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Passauer Neue Presse

Johannes "Hans" Kapfinger, Gründer der "Passauer Neuen Presse". Kapfinger studierte Philosophie, Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft und wurde 1927 mit einer Arbeit über den politischen Katholizismus zum Dr. phil. promoviert. Der spätere Träger des Bayerischen Verdienstkreuzes erhielt 1946 eine der begehrten Lizenzen für die Herausgabe einer Zeitung. (Foto: Archiv Passauer Neue Presse)
Das 1995 eröffnete Medienzentrum der Verlagsgruppe Passau wurde vom Schweizer Architekten Sorin Sokalski entworfen. (Foto: Passauer Neue Presse/Thomas Jäger)
Werbung für die Passauer Neue Presse auf der Rückseite der Ausgabe "aktuell - Deutsches Wochen-Magazin" (Nr. 12/61, München, 30. September 1961, Umschlagrückseite).
Titelbild des Wochenmagazins "aktuell - Deutsches Wochen-Magazin", Nr. 1/61, München, 15. Juli 1961. Das von der Neuen Münchner Verlags GmbH & Co. KG unter der Herausgeberschaft Kapfingers seit 1961 erscheinende Magazin war als Konkurrenz zum seit 1947 sehr erfolgreichen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gedacht. Bereits am 25. August 1962, nach nur 14 Monaten, musste das Blatt wegen mangelnden Erfolges wieder eingestellt werden. (Bayerische Landesbibliothek Online/Passauer Neue Presse)
Werbung für "aktuell - Deutsches Wochen-Magazin" in der Ausgabe Nr. 1/61 vom 15. Juli 1961, Seite 5.

von Markus Wennerhold

Die "Passauer Neue Presse" ist eine Tageszeitung mit Verbreitung v. a. im gesamten ostbayerischen Raum. Sie ist heute (2013) ein Produkt der international agierenden Verlagsgruppe Passau, die auch Zeitungen in Tschechien und Polen besitzt. Sie erschien erstmals am 5. Februar 1946 mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren. Begründer und erster Herausgeber war Hans Kapfinger (1902-1985), der das Blatt bis 1985 leitete. Mit seiner starr ablehnenden Haltung gegenüber der städtischen Kleinkunst- und Kabarettszene und seinem provokativen Stil machte er sich nicht nur Freunde. Nach seinem Tod übernahmen sein Sohn Heinz Kapfinger (geb. 1934), seine Frau Edith Berger-Kapfinger (1923-2009) und deren Tochter aus erster Ehe, Angelika Diekmann, die Leitung der "Passauer Neue Presse". Seit 2002 werden alle Anteile von der Familie Diekmann gehalten.

Bemüht um eine neue, freiheitliche Berichterstattung vergab 1946 die amerikanische "Nachrichtenkontrolle der Bayerischen Militärregierung" ihre Lizenz Nummer 16 an Johannes "Hans" Kapfinger (1902-1985), gültig für das östliche Gebiet Niederbayerns, Stadt und Landkreis Passau, den unteren Bayerischen Wald und einen Teil des Rottals. Die erste Ausgabe der "Passauer Neuen Presse" erschien am 5. Februar 1946 mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren. Auf der Titelseite postulierte der Herausgeber und Chefredakteur Hans Kapfinger als Hauptaufgabe des Blattes die Förderung der einheimischen Wirtschaft, ohne deren Entwicklung die Demokratie nicht gedeihen könne.

Herkunft Kapfingers

Geboren am 27. Dezember 1902 in Adldorf bei Landau (Lkr. Dingolfing-Landau) wuchs Kapfinger in einfachen Verhältnissen auf und verstand nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser Erfahrung die "Passauer Neue Presse" zeitlebens als "Sprachrohr des kleinen Mannes". Nach dem Studium der Philosophie, Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in München stieg Kapfinger 1927 als Redakteur beim "Straubinger Tagblatt" ein. Dort zum Chefredakteur aufgestiegen, wurde er 1933 wegen kritischer Worte gegen Adolf Hitler (1889-1945) und Mitglieder des neuen Reichskabinetts von den Nationalsozialisten verhaftet, bald jedoch unter dem Verbot publizistischer Betätigung wieder auf freien Fuß gesetzt. Diese Episode erschwerte Kapfingers wirtschaftliche Verhältnisse bis Kriegsende erheblich, empfahl ihn jedoch danach bei der Besatzungsmacht als Herausgeber einer neuen, demokratisch gesinnten Zeitung.

Die "Passauer Neue Presse" als demokratisches Pressemedium

Als Chefredakteur und Leitartikler kultivierte Kapfinger einen unbequemen, oft provokanten Stil, der auch die Opposition zur amerikanischen Militärregierung nicht scheute, so etwa in einem offenen Brief an den Hochkommissar John Jay McCloy (1895-1989), der im Juli 1949 auch überregional Aufsehen erregte. Obwohl sie ihm mit dem Entzug der Presselizenz drohten, ließen die Amerikaner Kapfinger straflos gewähren. Die "Passauer Neue Presse" etablierte sich rasch als bayernweit wahrgenommenes, meinungsstarkes Organ, das die Landes- und Bundespolitik mit wachem Blick und offenen Worten begleitete.

Persönliche Verwicklungen des streitbaren Kapfinger hatten indes nicht selten Auswirkung auch auf seine Zeitung: So diente die "Passauer Neue Presse" dem Herausgeber in den 1960er Jahren verschiedentlich als Vehikel für ausdauernde Streitereien und Anfeindungen, insbesondere gegen den damaligen regierenden Bürgermeister von Berlin und SPD-Kanzlerkandidaten Willy Brandt (1913-1992, geb. als Herbert Ernst Karl Frahm), die so weit gingen, dass Brandt Strafanzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung stellte. Ein im Juli 1961 unter dem Namen "aktuell" gegründetes Konkurrenz-Wochenblatt zum "Spiegel" blieb ohne Erfolg (Die "aktuell" begann am 17. Juni 1961 mit Nr. 0/61 und endete am 25. August 1962 mit Nr. 34. Sie erschien in der Neuen Münchner Verlags GmbH & Co. KG unter der Herausgeberschaft Kapfingers). Die "Passauer Neue Presse" hingegen wurde zur erfolgreichsten Regionalzeitung Bayerns. Alle vier nach dem Krieg in Passau herausgegebenen Tageszeitungen mussten ihr Erscheinen nach kurzer Zeit wieder einstellen.

In den 1970er Jahren sorgte die "Passauer Neue Presse" als Teil einer vielfach angeprangerten Trinität aus Klerus, Christlich-Sozialer Union (CSU) und Presse für Aufsehen. Durch ihre starr ablehnende Haltung gegenüber der städtischen Kleinkunst- und Kabarettszene, die insbesondere im Passauer "ScharfrichterHaus" überregionale Anerkennung erfuhr, entfremdete sich das Blatt Kapfingers, der sich selbst als "katholischen Publizisten" sah, immer mehr von jüngeren Leserkreisen. Nach dem Tod Kapfingers 1985 veränderte die "Katholenprawda" (wie die "Passauer Neue Presse" von der "Süddeutschen Zeitung" tituliert wurde) ihr Gesicht, wurde aufgeschlossener, farbiger und unterhaltsamer. Die Kontrolle über das Unternehmen ging auf zwei Gesellschaftergruppen über: auf den Sohn Heinz Kapfinger (geb. 1934) und Edith Berger-Kapfinger (1923-2009), die Witwe des Gründers, sowie deren Tochter Angelika Diekmann. Seit 2002 werden alle Anteile von der Familie Diekmann gehalten.

1994 zog die Redaktion in das neue Druck- und Verlagszentrum am Stadtrand und besiegelte damit den Anbruch einer neuen Ära: Die Öffnung der Grenzen nutzten die Passauer Verleger, um sich im Zeitungsgeschäft der östlichen Nachbarn zu etablieren. Zum Verlagsimperium zählen heute (2013) u. a. Medien in Tschechien (Verlagsgruppe Vltava-Labe-Press [VLP]) und Polen (Polskapresse).

Die "Passauer Neue Presse" erscheint heute (2013) in einer verkauften Auflage von 165.000 Exemplaren. Herausgeberin ist Simone Tucci-Diekmann (geb. 1973). Zum Verbreitungsgebiet der Zeitung gehört außerhalb des östlichen und südöstlichen Niederbayerns auch der Landkreis Altötting. Nicht vertreten ist die "Passauer Neue Presse" in Straubing, Landshut und Kelheim; hier erscheinen die zwei weiteren ostbayerischen Tageszeitungen "Mittelbayerische Zeitung" und "Straubinger Tagblatt". Letzteres trägt in Landshut den Titel "Landshuter Zeitung".

Literatur

  • Astrid Freudenstein, Ein Provokateur aus Überzeugung, in: Karl Jörg Wohlhüter/Kurt Hogl (Hg.), Tradition verpflichtet. Große Familien in Bayern, Regensburg 1999, 114-122.
  • Stephan Handel, Die Zeitungsmacher. Verlagsgruppe Passau - ihre Geschichte, ihr Erfolg, Passau 2002.
  • Kurt Koszyk, Publizistik und Medien, in: Max Spindler/Alois Schmid (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. 4. Band, 2. Teil, München 2. Auflage 2007, 495-535.
  • Christoph Steber/Patricia Schmidt-Fischbach, Passauer Neue Presse, in: Hans Wagner/Ursula E. Koch/Patricia Schmidt-Fischbach (Hg.), Enzyklopädie der bayerischen Tagespresse, München 1990, 259-270.

Quellen

  • 60 Jahre Passauer Neue Presse 1946-2006. Eine Zusammenarbeit der Passauer Neuen Presse und der Fachhochschule Deggendorf, Deggendorf 2006. (Film-DVD)

Weiterführende Recherche

Externe Links

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PNP, aktuell

Empfohlene Zitierweise

Markus Wennerhold, Passauer Neue Presse, publiziert am 03.09.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Passauer Neue Presse> (17.07.2018)