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Bayernkurier

Logo des Bayernkuriers. (Verlag Bayernkurier)

von Alf Mintzel

Der Bayernkurier erschien von Juni 1950 bis Dezember 2019 kontinuierlich als Parteiorgan der Christlich-Sozialen Union (CSU), von 1950 bis 2015 als Wochenblatt, von 2015 bis 2019 als politisches Monatsmagazin. Mit der Ausgabe vom Dezember 2019 wurde sein Erscheinen endgültig eingestellt. Im Editorial der letzten Ausgabe 12/2019 heißt es dazu lapidar: "Die CSU setzt bei ihrer Kommunikation künftig vor allem auf digitale Kanäle und soziale Medien." Redaktion und Verlag des Bayernkuriers hatten ihren Sitz am Ort der CSU-Landeszentrale in der Mies-van-der-Rohe-Straße 1 in München. Herausgeber war seit 1963 der jeweils amtierende Parteivorsitzende der CSU. Der Parteizeitung war von Anfang an eine publizistische Doppelfunktion zugedacht: Sie sollte nach außen ein Sprachrohr der CSU sein, nach innen ein Informationsblatt für die Parteimitglieder und Sympathisanten der Unionsparteien. Die internen Informationsfunktionen (Information für Mitglieder, Vermittlung von Entscheidungen der CSU-Führung, Motivierung, Meinungsbildung und Parteiimagepflege) behielten meistens ihren sekundären Charakter. Der Bayernkurier wurde größtenteils von Parteimitgliedern abonniert.

Vorläufer

In der Gründungs-, Aufbau- und Krisenzeit der CSU unter ihrem ersten Landesvorsitzenden Josef "Ochsensepp" Müller (CSU, 1898-1979, Landesvorsitzender 1946-1949) endeten 1948/49 alle Bemühungen, verschiedene Presseorgane, Schriftenreihen und Mitteilungsblätter der Partei herauszugeben und am Leben zu erhalten, in einem Desaster. Erste Schritte scheiterten an der äußerst restriktiven Pressepolitik der US-Militärregierung für Bayern, die generell nicht gewillt war, neben der Lizenzpresse Parteizeitungen zuzulassen. Sie ermöglichte seit Anfang 1946 nur zögerlich - und dies galt grundsätzlich auch für die anderen politischen Parteien - die Herausgabe und den Druck von Mitteilungsblättern, kleinen Schriftenreihen und Halbmonatsblättern, die nach Inhalt, Umfang und Auflage scharfen Einschränkungen unterlagen.

Die CSU-Führungen auf Landes- und Bezirksebene machten von den beschränkten Möglichkeiten unterschiedlichen Gebrauch. Die lizenzierten Mitteilungsblätter waren keine Parteizeitungen im eigentlichen Sinne, geschweige denn Tageszeitungen, obschon ihre Titel sich als solche ausnahmen (u. a. "Fränkische Volksstimme", "Oberfränkisches Volksblatt", "Die Union"). Auf Landesebene verwandten Müller und seine Mitstreiter viel Mühe darauf, eine Parteizeitung und Schriftenreihen (u. a. "Fragen der Zeit") der CSU ins Leben zu rufen. Sie fanden dabei anfangs in den Führungsgremien der Partei breite Zustimmung und Unterstützung, doch konnte dieses Projekt bis 1949 schon wegen der rigiden US-amerikanischen Pressepolitik nicht verwirklicht werden. Die Bemühungen wurden zunehmend von den 1946 entbrannten Führungs- und politischen Richtungskämpfen innerhalb der Partei überlagert und vereitelt. Müller, der die mediale Funktion von Parteiblättern in den Auseinandersetzungen hoch einschätzte und instrumentalisierte, trachtete danach, seine Führungsposition zu festigen und die politisch-programmatische Richtung des sog. Müller-Flügels abzustützen. Innerparteiliche Widersacher versuchten, Müllers "Parteipressepolitik" zu durchkreuzen und ihr entgegenzuwirken, was die ohnehin schwierige Situation von Parteiblättern verschlimmerte.

In diesem Nachkriegskontext gründete Müller Anfang 1946 einen Parteiverlag und rief zusammen mit Josef H. Maurer (1910-1983, "Pressechef" der CSU 1946-1949) die "Bayerische Rundschau" ins Leben. Dieses Wochenblatt war im eigentlichen Sinne keine Parteizeitung, sondern immer nur ein Mitteilungsblatt der CSU, das Müller und seine Mitstreiter für ihre politischen Ansichten benutzten. Lizenzträger war bis 1948 Josef H. Maurer. Das Wochenblatt ging schließlich in den Turbulenzen der Krise der CSU unter. Die auch organisationspolitisch zerrüttete CSU war in eine katastrophale Finanzsituation geraten, und die "Bayerische Rundschau" musste im Sommer 1948 ihr Erscheinen einstellen.

Im Herbst 1948 unternahm Müller unter gelockerten besatzungspolitischen Rahmenbedingungen einen zweiten Anlauf zur Gründung einer neuen CSU-Zeitung. Am 10. Dezember 1948 erschien die erste Nummer des Wochenblattes "Der Gerade Weg", das wie zuvor die Bayerische Rundschau im Parteiverlag Müllers erschien. Auch die Existenz diese Wochenblattes war nur von kurzer Dauer; es scheiterte an der fehlenden Akzeptanz in Partei und Leserschaft. "Der Gerade Weg", so hieß es in Führungskreisen der CSU, sei "für die Bauern- und Arbeiterbevölkerung zu teuer, zu lebensfremd und zu akademisch hoch", also "zu wenig volksnah" - ein Verdikt das später auch den 1950 gegründeten "Bayern-Kurier" treffen sollte. Der "Bayern-Kurier" hatte folglich in der Zeit von 1946 bis 1948 zwei Vorläufer: die "Bayerische Rundschau" und das Wochenblatt "Der Gerade Weg". Der Bayern-Kurier lehnt jedoch seinen Titel nicht an die Titel dieser Vorläufer an, sondern an den "Bayerischen Kurier", der in der Weimarer Republik der Bayerischen Volkspartei (BVP) als zentrales Presseorgan gedient hatte.

Gründung 1950 und Entwicklungsphasen

Im Jahre 1949 war es nach Aufhebung der besatzungspolitischen Lizenzpflicht und mit der Verkündigung der Allgemeinen Pressefreiheit in der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland für alle politischen Parteien möglich, eigene Zeitungen herauszugeben. Bei der CSU stand der pressepolitische Neustart im Zusammenhang mit der Beruhigung und Konsolidierung der innerparteilichen Verhältnisse und mit der Regierungspolitik unter dem neuen Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Hans Ehard (CSU, 1887-1980, Vorsitzender 1949-1955, Ministerpräsident 1946-1954 und 1960-1962). Erst nach der Entschärfung des Richtungs- und Führungsstreites und mit der Einleitung einer kleinen Parteireform konnte der Bayern-Kurier (damals getrennt geschrieben) 1950 aus der Taufe gehoben werden.

Das neue Wochenblatt der Partei erschien zum ersten Mal am 3. Juni 1950 in einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. Als Herausgeber fungierten Lorenz Sedlmayr (CSU, 1887-1971, Staatssekretär 1947-1950) und der Bundestagsabgeordnete Franz Josef Strauß (CSU, 1915-1988, Ministerpräsident 1978-1988), damals nomineller "Generalsekretär" der Partei. Strauß übernahm die Schriftleitung und behielt die Chefredaktion bis 1952 inne.

Vereinfacht und pointiert dargestellt durchlief der Bayernkurier vier Entwicklungsphasen, die eng mit der Parteigeschichte der CSU und ihrem Selbstverständnis als einer selbständigen Landespartei mit besonderem bundespolitischen Charakter verbunden waren: die Phase von 1950 bis 1964, die Phase von 1964 bis 1988, bis zum Tode von Franz Josef Strauß (3. Oktober 1988), nach der Ära Strauß die Phase eines allmählichen medialen Bedeutungsschwundes und schließlich, 2015 bis 2019, die Phase als Monatsmagazin. Der Bayernkurier teilte seinen Bedeutungsverlust mit den Presseorganen anderer Parteien.

Erste Entwicklungsphase 1950 bis 1964

Hans Drachsler, Chefredakteur von 1952-1963. (ACSP: Foto Meinen München)

In der ersten Phase erschien er als "Wochenzeitung für das bayerische Volk" (Untertitel). So lange die innerbayerischen Auseinandersetzungen um den "richtigen" bayerischen Kurs in der deutschen Politik noch nicht abgeklungen waren, sollte das Wochenblatt hauptsächlich dazu beitragen, die landespolitische Situation der CSU zu klären und zu konsolidieren. In ihren Geleitworten zur ersten Ausgabe vom 3. Juni 1950 umrissen Hans Ehard und Franz Josef Strauß den politischen Auftrag des Parteiorgans. Ehard stellte dem Bayern-Kurier die Aufgabe, "in der politischen Auseinandersetzung der Stimme der Vernunft und der Nüchternheit Gehör zu verschaffen". Er möge "im besonderen Maße ein Spiegel unseres bayerischen Lebens sein". Chefredakteur Strauß schrieb, der Bayern-Kurier übernehme "eine Aufgabe, die für die Erhaltung der Eigenstaatlichkeit Bayerns und für das Ansehen Bayerns im Deutschen Bund von wesentlicher Bedeutung ist. Sein Inhalt wird getragen sein von der Liebe zu Bayern, der Treue zu Deutschland und dem Bekenntnis zu Europa. Der Bayern-Kurier wird einer christlichen Kulturpolitik und sozialen Gerechtigkeit das Wort geben und wird seine Arbeit auf Sachlichkeit gründen, sich aber nicht scheuen, mit unseren Gegnern ein offenes Wort zu sprechen."

Die ihm zugedachte Funktion für die CSU erfüllte der Bayern-Kurier allerdings bis zum Jahre 1957, und damit bis zur kleinen Parteireform, nur in Ansätzen, was auch im Auflagenrückgang auf nur ca. 5.000 Exemplare sichtbar wurde. Ehard äußerte 1954 in einer Landesausschusssitzung der CSU, mit dem Bayern-Kurier ließe sich "kein Hund vom Ofen locken". In der Zeit der Reorganisation der CSU unter dem Landesvorsitzenden Hanns Seidel (CSU, 1901-1961, Landesvorsitzender 1955-1961, Ministerpräsident 1957-1960) wurde das Wochenblatt, das bisher dahinkümmerte, im Zuge der Parteireform reaktiviert. Die innerparteiliche Umbruchsituation drückte sich auch im mehrmaligen Wechsel des Untertitels aus. Ab 26. September 1953 firmierte der Bayern-Kurier als "Wochenzeitung für christliche Politik und Kultur", ab 29. Oktober 1960 als "Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur". Seidel war 1957 als dritter Herausgeber hinzugetreten. Doch erst nach der Wahl von Strauß zum Landesvorsitzenden (1961) konnte unter dem neuen Chefredakteur Carl Schmöller (geb. 1935) in der zweiten Phase "die Schallmauer der Unbekanntheit durchbrochen" (Franz Josef Strauß) werden.

Zweite Entwicklungsphase 1964 bis 1988

Leo M. Bensch (1920-2016), 28. April 1986, Chef vom Dienst 1961-1977. (Foto: Winfried Rabanus, Rechte: ACSP)

In der zweiten Phase wurde der Bayernkurier (nun in einem Wort geschrieben), plakativ und umgangssprachlich ausgedrückt, zum "Sprachrohr" des Bundespolitikers Strauß. Wegen seiner Verwicklung in die "Spiegel-Affäre" hatte Strauß 1962 sein Amt als Bundesminister der Verteidigung (1956-1962) niederlegen müssen. 1963 war er zum zweiten Mal zum Landesvorsitzenden gewählt worden. Nach dem Ausscheiden Sedlmayrs und dem Tod Seidels (1963) alleiniger Herausgeber geworden, verlieh er dem Parteiblatt eine bundesweite Ausrichtung und einen mächtigen Auftrieb. Vom 25. Juni 1964 an firmierte der "Bayernkurier" in neuer Aufmachung als "Deutsche Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur". Er gab damit seine bisherige Konzentration auf die Politik in Bayern auf. Die Auflagenhöhe ging in einer steilen Kurve nach oben, von ca. 60.000 (1964) auf über 100.000 Exemplare (1970). Allein vom 1. Quartal 1969 bis zum 1. Quartal 1970, also in der Zeit des Bundestagswahlkampfes 1969 und des Beginns der sozialliberalen Koalition in Bonn, stieg die Auflagenhöhe von 97.722 auf 124.000 Exemplare. Die neue Oppositionsrolle von CDU/CSU verschaffte dem "Sprachrohr" von Strauß weitere Auflagensteigerungen. Vom 1. Quartal 1970 bis zum 1. Quartal 1972 stieg die Auflage auf 151.900 Exemplare. Der Funktion als Parteimitteilungs- und Informationsblatt wurde durch Einlagen Rechnung getragen.

Der Chefredakteur des Bayernkuriers, Wilfried Scharnagl, im Gespräch mit dem CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß am Rande eines CSU-Parteitages im Dezember 1987. (Foto: Süddeutscher Verlag, Bildarchiv)

Der Bayernkurier gewann unter dem weltweit bekannten und global agierenden Politiker Strauß bundesweite und internationale Aufmerksamkeit. Strauß griff zu deutschland-, wirtschafts- und sicherheitspolitischen Themen häufig selbst zur Feder. Seine Leitartikel und Stellungnahmen lösten in den Medien ein breites Echo aus. Im Bayernkurier wurden überdies die großen Reden von Strauß abgedruckt. 1977 übertrug Strauß die Chefredaktion an Wilfried Scharnagl (CSU, geb. 1938). Zwischen Strauß und dem neuen Chefredakteur entstand ein enges politisch-publizistisches Arbeitsverhältnis, das eine störungsfreie Zusammenarbeit ermöglichte. Die enge Zusammenarbeit von Strauß und Scharnagl habe Strauß 1984 bei der Vorstellung des Buches "Franz Josef Strauß - Der Mensch und der Staatsmann" wie folgt beschrieben: "Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was er schreibt" (Wilfried Scharnagl in einem 2008 in den von der Hanns-Seidel-Stiftung herausgegebenen Politischen Studien, Band 421, erschienenen Interview). Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre erreichte der "Bayernkurier" dann eine Auflage von fast 200.000 Exemplaren (1979: 197.000). Er gehörte in dieser Zeit zu den größten Wochenblättern der Bundesrepublik.

Dritte Entwicklungsphase: allmählicher medialer Bedeutungsschwund ab 1989

Nach dem Tod von Strauß am 3. Oktober 1988 waren die Glanzzeiten des Bayernkuriers aus verschiedenen Gründen vorbei. Seine Auflage fiel von annähernd 200.000 auf 52.392 (IVW.2/2011) Exemplare und blieb weiterhin rückläufig. Die Phase seines allmählichen medialen Bedeutungsschwundes hält bis heute (2013) an. Das Blatt büßte weitgehend das Interesse der Medien ein und verlor an Publizität. Die nationale und internationale Presse und die digitalen Medien schenkten ihm nicht mehr die Aufmerksamkeit, die das Parteiorgan zu Zeiten von Strauß genossen hatte. Auch die interne Attraktivität des Bayernkuriers schwächte sich ab. Die Parteimitglieder decken ihre Informationsbedürfnisse mithilfe von überregionalen und regionalen Printmedien, Fernsehsendungen und lokalen Anzeigenblättern.

Die Veränderungen im Mediennutzungsverhalten der Bevölkerung, die allgemein zum Niedergang deutscher Parteizeitungen führte, machten auch dem vergleichsweise erfolgreichen Bayernkurier schwer zu schaffen. Bemühungen der Chefredakteure, das Wochenblatt wieder attraktiv zu machen und erneut eine breitere Leserschaft zu erreichen, blieben ohne nachhaltigen Erfolg. Symptomatisch für die Abwärtsentwicklung war die öffentliche Kritik, die der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (CSU, geb. 1949) im Juli 2012 im Münchner Merkur übte. Er schrieb, der Bayernkurier sei "nur noch ein Schatten seiner selbst", und beanstandete dessen Berichterstattung und Versäumnisse. In Gauweilers Kritik kam auch das alte Spannungsverhältnis zwischen der medialen Innen- und Außenfunktion des Blattes zum Ausdruck.

Spannungen zwischen Innen- und Außenfunktionen

Die Zwitterfunktion und Gestaltung des Bayernkuriers als politisches Wochenblatt und als Parteimitteilungsblatt für Mitglieder hatte von Anfang an Fragen seiner Finanzierung, inhaltlichen Gestaltung und Ausrichtung aufgeworfen. Das CSU-Organ wurde im freien Wettbewerb mit anderen Printmedien auf den Markt gebracht, konnte jedoch auf dem Zeitungsmarkt nicht allein über die Erlöse aus dem Abonnement und Werbegeschäft kostendeckend finanziert werden und wurde mit Sonderleistungen der Partei unterstützt.

Eine zentrale Frage war und blieb, ob, inwieweit und in welcher Form die CSU-Mitglieder per Parteistatut verpflichtet werden können und müssen, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Diskussion und Streitigkeiten darüber waren wiederum phasenspezifisch. In der ersten Phase waren die CSU-Mitglieder prinzipiell nicht qua Mitgliedschaft zu einem Abonnement verpflichtet. 1955 versuchte die CSU-Führung vergeblich, zur Verbesserung der Finanzierung und Verbreitung des Blattes, den Bezug für Parteimitglieder zur Pflicht zu machen. Der Plan scheiterte an innerparteilichen Widerständen.

Initiativen, die am Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre im Zuge der Parteireform und Reaktivierung des Blattes ergriffen worden waren, blieben ebenfalls erfolglos. Auch nach seiner Umgestaltung zur "Deutschen Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur" stieß der Bayernkurier an der Parteibasis auf inhaltliche Kritik. Parteiintern wurde geklagt, der Bayernkurier bliebe den meisten Mitgliedern fremd, deren Interessen und Informationsbedürfnisse würden zu wenig beachtet. Parteiaktivisten der mittleren Ebene hielten dem Blatt vor, es sei "zu wenig Heimatzeitung", "zu intellektuell", "es schwebe über den Leuten". Auch unter dem Parteivorsitzenden Strauß blieb es daher beim freiwilligen Abonnement, das in der Ära Strauß allerdings von einer wachsenden Zahl von Mitgliedern abgeschlossen wurde. Der steile Anstieg der Auflagenhöhe in den 1970er und 1980er Jahren war auch den rasch steigenden Mitgliedszahlen der CSU zuzuschreiben.

Elektronische Umrüstung und vierte Phase

Die allgemeine Medienkrise verschärfte die prekäre medienpolitische und wirtschaftliche Situation des Wochenblattes, das seine Funktionen als "Sprachrohr" nach außen und als Parteimitteilungsblatt nach innen weitgehend eingebüßt hatte. Anfang der 2000er Jahre führten Medienkrise, Wirtschafts- und Finanzkrise sowie das veränderte Mediennutzungsverhalten von Bevölkerung und Parteimitgliedern zu neuerlichen Diskussionen, inwieweit und in welcher Form der Bayernkurier weitergeführt werden könne oder überhaupt solle. Parteiinterne Vorschläge und Beschlüsse, das Traditionsorgan der Partei auf eine neue kommunikations- und informationstechnologische Basis zu stellen, wurden vom CSU-Landesvorstand in Kooperation mit dem Verlag Schritt für Schritt umgesetzt. Die mediale Umrüstung des Blattes lief auf eine mehr an den Bedürfnissen der Parteimitglieder und Aktivisten orientierte Kombination aus Online- und Printangebot hinaus. Der Bayernkurier sollte ein wichtiger Faktor in der flächendeckenden Kampagnenfähigkeit der Partei bleiben. An der Marke "Bayernkurier" wurde dabei als weithin bekanntes Markenzeichen der CSU festgehalten. Der mediale Niedergang des Parteiblattes konnte jedoch nicht aufgehalten werden. Mediale Reichweite, Absatz und Kosten standen in einem eklatanten Missverhältnis. Nach eigenen Angaben an die IVW betrug die verbreitete Auflage im ersten Quartal 2015 nur mehr 48.195 Stück (verkaufte Auflage 46.718). Das Parteiorgan war ein teurer Zuschussbetrieb geblieben. Die ihm nach der Jahrtausendwende von CSU-Akteuren zugesprochene Funktion als Denkfabrik und Motor der Parteireform blieb akademisches Gedankenspiel.

Mit dem Beschluss der CSU-Führung vom Mai 2015, den Bayernkurier von einer Wochenzeitung zu einem Monatsmagazin umzuwandeln, trat das Parteiorgan in seine Endphase ein. Doch auch die gefälligere Aufmachung des Magazins erwies sich als wenig erfolgreich. Die Auflage konnte nicht gesteigert werden. Sie betrug in den Jahren 2017 bis 2019 jährlich nominell insgesamt 50.000 Exemplare, davon waren 20.000 Printexemplare, 30.000 E-Paper Ausgaben. CSU-Generalsekretär Markus Blume gestand ein: "Aber die Zeiten, wo man sich ein sehr gut gemachtes Hochglanzmagazin leisten kann, während man im Digitalen tatsächlich noch weitere Gehhilfen braucht, diese Zeiten sind vorbei". "Deswegen sind wir der Meinung, dass es notwendig ist, hier wirklich den Schalter umzulegen." Im Mai 2019 beschloss die CSU-Führung, das Monatsmagazin zum 1. Dezember 2019 einzustellen und die Ressourcen der Partei künftig hauptsächlich auf Formate der digitalen Kommunikation zu konzentrieren. "Wir wollen die CSU zur ersten digitalen Volkspartei machen und auf allen Kanälen von Facebook bis YouTube unsere politischen Überzeugungen vertreten." (Markus Blume, Das Erbe des Bayernkurier ist digital, in: Bayernkurier 12/201, 19).

Chefredakteure/Chefs vom Dienst/Verlagsleiter
Lebensdaten Amtszeit
Franz Josef Strauß 1915-1988 1950-1952
Hans Drachsler 1916-1996 1952-1963
Leo M. Bensch 1920-2016 1950; 1961-1977 (Chef vom Dienst)
Carl Schmöller geb. 1935 1963-1965
Wilfried Scharnagl geb. 1938 1977-2001
Peter Schmalz geb. 1943 2001-2008
Peter Hausmann geb. 1951 2008-2014
Marc Sauber 2015-2018
Thomas Röll 2018-2019

Die Positionen und Ressorts der verantwortlichen Redakteure wechselten in den Jahren von 1957 bis 1963.

Literatur

  • Abschied vom Bayernkurier, Aus Liebe zu Bayern, (Bilddokumentation 1950-2019), in: Bayernkurier Ausgabe 12/2019, S. 48-62.
  • Markus Blume, "Wir wollen begeistern", in: Bayernkurier Ausgabe 11, 2019, S. 19-21.
  • Markus Blume, Das Erbe des Bayernkurier ist digital, in: Bayernkurier Ausgabe 12/2019, S. 18f.
  • Achim von Borries, Ehrbare Rechte? Zur Selbstdarstellung der CSU, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 14 (1969), 1205-1213.
  • Roman Deininger/Wolfgang Wittl, Adios Amigos in: Süddeutsche Zeitung Nr. 240 vom 17. 10. 2019, S. 3.
  • Barbara Fait/Alf Mintzel (Hg.), Protokolle und Materialien zur Frühgeschichte der Christlich-Sozialen Union. 3 Bände, München 1993.
  • Heinz-Dietrich Fischer, Parteien und Presse in Deutschland seit 1945, München u. a. 2., unveränderte Auflage 1981.
  • Gerhard Hopp, Herzstück der CSU? Die Landesleitung zwischen Serviceagentur, Denkfabrik und Motor der Parteimodernisierung, in: Gerhard Hopp/Martin Sebaldt/Benjamin Zeitler (Hg.), Die CSU. Strukturwandel, Modernisierung und Herausforderung einer Volkspartei, Wiesbaden 2010, 351-374.
  • Alf Mintzel, Die CSU. Anatomie einer konservativen Partei 1945-1972. Mit einem Vorwort von Otto Stammer, Opladen 2. Auflage 1978, 164f., 338-346, 635-640.
  • Alf Mintzel, Geschichte der CSU. Ein Überblick, Opladen 1977, 160-168.
  • Gabriele Pauli-Balleis, Polit-PR. Strategische Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien. Zur PR-Praxis der CSU, Zirndorf 1987, 292f., 305f.
  • Wilfried Scharnagl, De amicitia. Politische Studien-Zeitgespräch, in: Politische Studien 421 (2008), 9-27.
  • Thomas Schlemmer, Aufbruch, Krise und Erneuerung. Die Christlich-Soziale Union 1945 bis 1955, München 1998.
  • Markus Söder, "Wir müssen die Zukunft angehen", in: Bayernkurier Ausgabe 12/2019, S. 36f.
  • Edmund Stoiber, "Die CSU muss noch internetbezogener werden", in: Bayernkurier Ausgabe 12/2019, S. 38-42.
  • Claudius Wagemann, Das Bild der SPD im "Bayernkurier". Die Berichterstattung seit dem Fall der Mauer. Mit einem Geleitwort von Volker Schneider, Wiesbaden 2000.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Bayern-Kurier, Bayerische Rundschau

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Empfohlene Zitierweise

Alf Mintzel, Bayernkurier, publiziert am 09.09.2013 (Aktualisierte Version 07.01.2020); in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayernkurier> (25.02.2020)




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