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Zentralstelle für Industrie, Handel und Gewerbe, 1907-1914/18

Anton von Rieppel (1852-1926, Adelserhebung 1906) war der Gründungsvorsitzende des Verbandes Bayerischer Metallindustrieller und leitete als Vorsitzender der Zentralstelle für Industrie, Handel und Gewerbe. Gravur nach einem Foto von Franz Hanfstaengl. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-023122)
Das Gremium war im Staatsministerium des Äußeren angesiedelt. Sitz des Ministeriums war das Palais Montgelas am Münchner Promenadeplatz. Foto von 1915. (Stadtarchiv München DE-1992-FS-NL-PETT1-4197 lizensiert durch CC BY-ND 4.0)

von Helmut Braun

1907 gegründetes Beratungsgremium beim Staatsministerium des Königlichen Hauses und des Äußeren, das damals auch für Wirtschaftsfragen zuständig war. Nach Kriegsausbruch 1914 wurde aus der Zentralstelle heraus ein "Kriegsausschuss" gebildet, der aber keine größere Wirkung entfaltete.

Gründung 1907

Im Jahr 1907 wurde die Zentralstelle für Industrie, Handel und Gewerbe als Beirat beim Staatsministerium des Königlichen Hauses und des Äußern (StMKHÄ) errichtet, das seit 1904 für die gewerbliche Wirtschaft zuständig war. Dieser Zentralstelle gehörten neben dem ersten Vorsitzenden Anton von Rieppel (1852-1926, Adelserhebung 1906) als Vertreter des Bayerischen Industriellen-Verbandes (BIV) und Fidelis Nerz (1856–1913) für den Verein Bayerischer Metallindustrieller (VBM) sowie ein Vertreter des Verbandes Süddeutscher Baumwoll-Industrieller (VSBI) auch Vertreter von Handel und Handwerk an. Die Zentralstelle umfasste drei Abteilungen (Arbeiterschutz und Arbeiterwohlfahrt, Handwerk und Gewerbe, Industrie und Handel) und war ein begutachtendes und beratendes Organ in wirtschaftspolitischen Fragen, hatte aber de facto keine Möglichkeiten politischer Einflussnahme.

Bildung eines Kriegsausschusses 1914

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges berief die bayerische Regierung als eine ihrer ersten Maßnahmen am 10. August 1914 die Zentralstelle ein, um Maßnahmen zur Abmilderung von Kriegsschäden auf das gewerbliche Leben zu beraten, Industrie, Handel und Gewerbe auf ihre Opferwilligkeit einzuschwören, die Unterstützungsbereitschaft der bayerischen Regierung zu betonen, aber auch, um die Unternehmer vor Preistreiberei zu warnen. In der gleichen Sitzung ermächtigten die in nur geringer Zahl anwesenden Vertreter der Zentralstelle das StMKHÄ zur Bildung eines Kriegsausschusses, der das Ministerium hinsichtlich der wirtschaftlichen Fragen des Krieges beraten sollte. Damit brauchte die Regierung in Zukunft nicht mehr die gesamte Zentralstelle für Konsultationen einberufen.

Geringe Wirksamkeit bis 1918

Obgleich der Kriegsausschuss zunächst größere Beratungsaktivitäten zeigte, zerbröckelte er bald in seine einzelnen heterogenen Gruppen und geriet als möglicher Vertreter gewerblicher Interessen in die Mühlen der Zeitnot, in der die bayerische Staatsregierung die kriegsbedingt immer mehr zunehmende Reglementierungsflut der Berliner Reichsregierung umzusetzen hatte. Bis zum 16. Dezember 1916 tagte der Kriegsauschuss insgesamt nur achtmal.

Letztlich hatte man bereits mit der Einsetzung des Kriegsausschusses die Zentralstelle zwar de facto, nicht aber de jure beseitigt. Zwar brauchte der Staat den von den Verbänden geschaffenen Organisationsapparat, aber für die Berücksichtigung der als Rat gedachten Entscheidungen von Gremien wie dem Kriegsausschuss fehlte einfach während des Krieges die Zeit. Die Zentralstelle lebte de jure bis Kriegsende fort, es wurde aber nie ernsthaft eine Reaktivierung jenseits des Kriegsausschusses versucht.

Literatur

  • Gabriela Sperl, Wirtschaft und Staat in Bayern 1914-1924, Berlin 1996.

Quellen

  • BHStA, MWi 1551, MWi 1562, MH 15495

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Helmut Braun, Zentralstelle für Industrie, Handel und Gewerbe, 1907-1914/18, publiziert am 05.02.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Zentralstelle_für_Industrie,_Handel_und_Gewerbe,_1907-1914/18> (11.12.2018)