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Pfälzer Bauernverein, 1918-1933

von Jonathan Osmond

Christlicher Bauernverein der Rheinpfalz, gegründet am 7. Januar 1918. Der Verein hatte bis zu 7.500 Mitglieder und stand den katholischen Parteien in der Pfalz nahe. Sein Einfluss begrenzte sich auf die regionale Agrarpolitik. Der Pfälzer Bauernverein wurde am 5. Mai 1933 mit den übrigen Agrarverbänden im Reich unter nationalsozialistischer Führung gleichgeschaltet.

Gründung und Ziele

Viel später als die christlichen Bauernvereine im rechtsrheinischen Bayern und im restlichen Rheinland wurde der Pfälzer Bauernverein erst am 7. Januar 1918 in der gemischtkonfessionellen bayerischen Rheinpfalz gegründet. Initiator war der Ludwigshafener Raiffeisenverband.

Ziel des Bauernvereins war es, die ökonomischen Interessen des Bauerntums zu verteidigen, und zwar durch wirtschaftliche und technische Selbsthilfe, Stärkung des Genossenschaftswesens, wirtschaftspolitischen Protest sowie politische Interessenvertretung in der Pfalz bzw. im bayerischen Landtag. Die Strategie des Lieferstreiks wurde nicht übernommen, was den Bauernverein von der Freien Bauernschaft unterschied. Anfang 1921 nahm der Bauernverein kurzzeitig an der angestrebten Vereinigung der drei pfälzischen Bauernverbände im Pfälzer Bauernbund teil, trat aber am 1. März wieder aus.

Leitung und Mitglieder

Alle Vorsitzende sowie die Mehrheit der Mitglieder des Bauernvereins stammten aus der katholischen Vorderpfalz. Gründungsvorsitzender war Pfarrer Steegmüller aus Hoerdt. Die Amtsperioden seiner Nachfolger sind nicht exakt zu ermitteln: Georg Detzel aus Herxheim bis Mai 1921, Wilhelm Malthaner aus Neupfotz (ab 1938 Neupotz) wohl vor 1925, Eduard Wünstel aus Hatzenbühl um 1928 und Wilhelm Spindler aus Forst ab Oktober 1931.

Die meisten Mitglieder waren Winzer und Tabakbauern. Kurz nach der Gründung des Bauernvereins betrug die Mitgliederzahl ungefähr 2.800. Bis zirka 1921 – zur Zeit des Kampfes gegen die so genannte Zwangswirtschaft der Landwirtschaft – stieg sie auf ungefähr 7.500. Danach trat jedoch der Vorsitzende Detzel samt seiner großen Landauer Bezirksgruppe zur Freien Bauernschaft über, sodass die Mitgliederzahl bis zur Auflösung der Organisation 1933 auf unter 2.500 sank.

Organ des Bauernvereins war von 1924 bis 1933 "Der Rheinpfälzische Bauer".

Geringer politischer Einfluss

Politisch stand der Pfälzer Bauernverein den beiden katholischen Parteien der Rheinpfalz nahe, dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei. Diese Spaltung des katholischen Lagers schwächte auch den Bauernverein. Mangelnde Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Bauernvereinen Bayerns und des Reiches sowie die Rivalität der Pfälzer Bauernverbände untereinander beschränkten den Einfluss des kleinen Bauernvereins auf die regionale Agrarpolitik. Einige Aktivisten des Bauernvereins (z. B. Malthaner und Detzel) wurden durch die Separatistenpolitik der französischen Besatzungsmacht kompromittiert - ob zu Recht oder zu Unrecht, ist nicht eindeutig festzustellen. Doch gibt es auch Hinweise, dass der Bauernverein von der bayerischen Regierung finanziell unterstützt wurde, gerade um dem Separatismus entgegenzuwirken. An der Gründung der als regionale Version der "Grünen Front" (Reichsbauernfront) verstandenen Pfälzer Bauernschaft nahm der Pfälzer Bauernverein 1929 nicht teil.

Gleichschaltung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten

Im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 zersplitterte der Bauernverein. Zeichen des Widerstands gab es in einigen katholischen Ortschaften, doch trat in Waldsee im Kreis Speyer eine ganze Ortsgruppe in den nationalsozialistischen Pfälzer Bundschuh ein. Obwohl der Bauernverein die Weimarer Verfassung nach dem Amtsantritt Hitlers am 30. Januar 1933 zunächst noch verteidigt hatte, begrüßte "Der Rheinpfälzische Bauer" am 5. Mai 1933 die Vereinigung aller Agrarverbände Bayerns und des Reiches unter nationalsozialistischer Führung.

Literatur

  • Hannsjörg Bergmann, Der Bayerische Bauernbund und der Bayerische Christliche Bauernverein 1919-1928, München 1986.
  • Jonathan Osmond, Rural Protest in the Weimar Republic. The Free Peasantry in the Rhineland and Bavaria, Basingstoke/London/New York 1993.
  • Félix Revol, Le syndicalisme paysan et les grèves paysannes de 1920, 1921 et 1922 dans le Nord du Palatinat Rhénan, Paris 1923.
  • Franz Josef Rohr, Die freien erwerbswirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Organisationen der pfälzischen und saarländischen Landwirtschaft in der Kriegs- und Nachkriegszeit, Dissertation Heidelberg 1922.

Quellen

  • Der Rheinpfälzische Bauer, Germersheim, 1924-33.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv München: MInn 73446; MA102156.
  • Landesarchiv Speyer: Regierung der Pfalz Kammer des Innern; Bezirksämter.
  • Rudolf Hamm, Freie Bauernschaft: Heinz-Orbis und Separatismus. Nach Aufzeichnungen zusammengestellt, Deileisterhof 1930.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Jonathan Osmond, Pfälzer Bauernverein, 1918-1933, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Pfälzer Bauernverein, 1918-1933> (21.03.2019)