Einleitung
Kriminalität, kriminelle Energien, das Leid der anderen und ...haben viele Menschen schon immer fasziniert. Mit dem Aufkommen der Massenmedien gelang es darüber hinaus auch noch, die Sensationsgier vieler einfach und schnell zu befriedigen. Was in der frühen Neuzeit die Flugblätter, dann für das einfache Volk die Bänkelsänger, waren ab dem 19. Jahrhundert die Zeitungen in Kombination mit Holzschnitten und der Fotografie, dann der Film, das Fernsehen und schließlich das Internet. Eines haben diese Meldungen immer wieder gemeinsam: Das Leid der Opfer berührt im Moment der Tat eigentlich niemanden, im Mittelpunkt steht der Täter, dessen Motive, dessen Befindlichkeiten, dessen Tatausführung. Um aber die Opfer nicht wie anonymes Material in den Händen der Täter verkümmern zu lassen, sollte darüber nachgedacht werden, ob es nicht sinnvoll wäre, nicht nur eine Kriminalgeschichte, sondern auch eine Opfergeschichte zu schreiben.
Das Donaumoos -
Am 3. Oktober 1843, gegen 23 Uhr, gebar Josepha Strobl in Grillheim bei Karlskron (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) ihren zweiten unehelichen Sohn, den sie auf den Namen Eduard taufte. Seit der Geburt ihres ersten Sohnes Andreas im Jahr 1841 lebte sie mit dessen Vater, Andreas Gänswürger, in häuslicher Gemeinschaft zusammen. Ihren Lebensunterhalt verdienten sich beide durch Korbflechten. Trotz ihres kargen Lebens waren beide immer bemüht, ihren insgesamt neun Kindern eine gute Erziehung zu bieten. Eduard kam 1850 in die Volksschule nach Karlskron, doch ließen seine schulischen Leistungen während der gesamten Schulzeit sehr zu wünschen übrig. Im benachbarten Walding (Gde. Karlskron, Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) gebar die Ingolstädterin Walburga Seitz am 29. Mai 1844 einen unehelichen Sohn, den sie auf den Namen Ferdinand taufte. Sie selbst lebte m
Die Lilie auf dem Felde
1. Die Tat: Am 18. August 1919, einem Sonntagabend, erstatteten Josef Holmer, lediger Schneider, wohnhaft in München, Lothringerstraße 11 und Josef Zelmer, lediger Konditorlehrling, wohnhaft in der Lothringerstraße 6 auf der Wache der Schutzmannschaft des 15. Münchner Stadtbezirks eine Anzeige, wonach aus der Wohnung der Eheleute Joseph und Maria Apfelböck in der Lothringerstraße 11 verwesender Geruch vernehmbar sei. Diese Anzeige, der die Schutzmannschaft durch eine Überprüfung vor Ort umgehend nachging, bildete den Auftakt zu einem der spektakulärsten und aufsehenerregendsten Kriminalfälle im München der Zwischenkriegszeit, denn was die ermittelnden Beamten, Vizewachtmeister Karl Wieninger und der Schutzmann Josef Asam dort vorfanden, gehörte nicht zu den Alltäglichkeiten im Polizeialltag. Durch eine unverzügliche gewaltsame Wohnungsöffnung, die aufgrund des starken Verwesungsgeruchs notwendig geworden war, drangen die beiden Poli
Literatur
- Martin Arz, Todsicheres München. Die spektakulärsten Kriminalfälle, München 2009.
- Michael Farin (Hg.), Polizeireport München. 1799-1999, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Münchner Stadtmuseum, 23. April - 22. August 1999 mit Beiträgen von Christoph Bachmann, München 1999.
- Peter Leuschner, Der Mordfall Hinterkaifeck. Spuren eines mysteriösen Verbrechens, 3. überarbeitete Auflage, Apus-Verlag, Hofstetten 2007.
Externe Links
Empfohlene Zitierweise
Christoph Bachmann, Kriminalfälle (19./20. Jahrhundert), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kriminalfälle (19./20. Jahrhundert)> (8.02.2026)