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Kriegervereine

Ein Kriegerverein in den 1920er Jahren, hier der 1862 gegründete Krieger- und Veteranenverein Großhartpenning. (aus: Josef Bichler [Hg.], Chronik der Gemeinde Hartpenning, Hartpenning 1927, S. 38)
Königs-Bundes-Banner des Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Bundes, ein Geschenk König Ludwigs II. von 1884. (aus: J. Kalb, Festschrift zur Erinnerung an das 25jährige Jubliäum des … "Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Bundes" 1874-1899, München 1899, S. 17)
Entwicklung der Kriegervereine und ihrer Mitglieder in Bayern 1874-1898. (aus: J. Kalb, Festschrift zur Erinnerung an das 25jährige Jubliäum des … "Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Bundes" 1874-1899, München 1899, S. 44)
Übersichtskarte über die Zahl der Kriegervereine und ihrer Mitglieder in Deutschland am 1. Januar 1938. (aus: R. Siegel [Hg.], Vom Kyffhäuserbund zum NS.-Reichskriegerbund, Berlin 1938, S.11)
Titelblatt der Erstausgabe von "Der Veteran. Organ des 'bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Vereines' und seiner Mitgliedschaften" vom 21. Juli 1874.

von Rainer Braun und Lothar Saupe

Interessenvertretungen von Soldaten, gegründet insbesondere seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hauptaktivitäten sind Bestattungen, die Pflege der Kameradschaft und der militärischen Tradition sowie die Unterstützung Hinterbliebener.

Begriffsbestimmung und Bedeutung

Kriegervereine sind vereinsrechtlich bestimmte Zusammenschlüsse, Interessenvereinigungen und -vertretungen ehemaliger Soldaten jeden Ranges. Anfangs vertraten sie nur Soldaten, die an Feldzügen teilgenommen hatten, dann alle Gedienten. Ihr ursprünglicher Zweck bestand darin, würdige militärische Bestattungen nach dem Ableben bedürftiger Kameraden sicherzustellen und die Hinterbliebenen zu unterstützen. Hinzu kamen frühzeitig die Pflege der Kameradschaft und der militärischen Tradition, die Beschwörung gemeinsamer Erlebnisse (und Siege) und die stets betonte Verbundenheit mit Fürst und Vaterland. Nach dem Sturz der Monarchien 1918 trat an ihre Stelle die umso lautstärker vertretene patriotische Gesinnung. In der Folge gewannen die Kriegervereine Bayerns und Deutschlands insbesondere nach den Zusammenschlüssen zu Landesverbänden - obwohl sämtlich als unparteilich definiert - zunehmend auch politische Bedeutung. Sie trugen somit nach dem Ersten Weltkrieg zur Militarisierung der Volksstimmung bei und leisteten dem Nationalsozialismus Vorschub.

Geschichte

Die ersten Kriegervereine wurden in Deutschland seit Ende des 18. Jahrhunderts als Militär-Begräbnisvereine und militärische Schützenbruderschaften gegründet. Die - je nach Zeit und Landschaft - auch als Veteranen-, Kampfgenossen- und Militärvereine bezeichneten Vereinigungen verbreiteten sich insbesondere in den von nationaler Begeisterung geprägten Zeiten über ganz Deutschland: nach den Befreiungskriegen 1813, nach den Feldzügen von 1864 und 1866 sowie vor allem nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

Soweit bekannt, wurde der erste Kriegerverein in Bayern 1786 in Aying gegründet. Er besteht bis heute. Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1805 gründeten in Bayern Reservisten weitere Kriegervereine. Überliefert sind Lenggries (1806), Füssen (1807), Moosburg (1810), Flintsbach (1812) und Nördlingen (1813). Nach den Befreiungskriegen entstanden weitere, heute noch bestehende Vereine. Seit etwa 1842 mussten die Vereine, die zunehmend auch aus ehemaligen Soldaten eines bestimmten Regiments bestanden, bei der bayerischen Armee gemeldet werden. Einen Entwicklungsschub erlebten die Vereine, als ab 1868 die Allgemeine Wehrpflicht in Bayern konsequent umgesetzt wurde, und im Gefolge des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71.

Ausgelöst durch die Reichsgründung 1871, kam es bereits 1873 zum ersten großen, allerdings auf Preußen und die angeschlossenen Staaten beschränkten Dachverband, dem "Deutschen Kriegerbund". Er umfasste bereits um die Jahrhundertwende 9.400 Vereine mit einer dreiviertel Million Mitgliedern. Das bayerische Gegenstück war der 1873 gegründete, aber kurzlebige "Bayerische Kriegerbund", der 1874 durch den "Bayerischen Veteranen- und Kriegerverein", 1877 durch den "Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Bund" (BVKKB) abgelöst wurde. Er vertrat um 1900 2.250 Vereine mit 150.000 Mitgliedern und wurde 1908 in "Bayerischer Veteranen- und Kriegerbund" umbenannt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Vereine zu bloßen Vereinigungen der Angehörigen des ehemaligen Heeres. Ihre Mitgliederzahl nahm ab, im übrigen Reich vor allem zugunsten der Organisationen von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. In Bayern hingegen entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen. 1918 schlossen sich der Veteranen- und Kriegerbund und der Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten zusammen, und Gliederungen des Kriegerbundes übernahmen Betreuungsaufgaben. In den Folgejahren schrumpfte seine Mitgliederzahl trotzdem weiter.

Reichsweiter Zusammenschluss im Kyffhäuserbund

Das gemeinsame Denkmal aller Kriegervereine für den verehrten "Heldenkaiser" Wilhelm I. (1797-1888, dt. Kaiser 1871-1888) auf dem Kyffhäuser in Thüringen führte schließlich im Jahr 1900 zum ersten gesamtdeutschen, aber lockeren Zusammenschluss im "Kyffhäuserbund der Deutschen Landeskriegerverbände". Aus ihm entstand 1921 der straffe, zentralistische "Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser", der in seiner nationalistischen Ausrichtung in besonderem Maße der NSDAP den Boden bereitete. Im März 1938 wurde er zur alleinigen Vereinigung ehemaliger Soldaten erklärt. Darunter blieb für Bayern die „Wohlfahrtsgemeinschaft Bayerischer Kriegerbund“ als Dachverband bayerischer Kriegervereine auf Bezirks- und Landkreisebene bestehen. Auf die Gleichschaltung 1933 und die Eingliederung in die SA-Reserve II 1934 folgte 1943 die Auflösung auch der bayerischen Sektion. Damit verschwand der Großteil der schriftlichen Überlieferung der einzelnen Vereine.

Ab 1951 erfolgte die Wiederbegründung einzelner Ortsvereine als Traditionsvereine und die Neugründung anderer, vorwiegend auf die Bundeswehr-Reservisten zielender Soldatenverbände. Heute stehen die unpolitische Pflege der Kameradschaft und der Gedanke der Unterstützung Bedürftiger im Vordergrund. Der "Bayerische Soldatenbund 1874 e. V." hat heute (2006) etwa 80.000 Mitglieder (Reservisten der Bundeswehr, ehemalige Soldaten der Wehrmacht und der Bundeswehr), die in rund 1.300 Ortskameradschaften organisiert sind. Präsident ist z.Zt. (2006) Jürgen Reichardt (geb. 1938), Generalmajor a. D.

Literatur

  • C.J. Elliot, The Kriegervereine and the Weimar Republic, in: Journal of contemporary history 10 (1975), 109-129.
  • Thomas Rohkrämer, Der Militarismus der "kleinen Leute". Die Kriegervereine im Deutschen Kaiserreich 1871-1914 (Beiträge zur Militärgeschichte 29), München 1990.

Quellen

  • Engelbert Frank, Handbuch für die Vertreter und Vereine des Bayerischen Kriegerbundes, München 1926.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Veteranenvereine, Reservistenvereine, Militär-Begräbnisvereine, Militärvereine, Kampfgenossenvereine, Bayerischer Veteranen- und Kriegerbund, Bayerischer Veteranen- und Kriegerverein, Bayerischer Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossen-Bund BVKKB

Empfohlene Zitierweise

Rainer Braun/Lothar Saupe, Kriegervereine, publiziert am 23.01.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kriegervereine> (13.12.2018)