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tz

(Weitergeleitet von Artikel 46314)
Logo der tz. (Bild von tz München via Wikimedia Commons)

von Paul Hoser

Die tz ist eine seit dem 18. September 1968 erscheinende Münchner Boulevardzeitung des Münchener Zeitungsverlags. Sie konnte sich nicht nur neben der Abendzeitung und der Münchner Ausgabe von "Bild" behaupten, sondern schließlich beide überflügeln. Wie bei diesen sind für die äußere Aufmachung große und kleine, leicht verständliche Bilder typisch. Ebenso sind Skandalenthüllungen, Gesellschaftsklatsch und Berichte über attraktive Veranstaltungen für das Leserpublikum charakteristisch. Ein besonderes Interesse gilt der Münchner Rathauspolitik.

Gründung

Die erste Ausgabe der tz erschien am 18. September 1968. Es handelte sich um die erste Neugründung einer Tageszeitung in München seit 1948. Damit gab es in München neben der Süddeutschen Zeitung (SZ), der Abendzeitung und dem Münchner Merkur (MM) noch eine vierte Tageszeitung. Die Einführungsauflage betrug 150.000 Stück. Sie wurde aufwendig präsentiert: Über 70 sog. tz-Hostessen in orangeroten Jacken mit weißen Kappen (den damaligen Farben der Zeitung) verteilten sie im Stadtgebiet kostenlos. Für den Vertrieb stellten Motorrollerfahrer vor allem an Straßenbahnhaltestellen, vor Fabriken, an zentralen Plätzen und an markanten Stellen großer Straßen sog. stumme Verkäufer auf - damals eine Neuerung. Die Redaktion machte anfangs ein Geheimnis daraus, wofür die Abkürzung "tz" stand, nach späteren Angaben bedeutete sie "Tageszeitung". Ausgedacht hatte sich den Titel der Gesellschafter des Münchner Zeitungsverlags, Ludwig Vogl (1922–2014). Die tz war bereits die dritte Boulevardzeitung in München, seit es neben der Abendzeitung ab 1. April 1968 auch eine Münchner Ausgabe der überregionalen Bild-Zeitung gab.

Die tz kostete anfangs 20 Pfennige. Die Insolvenz der Abendzeitung 2014 nahm der Verlag zum Anlass, um den Preis der von Montag bis Freitag erscheinenden Ausgabe von 60 auf 80 Cent zu erhöhen, rund das Achtfache des Preises von 1968.

Auflage

Die tz hat inzwischen (Stand 2019) unter den Münchner Boulevardzeitungen die führende Stellung erreicht. Sie ist eine Straßenverkaufszeitung, verfügt aber auch über einen Abonnentenstamm. Die tz hat auch ein online-Portal und ist digital erhältlich.

Verkaufsauflage jeweils 4. Quartal
Jahr tz Abendzeitung Bild München
Auflage Anteil

Remittenden

Auflage Anteil

Remittenden

Auflage Anteil

Remittenden

1968 78.570 23,6 % 176.718 26,6 % 114.935 15,2 %
1978 158.715 16,5 % 216.104 15,3 % 182.490 13 %
1988 172.596 18,8 % 215.294 14,6 % 172.332 14,8 %
1998 150.060 26,6 % 157.402 19,9 % 155.795 19,3 %
2008 145.038 15,2 % 125.619 27,1 % 120.421 26,2 %
2014 109.011 36,2 % 43.818 31,9 % 80.205 43,7 %

Verlag und Gesellschafter

Der Journalist und Fernsehmoderator Erich Helmensdorfer (1920-2017) war 1968 Gründungschefredakteur der tz. Zuvor war er u. a. bei der Münchner Abendzeitung als Redakteur tätig. (Interfoto, Mediennummer: 00340308)

Treibende Kräfte bei der Gründung waren der Anteilsinhaber des Münchener Zeitungsverlags, Ludwig Vogl, und der Journalist und Fernsehmoderator Erich Helmensdorfer (1920-2017), der früher u. a. bei der Abendzeitung Redakteur gewesen war, und erster Chefredakteur der tz wurde. Die Gründer hofften, in eine Marktlücke vorstoßen zu können, weil die Abendzeitung nach Preis und Seriosität des Inhalts keine reine Boulevardzeitung mehr war, sondern vielfach von Lesern sogar als alleinige Zeitung bezogen wurde. "Bild München" wurde hingegen als zu wenig bayerisch angesehen. Das Konzept lautete Erich Helmensdorfer zufolge: "Kürzer als die AZ und bayerischer als Bild." (tz, 18.9.1988).

Die tz gehörte zum Komplex der "Münchener Zeitungsverlag KG". Schließlich wurde die "Zeitungsverlag tz München GmbH & Co KG" gegründet. Komplementär bestand bis ins Jahr 2000 die "tz München GmbH" mit einer Einlage von 500.000 DM. Sie bestand neben der "Münchner Zeitungs-Verlag – GmbH & Co KG". Die Zusammensetzung der Anteile und ihrer Inhaber war bei beiden identisch. Dadurch, dass sie Teil eines großen Pressekonglomerats war, konnte die Boulevardzeitung tz auch Krisen leichter überstehen.

Der Aufschwung der anfänglich verlustreichen tz wurde erheblich gefördert, als ihr Anzeigenteil nach und nach zu einem gewissen Grad mit dem des Merkur verbunden wurde.

Pressehaus in der Bayerstraße in München, Sitz von tz und Münchner Merkur. Undatierte Aufnahme, ca. Anfang der 1980er Jahre. (SZ-Photo, Mediennummer: 00780848)

Verlag und Redaktion sind seit Gründung der tz im Pressehaus Bayerstraße (Eingang und offizielle Adresse Paul-Heyse-Straße 2-4), wo auch Verlag und Redaktion des Münchner Merkur ansässig sind. Die ursprünglich auch dort angesiedelte Verlagsdruckerei für beide Zeitungen befindet sich seit 1993 im Druckhaus Dessauerstraße 10.

2016 wurden die Lokalredaktionen von Münchner Merkur und tz zusammengelegt. Diese Maßnahme sollte der Anfang für eine weitgehende Fusion der beiden Blätter sein, die aber noch nicht abgeschlossen ist (Stand: 2020). 2018 wurde in diesem Zusammenhang eine eigene "Merkur tz Redaktions GmbH" gegründet.

Chefredaktion

Nach dem Ausscheiden von Helmut Stegmann (1939-1997) und Hans Riehl (1935-2019), der zuletzt alleiniger Chefredakteur war, folgte eine Krise in der Redaktionsleitung. Dirk Ippen (geb. 1940), der seit 1982 den Münchener Zeitungsverlag kontrolliert, hatte zwei Journalisten von "Bild" in die Chefredaktion geholt. Sie hielten sich nur ein Jahr. Beiden war es weder gelungen, ein Vertrauensverhältnis zur Redaktion zu finden, noch sich in die bisherige bayerisch-münchnerische Linie einzufühlen. Stattdessen orientierten sie sich stilistisch an der Bild-Zeitung. Nach ihrem Weggang stabilisierte sich die Lage wieder.

Chefredakteure der tz
Name Amtszeit Bemerkung
Erich Helmensdorfer (1920-2017) 1968-1970
Otto Merk (1922-1998) 1970–1987
Helmut Stegmann (1939–1997) 1973–1997 zusätzlich mit Otto Merk
Karl Wanninger (1922-1992) 1973–1987
Hans Riehl (1935–2019) 1973–1997
Thomas Dobernigg 1997–1998 vorher bei der Bild-Zeitung
Friedhelm Berger 1997–1998
Peter Fischer 1998–1999 kommissarisch
Karl Schermann (geb. 1950) 1999–2006 zuvor in der Lokalredaktion, 2006-2013 Chefredakteur des Münchner Merkurs (MM)
Rudolf Bögel (geb. 1962) 2006 – Februar 2018 zuvor bei der Süddeutschen Zeitung (SZ), dann Lokalchef der Abendzeitung
Sebastian Arbinger seit 2018 früher Reporter bei der Bild-Zeitung, dann Leiter der Lokalredaktion von Münchner Merkur (MM) und tz

Äußere Form

Schlagzeilen der in München erscheinenden Boulevardzeitungen (im Uhrzeigersinn) Bild München, Abendzeitung und tz zum Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft 1972. Ausgaben vom 6. September 1972. (Interfoto, Mediennummer: 01966828)

Bei ihrer Gründung wählte die tz für den Kopf das sanfte Orange anstelle des schreienden Rots der beiden Boulevard-Konkurrenzblätter. Erst 1998 entschied man sich auch bei der tz für die Farbe Rot. Entsprechend dem Zeitgeist der späteren 1960er Jahre und analog zu den anderen beiden Boulevardzeitungen brachte die tz Fotos sehr knapp bekleideter junger Frauen.

Mit Hilfe des aus Kuba stammenden US-amerikanischen Zeitungsdesigners Mario R. García (geb. 1947) wurde 1998 die äußere Form des Blatts grundlegend verändert. Einzelne Wörter in Überschriften wurden farbig hinterlegt oder farbig gedruckt, Bilder wurden vielfach an den Konturen der Motive abgeschnitten. Später fielen auch die farbigen Unterstreichungen der Titelschlagzeilen weg. Die Spalten wurden übersichtlicher gestaltet und man verwendete nur noch Farbfotos. Die großen Fotos hatten anders als früher, direkten Bezug zu der Geschichte, bei der sie platziert waren. Man folgte dem Prinzip: große Bilder neben kleinen Texten.

Für die Abendzeitung waren lange die humorvollen, aber nicht scharfen Karikaturen von Franziska Bilek (1906–1991) mit der Figur des Münchners "Herrn Hirnbeiß" charakteristisch, während die tz bereits 1968 mit dem Österreicher Horst Haitzinger (geb. 1939) einen sehr bissigen, politischen Karikaturisten engagierte.

Spezifika als Boulevardzeitung

Werbeveranstaltungen mit Breitenwirkung bei einem großen Publikum waren u. a. das "größte Schafkopf-Turnier der Welt", das "Volksradeln" im Deisenhofener Forst und zur Faschingszeit der "tezetchen-Ball". Die "Tezetchen-Biene" war eine erfundene, von Haitzinger gezeichnete Figur, die über die Zeitung aus der Sicht einer emsigen, auch Kaffee kochenden Sekretärin berichtete. Die Figur ist bis heute präsent (Stand: 2020). Möglicherweise war der in eine andere Richtung zielende, mit einer Art Misswahl verbundene "Schwabinchen-Kult" der Abendzeitung eine Inspirationsquelle für die Tezetchen-Biene. Auch Preisausschreiben fehlten nicht. Die Abendzeitung verlieh als Auszeichnung für Künstler den "AZ-Stern", die tz die "tz-Rose".

Während die Abendzeitung zuerst mit Hannes "Hunter" Obermaier (1923–1990) und ab 1971 mit Michael Graeter (geb. 1941) erfahrene Gesellschaftsreporter für Klatsch aus der Prominenz hatte, beschäftigte die tz 1969 eine Frau als Gesellschaftskolumnistin: Almut Hauenschild, die 1974 zu "Bild" wechselte und später für die tz aus Bonn (Nordrhein-Westfalen) berichtete. Ohne Klatsch und Berichte über die Ereignisse in der "Schickeria" kam auch die tz nicht aus. Paul Sahner (1944-2015), der Polizeireporter für "Bild" gewesen war und später Chefreporter der Illustrierten "Bunte" wurde, arbeitete zeitweise für die tz.

Die tz hatte auch eine "Pop-Redaktion", die zusammen mit Show-Agenturen Gesangsstars auf Veranstaltungen präsentierte. Bei der für die Boulevardpresse typischen Jagd nach Sensationen und Skandalen unterliefen mitunter auch gravierende Fehler. So behauptete die tz etwa am 16. März 2006, die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München I befasse sich mit dem Fußballprofi Bastian Schweinsteiger (geb. 1984) vom FC Bayern München. Es hieß, er stehe unter dem Verdacht, sich durch hohe Wetteinsätze auf möglicherweise manipulierte Spielergebnisse bereichert zu haben. Am 24. März 2006 musste die Zeitung ihre Vorwürfe gänzlich zurücknehmen. Der verantwortliche Sportredakteur schied aus.

Politik

Die Zeitung bekannte sich in ihrer ersten Nummer zu keiner grundsätzlichen Programmatik politischer oder sonstiger Art. Einem bestimmten politischen Lager lässt sie sich auch gegenwärtig immer noch nicht eindeutig zuordnen. Bei der Gründung der tz war eine Reihe jüngerer Redakteure vom Merkur zur neuen Zeitung gewechselt. In ihrer Einstellung waren sie liberal und auch kritisch gegenüber der CSU.

Die Programmatik des aktuellen Chefredakteurs Sebastian Arbinger ist sehr vage und unverbindlich gefasst. Man wolle "münchnerisch" sein und zu Münchner Problemen wie z. B. der Wohnungsnot recherchieren. Menschen und Geschichten über Menschen sollen im Vordergrund stehen. Künftig sollen die Leserbriefe mehr Raum erhalten, um der Stimme der Leserschaft mehr Gewicht zu verleihen. Außerdem wolle die tz "modern" sein, jedoch ist nicht präzisiert, was darunter zu verstehen sein soll.

Im Vordergrund des Interesses standen Münchner Problematiken und die Politik im Rathaus, wobei öfter auch Nebensächlichkeiten ein besonderes Augenmerk geschenkt wird. So wandte sich z. B. ein Lokalredakteur sehr scharf gegen die Änderung der traditionellen Farben der Straßenbahn von hellem in ein dunkleres Blau.

Literatur

  • Dirk Ippen, Mein Leben mit Zeitungen, Frankfurt a.M. 2019.
  • Kurt Koszyk, Publizistik und Medien, in: Max Spindler/Alois Schmid (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Band IV/2, München 2. Auflage 2007, 495-535.
  • Patricia Schmidt-Fischbach, Der Münchner Merkur und die tz, in: Hans Wagner/Ursula E. Koch/Patricia Schmidt-Fischbach (Hg.), Enzyklopädie der bayerischen Tagespresse, München 1990, 107-124.
  • Karl Stankiewitz, München 1968. Traumstadt in Bewegung, München 2008.

Quellen

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Empfohlene Zitierweise

Paul Hoser, tz, publiziert am 02.03.2020; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/tz> (03.12.2020)




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