Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht

Der gerade Weg, Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht.
Der gerade Weg, Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht.
Montage aus: "Der gerade Weg" vom 17. Juli 1932. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Rudolf Morsey

NSDAP-kritische Münchner Wochenzeitschrift, herausgegeben von Fritz Gerlich (1883-1934), erschienen im Naturrechtsverlag München. Vorläufer war zwischen 1929 und 1931 die Zeitschrift "Illustrierter Sonntag". "Der gerade Weg" erschien vom 3. Januar 1932 bis zum 8. März 1933 in einer Auflage von maximal 90.000 Exemplaren. Einen Tag später wurde Gerlich verhaftet und die Zeitschrift am 13. März 1933 verboten.

Fritz Gerlich, Gründer des "Geraden Wegs"

Von Anfang 1932 an bis zum Verbot am 13. März 1933 erschien in München die Wochenschrift "Der Gerade Weg" (GW). Deren Gründung und Bedeutung sind untrennbar mit dem Namen ihres Mitherausgebers und Chefredakteurs, Fritz Gerlich (1883-1934), verbunden.

Am 15. Februar 1883 in Stettin geboren und calvinistisch-reformatorisch erzogen, war Gerlich nach einem Studium der Naturwissenschaften und Mathematik sowie der Geschichtswissenschaft in München (1907 Dr. phil.) im bayerischen Archivdienst tätig. Aus gesundheitlichen Gründen 1914 vom Kriegsdienst befreit, wurde er seit 1919 als antimarxistischer Publizist bekannt. 1920 übernahm er die Chefredaktion der "Münchner Neuesten Nachrichten", der größten und einflussreichsten, antirepublikanisch eingestellten Zeitung in Süddeutschland. Darin unterstützte er nach dem Scheitern des Hitler-Putsches (1923) die Bayerische Volkspartei (BVP) und entwickelte sich zu einem Vernunftrepublikaner.

Einfluss von Therese Neumann

Nach einem Besuch bei Therese Neumann (1898-1962) in Konnersreuth (Lkr. Tirschenreuth) im September 1927 wurde der bis dahin skeptische Freidenker zum glühendsten literarischen Verteidiger der Stigmatisierten. Von ihr holte er sich seitdem regelmäßig "Rat".

Erwerb der Wochenzeitung "Illustrierter Sonntag" 1930

Auch nach seiner Rückkehr in den Archivdienst, 1929, setzte Gerlich seine publizistische Tätigkeit fort. Mit einem Bekannten aus dem "Konnersreuther Kreis", dem 30-jährigen Erich Fürst zu Waldburg-Zeil (1899-1953) (bei Leutkirch in Württemberg), einem oberschwäbischen Großgrundbesitzer, gründete Gerlich im Sommer 1930 in München einen "Naturverlag" (wenig später "Naturrechtsverlag"). Sie erwarben im September die kleine und politisch farblose Münchner Wochenschrift "Illustrierter Sonntag". Die von beiden als "Missionsaufgabe" verstandene publizistische Vertretung naturrechtlicher Positionen wurde kein Erfolg und für den fürstlichen Geldgeber ein ungewöhnliches Verlustgeschäft, auch nachdem Gerlich die Wochenschrift ab Juli 1931 zu einem Meinungs- und Kampfblatt gegen den Nationalsozialismus umgeformt hatte. Im September trat Gerlich zum Katholizismus über und nahm als zweiten Vornamen Michael an.

Kampf gegen den Nationalsozialismus im "Geraden Weg"

Ab Januar 1932 brachte Gerlich seine Zielsetzung durch einen neuen Titel der Wochenschrift zum Ausdruck: "Der Gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht" (verstanden als Naturrecht). "Illustrierter Sonntag" blieb zweiter Untertitel. Im Geraden Weg warnte der Chefredakteur, wirkungsvoll unterstützt von dem Eichstätter Kapuziner Ingbert Naab (1885-1935), unentwegt vor der Gefahr und "geistigen Pest" des Nationalsozialismus, und prophezeite die von einer Regierung Hitler zu erwartende Schreckensherrschaft. Unbeschadet einer Steigerung der Verkaufsauflage der Wochenschrift auf 62.000 Exemplare blieb ihr Verlag finanziell in den roten Zahlen.

Verbot der Zeitung 1933 und Ermordung Gerlichs

Nach dem 30. Januar 1933 warnte Gerlich, der noch im Februar 1933 der BVP beitrat, weiterhin vor den nunmehrigen Machthabern. Am 9. März 1933, dem Tag der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Bayern, stürmten SA-Trupps Verlag und Redaktion des Geraden Wegs und verhafteten dessen Chefredakteur. Vier Tage später wurde das Blatt verboten. Gerlich ertrug eine 16-monatige qualvolle Haftzeit in Münchner Gefängnissen mit Märtyrergesinnung. Am Abend des 30. Juni 1934 wurde er im Zuge des "Röhm-Putsches" in das KZ Dachau verbracht und dort nach seiner Ankunft von SS-Angehörigen ermordet, sein Leichnam verbrannt und die Asche verstreut. Sein christlich motivierter, früher Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist in der einschlägigen Forschung erst spät zur Kenntnis genommen worden.

Kurzlebiges Nachfolgeorgan 1948/49

In bewusster Anknüpfung an Gerlichs Wochenzeitung erschien 1948/49 in München eine Parteizeitung der CSU mit dem Titel "Der gerade Weg. Organ der Christlich-Sozialen Union". Die von Josef Müller (CSU, 1898-1979) herausgegebene Zeitung, ein Vorläufer des Bayern-Kuriers, wurde nach wenigen Ausgaben eingestellt.

Literatur

  • Erwein Freiherr von Aretin, Fritz Michael Gerlich, 2. ergänzte Auflage mit einem zeitgeschichtlichen Kommentar hg. von Karl Otmar Freiherr von Aretin, München 1983. (Biographie aus der Feder eines früheren Redaktionskollegen Gerlichs bei den „Münchner Neuesten Nachrichten“)
  • Manfred Berger, Fritz Gerlich, in: Friedrich Wilhelm Bautz (Hg.), Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. 22. Band, Herzberg 2003, 394-409. (Verzeichnet unter Gerlichs zahlreichen Schriften auch seine Beiträge im GW sowie die Forschungsliteratur)
  • Ovidio Dallera/Ilsemarie Brandmair, Un giornalista contro Hitler, Mailand 2008. (dt: Ovidio Dallera/Ilsemarie Brandmair, Tödliche Schlagzeilen. Fritz Michael Gerlich - ein Journalist gegen Hitler, München 2009).
  • Andreas Dornheim, Adel in der bürgerlich-industrialisierten Gesellschaft. Eine sozialwissenschaftlich-historische Fallstudie über die Familie Waldburg-Zeil, Frankfurt am Main 1993. (Enthält ein Kapitel „Der Konnersreuther Kreis und die Gründung des ‚Geraden Wegs’“, 295-347)
  • Rudolf Morsey, Fritz Gerlich (1883-1934), in: Karl-Joseph Hummel/Christoph Strohm (Hg.), Zeugen einer besseren Welt. Christliche Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Kevelaer/Leipzig 2000, 37-57.
  • Rudolf Morsey, Fritz Gerlich (1883-1934). Publizist, Prophet, Märtyrer (Kirche und Gesellschaft 210), Köln 1994.
  • Rudolf Morsey, Fritz Gerlich – der Publizist als Prophet. Die Voraussetzungen seines Kampfes gegen Hitler 1931-1933, in: Norbert Glatzel/Eugen Kleindienst (Hg.), Die personale Struktur des gesellschaftlichen Lebens. Festschrift für Anton Rauscher, Berlin 1993, 529-548. (Erste Würdigung unter Einbeziehung des Nachlasses Gerlich, der sich noch in Privathand befindet)
  • Michael Schäfer, Fritz Gerlich 1883-1934. Publizistik als Auseinandersetzung mit den "politischen Religionen" des 20. Jahrhunderts, München 1998. (Ungedruckte phil. Dissertation auf der Grundlage des Nachlasses von Gerlich, in der allerdings dessen Beeinflussung durch Therese Neumann ausgeklammert ist)

Quellen

  • Fritz Gerlich/Rudolf Morsey, Fritz Gerlich - ein Publizist gegen Hitler. Briefe und Akten 1930-1934 bearbeitet von Rudolf Morsey (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte Reihe A, 56), Paderborn/München/Wien u. a. 2010.
  • Prophetien wider das Dritte Reich. Aus den Schriften des Dr. Fritz Michael Gerlich und des Paters Ingbert Naab O.F.M. Cap. Gesammelt von Dr. Johannes Steiner, München 1946. (Enthält 51 Artikel von Gerlich und 21 von Naab)

Weiterführende Recherche

Externe Links

Illustrierter Sonntag

Empfohlene Zitierweise

Rudolf Morsey, Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht> (21.01.2018)