Beisetzung Kronprinz Rupprechts, München, 6. August 1955

Portrait Rupprecht von Bayern in Uniform, undatiert. (Bayerische Staatsbibliothek München, Porträt- und Ansichtensammlung)
Portrait Rupprecht von Bayern, undatiert. (Bayerische Staatsbibliothek München, Porträt- und Ansichtensammlung)
Modell des Kronprinz-Rupprecht-Brunnen aus dem Jahr 1959. (Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe)
Grundsteinlegung Kronprinz-Rupprecht-Brunnen 20. November 1959. (Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe)

von Dieter J. Weiß

Nach seinem Tod am 2. August 1955 wurde Kronprinz Rupprecht von Bayern am 6. August 1955 im Rahmen eines Staatsbegräbnisses in der Münchner Theatinerkirche St. Kajetan beigesetzt. Der Leichnam war dazu in der Ludwigskirche aufgebahrt und wurde nach einem Requiem über die von Menschenmassen gesäumte Ludwigstraße zur Theatinerkirche am Odeonsplatz überführt.

Tod

Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869-1955) verbrachte seine letzten Lebensjahre nach der Rückkehr aus dem italienischen Exil vorwiegend in den Schlössern Leutstetten (Lkr. Starnberg) und Nymphenburg (München) sowie auf Reisen ins europäische Ausland. Auf die Nachricht von seiner schweren akuten Herzerkrankung versammelte sich die königliche Familie Anfang August 1955 an seinem Krankenlager in Leutstetten. Hier starb er am Dienstag, den 2. August 1955, um 14.55 Uhr, nachdem ihm sein Beichtvater Abt Hugo Lang (1892-1967) von St. Bonifaz (München) die Sterbesakramente gespendet hatte.

Aufbahrung

Der Kronprinz wurde in seiner Uniform als bayerischer Generalfeldmarschall zunächst in der Schlosskapelle Leutstetten, dann im Steinernen Saal von Schloss Nymphenburg aufgebahrt, wo viele Tausende Menschen Abschied nahmen. Am 5. August 1955 wurde der Leichnam in die Münchner Ludwigskirche überführt. Zu Füßen des Sarges lagen sieben Kissen mit Orden, im Sarg seine zwei Marschallstäbe (bayerisch und preußisch). Auf Anordnung von Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (1887-1980) wurde die in der Schatzkammer verwahrte Königskrone auf den Katafalk (Trauergerüst) gelegt. Die Totenwache übernahmen Ritter des Georgi-, des Militär-Max-Joseph-, des Malteser- und des Johanniter-Ordens.

Trauerkondukt und Beisetzung

Das Requiem am 6. August in St. Ludwig zelebrierte der Erzbischof von Bamberg, Dr. Joseph Schneider (1906-1998, reg. 1955-1976), weil sich der Münchner Erzbischof Joseph Kardinal Wendel (1901-1960, reg. 1952-1960) in Brasilien aufhielt; die Predigt hielt Abt Lang. Der letzte Generalfeldmarschall der Bayerischen Armee und des Ersten Weltkrieges wurde mit militärischen Ehren beigesetzt. Als der Sarg aus der Kirche getragen wurde, senkten sich 60 bayerische Regimentsfahnen und Standarten zu den Klängen des Bayerischen Präsentiermarsches. Der von sechs Pferden gezogene kleine Hoftrauerwagen brachte ihn durch die Ludwigstraße vorbei an einem Spalier dichtgedrängter Menschen in die Theatinerkirche St. Kajetan. In der Krypta der Theatinerkirche ist der schlichte Zinnsarkophag, der einen Eichensarg umschließt, zwischen dem seiner ersten Gemahlin Prinzessin Marie Gabriele (1878-1912) und seines ältesten Sohnes Erbprinz Luitpold (1901-1914) aufgestellt.

Kronprinz Rupprecht brach für seine Person mit dem jahrhundertealten Brauch der getrennten Herzbestattung der Wittelsbacher in der Gnadenkapelle Altötting. Als Abschluss dieser Tradition - und um den Platz neben der Urne der zweiten Gemahlin des Kronprinzen Antonie von Luxemburg (1899-1954) zu füllen - stiftete Herzog Albrecht von Bayern (1905-1996) für die Gnadenkapelle eine Votivgabe in Form einer Herzurne unter einer Königskrone mit der Aufschrift: QUIESCIT SUB MATRIS TUTELA (Er ruht unter dem Schutz Mariens).

Öffentliche Würdigungen

Auf die Todesnachricht unterbrach der Bayerische Landtag seine Sitzung zu einer Gedenkansprache des Landtagspräsidenten Hans Ehard (1887-1980). Die Staatsregierung ordnete Trauerbeflaggung und ein Staatsbegräbnis an. Mit Ministerpräsident Hoegner an der Spitze war sie bei der Beisetzung vollzählig anwesend; die Bundesregierung vertraten Vizekanzler Franz Blücher (1896-1959) sowie die Minister Fritz Schäffer (1888-1967) und Franz Josef Strauß (1915-1988). Papst Pius XII. (1876-1958, reg. 1939-1958) sandte ein Beileidstelegramm. Zahlreiche Berichte und Nachrufe erschienen in Zeitungen und Zeitschriften. Die Beisetzung fand in etwas bescheideneren Formen als die des Königspaares Ludwig III. (1913-1918) und Marie Thereses (1849-1919) 1921 statt, war im Gegensatz dazu aber ein offizielles Staatsbegräbnis und demonstrierte so das ausgezeichnete Verhältnis des Freistaates Bayern zu Kronprinz Rupprecht wie zum Königshaus. Ganz anders waren etwa die Verhältnisse im benachbarten Österreich, wo die Beisetzung Erzherzog Ottos von Österreich (von Habsburg, 1912-2011) am 16. Juli 2011 zwar in Anwesenheit der Staatsspitze, aber auch mit kritischen Auseinandersetzungen verbunden, stattfinden konnte. In München orientierte sich noch der Trauerzug für Ministerpräsident Franz Josef Strauß am 7. Oktober 1988 am Vorbild von 1955.

Im Jahr seines 90. Geburtstages 1959 wurde der Grundstein zum Kronprinz Rupprecht-Brunnen auf dem Platz vor dem Apothekerhof der Münchner Residenz vor dem Eingang der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gelegt. Bernhard Bleeker (1881-1968) schuf für ihn die Statue der Pallas Athene mit einer Waage über einer Doppelbrunnenschale. Die Eröffnung erfolgte in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Ehard und des Landtagspräsidenten Rudolf Hanauer (1908-1992) am 18. Mai 1961. Der Historiker Max Spindler (1894-1986) würdigte in seiner Festrede im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Verdienste des Kronprinzen als einer symbolischen Gestalt um Bayern. Bei dem Festakt wurde eine Büste des Kronprinzen von Theodor Georgii (1884-1963) in der Akademie aufgestellt.

Literatur

  • Hans Rall, Wittelsbacher Lebensbilder von Kaiser Ludwig bis zur Gegenwart. Führer durch die Münchner Fürstengrüfte, München o. J., 94-98.
  • Max Spindler, Ungekrönt - und doch ein König. Kronprinz Rupprecht von Bayern, in: Max Spindler/Andreas Kraus (Hg.), Erbe und Verpflichtung. Aufsätze und Vorträge zur bayerischen Geschichte, München 1966, 352-361.
  • Dieter J. Weiß, Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869-1955). Eine politische Biografie, Regensburg 2007.

Quellen

  • Der Kronprinz-Rupprecht-Brunnen in München. Ansprachen anläßlich der feierlichen Eröffnung am 18. Mai 1961 [München 1961] (ein Exemplar: StB Bavar. 3282 r).
  • Albert Wucher, Mit Rupprecht sinkt ein Stück Bayern ins Grab, in: Süddeutsche Zeitung vom 3. August 1955.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Dieter J. Weiß, Beisetzung Kronprinz Rupprechts, München, 6. August 1955, publiziert am 06.09.2011; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Beisetzung Kronprinz Rupprechts, München, 6. August 1955> (17.12.2017)