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Bayerische Beamtenbank

von Margarete Wagner-Braun

1920 gegründete Genossenschaftsbank der bayerischen Lehrer, die auf Initativen des Bayerischen Volksschullehrervereins seit 1909 zurückzuführen ist. Schon 1924 erweiterte die Bank ihren Mitgliederkreis auf alle Beamten, 1943 auch auf die Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst. Hauptsitz der Bank war Nürnberg. 1999 fusionierte die Bayerische Beamtenbank mit der Badischen Beamtenbank zur BBBank eG.

Die Bayerische Beamtenbank als Genossenschaftsbank

Das genossenschaftliche Bankwesen bildete sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heraus, als sich die gesamte deutsche Bankenstruktur neu formierte. Die bekanntesten und am weitesten verbreiteten Kreditgenossenschaften waren die Volks- und Raiffeisenbanken. Dazu kamen noch weitere Nebentypen, die vor allem die Kreditbedürfnisse des neuen Mittelstandes bedienten und deshalb ihren Kundenkreis sehr begrenzten. Neben den Eisenbahn Spar- und Darlehenskassen (den späteren Sparda Banken), den Post Spar- und Darlehensvereinen und den der Kirche nahe stehenden Genossenschaftsbanken (LIGA, PAX, ACREDO) zählten die Beamtenbanken zu den bedeutendsten Instituten dieses Typs. Ziel der Beamtenbanken ganz allgemein war es, die Kreditnot innerhalb des Beamtenstandes zu mildern. Sie vergaben anfangs meist Kleinstkredite, deren Betrag unter 100 Mark lag. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden in Deutschland ca. 15 Beamtenbanken gegründet; nach dem Krieg, in dem fast alle schließen mussten, stieg ihre Zahl erneut auf ca. 80 Institute an.

Gründung der Bayerischen Beamtenbank als Bank der Lehrer

Die Bayerische Beamtenbank gehört zu jenen Beamtenbanken, die nach dem Ersten Weltkrieg gegründet wurden. Erste von bayerischen Volksschullehrern initiierte Gründungsversuche gehen allerdings ins 19. Jahrhundert zurück. Als federführend erwies sich der 1861 entstandene Bayerische Volksschullehrerverein, der sich für die Verbesserung der finanziellen Lage der Volksschullehrer in Bayern einsetzte. Die im Jahr 1909 errichtete Darlehenseinrichtung diente der Bereitstellung von Krediten in besonders dringenden Fällen und kann als Vorläuferin der Bayerischen Beamtenbank angesehen werden.

Zur Gründung der Bayerischen Beamtenbank waren drei Anläufe nötig. Der erste Gründungsversuch im Jahr 1914 konnte nach Kriegsausbruch nicht weiterverfolgt werden, der zweite im September 1920 scheiterte an Diskussionen zwischen dem Volksschullehrerverband und anderen im nachrevolutionären Bayern entstandenen Beamtenvereinigungen, insbesondere der Bildungsbeamtengewerkschaft. Erst der dritte Versuch gelang am 20. Oktober 1920. Während die Rechtsform der Genossenschaft unumstritten war, führte der Unternehmensname zu Diskussionen. Die erste Firma lautete schließlich "Spar- und Darlehenskasse Bayerischer Bildungsbeamter eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht", was die Tatsache unterstreicht, dass die Bank allen Lehrern, nicht nur den Volksschullehrern, offen stand.

Erste Geschäftsjahre, Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus

Da die Gründung in die Inflationszeit gefallen war, kam es erst nach der Stabilisierung der Währung zu einem geschäftlichen Aufschwung, zu dem vor allem die Satzungsänderung vom Juni 1924 beitrug, die eine Ausweitung des Mitgliederkreises auf alle Beamten brachte. Im Anschluß daran nannte sich das Kreditinstitut zunächst "Bildungsbeamtenbank e.G.m.b.H." und ab 1925 noch treffender "Bayerische Beamten-Bank".

Die Weltwirtschaftskrise hatte auf viele Beamtenbanken negative Auswirkungen, einerseits, weil die Beamten infolge der umfangreichen Gehaltkürzungen kaum noch Ersparnisse bilden konnten, und andererseits, weil sich die Geschäftsleitungen einiger Institute auf spekulative Geschäfte eingelassen hatten. Die bayerische Beamtenbank dagegen überstand die Krise vergleichsweise gut, wenngleich die Bilanzsumme zwischen 1931 und 1934 doch leicht zurückgeging. 1935 hatte die Bank knapp 9.600 Mitglieder bei einer Bilanzsumme von 7,6 Mio. RM. Der weitaus größte Teil der gewährten Darlehen lag unter dem Betrag von 1.000 RM, da die Bayerische Beamtenbank vor allem das Kleinkreditgeschäft bediente.

Wie andere Genossenschaftsbanken kam auch die Bayerische Beamtenbank während der NS-Diktatur in Bedrängnis, was vor allem durch am Ende doch erfolglos gebliebene Fusionsbestrebungen seitens des nationalsozialistischen Regimes zum Ausdruck kam. Um den berufsspezifischen Charakter zu überdecken, firmierte die Bank ab 1943 mit "Genossenschaftsbank Nürnberg e.G.m.b.H." und weitete den Kundenkreis auf alle öffentlich Bediensteten aus.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs nach dem Krieg erteilte die US-Militärregierung am 23. Mai 1945. Schon 1947 kehrte man zum alten Namen Bayerische Beamtenbank zurück und partizipierte am Aufschwung der Nachkriegsjahre. Neben dem Hauptsitz in Nürnberg unterhielt die Bank Geschäftsstellen in München und Ludwigshafen. Den genossenschaftlichen Fördergedanken realisierte die Bayerische Beamtenbank zugunsten ihrer Klientel in besonderer Weise im Jahre 1969, indem Kontoführungsgebühren nicht mehr erhoben und günstigere Kreditkonditionen eingeführt wurden. Überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielte die Bank trotz des intensiver gewordenen Bankenwettbewerbs ab Mitte der 1980er Jahre. Mit der jüngsten Namensänderung erhielt sie ihre aktuelle Firma "Bayerische Beamten Bank eG". Zum 1. Januar 1999 fusionierte sie mit der Badischen Beamtenbank eG zur BBBank eG.

Literatur

  • Jürgen Schneider, Bayerische Beamten Bank eG (1920-1995) (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 70), Stuttgart 1995.

Weiterführende Recherche

Spar- und Darlehenskasse Bayerischer Bildungsbeamter eGmbH

Empfohlene Zitierweise

Margarete Wagner-Braun, Bayerische Beamtenbank, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische Beamtenbank> (12.12.2018)