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Deutscher Notbann, 1924-1926

Franz Ritter von Epp (1868-1947), von 1933-1945 Reichsstatthalter in Bayern. (Foto: um 1919, Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv hoff-70962)
von Bruno Thoß

Paramilitärische Organisation unter Franz Xaver Ritter von Epp (1868-1947), mit Unterstützung der bayerischen Regierung gegründet am 18. Januar 1924. Als Polizeireserve getarnt, sollte der Notbann nach dem Hitler-Putsch die radikalen Wehrverbände neu organisieren und stärker an die Regierung binden, was aber nur teilweise gelang. Der Deutsche Notbann wurde im März 1926 aufgelöst.

Die Ausgangslage Ende 1923

Das Krisenjahr 1923 mit seinem Höhepunkt im Hitlerputsch vom 8./9. November machte der bayerischen Staatsregierung deutlich, wie labil die Sicherheitslage trotz der Einsetzung von Gustav Ritter von Kahr (1862-1934) zum Generalstaatskommissar mit besonderen exekutiven Befugnissen nach wie vor war.

Der Versuch, die gemäßigteren Wehrverbände über eine staatlich finanzierte Polizeireserve, die Polizei Nothilfe Bayern (PNB), in die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung einzubinden, zeitigte nur bedingten Erfolg. Die Mehrheit der Verbände akzeptierte zwar formal die Forderung der Staatsregierung, bei inneren Krisen sowohl nach links wie nach rechts einsatzbereit zu sein. Beim Umsturzversuch vom 9. November standen dann jedoch wesentliche Teile wie der Bund Oberland und die Reichskriegsflagge auf Seiten der Putschisten. Dazu trug sicherlich auch das ständige Taktieren Kahrs bei, der damit die radikalen, an Adolf Hitler (1889-1945) und Erich Ludendorff (1865-1937) orientierten Wehrverbände in einer nationalen Einheitsfront zusammenzuhalten hoffte.

Nach dem Putsch wurden die im Deutschen Kampfbund zusammengeschlossenen radikalen Wehrverbände zwar entwaffnet und die führenden Putschisten vor Gericht gestellt. Aber auch der durch seine schwankende Haltung diskreditierte Generalstaatskommissar musste schon im Februar 1924 sein Amt niederlegen. Damit blieb für die Staatsregierung die Frage offen, wie man das mitgliederstarke Lager der Wehrverbände kontrollieren konnte.

Im Dezember 1923 nahm das Kabinett Knilling deshalb den Vorschlag des Generals Franz Xaver Ritter von Epp (1868-1946) positiv auf, dazu unter ihm als Landesbefehlshaber eine straffere Dachorganisation in Anlehnung an die Strukturen der Polizeireserve zu schaffen. Epp genoss als populärer "Befreier von München" Vertrauen bis weit in die radikalen Kreise hinein und hatte zudem schon bisher im Stab der 7. Reichswehrdivision die Oberaufsicht über die Waffenlager der Verbände innegehabt. Deshalb bestand die Hoffnung, über ihn den größeren Teil der Wehren durch staatliche Finanzierung und Ausrüstung an die Regierung binden zu können.

Der Versuch der Entpolitisierung der Wehrverbände

Den organisatorischen Rahmen dafür gab der am sog. Reichsgründungstag, dem 18. Januar 1924, aus der Taufe gehobene "Deutsche Notbann". Um die zur Mitarbeit bereiten Mitglieder des immer noch breit gestreuten Lagers der Wehrverbände nicht in allzu große Loyalitätskonflikte zu bringen, sollten Doppelmitgliedschaften möglich sein - immer vorausgesetzt, die zum Notbann stoßenden Wehrmänner würden sich zu zuverlässiger Mitarbeit im Rahmen der neuen halbstaatlichen Organisation bereiterklären. Die Überführung aller Waffenbestände in Staatseigentum sowie ihre Verwaltung durch den Landeskommandanten sollten dafür die materielle Rückversicherung abgeben. Ziel der neuen Wehrorganisation war es nach außen, eine Polizeireserve für den inneren Einsatzfall verfügbar zu halten. Der eigentliche Sinn lag aber in der Entpolitisierung der Wehrverbände als geheime Reserve der Reichswehr durch ihre Führung und Ausbildung nach militärischen Kriterien. Mit dem Bund "Bayern und Reich" gelang es, den mitgliederstärksten Wehrverband in den Notbann zu überführen. Der Bund Oberland gab für seine Mitglieder immerhin den Weg zur Doppelmitgliedschaft frei.

Die Masse der auf Hitler und Ludendorff eingeschworenen radikalen Wehren aus dem inzwischen aufgelösten Kampfbund fasste der mittlerweile aus der Reichswehr entlassene Hauptmann Ernst Röhm (1887-1934) dagegen in einer eigenen Dachorganisation, dem Frontbann, zusammen. In klarer Frontstellung zur bayerischen Regierung war seinen Mitgliedern jede Doppelmitgliedschaft im Notbann untersagt. Dem in Haft befindlichen Hitler, aber auch den in den Landtag und Reichstag gewählten politischen Führern der völkischen Bewegung wurden jedoch bei ihrem taktischen Loyalitätskurs zur Republik die nur schwer steuerbaren Frontbannleute schnell zur Belastung. Aus Enttäuschung darüber trat Röhm schon 1925 als Führer der paramilitärischen Organisation zurück, die danach schnell zerfiel bzw. in der Parteitruppe der Sturmabteilung (SA) aufging.

Andererseits gelang es auch Epp nur begrenzt, die Wehren über den Notbann ins Regierungslager herüberzuziehen und vor allem die Verbindung zur Reichswehr reibungsfrei zu gestalten. Mit dem neuen Kommandeur der 7. Division, General Friedrich Freiherr Kress v. Kressenstein (1870-1948), verband ihn eine langjährige Rivalität, während er gleichzeitig in seiner Personalpolitik die Interessen der bisherigen Verbändeführer missachtete. Aber auch die Staatsregierung war zunehmend unzufrieden mit der selbstherrlichen Verbandsführung. Sie ließ dem Notbann zudem nur unzureichende finanzielle Unterstützung zukommen, weshalb Epp schließlich bereits Ende 1925 sein Amt niederlegte. Die generelle Stabilisierung der politischen Lage im Reich und in Bayern Mitte der 1920er Jahre machte die paramilitärischen Verbände inzwischen insgesamt zur Belastung für die staatlichen Stellen. Im März 1926 wurde deshalb auch der Notbann aufgelöst.

Literatur

  • Hans Fenske, Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918, Bad Homburg/Berlin/Zürich 1969.
  • Harold J. Gordon jr., Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923-1924, Frankfurt am Main 1971.
  • Katja-Maria Wächter, Die Macht der Ohnmacht. Leben und Politik des Franz Xaver Ritter von Epp (1868-1946) (Europäische Hochschulschriften 3/824), Frankfurt am Main 1999.

Quellen

  • Ernst Röhm, Die Geschichte eines Hochverräters, München 1928.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Bruno Thoß, Deutscher Notbann, 1924-1926, publiziert am 10.09.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Deutscher Notbann, 1924-1926> (20.11.2018)