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Union alpine/Südstaat

Nicht realisierte Pläne des schwäbischen Kreistags für einen erweiterten Reichsgau Schwaben. (aus: Neugliederung des Reiches: hier der Gau Schwaben. Denkschrift, überreicht vom Kreistage des Regierungsbezirkes bayerisch Schwaben in Augsburg, Kempten 1938)

von Peter Jakob Kock

Alpenland, Union Alpine und Südstaat sind Begriffe aus verschiedenen, seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert geführten Diskussionen über die territoriale Neuorganisation Südwestdeutschlands. Angedacht wurde ein das schwäbisch-alemannische Stammesgebiet abdeckender Alpenstaat, der die seit 1815 bestehenden Grenzen gesprengt hätte, ebenso ein die deutschen Außengrenzen respektierender "Südstaat".

Begriffsbestimmung

Der Begriff union alpine (Alpenunion, Alpenstaat) ist dem Stammesföderalismus zuzuordnen. Er meinte nach 1945 den Zusammenschluss der alemannisch-bairischen Gebiete im Alpenraum - Österreich, Bayern (ohne Franken), Württemberg und Baden (jeweils nur die schwäbisch-alemannischen Teile) sowie langfristig auch der deutschsprachigen Schweiz.

Demgegenüber bezeichnet "Südstaat" in der Diskussion nach 1945 im allgemeinen eine staatliche Neuordnung im Südwesten Deutschlands, und zwar ein "Südwestland" aus Südbaden, Südwürttemberg, Hohenzollern und dem Kreis Lindau, als Vorstufe eines schwäbisch-alemannischen Stammesstaates, der in Anknüpfung an das früh- und hochmittelalterliche Stammesherzogtum, zumindest auch Vorarlberg und den größten Teil Bayerisch-Schwabens einbezogen hätte.

Entwicklung bis 1945

Die Neugliederungsdiskussion im Südwesten Deutschlands reicht bis ins ausgehende 18. Jahrhundert zurück und beinhaltete republikanische Tendenzen (Helvetische Republik) ebenso wie dynastische Erwägungen (Königreich Alemannien). Nach 1918 wurde erneut die Zersplitterung Schwabens politisch thematisiert und ein "Großschwaben" gefordert. In Vorarlberg gab es den Wunsch, der Schweiz angegliedert zu werden.

Das auflagenstärkste Buch in der französischen Besatzungszone im Jahr 1946 war Otto Fegers "Schwäbisch-Alemannische Demokratie. Aufruf und Programm". Im Zentrum der Überlegungen stand die Annahme der historischen, stammesgemäßen, kulturellen und sprachlichen Einheit der Schwaben und Alemannen. (Otto Feger, Schwäbisch-Alemannische Demokratie. Aufruf und Programm, Konstanz 1946)

Diskussionen nach 1945

Grundsätzlich ist nach 1945 in Südwestdeutschland das Streben zu beobachten, eine Zukunft außerhalb des ehemaligen Deutschen Reiches zu finden. Im Zusammenhang mit der "Abendlanddiskussion" im Sinne eines katholisch-konservativen, prononciert föderalistischen Staatsverständnisses eine Revision des "kleindeutsch-preußischen" Geschichtsbildes angestrebt. "Los von Berlin" lautete das Motto, der Ruf nach Autonomie für Heimat und Region stand dabei im Mittelpunkt. Die Zeit nach 1866/71 wurde als historische Fehlentwicklung angesehen. Beflügelt wurden derartige Überlegungen durch die Teilung der bisherigen Länder Baden und Württemberg durch die Grenze zwischen der amerikanischen und französischen Besatzungszone.

Alpenunion oder Südstaat

Nach 1945 gab es im Wesentlichen zwei Neugliederungspläne: "das Projekt einer das katholische Süddeutschland umfassenden Konföderation (union alpine, Alpenland) und die Idee eines politischen Zusammenschlusses aller im ehemaligen deutschen Reichsgebiet lebenden Alemannen und Schwaben in einem weitgehend autonomen Staat" (Klöckler). Forderungen nach "Alpenland" und "Alemannien" gehören nicht zum Separatismus. Es handelt sich vielmehr um Formen des "Föderalismus" und "Autonomismus".

Alpenlandpläne wurden spätestens ab Mitte des Jahres 1945 ausgearbeitet und fanden auch im österreichischen Bundesland Vorarlberg Verbreitung. Richtungweisend für die Diskussion wurde die Publikation "Schwäbisch-Alemannische Demokratie" von Otto Feger (1905-1968).

Ausbleiben von Erfolgen

Trotz zeitweiliger Ermunterung von französischer Seite hatten die schwäbischen Autonomiebestrebungen keine Unterstützung der französischen Militärregierung. Schauplatz der Debatten war überwiegend der Bodenseeraum. Die US-Militärregierung in Bayern beobachtete die Pläne misstrauisch, schaltete sich aber nicht ein. Wie die "Donauföderation", so wurde auch die union alpine im innerbayerischen Föderalismusstreit als Kampfbegriff verwendet, um den politischen Gegner zu diffamieren.

Dokumente

Literatur

  • Jürgen Klöckler, Abendland - Alpenland - Alemannien. Frankreich und die Neugliederungsdiskussion in Südwestdeutschland 1945-1947 (Studien zur Zeitgeschichte 55), München 1998.
  • Peter Jakob Kock, Bayerns Weg in die Bundesrepublik (Studien zur Zeitgeschichte 22), München 1988.

Quellen

  • Otto Feger, Schwäbisch-Alemannische Demokratie, Konstanz 1946.

Weiterführende Recherche

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Südstaat, Alpenstaat

Empfohlene Zitierweise

Peter Jakob Kock, Union alpine/Südstaat, publiziert am 31.08.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Union_alpine/Südstaat> (10.12.2018)