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Eiserne Faust, 1919-1934

Ernst Röhm, Fotographie 1918. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv)

von Christoph Hübner

Informelle Vereinigung völkisch-nationalistischer Reichswehroffiziere, gegründet 1919 in München. Adolf Hitler (1889-1945) erhielt dort über Ernst Röhm (1887-1934) Kontakte zu den höheren Kreisen der Reichswehr.

Gründung, Mitglieder, Ziele

Die "Eiserne Faust" war eine im Sommer 1919 in München gegründete informelle Vereinigung völkisch-nationalistischer Reichswehroffiziere. Maßgebende Mitglieder waren die Hauptleute Ernst Röhm (1887-1934), Karl Mayr (1883-1945) und Josef ("Beppo") Römer (1892-1944). Laut Röhms eigenen Angaben (Röhm, Geschichte, 100f.) fanden die Zusammenkünfte des "Clubs" zumeist in der Wohnung des ehemaligen Bund Oberland-Führers Römer statt. Die genannten Offiziere versahen allesamt bedeutende Posten in der Schützenbrigade 21 des Obersten Franz Xaver Ritter von Epp (1868-1947), die sich fast ausschließlich aus ehemaligen Freikorpskämpfern zusammensetzte. Die informellen Aussprachen der Eisernen Faust wiesen daher von Anfang an in eine völkisch-nationalrevolutionäre Richtung. Röhm und Römer beschäftigte dabei nach den Erfahrungen mit der Münchner Räterepublik insbesondere die Frage, wie die Arbeiterschaft vom "internationalistischen Marxismus" gelöst und wieder der "deutschen Volksgemeinschaft" zugeführt werden könnte.

Bekanntschaft Hitlers mit dem Offiziersclub

Als geschichtsträchtig erwies es sich dann, dass Hauptmann Mayr eines Abends im Frühherbst 1919 den Gefreiten Adolf Hitler (1889-1945) in den Kreis einführte. Hitler gehörte seit Ende Mai 1919 zu Mayrs Politischer Abteilung des Nachrichtendienstes des Gruppenkommandos ("Aufklärungskommando"), die nach der Niederschlagung der Räterepublik die politische Stimmung in der Truppe wie auch in der Stadt überwachen sollte. Hitlers rhetorisches Talent war Mayr bereits bei politischen Seminaren im Sommer des Jahres aufgefallen und hatte ihn zu einer besonderen Förderung des Einzelgängers veranlasst. Andererseits hatte Hitler gerade im Umfeld der genannten Schulungskurse der Reichswehr entscheidende Anstöße zur endgültigen Ausbildung seiner antimarxistischen, antisemitischen und völkisch-nationalistischen "Weltanschauung" erhalten. Verwandte Ideen diskutierte er nun im Kreise der Eisernen Faust.

Die Eiserne Faust als Beginn der Kooperation zwischen Hitler und Röhm

Als Hitler dann im September 1919 in die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) eintrat und binnen kurzem die Leitung derselben übernahm, erwiesen sich für ihn die Kontakte zu den Offizieren der Eisernen Faust als außerordentlich wertvoll. Spätestens im Dezember dieses Jahres konnte er Röhm für die Partei gewinnen. Dieser wiederum wurde als Generalstabsoffizier in der Folgezeit ein wichtiger Türöffner für Hitler in den gehobenen Kreisen der Reichswehr und der Münchner Gesellschaft. Die Eiserne Faust stellt daher gewissermaßen die Keimzelle der viele Jahre äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit Hitlers und Röhms dar, die schließlich 1933 in der "Machtergreifung" der NSDAP ihren Höhepunkt fand und durch die Ermordung Röhms 1934 endete.

Literatur

  • Conan Fischer, Ernst Julius Röhm - Stabschef der SA und unentbehrlicher Außenseiter, in: Ronald Smelser/Rainer Zitelmann (Hg.), Die braune Elite. 22 biographische Skizzen, Darmstadt 1989, 212-222.
  • Ian Kershaw, Hitler 1889-1936. Aus dem Englischen, Stuttgart 1998.
  • Davis Clay Large, Hitlers München. Aufstieg und Fall der Hauptstadt der Bewegung. Aus dem Englischen, München 1998.

Quellen

  • Ernst Röhm, Die Geschichte eines Hochverräters, München 2. Auflage 1930. (Autobiographie Röhms bis 1928, daher in der Wertung oft problematisch)

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Christoph Hübner, Eiserne Faust, 1919-1934, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Eiserne Faust,_1919-1934> (15.11.2018)