Vorsitzender war Alfred Rosenberg, Schatzmeister Franz Xaver Schwarz (1875-1947), Schriftführer Philipp Bouhler (1899-1945). Weitere Gründungsmitglieder waren Heinrich Himmler (1900-1945) und Gregor Straßer (1892-1934). Ab dem 19. Dezember 1928 firmierte die Gesellschaft als "Kampfbund für deutsche Kultur". Sie hatte ihren Sitz in München in der Schellingstraße 50, schräg gegenüber der Redaktion des "Völkischen Beobachters", die Rosenberg ebenfalls leitete.

Programm und Ziele

Der Kampfbund war der organisatorische Ausdruck einer Kunstabwehrgesinnung. Er wandte sich heftig, zum Teil auch mit gewaltsamen Mitteln, gegen die künstlerische Moderne. Er sprach das konservative und reaktionäre Bürgertum an und versuchte dabei auch, als überparteiliche Organisation aufzutreten. Zugleich war er eine politische Sozialisationsagentur für die NSDAP. Den Reihen des Kampfbundes entstammten z. B. der spätere Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust (1893-1945) und der Staatskommissar für die thüringischen Landestheater Hans Severus Ziegler (1893-1978). Von 1929 bis 1933 wuchs die Mitgliederzahl des Kampfbundes nur von 300 auf etwa 6.000, versechsfachte sich dann allerdings im Jahr der "Machtergreifung".

München als regionaler Schwerpunkt

Seinen Schwerpunkt hatte der KfdK in München, wo auch sieben der elf Vorstandsmitglieder ansässig waren, darunter die Verleger Hugo Bruckmann (1863-1941) und Friedrich Julius Lehmann (1864-1935), die auch frühe Förderer von Adolf Hitler waren. Einen weiteren geographischen Schwerpunkt bildete Bayreuth, das u. a. durch Winifred Wagner (1897-1980) sowie weitere Mitglieder der Familie Wagner präsent war.

In München hielt der Kampfbund zwischen Februar 1929 und Februar 1932 insgesamt 21 Veranstaltungen ab. Die erste fand im Auditorium Maximum der Universität statt, wo der austro-faschistische Philosoph Othmar Spann (1878-1950) über "Die Kulturkrise der Gegenwart" sprach. Ein Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung wurde mit Paul Schultze-Naumburgs (1869-1949) Vortrag "Der Kampf um die Kunst" erreicht, der am 30. Januar 1931 im Auditorium der TH München stattfand. Die Veranstaltung war so überfüllt, dass sie einen Monat später im Theatersaal des Hotel Union wiederholt wurde.

Der Architekt und Theoretiker Schultze-Naumburg, Polemiker gegen das "jüdisch-bolschewistische Flachdach" und Proponent des Heimatschutzstils, war der Starredner des Kampfbundes. Er trat mit seinem Vortrag, der zentral auf die Auseinandersetzung um die künstlerische Moderne zielte, anschließend im ganzen Deutschen Reich auf. Kurz nach Schultze-Naumburg sprach Walter Stang (1895-1945) über den "Kampf um das deutsche Theater" in dem populären Steinecke-Saal in der Amalienstraße. Stang war Dramaturg bei der Münchner Theatergemeinde und Theaterreferent des Kampfbundes. Nach 1933 wurde er Amtsleiter in der Dienststelle des Überwachungsbeauftragten Rosenberg.

Überführung in die NS-Kulturgemeinde 1934

1934 wurde der Kampfbund für deutsche Kultur mit den zur Deutschen Bühne e.V. zwangsvereinigten Organisationen Bühnenvolksbund und Verband der deutschen Volksbühne zur NS-Kulturgemeinde zusammengeführt, die der nationalsozialistischen Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" unterstand.

Literatur

  • Reinhard Bollmus, Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, Stuttgart 1970.
  • Jürgen Gimmel, Die politische Organisation kulturellen Ressentiments. Der "Kampfbund für Deutsche Kultur" und das bildungsbürgerliche Unbehagen an der Moderne (Schriftenreihe von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung 10), Hamburg 2001.
  • Ernst Piper, Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe, München 2005.
  • Alan E. Steinweis, Weimar culture and the rise of National Socialism. The Kampfbund für deutsche Kultur, in: Central European History 24 (1991), 402-423.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Nationalsozialistische Gesellschaft für deutsche Kultur, Nationalsozialistische Kulturgemeinde

Empfohlene Zitierweise

Ernst Piper, Kampfbund für deutsche Kultur (KfdK), 1928-1934, publiziert am 29.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kampfbund für deutsche Kultur (KfdK), 1928-1934> (18.10.2018)