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Kösel-Verlag

Fürstabt Johann Erhard Blarer von Wartensee, Gründer der Druckerei. (Kösel-Verlag)
Joseph Kösel mit seiner Frau und einem seiner vier Kinder. (Kösel-Verlag)

von Christina Hofmann-Randall

Der Kösel-Verlag, einer der ältesten Verlage Deutschlands, geht auf die vermutlich 1593 gegründete Hofbuchdruckerei der Fürstabtei Kempten zurück. Seinen Namen erhielt er von Josef Kösel (1759-1825), der 1805 im Zuge der Säkularisation die Druckerei ersteigerte. Der Kösel-Verlag, der seit 1927 seinen Sitz in München hat, ist bis heute einer der bedeutendsten Verlage für katholisches Schrifttum in Bayern.

Die Anfänge des Kösel-Verlags in Kempten

Der Kösel-Verlag ging aus der von dem Fürstabt des Benediktinerstifts Kempten, Johann Erhard Blarer von Wartensee (reg. 1587-1594), vermutlich 1593 gegründeten Hofbuchdruckerei Typographia ducalis (Monasterii) Campidonensis hervor. Die in den Kriegswirren des Jahres 1632 zusammen mit der gesamten Klosteranlage vollständig zerstörte Druckerei wurde erst 1660 unter Fürstabt Roman Giel von Gielsberg (reg. 1639-1673) wieder aufgebaut. Bis zum 1. Dezember 1802, als die Buchdruckerei im Zuge der Säkularisation an Kurbayern überging, blieb sie im Besitz der Fürstäbte von Kempten.

Im Königreich Bayern

Im Jahre 1805 ersteigerte Josef Kösel (1759-1825), seit 1794 Faktor (technischer Leiter) der ehemals fürstäbtlichen Druckerei, das gesamte Unternehmen. Nach seinem Tod und dem zwischenzeitlichen Verkauf an Nikolaus Bail erwarb 1838 Johann Huber (1806-1864), der seit 1828 die Leitung der Druckerei innegehabt hatte, den Betrieb und führte ihn unter dem Namen "Kösel-Verlag" weiter. 1903 entstand die erste Verlagsniederlassung in München.

Weimarer Republik

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg führten 1920 zur Gründung einer Kommanditgesellschaft der Firmen Kösel (Kempten), Pustet (Regensburg), Isaria (München) und Lentner (München) mit dem Namen "Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet". 1927 trennten sich Kösel und Friedrich Pustet wieder; der Name wurde aber noch bis 1946 beibehalten. Der Verlag wurde in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt.

Im Nationalsozialismus

Wie alle religiös geprägten Verlage sah sich auch der Kösel-Verlag der Verfolgung durch den Nationalsozialismus ausgesetzt. Zwischen 1933 und 1945 wurden ungefähr 30 Titel verboten. Auf Anordnung der Reichsschrifttumskammer wurde der Verlag 1936 in eine Kommanditgesellschaft (KG) zurückverwandelt; persönlich haftende Gesellschafter waren Mitglieder der Familie Huber. 1940 musste sich der Kösel-Verlag von seinem nichtreligiösen Schrifttum trennen und konnte sich nur noch als so genannter "katholischer" Verlag behaupten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1945 übernahm Heinrich Wild (1909-1975) die Leitung des Kösel-Verlags, auf ihn folgte 1975-2003 sein Sohn Christoph (geb. 1940). Inhaltliche, technische und verlagspolitische Veränderungen kennzeichneten die folgenden Jahrzehnte. So zählte der Kösel-Verlag sowohl zu den Gründungsmitgliedern der "Bücher der Neunzehn" (1954) als auch des Deutschen Taschenbuchverlags (1960). Die ehemaligen Graphischen Werkstätten in Kempten sind seit 1982 wirtschaftlich und rechtlich getrennt und befinden sich heute unter dem Namen Kösel GmbH & Co. KG in Krugzell (Gde. Altusried). Im Jahre 2001 wurde der Kösel-Verlag an die Deutsche Verlags-Anstalt GmbH verkauft. Seit November 2005 gehört er zur Verlagsgruppe Random-House GmbH.

Das Verlagsprogramm bis 1945

Bis ins 19. Jahrhundert bildeten Liturgica einen Schwerpunkt der Verlagsproduktion, obwohl auch die übrigen theologischen Gebiete, speziell Patristik und Katechetik, eine bedeutende Rolle spielten. Besonders hervorzuheben sind die beiden Ausgaben der Kirchenväter, die 1830-1853 in 39 Bänden und 1869-1889 in 89 Bänden herauskamen. Den größten Erfolg aber erzielte der Verlag Ende des 19. Jahrhunderts mit den Werken Sebastian Kneipps (1821-1897).

Eine herausragende Rolle spielte die 1903 von Carl Muth (1867-1944) gegründete katholische Zeitschrift "Hochland", die sich die harmonische Verbindung von katholischer Kirche und moderner Kultur zum Ziel gesetzt hatte. Sie stellte, nachdem sie in den Jahren 1941-1945 verboten worden war, erst 1974 endgültig ihr Erscheinen ein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts publizierte der Kösel-Verlag hauptsächlich kirchengeschichtliche und katechetische Werke. Die konfessionell geprägte Schöne Literatur war, trotz so bedeutender Autoren wie Peter Dörfler (1878-1955), Enrica von Handel-Mazzetti (1871-1955) und Gertrud von LeFort (1876-1971) und mehrerer literarischer Reihen nur von untergeordneter Bedeutung.

Verlegerischer Neubeginn

Nach 1945 gewannen neben Theologie auch die Belletristik, Pädagogik und Philosophie zunehmend an Bedeutung. Der Kösel-Verlag stand nicht nur katholischen, sondern auch protestantischen und jüdischen Autoren offen. Bei Kösel erschienen u. a. Werke von Theodor Haecker (1879-1945), Konrad Weiß (1880-1940), Hedwig Conrad-Martius (1888-1966), Else Lasker-Schüler (1869-1945), Karl Kraus (1874-1936), Peter Bamm (1897-1975), Romano Guardini (1885-1968), Josef Pieper (1904-1997), Karl Rahner SJ (1904-1984), Joseph Bernhart (1881-1969), Gertrud Kolmar (1894-1943), Simone Weil (1909-1943) und Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI., geb. 1927). Auch die aktuelle Literatur Frankreichs sowie nahezu vergessene Werke der deutschen Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts waren Teil des Verlagsprogramms. Seit Mitte der 1970er Jahre sind die Kompetenzfelder des Verlages Psychologie und Lebenshilfe, Leben mit Kindern sowie Religion und Spiritualität (mit Schulbüchern für den Religionsunterricht). Derzeit (2006) umfasst das Verlagsprogramm an die 800 Titel.

Literatur

  • 400 Jahre Kösel-Verlag 1593-1993, München 1993.
  • Walter Flemmer, Verlage in Bayern, Pullach 1974.
  • Christina Hofmann-Randall (Bearb.), Das Archiv des Verlags Kösel. Mit Schwerpunkt ab 1945 (Kataloge der Universitätsbibliothek Eichstätt 9,1), Wiesbaden 1993.
  • Wolfram Hummel, Geschichte des Kösel-Verlages, Magisterarbeit München 1992.
  • Martin Kellenberger, Geschichte der jos. Köselschen Buchhandlung ehemals Typographia Ducalis in Kempten 1593-1920, Kempten 1922.
  • Kösel-Verlag, in: Lexikon des gesamten Buchwesens IV., Stuttgart 1995, 276.
  • Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Gedruckt zum 375jährigen Bestehen von Druckerei und Verlag, Kempten/München 1968.

Quellen

  • Archiv des Kösel-Verlags, KU Eichstätt NL 46.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Christina Hofmann-Randall, Kösel-Verlag, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kösel-Verlag> (12.12.2018)