Bürgerbräukeller, München

Bürgerbräukeller, Rosenheimer Straße 29, Gedenkfeier am 8./9. November 1933; Marschkolonne mit "Blutfahne", SS-Angehörige und Polizisten. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Veranstaltung der NSDAP am 3. März 1934, Blick in den vollbesetzten Saal. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Amerikanische Soldaten beim Basketballspiel in dem zur Turnhalle umgebauten Bürgerbräusaal, 1951. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Benedikt Weyerer

Gaststätte im Münchner Stadtteil Haidhausen mit Platz für 1.830 Personen. Der Bürgerbräukeller war ein bevorzugter Ort politischer Veranstaltungen und befand sich während der Weimarer Republik im Besitz der Löwenbrauerei unter dem Wirt Korbinian Reindl. Der Hitler-Putsch von 1923 nahm dort seinen Ausgang, auch Johann Georg Elsers (1903-1945) Attentat auf Adolf Hitler (1889-1945) im November 1939 fand dort statt. Der Bürgerbräukeller existiert heute nicht mehr.

Der Bürgerbräukeller als Ort politischer Veranstaltungen

In der 1885 eröffneten Großgaststätte "Bürgerbräukeller" in der Rosenheimer Str. 29 fanden Veranstaltungen aller Art und aller politischen Richtungen statt, etwa am 3. Februar 1905 eine Sympathiekundgebung für die niedergeschlagene Revolution in Russland.

Der Hitler-Putsch am 8./9. November 1923

Über die Grenzen Münchens hinaus bekannt wurde die Gaststätte durch eine Versammlung am 8. November 1923. Anlässlich des fünften Jahrestags der November-Revolution von 1918 lud Generalstaatskommissar Gustav von Kahr (1862-1934) an diesem Tag 3.000 Persönlichkeiten des bayerischen öffentlichen Lebens in den Bürgerbräukeller. Unter dem Titel "Vom Volk zur Nation" wollte er in einer programmatischen Rede über den Marxismus und seine endgültige Überwindung sprechen. Die NSDAP mit Adolf Hitler (1889-1945) an der Spitze sprengte diese Versammlung, verhaftete die bayerische Regierung und rief eine nationalsozialistische Revolution aus.

Nach der Übernachtung im Bürgerbräukeller machten sich 2.000 Bewaffnete am Morgen des 9. November 1923 auf den Weg durch die Innenstadt in Richtung des Wehrkreiskommandos Bayern an der Ludwigstraße 14 (heute: Bayerisches Hauptstaatsarchiv), um dort die militärische Gewalt zu übernehmen und die "nationale Revolution" mit einem "Marsch auf Berlin" ins ganze Deutsche Reich zu exportieren. Der Hitler-Putsch scheiterte an der Feldherrnhalle am Odeonsplatz, wo die zuvor auf Ehrenwort entlassene Regierung Kahr Einheiten der Bayerischen Landespolizei aufgeboten hatte, um den Putsch niederzuschlagen.

Neugründung der NSDAP 1925

Nach dem Hitler-Putsch war die NSDAP bis 16. Februar 1925 verboten. Ihre Wiederbegründung fand am 27. Februar 1925 bei einer Großveranstaltung im Bürgerbräukeller statt. In seiner Rede kündigte Hitler den Bürgerkrieg und das rücksichtslose Vorgehen gegen alle Feinde der NSDAP an. Diese Aussagen bewogen die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Heinrich Held (1868-1938, BVP), der Partei die Auflage zu machen, nur noch geschlossene Veranstaltungen abzuhalten. Dieser Erlass wurde am 5. März 1927 wieder aufgehoben.

Nationalsozialistischer Wallfahrtsort seit 1933

Seit dem 8. November 1933 wiederholte die Prominenz der NSDAP den Marsch auf die Feldherrnhalle als jährlichen Staatsakt. Dieser begann jeweils mit einer programmatischen Rede Hitlers vor der Partei-, Staats- und Wehrmachtsprominenz im Bürgerbräukeller, der sich zum nationalsozialistischen Wallfahrtsort entwickelte.

Das Attentat von Johann Georg Elser am 8. November 1939

Das zum 8. November 1939 im Bürgerbräukeller geplante und durchgeführte Attentat Johann Georg Elsers (1903-1945) gegen Hitler verfehlte sein Ziel, weil dieser seine Rede ungewohnt frühzeitig beendet und zusammen mit der NS-Prominenz den Saal verlassen hatte. Acht Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Die Sprengbombe beschädigte auch das Gewölbe des Bräukellers. Elser wurde am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet.

Bevorzugung anderer Räumlichkeiten ab 1940

Aus Aberglaube und aus Angst vor alliierten Luftangriffen fanden die jährlichen Feierlichkeiten seit 1940 nur noch in Form einer Rede Hitlers im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz statt. Am 8. November 1942 prophezeite Hitler dort den deutschen Sieg in Stalingrad, am 8. November 1943 bekräftigte er die Fortsetzung des Völkermordes an den Juden und stellte den vollständigen Wiederaufbau der zerbombten deutschen Städte innerhalb von zwei Jahren nach dem "Endsieg" in Aussicht.

Nutzung nach 1945

Der Bürgerbräukeller diente bis Kriegsende 1945 als Lebensmittellager. Nach Kriegsende nutzte ihn die US-Armee als Kantine. 1958 wurde er als Großgaststätte und Veranstaltungsort wieder eröffnet und schließlich 1979 abgerissen. Heute stehen die Hauptverwaltung der GEMA und das Hotel Hilton Munich City auf dem Grundstück. Unter der Adresse Rosenheimer Straße 11 erinnert seit 1989 eine Tafel am Boden an das Attentat des Jahres 1939.

Literatur

  • Benedikt Weyerer, München 1919-1933. Stadtrundgänge zur politischen Geschichte, München 1993.
  • Benedikt Weyerer, München 1933-1949. Stadtrundgänge zur politischen Geschichte, München 1996.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Benedikt Weyerer, Bürgerbräukeller, München, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bürgerbräukeller,_München> (21.09.2017)