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Ingolstadt, Neues Schloss

Aussenansicht des neuen Schlosses. (Bayerisches Armeenmuseum Ingolstadt/ Foto: Christian Stoye)
Das Neue Schloss, 1573; Lithographie von 1883. (aus:aus: Kleemann, Otto: "Geschichte der Festung Ingolstadt bis zum Jahre 1815; Bayerische Staatsbibliothek, Portrait- und Ansichtensammlung)
Ostseite des Neuen Schlosses. (Bayerisches Armeenmuseum Ingolstadt/ Foto: Christian Stoye)
Der große Saal im ersten Stock des Neuen Schlosses. (Bayerisches Armeenmuseum Ingolstadt/ Foto: Christian Stoye)
Die Herzogliche Stube mit der gedrehten spätgotischen Säule, Blick zu den Fensternischen und dem Durchgang in das Stulfenster (rechts). (Bayerisches Armeenmuseum Ingolstadt/ Foto: Christian Stoye)
Die Dürnitz- der große Saal - im Erdgeschoss. (Bayerisches Armeenmuseum Ingolstadt/ Foto: Christian Stoye)
Die Kapelle im Hauptgeschoss, Blick zur Altarnische, die außen als Erker (Chörlein) in Erscheinung tritt. (Bayerisches Armeenmuseum Ingolstadt/ Foto: Christian Stoye)
Modell des Neuen Schlosses Ingolstadt im Bayerischen Nationalmuseum. (Bayerisches Nationalmuseum)

von Siegfried Hofmann

Als Palas der "neuen Veste" ab 1417/18 unter Herzog Ludwig dem Gebarteten errichtet, wurde das Neue Schloss um 1500 fertiggestellt. Ihm kommt eine Vorreiterrolle für den neuzeitlichen Schlossbau zu. Bis 1788 nutzten es die bayerischen Herzöge und Kurfürsten, anschließend das Militär. Heute ist das Schloss Sitz des Bayerischen Armeemuseums.

Vorgeschichte

Durch die Landesteilung von 1392 wurde Ingolstadt Hauptstadt und Sitz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt. Die bisherige Burg ("Herzogskasten"), die auf die Burg im Südosteck der Stadt des 13. Jahrhunderts zurückging und mehrfach (besonders im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts) umgebaut wurde, konnte den Anforderungen als Residenz nicht mehr genügen. Überdies hatte sie durch die Stadterweiterung von 1362 bis ca. 1420 ihre fortifikatorische Lage verloren. 1415 kehrte Herzog Ludwig VII. "der Gebartete" (reg. 1413-1447), Nachfolger Herzog Stephan des Kneißels (reg. 1392-1413) aus Paris, wo er am Hof seiner Schwester Isabeau de Bavière (eigentlich Elisabeth, gest. 1435), Gemahlin des französischen Königs Karl VI. (reg. 1380-1422) weilte, nach Deutschland und 1416 nach Ingolstadt zurück.

Baubeginn unter Herzog Ludwig dem Gebarteten

1417/18 ließ Herzog Ludwig VII. die "neue Veste" im Südosteck der nach 1360 erweiterten Stadt beginnen. Ihr lag möglicherweise eine Planung eines Wiener Baumeisters zugrunde (genauso seine 1425 begonnene Herrschafts- und zweite Ingolstädter Pfarrkirche). Der Palas (das "Neue Schloss") der Veste sollte die bisherige Residenz weit in den Schatten stellen. Der Bau kam wohl 1420-22 durch den "Bayerischen Krieg" und die Abwesenheit des Herzogs vorübergehend zum Erliegen. Im Zuge der wieder aufgenommenen Bauarbeiten griff die Anlage 1432/34 nach Norden aus und bezog das Feldkirchener Tor von 1368 mit ein. Dadurch, dass Ludwig der Gebartete aufgrund der Inbesitznahme Ingolstadts durch seinen aufständischen Sohn Ludwig den Höckerigen (1403-1445) 1438 nach Neuburg a. d. Donau (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) übersiedeln musste, konnten die Bauarbeiten bis zu seinem Tod 1447 nicht wieder aufgenommen werden.

Fertigstellung bis ca. 1500

1450 wurden die Bauarbeiten am Palas durch Herzog Heinrich den Reichen von Bayern-Landshut (reg. 1394-1450), an den nach dem Tode Ludwigs des Gebarteten das Teilherzogtum Bayern-Ingolstadt gefallen war, mit der Fertigstellung des Dachwerks, der Wölbung der Dürnitz und der Wendeltreppe wieder aufgenommen. Verantwortlicher Maurermeister war Hans Tichter. Ab 1463 trieb Tichter den Ausbau - nun unter Herzog Ludwig dem Reichen (reg. 1450-1479) - erneut mit Nachdruck voran. Spätestens 1476 wurde Stephan Westholzer (auch Westerholzer) Leiter aller herzoglichen Baumaßnahmen, einschließlich des Schlosses in Ingolstadt. Ab 1480 leitete Westholzer die Baumaßnahmen gemeinsam mit Heinrich Behaim (auch Behem). Den Endausbau 1484-1490 mit Einwölbung der Räume des 1. Obergeschosses führten sie gemeinsam mit einem Zimmermeister Claus durch. 1486 wurden auch die beiden Giebel fertiggestellt. Oberster Bauleiter war wohl Ulrich Beßnitzer in Landshut. Nach 1488 führte nicht mehr Westholzer die Baumaßnahmen, sondern ein Meister Andre. Um 1500 waren die Arbeiten am Schloss weitgehend abgeschlossen.

Raumprogramm

Das Raumprogramm sah in der südlichen Hälfte des Palas die Wohnräume vor, im ersten Stock die gewölbte "Stube" des gnädigen Herrn mit vorgelagertem Söller und den Schlafraum mit der geschnitzten Decke, in der nördlichen Hälfte im Erdgeschoß die Dürnitz und im ersten Stock einen großen Saal, darüber im zweiten Stock den mit Täfelwerk ausgestatteten Trakt für die Frauen (Kemenate). In der Mitte befand sich im ersten Obergeschoß die "untere" Kapelle mit dem "Stuhl" des Herzogs, darüber im zweiten Obergeschoß die "obere" Kapelle mit Durchblick auf den Altar der unteren. Die Freskierung der Wände beider Kapellen schuf wohl Gabriel Herlin (gest. nach 1535).

Bedeutung und Einordnung

In der Gliederung des Palas in einen intimen Wohnbereich ("Appartement") und einen Saalbau gilt das Ingolstädter Schloss mit dem 1471-1485 entstandenen Meißener Schloss als ein "Gründungsbau des neuzeitlichen Schlossbaus in Deutschland" (H. H. Häffner/G. U. Großmann). Sie war Residenz und Landesfestung zugleich; im Zuge der Neubefestung Ingolstadts 1539 bis 1542 durch Graf Reinhard Solms von Münzerberg (1491-1562) und Georg Stern erfuhr sie eine großzügige Erweiterung.

Die Gesamtanlage mit Palas, Pflegerhaus, Zeughaus und Marstall gibt detailliert das große Stadtmodell von Jakob Sandtner von 1572/73 im Bayerischen Nationalmuseum in München wieder. Das Tor zum Schlosshof von ca. 1580 ist ein bedeutendes Zeugnis der Renaissance in Bayern; der aufgesetzte Uhrturm stammt aus dem 18. Jahrhundert. Dem durch ein Doppelportal zugänglichen Treppenhaus lag wohl eine Planung des Münchner Hofbauamts (Enrico Zuccalli [ca. 1642-1724], 1677) zugrunde.

Nutzung

Als 1447 Bayern-Ingolstadt an Bayern-Landshut fiel, behielt Ingolstadt genauso den Titel einer Hauptstadt wie nach seiner Eingliederung in das weitgehend wieder vereinigte Herzogtum Bayern nach 1505. Das Schloss diente den Herzögen u. a. zur staatlichen Repräsentation als "Residenz" und herzogliches bzw. kurfürstliches Absteigequartier.

1788 wurde das Schloss dem Militär übergeben. 1809 wurden die Türme und die Giebel teilweise abgetragen. 1925-1962 war das Schloss Sitz des Stadtarchivs und Stadtmuseums; 1945 wurde es beschädigt, die nördliche Hälfte büßte dabei den oberen Stock und das Dachwerk ein. Nach einer tiefgreifenden Renovierung ab 1962 wurde in ihm 1972 das Bayerische Armeemuseum eröffnet.

Literatur

  • Frank Becker/Christine Grimminger/Karlheinz Hemmeter, Stadt Ingolstadt (Denkmäler in Bayern I. 1 und 2), München 2002.
  • Hans-Heinrich Häffner/G. Ulrich Großmann, Neues Schloß Ingolstadt, Regensburg 2003.
  • Siegfried Hofmann, Geschichte der Stadt Ingolstadt von den Anfängen bis 1505, Ingolstadt 2000.
  • Siegfried Hofmann, Geschichte der Stadt Ingolstadt 1506-1600, Ingolstadt 2006.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Siegfried Hofmann, Ingolstadt, Neues Schloss, publiziert am 02.05.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ingolstadt, Neues Schloss> (17.06.2019)