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Keramik vom Typ Friedenhain-Přešt’ovice

von Jochen Haberstroh

Mit der nach zwei Fundorten in Böhmen und Bayern (nahe Straubing) benannten Feinkeramik des 4./5. Jahrhunderts wurde ab den 1980er Jahren die These einer Zuwanderung der Bayern bzw. ihres namengebenden Kerns aus Böhmen gestützt, die im 19. Jahrhundert auf sprachwissenschaftlicher Basis begründet worden war. Aus heutiger Sicht bleiben bei dieser Verknüpfung vielfältige methodische und chronologische Probleme offen, so dass die These in der frühgeschichtlichen Archäologie kritisch bewertet wird und für historische Modellbildungen nicht mehr tragfähig ist. Aus methodischer Sicht ist dabei die fehlende typologische Abgrenzung der so bezeichneten Keramik von verwandten Varianten des 4./5. Jahrhunderts entscheidend. Unter chronologischen Gesichtspunkten erschwert die Verbreitung dieser keramischen Waren über weite Teile des Barbarikums nördlich der Donau und ihr Vorkommen innerhalb eines langen Zeitraums die Verknüpfung mit geschichtlichen Entwicklungen.

Charakteristika und Herstellungsmerkmale

In der archäologischen Frühgeschichtsforschung wird seit den 1980er Jahren eine Keramik mit bestimmten Merkmalskombinationen nach zwei Fundorten in Südböhmen und Bayern als Typ Friedenhain-Přešťovice, seltener auch als Gruppe oder Horizont Friedenhain-Přešťovice (künftig: F.-P.) bezeichnet.

Schale aus dem Gräberfeld von Praha-Zličin "Typ Friedenhain-Přešt’ovice". (Jaroslav Jiřík)

Es handelt sich um eine meist feintonige Ware mit geglätteter und/oder engobierter Oberfläche, die im Unterschied zu der auf der Drehscheibe hergestellten Keramik, freihändig geformt und mit plastisch hervortretenden Zierelementen dekoriert ist. Sie ist überwiegend und vergleichsweise hart gebrannt und von mittel- bis dunkelbrauner, seltener auch dunkelgrau-schwarzer Oberflächenfarbe, die in Kombination auf einen Brand unter wechselnden, oxidierend-reduzierenden Bedingungen hinweist. Die Ware ist im Scherben mittelfein bis fein gemagert; als Zuschlag fanden quarzitische Sande ebenso Verwendung wie feiner Kalkgrus und Glimmer. Die Zusammensetzung deutet sicher auf die Herstellungsregion hin, ohne dass hier kleinräumig differenziert werden könnte. Im ostbayerischen und böhmischen Raum finden sich Scherben mit augenscheinlich graphitierter Außenseite, was den Gefäßen einen metallischen Glanz verleihen konnte.

Keramik aus dem Gräberfeld von Friedenhain bei Straubing, ohne Maßstab. (Abb. nach: Masanz, Freystadt-Forchheim / Springer, Friedenhain)

Im Formenspektrum überwiegen Schalen (Dm. Mündung > Gefäßhöhe) mit überwiegend S-förmigem Profil. Allerdings weisen auch Flaschen und noch seltener Töpfe ähnliche Merkmalskombinationen auf.

Eine besondere Bedeutung bei der Abgrenzung gegenüber anderen, gleichzeitigen Keramiken kommt der Dekoration der Gefäße zu. Zu den plastischen Elementen zählen profilierte Leisten, vor allem aber die aus der Gefäßwandung in Höhe des Umbruchs herausgearbeiteten sogenannten Schrägkanneluren und Facetten.

In der archäologischen Diskussion werden vorrangig Keramiken mit plastischer Verzierung, insbesondere schrägen Kanneluren und ovalen Facetten im Bereich des Umbruchs, unter der Bezeichnung F.-P. zusammengefasst. Schon aus den eponymen Gräberfeldern stammen allerdings zahlreiche Keramiken mit übereinstimmenden formalen und technologischen Merkmalen, die weder Kanneluren noch Facetten aufweisen.

Forschungsgeschichte/-stand

Schon vor 1900 wurden auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Parkstetten (Lkr. Straubing-Bogen) in der Nähe des kleinen Weilers Friedenhain (Urpositionsblatt 1856: Friedenheim) die ersten Urnen "beim Sandgraben" östlich des Weges von Münster nach Unterzeitldorn gefunden. Bald danach wurden wiederholt weitere Gräber entdeckt, zuletzt 1902 bei einer Nachgrabung durch den Historischen Verein Straubing. 1944/45 zerstörte dann die Anlage von Splitterschutzgräben durch den Reichsarbeitsdienst eine größere Anzahl von Gräbern ohne Dokumentation, bevor 1952 die ersten systematischen Ausgrabungen unter der Leitung von Walter Torbrügge stattfanden. In mehreren Kampagnen wurden bis 1968 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege insgesamt 162 Gräber aufgenommen. Das Brandgräberfeld ist nicht vollständig erfasst. Die Grabungsergebnisse hat Tobias Springer im Rahmen seiner unveröffentlichten Regensburger Dissertation behandelt.

Gesamtplan des Gräberfeldes von Přešt’ovice. (Abb. aus: Masanz, Freystadt-Forchheim, auf Grundlage von: Dubský, Jihozápadní Čechy v době řimské)

Bereits 1934 hatte der Lehrer Bedřich Dubský aus Strakonice die Siedlung und das zugehörige Gräberfeld bei Přešťovice in der Nähe von Strakonice in Südböhmen entdeckt. In der Folge wurden dort insgesamt ca. 500 Urnengräber ausgegraben. Wie auf dem östlichen Donauufer in Niederbayern handelt es sich auch in Přešťovice um sandige Böden. Dubský legte 1937 seine Ergebnisse vor, die in der deutschsprachigen Forschung der Nachkriegszeit Beachtung fanden; er machte auch auf die engen Beziehungen zwischen den beiden Fundplätzen aufmerksam. Breitere Rezeption fanden dann die Studien von Bedřich Svoboda (1963/65), die einen größeren Teil der Keramik aus Přešťovice erschließen.

Schon 1963 hat Svoboda die entscheidenden Merkmale der Urnen und die Gemeinsamkeiten der beiden Gräberfelder herausgearbeitet und die These formuliert, dass das Belegungsende des Gräberfeldes von Přešťovice mit einem Abzug der Bevölkerung nach Bayern verbunden sein könnte. Die Einwanderer nach Bayern wären dann in Gräberfeldern wie Friedenhain b. Straubing bestattet worden.

Verbreitung der spätrömischen Brand- und Körpergräber in Böhmen. (Jaroslav Jiřík, Kennzeichnung Přešt’ovice durch Sonja Schweiger)
Verbreitung der "Gruppe Friedenhain-Přešt’ovice" nach Fischer. (Gestaltung: Sonja Schweiger)

1980 verbanden Rainer Christlein und Thomas Fischer bei der Vorlage ihrer Ausgrabungsergebnisse aus Passau und Eining diese These zum ersten Mal mit weitreichenden Überlegungen zur Einwanderung und "Stammesbildung" der "Baiovarii" in der ehemaligen Raetia II. Grundlegend dafür war die Annahme, dass es sich bei der unter der Bezeichnung Friedenhain-Přešťovice zusammengefassten Keramik um ein archäologisches Leitfossil des mittleren 5. Jahrhunderts handelt. Davon ausgehend fand das Modell einer Zuwanderung aus Böhmen in der Archäologie weite Verbreitung. Endlich schien der konkrete Beweis für die These des Sprachwissenschaftlers Johann Kaspar Zeuss erbracht, der bereits 1839 den Namen der "Baiovarii" als "Männer aus Böhmen" interpretiert und damit deren Herkunft aus Böhmen postuliert hatte. Die These wurde in vielen Ausstellungen und Publikationen aufgegriffen (Die Bajuwaren 1988) und blieb bis in die Zeit nach der Jahrtausendwende weitgehend unwidersprochen. Skeptische Stimmen fanden lange Zeit wenig Widerhall (Torbrügge), blieben unpubliziert (Springer) oder wurden von gleichzeitig vorgelegten, anderen Thesen überdeckt (Rettner). Größere Fundbestände der einschlägigen Keramik aus Süddeutschland wurden nur selten neu vorgelegt (Damminger). Aus Bayern wurde über längere Zeit ähnliches Material nur aus kleineren Fundkomplexen (Rieder) oder aus für die Bajuwarenfrage randlichen Regionen (Haberstroh) veröffentlicht. Neufunde aus den Grenzregionen zwischen Raetia II. und Barbarikum entlang der Donau wurden überwiegend in das vorherrschende Modell einer mit der gleichnamigen Keramik nachgezeichneten Ethnogenese der Baiovaren eingefügt.

Urnen aus dem Brandgräberfeld von Forchheim/Opf.: ● Leichenbrand der Bestattung 14C-datiert. (Abb. aus: Masanz, Freystadt-Forchheim)

Erst als dieses Modell von archäologischer wie historischer Seite in Frage gestellt wurde (Fehr, Heitmeier), geriet auch die Interpretation der Keramik wieder in das Blickfeld der Archäologie. Der im Rahmen einer Tagung in Benediktbeuern zusammengestellten Kritik (Haberstroh) und der ebenfalls kritischen Vorlage der Grabungen im Gräberfeld von Forchheim/Opf. im Rahmen einer Freiburger Dissertation (Masanz) widersprach zuletzt Fischer mit einer Bestandsaufnahme, die die aktuellen Positionen gegenüberstellt, um abschließend die Ausgangsthese der 80er Jahre zu wiederholen. Masanz konnte nicht zuletzt mit Hilfe einer größeren Serie von Radiokarbondatierungen die lange Belegung des Forchheimer Gräberfeldes zeigen. Die Besprechung der Arbeit von Raimund Masanz durch Fabian Gall bietet schließlich einen aktuellen Blick auf die Diskussion aus der Perspektive des Hauptverbreitungsgebietes der einschlägigen Keramik an der Elbe. Dabei wird deutlich, dass die ausschließliche Betrachtung Süddeutschlands bei der Beurteilung großräumig verbreiteter Materialgruppen und Formenkreise zu kurz greift. Derartige Beiträge aus der Archäologie der Römischen Kaiserzeit im Barbarikum könnten in wichtigen methodischen Fragen weiterführen, fehlen aber in der auf Bayern und Böhmen fokussierten Diskussion über die Bedeutung der Gräberfelder von Friedenhain und Přešťovice weitgehend.

Typ – Gruppe – Horizont

In methodischer Hinsicht bleibt trotz wiederholter Definitionsansätze das zentrale Problem der Abgrenzung der unter dem Begriff F.-P. geführten Keramik bestehen. Je mehr Merkmale zur Definition herangezogen werden, desto kleiner müssen zunächst der Gesamtbestand, sein Verbreitungsraum und seine chronologische Verteilung erscheinen und umgekehrt. Die Definition standardisierter Merkmale ist also für die Interpretation von räumlichen wie zeitlichen Verteilungen entscheidend und damit grundlegend für jede Thesenbildung. Symptomatisch ist dabei die in der Literatur inkonsistente Verwendung der Begriffe "Typ", "Gruppe" oder "Horizont" Friedenhain-Přešťovice. Die Begriffe beschreiben auch in der archäologischen Forschung durchaus unterschiedliche Ordnungsebenen. Vereinfacht ist zwischen einer eng gefassten Merkmalskombination, beschränkt beispielsweise auf nur eine bestimmte Gefäßform wie Schale, Topf oder Flasche (Typ), einer weiter gefassten Kombination von Merkmalen unterschiedlicher Gefäßformen (Gruppe) und einem stark chronologisch konnotierten breiten Spektrum (Horizont) zu unterscheiden. Jeder der Begriffe suggeriert jedoch eine typologische oder wenigstens chronologische Einheitlichkeit des von ihm umfassten Materials, die nicht als erwiesen gelten kann. So weisen bereits die beiden eponymen Gräberfelder eine jeweils beträchtliche zeitliche Tiefe von mehreren Jahrhunderten und eine beachtliche Breite im Formenspektrum auf. Der Verweis auf den keramischen Gesamtbestand des jeweiligen Fundplatzes kann deshalb die definitorische Abgrenzung nicht ersetzen, da in beiden Fällen unterschiedliche Formenkreise und Materialgruppen vorkommen. Nicht zuletzt wegen der spärlichen Ausstattung der Urnengräber beider Nekropolen mit datierbaren Beigaben ist in beiden Fällen die Rekonstruktion einer Belegungsabfolge gescheitert. Fehlende horizontale wie vertikale Stratigrafien gehören gerade zu den charakteristischen Merkmalen solcher Brandgräberfelder auch in Zentralböhmen, Nordbayern und Thüringen. Die große Zahl von jeweils mehreren hundert Bestattungen macht darüber hinaus eine längere Belegung über mehrere Generationen oder gar Jahrhunderte in vielen Fällen sehr wahrscheinlich. Der Gefäßbestand aus beiden Friedhöfen zeigt entsprechend auch im Formenspektrum und nicht nur bei den Dekorelementen und den keramischen Waren selbst eine große Vielfalt und ist aus sich heraus kaum zur Festlegung einer Gruppe oder eines Typs im archäologischen Sinn geeignet. Wegen der beschriebenen Schwierigkeiten tragen die jüngsten Materialbearbeitungen aus Bayern (Forchheim/Opf., Regensburg-Niedermünster) zwar maßgeblich zum Verständnis des Phänomens bei, können aber die chronologischen und typologischen Abgrenzungsprobleme aus methodischen Gründen nicht beheben.

Verbreitung und Chronologie

Verbreitung der Keramik mit ovalen Facetten. (Abb. aus: Masanz, Freystadt-Forchheim).

Die forschungsgeschichtliche Bedeutung der Bezeichnung F.-P.  erwächst aus der Hauptverbreitung der damit bezeichneten Keramik, die zum Zeitpunkt ihrer Beschreibung in Bayern nördlich der Donau zwischen den Mündungszonen von Lech und Inn sowie in Südböhmen lag.

In allen Verbreitungsräumen und auch innerhalb einzelner Befundgattungen stellt die Feinware nur einen kleinen Anteil am gesamten keramischen Fundspektrum dar, das zum größten Teil aus grober, undekorierter Gebrauchskeramik besteht. Einschlägige Keramik mit vollständiger Merkmalskombination oder eng verwandte Waren liegen heute aus nahezu allen Siedlungsräumen Süddeutschlands vor, wobei die Zahl der Fundstellen im Barbarikum deutlich überwiegt. In quantitativer Hinsicht liefern die spätantiken Grenzorte Häufungen; auch aus spätantiken Körpergräbern auf römischem Boden stammen aber eng verwandte Gefäße (Unterbiberg), und die zugehörigen spätantiken Siedlungen liefern ebenfalls einschlägiges Scherbenmaterial in kleinerer Zahl. Neben den Grenzräumen im engeren Sinn deuten sich Verbreitungsschwerpunkte im alten Limesvorland ebenso an, wie in den bis zum Limesfall römischen Gebieten Obergermaniens und Raetiens.

Da die beiden eponymen Nekropolen kaum zu einer weiteren chronologischen Differenzierung geeignet sind, griff die Forschung in Bayern dafür auf Siedlungsfunde v. a. aus römischem Kontext zurück (Eining, Regensburg, Passau). Wenig Beachtung fanden dagegen lange Zeit die Siedlungen des 3.-5. Jahrhunderts im Barbarikum. Auch die kleine Gruppe der Körpergräber aus dem Raum nördlich der Donau (z. B. Ingolstadt-Etting, Kemathen, Pförring) wurde in definitorischer Hinsicht bislang nicht einbezogen, obwohl die Keramik aus diesen Gräbern unter materialkundlichen wie typologischen Aspekten mit der Keramik der beiden eponymen Gräberfelder eng verwandt ist und als einzige chronologisch besser fixiert werden kann.

14C-Serie aus dem Brandgräberfeld von Forchheim/Opf.; schwarze Balken: oval facettierte Gefäße. (Abb. aus: Masanz, Freystadt-Forchheim)

Deutliche Unterschiede zeichnen sich mit Blick auf die Laufzeit der Keramik ab. Südlich der Donau scheinen die zwar freihändig geformten, aber qualitativ hochwertigen Waren nach der Mitte des 5. Jahrhunderts rasch aus der Mode zu kommen.

Im gesamten ehemaligen Barbarikum bleibt die Wertschätzung dieser Feinkeramik bis in das 6. Jahrhundert hinein erhalten. Gefäßtypen und Merkmalskombinationen ändern sich dort nur langsam. Noch die Gefäße aus Körpergräbern des 6. Jahrhunderts im Elb-Saale Gebiet oder in Niedersachsen zeigen im Wesentlichen übereinstimmende Charakteristika. Auf provinzialrömischem Boden wird die Ware dagegen nur während des 4./5. Jahrhunderts vereinzelt genutzt. Seit dem Ende des 5. Jahrhunderts enthalten die spätrömischen und frühmittelalterlichen Gräber Südbayerns keine Feinkeramik dieser Art mehr. Aus chronologisch schwer interpretierbaren Siedlungszusammenhängen stammen die erwähnten Fundkomplexe des 4./5. Jahrhunderts entlang der Donaugrenze.

Bewertung

Außerhalb der römischen Provinzen wurde die plastisch dekorierte wie auch die unverzierte Feinware vom späten 3. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts hergestellt. Dabei folgten die Töpfer in Formgebung und Verzierung zeittypischen Tendenzen, die sich nicht zuletzt auch an römischen Vorbildern orientierten. Tonaufbereitung und Verarbeitungstechnik blieben über den gesamten Herstellungszeitraum hinweg weitgehend unverändert. Die unter dem Oberbegriff F.-P. zusammengefasste Keramik zählt zur großen, räumlich und zeitlich schwer differenzierbaren Gruppe der Feinkeramik im kaiserzeitlichen Barbarikum, die wohl auch ausschließlich dort von spezialisierten Handwerkern hergestellt wurde. Die funktional v. a. als Tischgeschirr produzierten Formen konkurrierten mit römischen Erzeugnissen (z. B. scheibengedrehter Terra Nigra, Glas) und konnten diese im gehobenen Umfeld wohl auch ersetzen. Die Keramiken gruppieren dabei unterschiedliche formale und dekorative Merkmale innerhalb eines eigenständigen Formenspektrums. F.-P. ist nur im Hinblick auf einzelne Merkmale eine regionale Ausprägung innerhalb der großräumig verbreiteten Feinkeramik.

Ihre Herstellung und Verwendung sind weder zeitlich auf die Mitte und zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts zu beschränken, noch mit bestimmten historiografisch umrissenen Verbänden innerhalb des Barbarikums zu verbinden. Ihre Interpretation als Leitfossil innerhalb eines Deutungsmodells zur Ethnogenese der Baiovaren ist aus der Perspektive frühgeschichtlicher Keramikforschung problematisch.

Literatur

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  • Edgar Weinlich, Das völkerwanderungszeitliche Urnengräberfeld von Forchheim in der Oberpfalz. Anmerkungen zum Keramikhorizont Friedenhain-Přešt'ovice, in: Miloslav Chytráček/Jan Michálek/Karl Schmotz (Hg.), Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen. 8. Treffen 17. bis 20. Juni 1998 in Běšiny bei Klatovy, Rahden/Westf. 1999, 97-114.

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Empfohlene Zitierweise

Jochen Haberstroh, Keramik vom Typ Friedenhain-Přešt’ovice, publiziert am 23.12.2019; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Keramik_vom_Typ_Friedenhain-Přešt’ovice> (12.7.2020)






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