Hinweis: Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
 Mehr erfahren

Vereinigung vaterländischer Verbände in Bayern (VVVB), 1922-1927

Otto Pittinger (1878-1926). Zeichung von Walther Schachinger, 1923. Abb. aus Bayerische Umschau, 32. Folge, 4 (1926). (Bayerische Staatsbibliothek 4 Bavar. 3179 k-4)
Hermann Bauer (1884-1960). Der Gymnasialprofessor und Landtagsabgeordneter der DNVP war der Vorsitzende der Vereinigung der Vaterländischen Verbände in Bayern. Abb. aus: Amtliches Handbuch des Bayerischen Landtags, München 1925, 107. (Bayerische Staatsbibliothek, Bavar. 4339 h-1925)
Titelblatt der Zeitschrift "Bayerische Umschau" von 1926. Das Presseorgan des Bundes Bayern und Reich, das bis 1926 mehrere Umbenennungn erfahren hatte, diente auch der Vereinigung Vaterländischen Verbänden in Bayern als Publikationsplattform. Bayerische Umschau, 9. Folge, 4 (1926). (Bayerische Staatsbibliothek 4 Bavar. 3179 k-4)

von Christoph Hübner

Vereinigung von 19 gemäßigten vaterländischen Verbänden Bayerns unter dem Vorsitz von Hermann Bauer (1884-1960), gegründet am 9. November 1922. Die radikalen vaterländischen Kampfverbände sammelten sich 1923 in einer Gegengründung, der Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Kampfverbände. Die Vereinigung verlor rasch an Bedeutung und löste sich 1927 auf.

Gründung und Mitglieder

Die Vereinigung vaterländischer Verbände in Bayern (VVVB) stellte den Versuch der gemäßigten Kräfte der vaterländischen Bewegung Bayerns dar, die von ihr zunehmend abfallenden radikaleren Verbände wieder näher an sich heranzuziehen und so die Bewegung zu einigen. Nach längeren Verhandlungen, deren treibende Kraft Otto Pittinger (1878-1926) war, schlossen sich am 9. November 1922 offiziell 19 Organisationen zur Vereinigung unter dem Vorsitz des Münchner Gymnasialprofessors Hermann Bauer (1884-1960) zusammen. Wirklich bedeutend unter den Mitgliedern waren allerdings lediglich der Bund Bayern und Reich Pittingers, die Nürnberger Reichsflagge, der Verband der vaterländischen Bezirksvereine Münchens sowie einige völkische Organisationen und zwei Offiziersverbände, wobei letztere ohnehin ihre Organisationsschwerpunkte außerhalb Bayerns hatten. Hitlers NSDAP trat zwar zunächst bei, verließ die Vereinigung jedoch bereits im Januar 1923 wieder. Andere wichtige Verbände wie die Bünde Oberland und Wiking verweigerten sich von vornherein - ihr Misstrauen gegen die "weiß-blauen" Kräfte um Pittinger war bereits zu groß.

Die Schwäche der Vereinigung war indes von Anfang an offenkundig: Um möglichst viele Organisationen zur Mitarbeit heranzuziehen, war den einzelnen Bünden ein Vetorecht in Richtungsfragen zugestanden worden. Der Vorstand um Bauer hatte daher kaum Entscheidungsbefugnisse. Finanzielle Mittelknappheit tat ein Übriges.

Spaltung der bayerischen Wehrbewegung 1923

So konnte auch die Vereinigung vaterländischer Verbände Bayerns die drohende Spaltung der bayerischen Wehrbewegung nicht verhindern, ja nicht einmal verzögern. Hitler boykottierte bereits im Januar 1923 die gemeinsame Protestveranstaltung gegen den Ruhreinmarsch Frankreichs und forderte gleichzeitig die Organisation auf, sich bei der Staatsregierung gegen das Verbot des NSDAP-Parteitages einzusetzen. Als dies nicht zu seiner Zufriedenheit geschah, trat er kurzer Hand aus der Vereinigung aus. Kurze Zeit später errichtete er gemeinsam mit Pittingers und Bauers Gegenspielern Ernst Röhm (1887-1934) und Friedrich Weber (1892-1954) die Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Kampfverbände, die sich als besser organisierte Gegengründung der radikalen Kräfte verstand.

Bedeutungsverlust seit Herbst 1923 und Auflösung

Die Vereinigung führte daher bereits 1923 ein Schattendasein. Schon bei den Vorbereitungen zu den von Generalstaatskommissar Gustav von Kahr (1862-1934) geplanten Aktionen im Herbst 1923 handelten die Verbände wieder selbständig. Die Vereinigung wurde nicht mehr konsultiert. Am 10. November 1923 trat sie noch einmal mit einer allgemein beachteten Resolution an die Öffentlichkeit, in der sie von Kahr nochmals die Errichtung der nationalen Diktatur forderte. Dazu war es jedoch zu spät. Als sich die innenpolitische Lage in der Folgezeit allmählich beruhigte, verfiel die Vereinigung weiter und bestand schließlich praktisch nur noch auf dem Papier. Die Gründung des Führerrings Süd als Konkurrenzverbund im November 1927 besiegelte ihr Schicksal endgültig.

Dokumente

Literatur

  • Hans Fenske, Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918, Bad Homburg u. a. 1969.
  • Horst G. W. Nußer, Konservative Wehrverbände in Bayern, Preußen und Österreich 1918-1933. Mit einer Biographie von Forstrat Georg Escherich 1870-1941. 2 Bände, München 1973.

Quellen

  • Ernst Deuerlein (Hg.), Der Hitlerputsch. Bayerische Dokumente zum 9. November 1923, Stuttgart 1962.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Christoph Hübner, Vereinigung vaterländischer Verbände in Bayern (VVVB), 1922-1927, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Vereinigung_vaterländischer_Verbände_in_Bayern_(VVVB),_1922-1927> (24.08.2019)




Haben Sie Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie an die Redaktion

© Historisches Lexikon Bayerns 2005 -2019. Die Rechte an den Texten und Bildern dieses digitalen Angebots liegen, soweit nicht anders angegeben, bei der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Rechte an den anderweitig gekennzeichneten Texten und Bildern liegen bei den genannten Institutionen oder Personen. Weitere Informationen, u. a. zur Zitierweise, Weiterverlinkung oder Verwendung von Inhalten finden Sie unter www.historisches-lexikon-bayerns.de.